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Vijusto – Erfolgsversprechende Nischenstrategie?

Montag, 18. Oktober 2010 22:55

Das Team von Vijusto.com hatte sich schon vor einigen Monaten bei uns im Rahmen der “Ein Herz für Startups” Aktion beworben. Mittlerweile konnte ich die Geschäftsidee etwas testen und mir eine Meinung über die Idee bilden.

Vijusto verkauft individuell zusammengestellte Multivitaminprodukte. Im Rahmen einer Kurzanalyse kann man sich ein individuelles Profil erstellen und Schwerpunkte in den Anforderungen an das Produkt festlegen. Auf Basis dieser Daten stellt Vijusto ein individuelles Produkt her, dass dem Käufer für ca. 30 Tage die tägliche Vitamindosis aufpeppt. (Hinweis: Momentan scheint der Konfigurator nicht zu funktionieren)

Ich bin leider nicht der allerbeste Kunde für Vijusto, weil ich mich zu 99,9% im Jahr superfit fühle und die restlichen 0,1% auf maßlose Weihnachtsfressereien und Barcamp Eröffnungspartys zurückführen kann. Da helfen auch die besten Vitamine nichts. Trotzdem finde ich die Idee aus den folgenden Gründen smart:

  • Individuelle Produkte die mit Standardprozessen hergestellt werden können, haben in der Regel ordentliche Margen. Bei einem Gesundheitsprodukt wie vijusto gesellt ich dazu noch eine höhere Zahlungsbereitschaft.
  • Wenn man sich etwas Mühe bei der Herstellung des Produktes gibt und wirklich ein gutes Produkt herstellt, sind die Eintrittsbarrieren für den Wettbewerb respektabel. Das schützt die Margen.
  • Ähnlich wie bei mymuesli dürfte die Kundenbindung bei so einem Konzept sehr hoch sein. Das resultiert in einem hohem CLV.
  • Ich kann mir gut vorstellen die Produktpalette noch um weitere Gesundheitsprodukte zu erweitern, die sich in ähnlichen Prozessen darstellen lassen.

Ich kann trotzdem leider nicht valide bewerten, ob mit der Idee wirklich viel Geld zu verdienen ist. Legt man das Angebot an Multivitaminprodukten in Apotheken und Supermärkten zugrunde, dürfte das Potential aber enorm sein. Der Trick bei dem Modell ist die Bearbeitung des enorm fragmentierten Marktes. Ein PR Coup wie mymuesli dürfte sich nur schwer wiederholen lassen und die Bewerbung in speziellen Foren, per SEM und anderen Online Kanälen ist zumindest nicht einfach. Vijusto ist auf den ersten Blick ein Lifestyle Produkt und löst kein offensichtliches Problem. Die klassische Skalierung über transaktionsorientierte Mechanismen dürfte demnach schwerfallen.

Sollte Vijusto eine clevere Lösung für das Vertriebsproblem haben, dann steht der Idee aus meiner Sicht nichts im Wege. Ich lasse mich aber gerne von Lesern korrigieren die regelmäßig solche Produkte verwenden. Ich fühle mich ein wenig wie ein Führerscheinloser Autotester bei diesem Startup :-) . Das Team um vijusto freut sich sicher auch über gute Vertriebstipps.

Vijusto Produkte

Vijusto Produkte

Momentan rate ich Startups eher ab in dem aggressiven B2C E-Commerce Umfeld aktiv am Marktgeschehen teilzunehmen. Bei intelligenten Nischen wie Vijusto würde ich aber eine Ausnahme machen.

Bewerbe dich jetzt bei Ein Herz für Startups. Wenn du ein innovatives Startup im Bereich E-Commerce, Mobile oder Technologie betreibst und bisher nicht ausreichend Beachtung in den Blogs gefunden hast, dann schicke eine Mail an info@kassenzone.de mit den folgenden Infos:

  1. Link zu eurer Website
  2. Was macht ihr genau? Wer ist euer Wettbewerber?
  3. Keyfacts inkl. Gründerteam und Startdatum des Startups
  4. Warum seid ihr innovativ?
  5. Keine Businesspläne anhängen! (die sind meistens total langweilig)
  6. Wenn ihr länger als 5 Minuten braucht diese Mail zu schreiben, dann trifft Punkt Nr. 4. wahrscheinlich nicht zu.

Danach schauen wir uns das Startup an und schreiben vielleicht ein ausführliches Review über euer Projekt bei Kassenzone.de.

Thema: Commerce | Kommentare (12) | Autor:

Wie ticken Gründer? – Umfrage

Donnerstag, 22. Juli 2010 22:59

Hiermit rufe ich zur breiten Unterstützung von Jannes Fragebogen auf. Er untersucht für seine Bachelorarbeit die Eigenschaften von Gründern. Wenn etwas interessantes dabei rauskommt, werden die Ergebnisse hier natürlich auch gepostet.

Zur Umfrage

1. Lassen Sie sich bei der Entscheidungsfindung durch die Meinung anderer leicht beeinflussen?……

Thema: Allgemein | Kommentare deaktiviert | Autor:

Venture Capital ist tot – es lebe Venture Capital

Montag, 21. Juni 2010 20:34

In Deutschland hört man recht häufig die Kritik am hiesigen Risikokapitalmarkt. Niemand möchte in wirklich innovative Themen investieren, Copy Cats werden bevorzugt, Innovationen haben es schwer. Das sind nur einige der genannten Kritikpunkte. Umso interessanter ist die Diskussion über die Relevanz von Venture Capital überhaupt, die gerade in den USA geführt wird (via @jkrisch) und die man auch in Europa führen kann, wenn man das Konzept von Lars Hinrichs Hack Fwd genau anschaut. Chriss Sacca (CEO Lowercase Capital) wird in der Diskussion wie folgt zitiert:

But today, it is far easier and far less expensive for entrepreneurs to design, code, and launch web services. But, Sacca writes, “many traditional VC funds have been loath to admit this reality and downsize their five hundred million dollar hauls. Why? They are paid fees based upon their total amount of money managed, thus there is no incentive for them to be smaller. Yet, as they try to inject those piles of money into early stage companies, interests become misaligned and an inherent conflict between the investor and the founder often arises. Fund returns, the companies, the entrepreneurs, and the users all suffer as a result.”

Das hört sich erst einmal recht schlüssig an, aber ich glaube so schnell lässt sich Venture Capital nicht tot reden. Man kann lediglich für viele Unternehmen beobachten, dass Venture Capital in der Gründungsphase nicht mehr zwingend notwendig ist. Ggf. kann man sogar beweisen, dass VC in der Gründungsphase kontraproduktiv ist, aber dazu habe ich keine Daten. In der Regel sehen wir bei Online Startups heute in der Gründungsphase einen deutlich gesunkenen Finanzierungsbedarf, dafür aber einen umso höheren Know How Bedarf, weil der Markt (Umfeld, Wettbewerb, Technologien…) täglich komplexer wird.

Das führt dazu, dass Kapital bei der Gründung nicht so wichtig ist wie Know How. Das ändert sich ggf. in einem späteren Unternehmensstadium bei dem durch die Skalierung hohe (Marketing-) Kosten auftreten, so dass doch wieder Kapital benötigt wird. Das am Anfang gefragte Know How findet man leider nicht in den klassichen VC Strukturen – dort geht es vor allem um die Verwaltung von Vermögensanteilen. Das oft propagierte Networking hilft den Startups wenig, wenn sie ein Problem bei der Skalierung einer Datenbank haben. Diese Hilfe findet man in anderen Strukturen, die ich einfacherweise mal als Y-Combinator und/oder Business Angel Ansätze bezeichne. Es lässt sich also eine Art Verschiebung in den Finanzierungsformen erkennen. In der folgenden Grafik habe ich das mal in einem klassischem Lebenszyklusmodell eingezeichnet:

investment life cycle

investment life cycle (click to enlarge)

Kurzes Lesebeispiel: In der 1990iger Jahre haben wir auch in der Früh-Früh Phase klassische VC Investements beobachten können, während 5-10 Jahre später immer mehr Business Angel diese Rolle übernommen haben. Den FFF Part lasse ich einfacherweise mal raus. Durch die gesunkenen Anlauf  und die höheren Know How Ansprüche haben die Business Angel Investments und in letzter Zeit auch die Y-Combinator Ansätze das klassische Frühphasen VC etwas verdrängt.

Das ist tiefgreifender als es auf den ersten Blick aussieht, weil sich damit die Risikostrukturen dieser Investments vollkommen verändern. Heißt: Eine Later Stage Venture Capital Firma setzt stärker auf bewährte Konzepte und hat dadurch weniger Flops im Portfolio. Bei stark sinkendem Risikoanteil enstehen dann den VC Fonds neue Wettbewerber – Banken. Diese investieren auch bei einem überschaubaren Risiko und haben nicht so hohe Renditeansprüche.

Wenn sich die (Kosten-Runter-Know-How-rauf) Spirale noch ein wenig weiter dreht, dann könnten Banken tatsächlich zu einem relevanten Marktteilnehmer werden. Das hat dann aber auch nicht mehr viel mit Risikoinvestments zu tun. Gut für Lars Hinrichs – schlecht für VCs.

Thema: Strategie, Technologie | Kommentare (21) | Autor:

45.000 Euro für E-Commerce Startup gewinnen

Freitag, 4. Juni 2010 9:31

Die Müncher ecommerce alliance, eine Art E-Commerce Inkubator á la Rocket Internet, verschenkt im Rahmen der e-challenge 45.000€ an ein innovatives E-Commerce Startup:

Du weißt, dass du eine grandiose Ecommerce-Idee hast und willst nun an der e-challenge teilnehmen, um die attraktiven Preise abzuräumen? Dann brauchst du nur noch ein Video, das deine Idee präsentiert und das du an uns sendest!

Das Video soll uns von der Besonderheit und Einmaligkeit deines Konzepts überzeugen. Welches Problem löst es? Was ist das Neue an deiner Idee? Wie setzt dein Konzept neue Maßstäbe im Ecommerce?

Jochen von exctingcommerce sitzt auch in der Jury, so dass sichergestellt ist, dass auch wirklich jemand aus dem Innovationsumfeld gewinnt. Die Tatsache das nur Videos als Bewerbung gelten, dürfte das Bewerberaufkommen für die 45.000 Euro massiv senken. Wer hat schon neben der Standard Präsentation schnell ein Video parat? Insofern könnte sich die Teilnahme bzw. die Produktion eines 30s Videos durchaus lohnen.  Auch eine Partnerschaft mit der ecommerce alliance könnte sinnvoll sein. Deren Strategie klingt zumindest schlüssig.

Thema: Commerce | Kommentare (22) | Autor:

Online Geschäftsmodelle lohnen sich zunehmend weniger

Montag, 17. Mai 2010 6:16

Am Wochenende hatte ich endlich mal Gelegenheit mit  Statista.com Daten herumzuspielen. Als Beispielcase habe ich mich an einer eher provozierenden These versucht: Online Business lohnt nicht, weil Werbeausgaben bzw. Nutzeraufbau langsamer wachsen als das entsprechende Angebot (Content, Shops…) wächst. Die Wettbewerbsintensität steigt deshalb zu stark an.

Der Beweis:

  • Die Anzahl der Internet Hosts/Domains wächst stark  [Quelle]
  • Die Qualität/Quantität des Contents der Domains über die Zeit wächst im gleichen Maß mit [Annahme]
  • Die Anzahl der Internetnutzer weltweit/Europa wächst [Quelle]

Trägt man die Werte in einem Diagramm ab, sieht man tatsächlich, dass die Steigung der Angebotskurve (Anzahl Websites) deutlich steiler ist als die Steigung der Nachfragekurve (Anzahl Nutzer). Leider fehlt mir die Angabe der Websites in/für Europa, aber die lässt sich aufgrund der Domaininternationalität auch kaum statistisch ermitteln.Die Steigung der Kurve habe ich mit der Compound Annual Growth Rate (CAGR) dargestellt, die das Jahr zu Jahr Wachstum der einzelnen Funktionen angibt.

Anzahl Nutzer, Anzahl Websites

Anzahl Nutzer und Anzahl Websites im Vergleich (in Mio.)

Mit etwas Phantasie könnte man auch sagen, dass Europa als Markt für Online Geschäftsmodelle etwas weniger attraktiv ist im Vergleich zum Rest der Welt, weil dort das Nutzerwachstum stärker ist und deshalb der Wettbewerb etwas geringer. Interessant wird es, wenn man die Online Werbeausgaben gegen die Anzahl der Domains hält.

Werbeausgaben, Anzahl Websites

Werbeausgaben (Mrd.) und Anzahl Websites (Mio.) im Vergleich

Diese Statistik überrascht etwas mehr. Rein werbebasierte Geschäftsmodelle waren in den letzten Jahren gemäß dieser Statitik relativ attraktiv, weil der relative Wettbewerb in diesem Feld geringer geworden ist. Dazu gehört natürlich auch die eher mutige Annahme, dass das Webangebot in Deutschland analog zum weltweiten Angebot gewachsen ist. Aus diversen Quellen ist zudem zu vernehmen, dass die Ausgaben für Online Werbung in den nächsten 3-5 Jahren weiterhin stark steigen und Budgets aus der TV Werbung verlagert werden. Ich wage aber zu bezweifeln, dass die Online-Budget weiterhin mit ~30% wachsen.

Fazit & Statista Bewertung:

Statistiken, insbesondere neu aggregierte sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, weil man damit quasi alles beweisen kann. Insbesondere die zweite Grafik hier könnte hier zu falschen Schlüssen animieren. Bei genauer Analyse der Wettbewerber um Online-Werbegelder, wird man eine steigende  Konzentration der gewinnenden Geschäftsmodelle bzw. Websites feststellen können. Eine Gleichverteilung der Werbebudgets auf alle im Wettbewerb vertretenen Websites kann ausgeschlossen werden und es ist fest davon auszuegehen, dass das Werbebudget mittelfristig viel langsamer wächst als die Anzahl der um dieses Budget konkurrierenden Websites.

Aus meiner Sicht eignet sich Statista gut für diese Art von kurzweiliger Datenanalyse. Der Pool an zur Verfügung stehenden Statistiken ist groß und die Statistiken lassen sich in der Regel als .xls abspeichern, was die Nachbearbeitung stark vereinfacht. Für tiefergehende Analysen muss man allerdings noch einmal selber auf Quellensuche gehen, weil Statista im Vergleich zum Google Fundus nur einen kleinen Ausschnitt bereithält. Vielleicht kann Statista sein Geschäftsmodell zu einer Art Meta-Suchmaschine für Statistiken erweitern und den Google Fundus damit etwas vorsortieren. Das wäre sher cool.

Thema: Strategie | Kommentare (11) | Autor: