Pro Waschmaschine bezahlen oder lieber pro Wäsche? Thomas Salditt, BSH

Bei BSH arbeiten über 50.000 Menschen an diversen, teils global bekannten Marken und fast jeder Hörer hier dürfte eines oder mehrere Produkte dieser Firma zu Hause haben. Ich habe nicht ausführlich gezählt, aber bei mir sind es mindestens acht Geräte. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Zukunft von BSH im Verkauf von Hardware liegt oder in der Etablierung von Services und ob es sich lohnt direkt an den Endkunden zu verkaufen. Jein! Soviel kann ich schon mal sagen. Bevor ihr diese Folge hört, lohnt es sich auf jeden Fall noch mal kurz in die Folge zu Vorwerk reinzuhören, weil wir im Gespräch auf darauf verweisen.

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Geschäftsmodell Waschen mit Thomas Salditt, Vice-President Digital Business Enabling von BSH Home Appliances Group

Einst Geschäftsführer vom Parfüm-Pure-Play Flaconi, davor für den Aufbau von Zooplus in der Türkei verantwortlich, und heute „Vice President Digital Business Enabling“. Doch lässt sich dieser komplizierte Titel etwas einfacher umschreiben: Thomas Salditt ist der Mann fürs Digitale bei der Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH (BSH). Über 40 Fabriken, rund 50 Märkte, 50.000 Mitarbeiter: Es geht um einen Vorzeigehersteller der deutschen Wirtschaft. Alex will wissen, ob BSH beabsichtigt, in Zukunft mehr direkt an den Endkunden zu verkaufen und ob sich das Geschäftsmodell vom Verkauf eines einzelnen Gerätes weg in Richtung Abonnements hin entwickeln wird. Zahlen pro Wäsche anstatt für eine Waschmaschine? Sieht die Zukunft so aus? Und woran erkennt ein Smart-Ofen, dass sich der Nutzer des Öfteren zur TK-Pizza greift. Die Antworten darauf – und viel mehr – gibt es in diesem Podcast.

„Wir haben schon die Möglichkeit, dir Empfehlungen zu geben – wenn du uns erlaubst, diene Daten auszuwerten.“

4:15

Alex: Alexander Birken von Otto hat letztens gesagt, er habe sich bis zur Corona-Krise nicht vorstellen können, wie viele Waschmaschinen in Deutschland noch fehlten. Da scheint es einen peak in den Bestellungen gegeben zu haben…

Thomas: Auf unserer Seite haben wir einerseits gemerkt, wie sehr unsere stationären Händler gefehlt haben. Otto und andere Onliner haben genau dieses Defizit abdecken können. In Summe haben wir gesehen, dass durch Corona der Absatz in Deutschland und allen anderen europäisch Märkten zurückgegangen ist. Ein Großteil des Weiße-Ware-Handels findet nämlich nach wie vor stationär statt.

Alex: Wir werden die Diskussion heute vermutlich etwas einschränken müssen, weil BSH so viele Marken und Märkte hat. Die vier Marken, die jeder kennt, sieht man direkt auf eure Webseite: Bosch, Siemens, Gaggenau, Neff. Dann kommen so viele andere wie Thermador, Balay, Coldex… Für welche Marken kümmerst du dich um die Digitalisierung?

Thomas: Für alle. Sie haben alle ihre Websites, Social-Media-Auftritte, teilweise Apps. Einige bestehen nur in einzelnen Märkten: Balay ist für Spanien, Pitsos für Griechenland und Profilo in der Türkei; Thermador ist eine große Marke in den USA. Jede dieser Marke hat Konsumenten – und überall auf der Welt wird das Leben unserer Konsumenten digitaler. Also unterstützen wir alle unsere Marken dabei, sich dieser Herausforderung zu stellen.

7:15

Alex: Von Bosch gibt es so eine Home-Connect-App, mit der ich meine Geräte im Keller von unterwegs aus starten kann oder zumindest deren Status einsehen kann. Ist das das, was wir unter „Digitalisierung von Haushaltsgeräten“ verstehen müssen?

Thomas: Es gibt zwei große Aspekte der Digitalisierung bei uns. Erstens Digitalisierung der Geräte – also auch Plattformen, auf der ich die Geräte steuern kann. Da sind wir mit unseren großen Marken am weitesten: Bosch, Siemens, Gaggenau, Neff und Thermidor in den USA. Wir dehnen das auf immer mehr Marken aus – und dabei unterstützen wir die Kollegen. Zweitens Digitalisierung der Customer Journey. Früher war das so, dass wir unsre Geräte hauptsächlich an Händler verkauft haben, die sich um Bewerbung, Beratung usw. kümmerten. Wir traten erst im Aftersales-Bereich mit den Konsumenten in Kontakt, sprich: Wenn das Gerät kaputtging, kamen unsere Service-Techniker ins Spiel. Was wir jetzt sehen: Der Weg zu unsere Geräten wird zunehmend digital. Und unsere Konsumenten erwarten, dass wir an den digitalen Kontaktpunkten selbst präsent sind.

So betreiben wir für unsere Marken rund 240 Websites weltweit. Auch beim Thema Direktvertrieb bieten wir unsere Marken und Märkte Unterstützung. So arbeiten wir in China etwa eng mit WeChat und Tmall zusammen. Das sind Aspekte, die für den Konsumenten im digitalen Bereich relevant sind.

Alex: In welchen Ländern kann ich denn direkt von euch Produkte kaufen?

Thomas: Du findest in vielen Märkten die Möglichkeit, bei uns direkt zu kaufen. Das fängt an bei den Werksverkäufen. Wir haben über 40 Fabriken weltweit und in der Regel hat jede davon einen kleinen Shop nebenan, wo man B-Ware oder generell aus dem ganzen Sortiment kaufen kann. In Deutschland kann man zudem durch unseren Kundendienst Zubehör und Verbrauchsartikel kaufen sowie Reparatur buchen und Beratung in Anspruch nehmen. Und in Österreich und Spanien haben wir gerade zwei Pilotprojekte laufen, bei denen wir uns intensiver mit dem Thema Direktvertrieb auseinandersetzen.

10:10

Alex: Nehmen wir DACH: Wie wichtig ist der Verkauf über stationäre Händler vis-à-vis Onlinern wie Otto, Amazon usw.? Ich habe noch nie so etwas stationär gekauft, aber ich kann mir vorstellen, dass da viele Menschen noch ins Küchenstudio gehen oder sich ihre Waschmaschine bei MediaMarkt angucken.

Thomas: Statista sagt, dass der Online-Anteil im Hausgerätebereich bei 30% liegt. Was man dabei allerdings bedenken muss: Statista führt Groß- und Kleingeräte zusammen. So werden da Waschmaschinen mit Handstaubsaugern und Stabmixer zusammengerechnet. Der Online-Anteil solcher Kleingeräte liegt vermutlich deutlich über 30%, währen der Anteil für Großgeräte – vor allem Einbaugeräte – um einiges niedriger ausfallen dürfte.

Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Großgeräte eine logistische Herausforderung für den Online-Handel darstellen (Zwei-Mann-Handhabung usw.) und dass wir in DACH noch einen sehr starken stationären Küchenfachhandel haben. Konsumenten gehen also noch häufig ins Küchenstudio. Wir werden also weiterhin sehr stark neben Schranken, Steinplatten & Co. mit gehandelt.

Alex: Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit mit Küchenstudios? Macht ihr mit ihnen Verträge, dass sie nur BSH-Geräte verkaufen? Oder können sie komplett herstellerunabhängig beraten?

Thomas: Es gibt beide Modelle: Exklusivverträge, aber auch ungebundene Studios, die neben uns auch Miele und Geräte von anderen Wettbewerbern verkaufen.

Alex: Und wie entwickelt sich der Online-Anteil gerade? In vielen Bereichen redet man über Verschiebungen von rund 10% pro Jahr: Wie sieht es bei Großgeräten aus?

Thomas: Genaue Zahlen habe ich keine. Was wir schon merken: Insbesondere bei freistehenden Geräten, die nicht alle eingebaut werden müssen (freistehende Wasch-Trockner, Kühlschränke), merken wir eine Verschiebung hin zu Online.

(Zooplus, Flaconi… Thomas verstehe den Online-Handel und müsste sich deswegen beim neuen Arbeitgeber eigentlich dafür stark machen, mehr direkt an den Kunden übers Netz zu verkaufen, oder? Thomas sagt, er habe im Online-Handel vor allem gelernt, den Kunden zu verstehen. So wolle man bei BSH im ersten Schritt den Endkunden besser kennenlernen. Darunter fielen die zwei stationären Markenfilialen im spanischen und österreichischem Markt.

Man versuche auch rauszufinden, wie der Konsument wasche und koche, um Produkte an seine Bedürfnisse besser anzupassen – Wie stark die Kühl- oder Kochleistung und wo? Welche Funktionen werden (nicht) mehr benutzt? – und die Kundenvorteile in der Bewerbung besser herauszuarbeiten.

Alex spricht Thomas auf Vorwerk an, dessen Thomas Stoffmehl erst vor kurzem bei Kassenzone zu Gast war. Für den Thermomix etwa biete Vorwerk eine Online-Rezept-Datenbank an, um Konsumenten die vollen Möglichkeiten des Gerätes vorzustellen: Sei so etwas auch im BSH-Kosmos denkbar? Thomas antwortet, es bereits im Gange: Kooperation mit Bloggern wie Sally, Rezepte und andere Informationen in der Home-Connect-App – die auch ja direkt im Backofen die richtige Einstellung vornehmen kann, sowie das eigene Content-Portal Kitchenstories.)

18:35

Alex: Wenn ich einen Blick in die Glaskugel wage, sehe ich die Zukunft so: Der Rohertrag, mit dem ihr rechnet – Großhandelspreis abzüglich Herstellungskosten – wird immer mehr an Relevanz verlieren. Dienstleistungen werden dafür wichtiger: Dass ihr Maschinen an Kunden least zum Beispiel oder Abonnementgebühren für Rezepte-Services nehmt – oder dass ihr auf ein Nutzungsgebührenmodell umstellt und der Kunde 0,50 pro Wäsche zahlt.

Siehst du das grundsätzlich auch so? Oder glaubst du, ihr werdet durch Innovationen auch in 20-30 Jahren an den Verkauf von Geräten über Zwischenhändler Geld verdienen?

Thomas: 20 Jahre? Langer Zeitraum!

Alex: In 10 Jahren?

Thomas: Wir sind jedenfalls überzeugt, dass wir auch in Zukunft über den Verkauf des Geräts an sich nach wie vor Geld werden erlösen können. Die Services, die du aufgezählt hast, sehen wir aber schon als zusätzliche Erlösquellen. Wir testen auch Leasing-Modelle und Full-Service-Pakete – gerade etwa in den Niederlanden. Darüber hinaus sind wir dabei, über unsere Home-Connect-App – die wir ja als zentrales Werkzeug begreifen – mit dem Konsumenten in Kontakt zu bleiben. Über diesen Kontakt testen wir dann Services: Neue Programme für Wasch- und Spülmaschinen; Rezeptideen, Steuerung von und zwischen Geräten…

Zum einen sehen wir hier die Möglichkeit, das Thema Zubehör voranzubringen. Denn für alle Hausgeräte gibt es fantastische Zusatzprodukte: Pizzabacksteine für den Ofen, Kochtöpfe und Pfannen für Induktionsherde, Verbrauchsprodukte wie Entkalker für Kaffeemaschinen oder Tabs für Spülmaschinen. So bleiben wir über den Lebenszyklus des Produkts mit dem Kunden in Austausch und wollen diesen Kontakt für BSH mobilisieren.

(Technische Frage: Sind Tesla-mäßige over-the-air updates für zunehmend smarte Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen denkbar? Genau das werde BSH noch 2020 zum Launch bringen: „System Master“ heißt der geräteübergreifende technische Standard dafür, der künftig das „digitale Gehirn“ aller BSH-Geräte sein wird. Für das neu Cookit – Thomas: „die schlaue Kochmaschine“, Alex: „Ach! Ein Thermomix -Wettbewerber?“ – kann man über diese Schnittstelle neue Koch- und Backrezepte und -funktionen herunterladen. „1.266 Euro? Preislich seid ihr auf jeden Fall beim Thermomix!“ merkt Alex nach einer kurzen Google-Suche an, als Thomas weiterhin den Namen des bekannten Vorreiters auf dem Gebiet meidet. Auch in Geschirrspül- und Waschmaschinen komme der System Master bald rein, macht Thomas unbeirrt weiter. Denkbarer Update: Seidenwaschgang… Alex ist gedanklich aber noch beim Thermomix-ähnlichen Cookit.

Wie dieser denn vertrieben wird, will Alex wissen. Über den Handel, über die eigene Plattform im Direktvertrieb und in einem „Ambassador-Modell“, in dem Besitzer eines Cookits das Gerät anderen vorführen… Alex wünscht sich, er hätte beim Interview mit Thomas von Vorwerk gewusst, dass BSH nun ebenfalls mit einem Beratermodell im Bereich Kochmaschinen unterwegs ist.)

26:00

Alex: Wie sieht ein typischer Kunde von euch in Deutschland aus? Wie viel Geld gibt er im Schnitt für Haushaltsgeräte aus – im Jahr oder vielleicht eher über einen Zyklus gesehen?

Thomas: Das ist für uns nur sehr bedingt nachvollziehbar, weil klassischerweise unsere Kunden die Händler sind. Aber überlege mal selber: Bei dir zu Hause hast du einen Backofen, ein Kochfeld und einen Abzug sowie eine Spülmaschine und eine Waschmaschine (und vielleicht einen Trockner); dann kommt der Staubsauger, vielleicht die Küchenmaschine. Du kommst also an die 10 Produkte ran, die du von unseren Marken kaufen kannst.

Dadurch, dass wir in Deutschland – und auch in Europa Marktführer sind – sind wir überzeugt, dass viele von den Geräten bei ganz vielen Kunden zu Hause eine von unseren Marken tragen: Siemens, Bosch oder eine lokale Marke. Was der genaue customer lifetime value eines BSH-Kunden ist, kann ich dir ehrlich gesagt nicht sagen.

(Alex geht seinen Hausstand Gerät für Gerät und Marke für Marke durch: AEG, Neff, Miele, Bosch…)

Alex: Wenn ich beispielsweise eine Abzugshaube von Siemens kaufe: Wie könnt ihr mich kontaktieren und dazu bringen, andere Geräte von eurer Marken zu holen?

Thomas: In Zukunft wird das über unsere markenübergreifende Home-Connect-App gehen. Denn sämtliche Neff-, Gaggenau-, Siemens- und Bosch-Geräte kannst du drüber steuern. Und da haben wir schon die Möglichkeit, dir Empfehlungen zu geben – wenn du uns erlaubst, die Daten auszuwerten, welche Geräte du von uns hast, wie du sie benutzt und welche Geräte – oder welchen Zubehör – du noch nicht hast.

Nehmen wir den Fall, du hast einen Backofen und erlaubst uns, deine Nutzung auszuwerten. Wir sehen dann, dass du den oft bei 180 Grad mit Umluft benutzt. Ich vermute, dass du dir da eine Pizza aufwärmst. Dann empfehle ich dir unseren Pizzabackstein, weil auch Pizzen zum Aufwärmen damit einen knusprigen Boden bekommen.

(Thomas spinnt es weiter. Wenn die Daten zeigen, dass der Ofen dann länger in Betrieb ist, um den gekauften Backstein vorzuwärmen, könnte es von Kitchenstories Tipps geben, wie man eine eigene Pizza kreiert – und eine Kaufempfehlung für eine Backmaschine, um den perfekten Pizzateig zuzubereiten. Derzeit halte sie die Zahl der so erfolgten Käufe in Grenzen, so Thomas auf Nachfrage, weil es noch ein Testfeld sei.)

31:40

Alex: Sind Käufer der einen Marke wie Siemens oder Gaggenau digital affiner und bereiter, Daten zu teilen, als etwa Käufer von Einstiegsmarken?

Thomas: Wir sehen zum einen, dass das markenabhängig ist – zum anderen aber, dass es sehr stark vom Gerätetyp abhängig ist. Wenn es klare Zusatzleistungen gibt, dann ist der Konsument eher bereit, seine Daten zu teilen. Bei vernetzen Kaffeemaschinen können wir zum Beispiel regionale Spezialitäten anbieten: Das ist letzten Endes eine Konfiguration von Bohnen, Wasser und Brühverfahren. Was wir auch anbieten: automatische Nachbestellung von Kaffeebohnen und Entkalker. Da ist es relativ einfach, den Kunden davon zu überzeugen, dass das mehrwertstiftend ist. Bei anderen Geräten ist es schwerer.

Alex: Wie verhalten sich die Händler bei diesen Versuchen? Ist es wie die Autohändler, die ja auch nicht wollen, dass die Hersteller direkt an die Fahrer wenden? Oder sagt der Tischler, der Küchen verkauft und eure Geräte mitanbietet: „Ich habe da keine Lust, den Kunden auch noch erklären zu müssen, wie die App funktioniert?“

Thomas: Wenn du eine komplette Küche kaufst und viele unsere Geräte über Home Connect vernetzen kannst, ist es einfach für den Händler, dir den Nutzen zu erklären, als wenn du nur ein einzelnes Gerät kaufst.

Alex: Ihr seid ja maßgeblich vom Handel abhängig. Gelingt es euch, einen direkten Anreiz zu setzen, dass der Händler vernetzte Produkte verkauft?

Thomas: In den meisten Ländern verlinken wir bei Produktdetailseiten auf unseren Markenwebsites direkt auf Handelspartner. Aktuell ist es so, dass die Home-Connect-vernetzbaren Geräte im höheren Preissegment angesiedelt sind, weshalb der Handel allein deswegen einen Incentive hat, diese Produkte zu verkaufen. Zudem ist auch der Handel an Innovationen interessiert, weil er seinen Kunden eine Geschichte erzählen und sie glücklich machen können möchte.

(Alex führt das Gespräch in Richtung Online-Handel – und gibt „Waschmaschine“ bei Amazon ein. Ein gesponsortes Produkt kommt von Bosch und Siemens rankt ebenfalls gut.)

37:00

Alex: Wie pflegt ihr euren Auftritt auf Marktplätzen? Habt ihr ein eigenes Team? Einen Ansprechpartner für jeden Marktplatz…?

Thomas: Auf dem Amazon- oder Otto-Marktplatz werden viele von unseren Produkten verkauft. Wir verkaufen nicht dieselben Geräte im eigenen Namen dort.

Alex: Ihr habt aber ein starkes Interesse daran, die Kundenachfrage ins Netz zu folgen und in euren Kategorien bei Amazon und anderen Marktplätzen vorne zu sein, oder nicht? Auch wenn ihr nicht als Vendor direkt einsteigt, dürfte es ebenfalls für euch wichtig sein, dass die Produktinformationen online stimmen und dass die Produkte gut dargestellt werden.

Thomas: Für größere Händler haben wir Teams, die ihnen mit vernünftigen Bildern, Feature-Stories und anderen Produktinformationen versorgen. Das machen wir vor dem Hintergrund, dass Amazon ein wichtiger Handelspartner für uns ist – also beschäftigt sich ein Team mit der Plattform und sieht zu, dass jedes Produkt von uns, das dort verkauft wird, auch gut beschrieben wird.

Alex: Die Kassenzone-These ist, dass große Händler immer größer werde und dass sich die kleinen zusammentun. Zudem wird klar, dass es abseits von Plattformen wie Amazon höchstens für große Kategorie-Spezialisten wie Thomann im Bereich Musik Platz gibt. Wie sieht es zum Beispiel mit Otto aus? Ein „Thomann der Haushaltsgeräte“?

Thomas: An den GfK-Daten kann jeder rauslesen, dass es gerade eine starke Konsolidation auf dem Handelsmarkt gibt – auch im Bereich Weiße Ware. Was wir aber auch sehen: In Deutschland ist der Küchenfachhandel recht stabil.                Das ist für uns nach wie vor ein wichtiger Kanal, weil er neben der Küche auch die Haushaltsgeräte ausreichend erklärt. Gleichwohl sind die großen Online-Händler ebenfalls entscheidend für uns, weil sie eine zunehmend wichtige Rolle im Segment spielen. Otto hast du angesprochen – und in Großbritannien etwa haben sich regelrechte Online-Spezialisten im für Weiße Ware herausgebildet. ao kennt man zum Beispiel – und sie sind mittlerweile auch in Deutschland mit ao.de aktiv. Wir arbeiten mit ihnen zusammen und sie haben eine sehr große Kompetenz auf dem Segment entwickelt.

(Laut GfK sei der europaweite Markt für Groß- bzw. Einbaugeräte – so Thomas auf eine Frage von Alex hin – 34 Milliarden Euro im Jahr schwer. Davon entfielen 8 Milliarden auf Deutschland. Statista komme auf 10,5 Milliarden jährlich mit Kleingeräten.

Alex spricht Leasing-Modelle noch einmal an: Ob es erste Erkenntnisse aus dem Pilot in den Niederlanden gebe? Dafür sei es noch zu früh, antwortet Thomas. Bei BHS sei man aber schon jetzt überzeugt, dass der Königsweg ein Full-Service-Paket aus Gerät, Einbau, Wartung und App sei, nicht nur Leasing zur Finanzierung eines einzelnen Geräts. Gerade durch die Datenauswertung über eine App könne man Wartungsbedarf erkennen, sogar vorhersehen und sicherstellen, dass der Kunde immer eine funktionierende Waschmaschine hat.)

44:50

Alex: Ich nehme immer das Beispiel von Kopfhörern auf Amazon: Mittlerweile kennt man eine oder zwei Marken, der Rest sind No-Name-Produkte aus Asien, deren Hersteller es mit teilweise sehr fragwürdigen Bewertungsmethoden nach oben in den Rankings geschafft haben. Wie groß ist die Gefahr, dass so etwas ähnliches im Segment Weiße Ware passiert? Kann es euch also auch treffen?

Thomas: Besteht die Möglichkeit? Natürlich. Wir sehen aber, das nicht nur bei Groß-, sondern auch bei Kleingeräten die Marke weiterhin eine große Rolle spielt. Über eine Präsenz auf Amazon oder meinetwegen Otto kann eine unbekannte Marke in Kontakt mit Konsumenten bekommen. Man muss aber bedenken, dass unsere Geräte Investitionen sind, mit denen man jahrelang das Essen für seine Familie zubereitet oder die Kleidung seiner Kinder wäscht. Da ist weiterhin das Thema Qualität und Vertrauen ein entscheidendes Merkmal. Wir müssen dafür sorgen, dass das, was unsere Produkte leisten, über alle Kontaktpunkte visualisiert wird und dass die Kunden auch auf Marktplätzen die Vorteile unserer Produkte verstehen.

Alex: Anders rum: Wie ist die Wahrnehmung eure Marken in China?

Thomas: Westliche – vor allem deutsche – Marken genießen generell in China einen guten Ruf Insbesondere die Marke Siemens ist in China sehr beliebt.

47:40

Alex: An die 240 Markenwebsites; einige Projekte, die in Richtung Direktvertrieb gehen… Wie groß ist euer Tech-Team?

Thomas: Eine Mannzahl zu nennen, ist schwer, weil wir in vielen Ländern mit verschiedenen Dienstleistern für eine Reihe von Themen zusammenarbeiten. Insbesondere in neuen Bereichen wie Data und Connected Device mussten wir nämlich auch erst einmal Erfahrungen sammeln oder müssen es teilweise noch. Wir haben aber die Ernsthaftigkeit der Themen für BSH erkannt und uns entsprechend aufgestellt.

Alex: Und wenn man in Deutschland im Bereich Technologie euch als potenziellen Arbeitnehmer interessant finden sollte: Wo müsste man denn hinziehen?

Thomas: Unser Hauptquartier ist in München. Da wir aber ein sehr internationales Unternehmen sind und Technologie für den weltweiten Einsatz entwickeln, arbeiten wir mit Kollegen in verschiedensten Ländern zusammen: Indien, Polen, USA, China. Aber München ist eine gute erste Station im Unternehmen!

(Zum Ende des Podcasts hin berichtet Alex von einem Besuch beim Wettbewerber mit dem Anfangsbuchstaben M: Als er nach neuesten technologische Entwicklungen im Bereich Haushaltsgeräten fragte, musste er enttäuscht feststellen, dass sich die Innovation in einem Vorratsfach für Waschmittel in einer neuen Waschmaschine erschöpfte. Ob es doch keine Neuerungen mehr in der Größenordnung Induktionsherd geben wird?

Thomas preist noch einmal die Steuerung durch den System Master an. In dieser Vernetzung sowie im maschinellen Lernen finde gerade die Innovation statt, führt Thomas aus. Bei letzterem gehe es zum Beispiel darum, dass der Ofen lernt, den für deinen Geschmack perfekten Braten zu machen. 2018 kam zudem der Smart-Kühlschrank raus, der über seinen Bestand berichten kann, um Fehlkäufe und Wegwerfen zu vermeiden. Dabei hatte Alex auf die Waschmaschine gehofft, die selbstständig die Wäsche gefaltet zusammenlegt. Aber das könne ja noch kommen! Solange gebe er sich mit dem Cookit zufrieden…)

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Eine Antwort

  1. Avatar Martin sagt:

    Danke für den superspannenden Podcast! Hinsichtlich China würde mich ja noch interessieren, ob BSH ähnlich wie Haier im Hinblick auf Industrieplattformen agiert. Einerseits haben die Cosmoplat für die Fertigungspartner, andererseits HOPE für die Community, aber beides ist verschränkt und dient auch dazu, nicht mehr auf Halde sondern auf Bedarf ausgerichtet zu produzieren. Wie machen das die deutschen Hersteller mit der starken Abhängigkeit vom Zwischenhandel?

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