Black Friday aus Sicht der Händler

Black Friday Realitäten aus Sicht von Händlern. In dieser Folge sprechen fünf Händler über ihre Sicht auf den Black Friday.

Manuel Siskowski, Gründer und Geschäftsführer vom Werkzeughersteller Wiesemann 1893

„Unsere Spaltäxte sind wie Klopapier“ – Manuel Siskowski berichtet von Lieferschwierigkeiten aufgrund von Rohstoffknappheit, die Aktionen wie den Black Friday erschweren. Dazu kommt, dass Werkzeuge weniger stark nachgefragt würden, als typischere Consumer-Produkte.

Monique Hoell, D2C-Unternehmerin (Ex-HelloBody CEO):

Für Monique Hoell ist der Black Friday ein Event, das längst an Magie verloren hat. Die Konkurrenz der Marken ist zu hoch, Kund:innen würden viel zu viel Werbung sehen in den Social Media und daher eher negative Gefühle zum Black Friday entwickeln. Auch interessant: Die meisten Kund:innen, die über die großen Preisnachlässe gewonnen werden, rentieren sich gar nicht oder kommen erst zum nächsten großen Rabatttag wieder. Das war vor drei oder vier Jahren aber noch anders.

Erik Reintjes, Co-Gründer und GF vom Farbenhersteller Miss Pompadour:


Miss Pompadour haben sich früh dagegen entschieden, beim Black Friday mitzumachen – und haben stattdessen den „Better Friday“ ins Leben gerufen: Es gibt 10 % Rabatt für Kund:innen und 10 % des Tagesumsatzes werden gespendet. Damit wird zwar auch ein künstlicher Kaufimpuls bewirkt, aber Miss Pompadour entgeht weniger Marge – wichtig für das gebootstrapte Unternehmen.

Michael Saitow, Gründer und CEO der Saitow AG, Betreiber der B2B-Reifenplattform Tyre24:

Bei Tyre24 gibt es keinen Black Friday – „für den Bereich ist Beständigkeit wichtiger, als an einem Freitag im Jahr ein guter Preis“, so Saitow. Überhaupt liegt der Rabattkorridor bei 5 bis 20 %, wenn es etwa Aktionen zum Saisonwechsel gibt.

Philip Kehela, Geschäftsführer vom Möbel-Start-up MOKEBO:

Mokebo vertreibt Möbel über einen eigenen Onlineshop aber zB auch auf Amazon und OTTO. Das Start-up nimmt 2021 erstmal am Black Friday teil. Zuvor hat das junge Unternehmen darauf geachtet, dass die Marke nicht durch Sales-Aktionen hochgezogen wird, was schlicht nicht nachhaltig wäre. Nun aber legt Mokebo richtig los, hat sich etwa mit seinen Partnern (Möbellieferanten) auf geteilte Margeneinbußen verständigt und erstmals eine umfangreiche Marketing-Kampagne gestartet, die vor allem Erfahrungswerte bringen soll. Vorher lag der Fokus auf der steten Optimierung des Angebots.

Die Kassenzone Interviews sind verfügbar bei: Soundcloud, iTunes, Spotify, Youtube, Google Podcasts oder per RSS-Feed

Black-Friday-Spezial mit fünf Händlern

„Wie stehst du eigentlich zu Black Friday?“ Mit dieser Frage voran unterhielt sich Alex mit fünf E-Commerce-Praktikern, die über solide Geschäftsmodelle und ebenso solide Meinungen zum jährlichen Shopping-Hype verfügen.

Mit von der Partie sind: Michael Saitow, Gründer und Geschäftsführer von der Saitow AG, der im Sommer hier im Podcast war und mit seiner B2B-Plattform Tyre24 im Reifenhandel über einer Milliarde Euro umsetzt; Erik Reintjes, der erst kürzlich mit dem Online-Handel für Farben MissPompadour bei Alex war; D2C-Unternehmerin Monique Hoell, die HelloBody aufgebaut hat; Manuel Siskowksi, Gründer und Geschäftsführer vom neu- bzw. wiedergegründeten Werkzeughersteller Wiesemann 1893 (Kassenzone-Leser erinnern sich); und Philip Kehala, Geschäftsführer von der aufstrebenden Möbelmarke MOKEBO (ein weiterer Kassenzone-Gast aus letzter Zeit).

Eine Reihe von verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen rund um die E-Commerce-Vorweihnachtstradition, die so traditionell gar nicht ist. Erst seit 2006 gibt es das in Europa überhaupt – und vor 2013-2014 konnte man die Händler, die mitmachten, noch an einer Hand abzählen. Warum Black Friday (auch Black Week, Cyber Monday usw.) für die Mehrheit hier befragten Händler schon wieder keine Rolle mehr spielt, erfahrt ihr hier.

„40% Rabatt hätten extremst wehgetan!“

Manuel Siskowski, Wiesemann 1893

1:40

Alex: Manuel, zunächst mal die Frage, wie es euch seit unserem Podcast ergangen ist? Rennen dir die Investoren mittlerweile die Türen ein?

Manuel: Danke der Nachfrage. Interessanterweise kommen die Anfragen tatsächlich! Ohne zu viel Internes preisgeben zu wollen, kann ich sagen: Das Teilnehmen am Kassenzone-Podcast lohnt sich auf jeden Fall! Auch absatzseitig merkten wir etwas davon. Bei uns ist aber seit dem Sommer ein Thema beherrschend: Rohstoffknappheit und Lieferengpässe.

Alex: Wenn man sich heute für eine Spaltaxt einträgt, wie lange muss man dann warten?

Manuel: Sie kommen zwar jeden Monat rein. Die Kunden sind aber sehr aktiv und viele benutzen die Benachrichtigungsfunktion. So sind sie sehr schnell wieder ausverkauft!

Alex: Dass so eine Spaltaxt wie Klopapier von Hamsterkäufen betroffen sein würde… Aber lass uns mal über Black Friday reden: Ist das überhaupt ein Thema für euch?

Manuel: Generell ist der Black Friday bei Werkzeug gar kein so großes Thema wie in anderen Kategorien. Er spielt aber schon eine Rolle. Der Gesamt-Traffic erhöht sich in der Zeit spürbar, die Conversions sind gut. Und so haben wir das bislang als Auftakt zum Jahresendspurt benutzt. Denn gerade für den Vater und den Opa sind Werkzeuge nach wie vor beliebte Weihnactsgeschenke. In früheren Jahren hatten wir daher große Aktionen, die wir aber dieses Jahr notgedrungen stark runterfahren: Durch die gesunkene Lagermenge und mangelnde Verfügbarkeit ist es ja gar nicht mehr so nötig. Und die Nachfrage ist eh hoch. So begrenzen wir es dieses Jahr auf ein paar Artikel, von denen wir ausreichend haben. Denn es wird von den Kunden gern angenommen.

Alex: Welche Aktionen macht ihr denn genau und wie verhalten sich die Kunden, die ihr dadurch gewinnt?

Manuel: Bei uns bekommt man 20%, seltener 30% auf ausgewählte Artikel. Mehr nicht, denn es ist – außer man möchte die Produkte wirklich loswerden – eine Margenfrage. Zum einen versuchen wir mit einigen Top-Sellern über Marktplätze einen Boost in den Rankings zu erzielen. Zum anderen geht es rein um den Abverkauf. Wir haben dabei nicht das Gefühl, dass Kunden auf diese Aktionen warten. Bei uns sind sie auch nicht häufig genug, als das man das ein Warteverhalten erkennen könnte.

(Auf die generelle Frage, ob Wiesemann ein Corona-Gewinner oder -Verlierer sei, gibt es eine zwiespältige Antwort. Anfangs boomte es, weil die Leute 2020 viel Zeit zum Renovieren hatten. 2021 machten sich aber Lieferschwierigkeiten immer stärker bemerkbar und hemmten das Geschäft zunehmend. Die beiden fachsimpeln kurz darüber, wie man aus E-Commerce-Sicht am besten mit langen Lieferzeiten umgeht – und inwieweit Insourcing nach Deutschland eine Möglichkeit wäre.)

9:50

Alex: Wie nutzt du selber den Black Friday? Wartest du mit deinen Anschaffungen übers ganze Jahr, um dann abzuräumen…?

Manuel: Ich versuche dieses Jahr – vielleicht durch unsere Liefererfahrungen bedingt – alles so früh wie möglich zusammenzubekommen! Daher spielt es für mich privat nicht so die Rolle.

Monique Hoell, D2C-Unternehermin, ehemals HelloBody

11:45

Alex: Im Gegensatz zu den anderen Gästen im heutigen Format warst du noch nicht bei Kassenzone. Also: Wer bist und was machst du?

Monique: Ich hatte 2016 HelloBody gegründet. Das ist ein Online-Shop für Hautpflegeprodukte und damit gelang es uns als einer der ersten in Europa, Influencer-Marketing als Vertriebskanal zu etablieren und europaweit zu skalieren. 2018 verkauften wir an einen Private-Equity-Fonds. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits knapp 100 Mitarbeiter und machten 40 Millionen Euro Umsatz – und trafen schnell die Entscheidung, dass der Brand-Builder nicht langfristig das Richtige war. 2020 verkauften wir also erneut – an Henkel. Ich bin da jetzt raus.

Alex: Über welchen Kanal machtet ihr dann eure Umsätze? Webshops wie Hellobody.de?

Monique: Ja, eigene Online-Shops wie HelloBody.de, .fr, usw. hatten wir. Zu den europäischen Mäischen Märkten hatten wir dann auch USA-Geschäft. Ein kleiner Teil verkauften wir zudem auf Amazon, obwohl das dann eher defensiv geschah. Zum Influencer-Marketing kam dann auch Peformance-Marketing sowie klassisches CRM.

Alex: Und in dieser Zeit hast du mehrere Black Fridays miterlebt. Stellt er bei Influencer-basierten Modellen einen relevanten Schub dar?

Monique: Die ersten Black Fridays, die wir bei HelloBody erlebten, waren der Wahnsinn! Da konnten wir unfassbar viele Neukunden akquirieren und astronomische Umsätze erzielen. 2016, 2017, 2018 war das toll. Dann fingen die Wettbewerber an, sich in den Kanal zu drücken und die Akquisitionskosten schnellten nach oben.

Dazu kommt, was wir privat alle merken: Du kannst jetzt um Black Friday herum dein Instagram gar nicht mehr aufmachen, weil das so voller Werbung ist. Die positive Aufnahme von Kunden per Rabattcode ist also jetzt zu einer schmalen Gratwanderung geworden. Wenn zu viel los ist, kippt es schnell ins Negative.

16:45

Alex: Würdest du also sagen, dass die Relevanz von Black Friday für die Neukundengewinnung abgenommen hat?

Monique: Das kommt auf die Branche an – und darauf, wo du mit deinem Unternehmen dran bist und welche Strategie du verfolgst. In wettbewerbsstarken Kategorien wie Beauty und Fashion ist es deutlich teurer mittlerweile als in Branchen, wo man noch gewissermaßen auf der grünen Wiese steht. Dann kommt Markenalter und -bewusstsein: Bist du noch bei tendenziell niedrigen Akquistionskosten oder musst du bereits wegen deiner Markenbekanntheit höhere Kosten hinnehmen?

Zudem weiß ich aus der Erfahrung mit HelloBody, dass die Kunden, die man aus so einer für Black Friday typischen Preisschlacht heraus gewinnt, nicht unbedingt zu gesündesten Kohorten gehören… Wie oft kommen sie wieder? Was geben sie aus? Viele sind nur über den Preis zu motivieren – oder kommen schlimmstenfalls erst zum nächsten Black Friday überhaupt wieder.

Alex: Technisch gefragt, weil HelloBody mir nach WordPress aussieht: Oft gab es die Sorge, der Webshop würde den Ansturm um Black Friday herum nicht aushalten. War das auch bei euch der Fall?

Monique: Bei uns funktionierte es zwar immer, aber wir hatten uns immer lange im Voraus darauf vorbereitet. Und wenn große Influencer posteten und sehr viel Traffic generierten, gab es den einen oder anderen lustigen Moment! Da schmierte der Shop dann auch mal ab. Aber das sind ja Wachstumsschmerzen.

(Im Ergebnis, so Monique, säßen viele Händler mittlerweile Black Friday aus, verlängerten Aktionen und führen einfach Markenkampagnen, anstatt sich Bieterschlachten und Traffic-Stress hinzubegeben.)

20:30

Alex: Wäre es nicht mittlerweile sinnvoller, sich mit anderen Kategorieteilnehmern zusammenzutun, um die Vorteile von einem großen Sonderverkaufstag ohne die Nachteile von Black Friday mitzunehmen? So in etwa HelloBody, Douglas und Flaconi mit „Beauty Tuesday“?

Monique: Das ist gar keine so schlechte Idee! Zu meiner Zeit bei HelloBody kooperierten wir nicht mit dem Handel, sondern fokussierten uns ganz auf den eigenen Kanal, der ja wunderbar funktionierte. Ab einem gewissen Punkt muss man von Mono- auf Omnichannel umsatteln – und dann könnte das interessant sein.

Erik  Reintjes, Mitgründer und Geschäftsführer, Miss Pompadour

23:45

Alex: Du warst ja schon letztens hier, aber heute sprechen wir ja über Black Friday. Hast du Zeit – oder bist du nicht zu sehr damit beschäftigt, neue Server zusammenzulöten und die Coupon-Codes festzulegen…?

Erik: Seit drei Jahren machen wir es genau anders. Wir haben uns entschieden, nicht dem Rabattstrom zu folgen und so heißt bei uns der Black Friday „Better Friday“. Die Kunden bekommen einerseits schon noch einen kleinen Bonus; dieses Jahr sind es 10%. Andererseits spenden wir genau diesen Prozentsatz.

Wir hatten nämlich für uns gemerkt, dass bei Bestandskunden große Rabatte nicht unbedingt ein Verkaufsargument darstellen. Mit dieser Mischung aus kleinem Rabatt und „Was Gutes tun“ erzielen wir aber schon eine hohe Wirkung. Letztes Jahr hatten wir an Better Friday 60% merh Umsatz als im Vergleich zu einem Durchschnittstag. Dabei ist die Aktion ohnehin nicht zu sehr auf Umsatz und eher als Marketingmaßnahme ausgelegt.

Alex: Ihr seid noch nicht so lange am Markt. Habt ihr davor noch „klassisch“ Black Friday gemacht?

Erik: Nein. Wir haben uns damals im ersten Jahr zusammengesetzt und uns dagegen enschieden. Das war aber in erster Linie nicht einmal eine zahlenbasierte Entscheidung: Wir waren einfach persönlich von diesen Rabattschlachten genervt. So sind wir vom Anfang an in die entgegensetzte Richtung gegangen. Zudem hatten wir als junges, gebootstrapptes Unternehmen schlichtweg nicht die Möglichkeit, große Teile unserer Marge abzugeben. 40% Rabatt hätten extremst wehgetan!

26:20

Alex: Habt ihr denn über andere Kanäle stärkere Rabattaktionen gefahren? Wie verhalten sich diese Kunden im Vergleich zu den normalen Kunden, die zum Vollpreis kaufen?

Erik: Im Sommer haben wir in unserer Facebook-Grupe 50% auf ein bestimmtes Produkt gegeben. Da haben wir gemerkt, dass das Interesse riesig groß ist – vor allem bei den Kunden, die schon länger überlegt haben, ein Projekt zu machen, denen aber ein Kaufimpuls fehlte. Andere Kunden wollten nachkaufen und nutzen dann diese Gelegenheit. Solche Aktionen funktionieren, also. Sie müssen aber auch im Geschäftsmodell funktionieren!

Alex: Was wäre mit nischenspezifischen Kampangen? Oder mit viralen Kampagnen – etwa gegen rechts: „Braun muss raus!“ Nur so als Idee… Allerdings meinte Monique vorhin, dass es schwierig ist, über Abschläge gewonnene Kunden zu „normalen“ Kunden zurückzuerziehen.

Erik: Erstens: ja, so ist es. Zweitens: Farbe ist kein Impulsprodukt. Nehmen wir mal deine Idee: „Braun muss raus!“ Wir haben aber nur einen sehr kleinen Prozentsatz der Kunden, die jetzt gerade nach brauner Farbe suchen. Das würde wahrscheinlich bei Weiß viel besser funktionieren: „30% auf alle Weißtöne“? Das würde richtig knallen. Oder bei Streichzubehör wie unsere Miss-Pompadour-Pinsel.

(Alex erfragt Details zum Better Friday. Dieser wird am selben Freitag wie Black Friday über den Newsletter und andere Kanäle kommuniziert – auch mit dem Gedanken, andere Farbhersteller herauszufordern: „Ihr macht’s über den großen Rabatt. Wir wollen es mit etwas Gutem verbinden.“)

30:00

Alex: Wie nimmst du persönlich den Black Friday wahr?

Erik: Zwei Herzen in meiner Brust! Auf der einen Seite brauche ich ein neues Paar Laufschuhe und werde wahrscheinlich zum Black Friday kaufen, weil ich weiß, dass Firmen wie Nike und Reebok da sehr gute Rabatte fahren. Auf der anderen Seite: Singles‘ Day, Black Friday und Weihnachten; dann Frühjahrs- und Osterrabatt. Klar, dass der Kunde so langsam das Gefühl kriegt: „Ach, es kommt eh der nächste Rabatt. So lange kann ich warten.“ Der E-Commerce schießt sich da wohl selbst ins Bein. Eine oder zwei Aktionen im Jahr? Finde ich gut. Aber das darf nicht zu ramschig geraten.

Michael Saitow, Gründer und CEO der Saitow AG

32:00

Alex: Du bist hier insofern etwas besonderes unter den heutigen Gästen, als dein Geschäft im B2B angesiedelt ist. Bei dir bestellen die Reifenhändler und Werkstätten dieser Welt Reifen, um sie für ihre Kunden aufs Auto zu ziehen. Heute wollen wir ja über Black Friday sprechen.

Michael: Black Friday betrifft mich privat viel mehr als beruflich. Wir sind ja ein Marktplatz ohne eigenes Lager, bei dem an einem guten Tag 100.000 Bestellungen abgegeben werden; unser Marktanteil in Deutschland liegt bei 50%. Wir sind also gut im Geschäft und bei uns ist es eigentlich immer Black Friday! Und deshalb gibt es den Black Friday als solchen bei uns überhaupt nicht.

Auch privat halte ich nichts davon. Denn ich glaube, dass da viele Lagerleichen für kleines Geld verkauft werden. Und im B2B-Bereich ist die Beständigkeit viel wichtiger als ein einmalig günstiger Preis an einem bestimmten Freitag.

Alex: Und ist nie ein Händler an dich herangetreten mit dem Vorhaben, seinen Endkunden einen Black-Friday-Deal anzubieten? Das würde ja auch vom Termin total gut passen: Winterreifenwechsel. Oder haben die Werkstätte gerade deswegen ohnehin Konjunktur? Geht es ihnen vielleicht zu gut?

Michael: Nein, besonders gut geht es vielen nicht. Aber keiner hat es von uns verlangt. Und wir versuchen sowieso permanent, die billigsten Preise anzubieten. Als B2B-Plattform sind unsere Ziele: günstigstes Produkt, schnellste Belieferung. Das ist im B2B-Handel viel wichtiger, als irgendein Schnapper anbieten zu wollen.

Alex: Wie sieht es bei der Marge aus? Wäre im für Black Friday mittlerweile üblichen Korridor von 30% bis 40% überhaupt Spielraum?

Michael: Nein. Vielleicht wäre es bei einzelne Dingen wie exklusiven Felgen zwar möglich, es wird aber keiner einen neuen Felgensatz in der Preiskategorie 3.000 Euro kaufen, nur weil er gerade 20% billiger ist. Die Nachfrage würdest du so vermutlich nicht generieren.

35:05

Alex: Wie sieht es bei dir privat aus? Wartest du mit deinen Anschaffungen denn so lange, bis Black Friday ist?

Michael: Überhaupt nicht! Mich stresst das extrem, weil ich das Gefühl nicht los werde, ich werde hier verarscht. Da bekomme ich eben nicht die neuesten Laufschuhe. Oder meine Größe ist dann eh ausverkauft. Da bin ich wirklich kein Freund von und bin mir froh, wenn es vorbei ist und ich wieder normal einkaufen kann. Ich will nämlich nicht nur an einem Tag shoppen, sondern kaufe jeden Tag bei Amazon ein. Da setze ich mich nicht an einem bestimmten Tag vor den Bildschirm, um nach 20% auf irgendetwas zu suchen, das ich vermutlich nicht mal brauche!

(Alex unterstreicht, dass einige Konsumenten vielleicht auf Rabatte angewiesen sind. Jedenfalls sprechen die im Anlauf zum Termin hin abflachende Conversions dafür, dass viele aus welchem Grund auch immer in Erwartung des Sonderverkaufs mit Anschaffungen abwarten.)

36:20

Alex: Gibt es denn eigentlich in B2B Äquivalente? Also auf Zeiträume begrenzte Aktionen? Oder ist das ein reines B2C ThemA?

Michael: Bei uns gibt es schon Saisonsdeals zu den Sommer- und Winterreifenzeiten. Und übers Jahr haben wir täglich Deals, wenn einer seine Läger leermachen will. Allerdings sind wir da weit von 20% Abschlag entfernt: Hier sprechen wir eher von 5%-10%.

Philip Kehela, Geschäftsführer von MOKEBO

38:00

Alex: Ihr wart ja erst vor einigen Wochen hier im Podcast. Na? Alle Black-Friday-Pläne schon abgeblasen, weil euch die Kunden seitdem die Bude einrennen…?

Philip: Der Oktober war tatsächlich ein sehr starker Monat. Wir hatten uns nämlich die Frage gestellt, wie der Auftakt zu Q4 ausfallen würde, nachdem im ersten Quartal des Jahrs wegen des harten Lockdowns alle Möbelhäuser zu gewesen waren. Da sind wir aber schon bei diesem Corona-Niveau angekommen.

Alex: Aus dem Podcast weiß ich, dass du sehr auf Optimierung setzt: Du guckst dir genau an, was etwa bei Amazon gut ankommt, wie man Werbung am besten ausspielt, wo der Traffic herkommt. Du wirst es also genauestens wissen: Ist Black Friday ein Thema? Warten die Leute mit ihrem Möbelkauf?

Philip: Dieses Jahr nehmen wir zum ersten Mal an Black Friday aktiv teil. Bislang haben wir uns dagegen gesträubt, weil wir in der Markenaufbauphase nicht von irgendwelchen Rabattaktionen durchzogen werden wollten – sprich: immer höhere UVPs zu setzen, um sie dann groß durchzustreichen.

Aber jetzt – mit dem Wachstum unseres eigenen Webshops – haben wir uns entschieden, da mitzumachen. So haben wir schon im Vornhinein Lead-Kampagnen gefahren, die gestern abgeschlossen wurden – und haben damit bereits gute Performance-Marketing-Werte damit erzielt. Wir konnten Leads für 4 Euro generieren und boten early access für Leute, die schon früher Zugfriff auf die Deals haben wollten. Die Ziele: Erfahrungen sammeln, wie wir unseren Webshop beflüglen können und vor allem darin, wie wir den Kunden später noch aufgreifen könne und mit ihm langfristig interagieren können (etwa über Newsletter, Facebook oder Instagram).

40:30

Alex: Welche Aktionen genau habt ihr denn geplant und wie bewerbt ihr die?

Philip: Wir haben mit allen unseren sieben Möbellieferanten gesprochen und Modelle ausgewählt, die in Frage kommen. Dabei sind sowohl Long- als auch Short-Tail-Artikel. Dann durften die Lieferanten entscheiden, ob sie mitmachen wollen. Mit fast jedem sind wir auf Mokebo.de mit mindestens einen Artikel dabei.

Auf einem Black-Friday-Landing-Page sind die Produkte alle mit bis zum 30% Rabatt aufgeführt – und das ist ein ehrlicher Rabatt; so günstig waren die Produkte vorher nie. Wir teilen den Margenverzicht mit unseren Lieferanten.

Die Zielgruppen haben wir dann über Facebook- und Instagram-Lead-Ads angesprochen. Jeder, der sich für den Newsletter angemeldet hat, bekam schon zwei Tage vor dem Black Week zum Black-Friday-Landing-Page. Das ganze läuft bis zum Cyber Monday am 29. November – Da machen wir aber nichts mehr oben darauf. Man bekommt also die ausgewählten Modelle eine gute Woche lang zu einem günstigen Preis und schnell geliefert, weil sie alle schon auf Vorrat im Lager sind.

(Philip führt weiter aus, welche Werbemittel genau eingesetzt werden – und was Kunden alles vom Sitzsack und Lampe zum Schrank günstig kaufen können. Als Start-up habe man bislang eher auf anhaltende Optimierung geachtet und nicht in Sales-Kampagnen gedacht. Bislang habe man zudem auf Plattformen wie Amazon und Otto vom „halo effect“ profitiert: Wegen der schieren Masse an Kunden stieg der Umsatz an, obwohlsich Mokebo nicht an Aktionen beteiligte. Jetzt wolle man aber lernen, wie mit Rabattaktionen umzugehen ist. Zumal die Ausstrahlung von Black Friday auch umgekehrt wirkt: Kunden sind generell weniger kaufbereit in den Wochen vor und nach dem Stichtag; wer also nicht an Black Friday teilnehme, verliere darum herum Conversions und verliere, wenn er das Geschäft in der Black Week dann nicht mitnehme.)

45:30

Alex: Also für euch ist es möglicher Hebel, den ihr austestet – und hofft, dass sich die günstig gewonnenen Kunden später auch zu Normalpreisen kovertieren lassen. Da musst du uns nachher erzählen, wie das gelaufen ist.

Philip: Da teile ich dann gern das, was wir daraus lernen!

(Alex fasst zusammen: Trotz der Mokebo-Pläne ist generell die Euphorie um Black Friday abgeflaut. Es sei eine vorübergehende Trenderscheinung, der in den kommenden Jahren vermutlich auslaufen werde.)

Neue Beiträge abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.