„Smarte“ Schädlingsbekämpfung mit Daniel Schröer, Futura CEO

Wer hätte je gedacht, dass es mal Rattenfallen mit eigener SIM Karte gibt? Futura CEO Daniel Schröer erklärt im Podcast wie er mit solchen smarten Produkten Marktführer werden konnte, warum die Branche gerade „goldene“ Zeiten erlebt und warum es durchaus Sinn machen kann sich zum Schädlingsbekämpfer ausbilden zu lassen. Super spannend, sehr unterhaltsam und mal wieder eine echte Nische. Abgesehen von den vielen Details die Daniel verrät, ist das Geschäftsmodell auch sehr Corona resistent und mit einigen neuen Produkten im Bereich Desinfektion dürfte Futura eine goldene Zukunft haben. Was für ein Wortspiel 🙂

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Smarte Schädlingsbekämpfung mit Daniel Schöer, CEO von Futura

Weltweiter B2B-Erfolg in der Nische: Dieser urdeutsche Wirtschaftstraum ist für die vom 32-jährigen Münsterländer Daniel Schöer mitgeführte Firma Futura in Erfüllung gegangen. Ihre smarten und grünen Lösungen für die Bekämpfung von Schädlingen wie Mäusen, Ratten und Insekten verkauft das Familienunternehmen in mehr als 30 Länder an Geschäftspartner und primär über eigene Webshops – womit es selber eine Falle umgeht und den eigenen Vertrieb in der Hand hält! Darüber sowie über die Produktentwicklungsstrategie der innovativen Firma und ihre Einstellung zu Smart-Home-Plattformen geht es in dieser Folge.

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3:30

Alex: Eigentlich finde ich das Wort „smart“ aussagelos. Viele Firmen, die in der digitalen Transformation nicht weiterwissen, kommen dann mit „smarten“ Versionen ihrer Produkte. Daher musst du bitte erst einmal etwas genauer erklären, was eine „smarte“ Rattenfalle anders macht.

Daniel: Das Wort „smart“ wird in der Tat inflationär gebraucht – vor allem als branding badge. Bei uns ist das gänzlich anders. Lass mich aber erst einmal das Thema Schädlingsbekämpfung etwas umreißen. Im klassischen Sinne geht es um die Bekämpfung mit Giften von Schädlingen wie Insekten, Ratten und Mäuse – von allem, was möglicherweise Krankheiten übertragen kann. Wenn du etwa eine Brotfabrik betreibst und Ratten oder Schaben rumlaufen hast, ist das nicht gerade förderlich für die Gesundheit.

Auch Menschen, die in Dörfern oder auf Bauernhöfen wohnen, müssen sich mit Schädlingsbekämpfung auseinandersetzen. Stellen wir uns mal vor, du hast Ratten in deiner Scheune und kaufst dann von der Raiffeisen so einen Sack Rattengift, das du dann auslegst und paar Wochen liegen lässt. Wenn es den Ratten schmeckt und erfolgreich ist, dann sterben sie – irgendwo in der Scheune, oder auf dem Feld. Damit ist die Geschichte aber noch nicht vorbei, denn diese Ratten haben einiges an Gift in sich. Dann kommt zum Beispiel ein Fuchs oder eine Eule und frisst diese Ratte.

Auch in den Städten ist das ein Problem. Gibt es Ratten, wird der Gullydeckel hochgehoben und das Gift eingeworfen. Seit den 1950er Jahren ist die Toxizität potenziert worden – von Unternehmen, die daraus ein Milliardengeschäft machen. Dabei gelangt aber hochpotentes Gift in die Umwelt, ins Grundwasser. So haben mittlerweile die Umweltbundesämter dieser Welt einen Augenmerk darauf. Hunderte Studien weltweit haben Füchse, Schleiereulen und das Grundwasser auf diese Stoffe untersucht; inzwischen ist Ratten- und Mäusegift sogar in Fischen in der Mosel nachgewiesen worden.

Das Ende vom Lied: Diese Gifte werden nun regulatorisch verboten. Also braucht man Alternativen. Zudem brauchen Dienstleister, die bei Privatpersonen zu Hause oder aber auch bei Großfirmen wie Nestle und CocaCola die Schädlingsbekämpfung übernehmen, eigentlich gar keine Gifte. Es geht nämlich viel besser mit anderen Lösungen. Nur haben sich die Gifte etabliert. Da sind sie so in etwa wie der gute alte Verbrennungsmotor. Viele haben ihn lieb gewonnen und wollen sich Neuem nicht öffnen.

7:25

Alex: Als Endkunde kommt man ohnehin immer schwerer an Gift ran. Ohne Schein darf man das nicht mehr an den kleinen Raiffeisen-Ständen kaufen (von denen es ohnehin immer weniger gibt…). Klar also, dass es einen Markt für andere Methoden gibt. Wie ist eure Vorangehensweise denn anders?

Daniel: Erst einmal: Wir konzentrieren uns nicht auf Endkunden, sondern auf  gewerbliche Abnehmer. Derzeit sind wir zu 90% ein B2B-Unternehmen; B2C wird – wenn überhaupt – erst später kommen. Bei uns fing das damals 2005/2006 mit einem großen Lebensmittelkunden: Er hatte Mäuse, die das Gift gar nicht mehr aßen beziehungsweise Resistenzen gebildet hatten. So kamen wir und legten Fallen aus. Nur müssen diese laut Tierschutzgesetz mindestens einmal am Tag kontrolliert werden. Das schrie nach einer smarten Lösung.

Damals war das Thema internet of things, IoT, noch nicht so weit. Unser MVP bestand damals daraus, dass wir die Fallen mit einem Einbruchsschutzsensor von so einem Fenstergriff ausgestattet hatten. Die Schädlingsbekämpfungssachverständigen waren hin und weg: „Das ist die Zukunft!“ Da dachten wir, dass sie vielleicht recht hatten und dachten dann darüber nach, wie man das skalieren könnte.

Wenn du die smarte Lösung in klassische Fallen einbringst und diese ein bisschen weiterentwickelst, werden sie schon besser. Davon sind mittlerweile auch die Branchengrößen überzeugt. Und alle großen Player nennen sich ja auch „smart“. Im B2B haben sich diese neuen Lösungen schon verbreitet und schwappen immer mehr auf den B2C-Markt rüber.

Alex: Denken wir uns mal einen Getränkegroßhändler mit 5.000 Quadratmeter Lagerfläche. Da können immer Flaschen mit Softdrinks oder Bier kaputtgehen – ganz interessant für Schädlinge. Bisher hat er Gift ausgelegt und die eine oder andere Falle. Was macht ihr konkret anders?

Daniel: Zunächst haben wir ein Verfahren entwickelt, was nach §18 Infektionsschutzgesetz zugelassen ist. Wir arbeiten mit Schlagfallen, weil sie unter der Bandbreite an Verfahren (Klebefallen, Lebendfallen usw.) am Humansten sind. Die sind digitalisiert – und arbeiten mit synthetischen allergenfreien Kunststoffködern, die etwa nach Nutella oder Fisch riechen.

Die digitalen Sensoren musst du dir so vorstellen, dass das SIM-Karten oder Bluetooth-Sender sind, die jeden Tag eine Livemeldung funken und eine Information geben, wenn die Falle zugeschnappt ist. Dann bekommt entweder der Qualitätsmanager des Produzenten oder sein Dienstleister eine Meldung, der sich dann darum kümmert.

(Üblich seien in der Schädlingsbekämpfung Jahresverträge. Der Kammerjäger komme dann einmal im Monat zum Getränkelager und müsse erstmal alle 30 bis 40 Fallen ablaufen, gegebenenfalls tote Tiere entfernen und Köder tauschen. Das sei eine stumpfe Arbeit. Digitale Fallen müssten aber nicht mehr händisch abgecheckt werden. Man müsse dann nur noch Falle 204 in Lager 4B ansteuern, die Maus entfernen und dann gucken, ob es irgendwo ein Loch gibt…)

12:10

Alex: Wie funktioniert euer Erlösstrom dabei?

Daniel: Wir haben einerseits eine Herstellungsfirma – Futura – und andererseits eine Dienstleistungsfirma Biotech Klute. Letztere hat Techniker in ganz Deutschland, die zu verschiedenen Kunden hinfahren und sich vor Ort kümmern. Hier setzt sich der Erlös aus dem Verkauf oder hauptsächlich aus der Vermietung von digitalen Fallen plus die Dienstleistung (von z. B. IHK-geprüfte Sachverständige oder Biologen). Bei Futura erzielen wir einen Erlösstrom durch die Herstellung von IoT-Hardware und -Software. Initial verkaufen wir eine digitale Mausefalle – relativ niedrigmargig. Es gibt laufende Kosten für SIM-Karten usw., die wir natürlich gedeckt haben wollen – was wir mit unseren Dienstleistungen wie Datenanalyse tun, die wir uns jährlich in so einer Art Abo-Modell entlohnen lassen.

Alex: Wie groß seid ihr denn? Und verhält sich das zum Schädlingsbekämpfungsmarkt (in dem ich mich ehrlich gesagt noch nicht so auskenne…)

Daniel: Als Kennziffer: Wir machen um die 10 Millionen Euro Umsatz und haben eine noch nicht ganz sechsstellige Zahl an smarten Geräten da draußen. Zum Markt: Als Marktführer kann man sich ja immer bezeichnen, solange man die Nische schön kleinzieht – und das haben wir eine Zeit lang so geschafft. Bei digitalen Fallen lagen wir lange Zeit vorn. Das wird sich allerdings gewandelt haben, seitdem sich milliardenschwere Dienstleistungsfirmen wie Rentokill oder Anticimex, die weltweit agieren, eigene smarte Systeme entwickelt haben. In der Menge und Breite werden sie jetzt sicher Marktführer sein.

(Danach wird der Markt beziffert: Einen Gesamtumsatz von einer bis zwei Milliarden werde, so Daniel, der Verkauf von Insektiziden, Gift und Fallen sowie die dazugehörigen Dienstleistungen verursachen. Davon seien aber Pflanzenschutzmittel ausgenommen. Das sei ein anderes Segment.

Daraufhin fragt Alex nach dem Stand in anderen Ländern: Seien auch hier die USA digitale Vorreiter? Alles andere als, antwortet Daniel. Digitale Schädlingsbekämpfung sei in Europa vier bis fünf Jahre weiter als in Amerika. „Endlich etwas, wo Deutschland vorne liegt!“ freut sich Alex. Wie es in Asien sei, wo die ganze Sensorik ohnehin herkomme, fragt er als nächstes. Auch Asien gegenüber, so Daniel, sei Europa weiter. B2B-Dienstleistungsverträge in der Schädlingsbekämpfung liefen extrem lange, so seine Erklärung, und daher verändere sich der Markt in Schneckentempo.)

18:00

Alex: Wie viele Schädlingsbekämpfer gibt es denn so in Deutschland?

Daniel: Zwischen 1.000 und 1.500 Unternehmen, wovon aber sicherlich 90% Ein-Zwei-Mann-Buden sind, die vor allem für die Landwirtschaft und kleinere Läden tätig sind. Dann gibt es so an die Hundert Betriebe, die hierzulande seriös B2B-Dienstleistungen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie anbieten.

Alex: Und wie wurdet ihr aus Paderborn heraus in diesem Markt so groß?

Daniel: Ich breche mal hier eine Lanze für Paderborn: Das ist das Silicon Valley Deutschlands! Wie wir das geschafft haben? Oliver, der Futura gegründet hat und neben dem ich hier Geschäftsführer sein darf, ist zehn Jahre älter als ich und unglaublich unternehmerisch. Von ihm habe ich sehr viel gelernt. Wir fungieren für einander als Sparringpartner – und arbeiten schon seit immer nach dem jetzt unter Start-ups weit verbreiteten Prinzip test and learn. Mit wenig Budget einfach mal was ausprobieren! Umsetzung ist wichtiger als Kontrolle!

Beispielsweise haben wir aus unserem Online-Shop fürs B2C-Geschäft sehr viel lernen können und beherrschen Werkzeuge wie Google und Facebook. So haben wir vor vier Jahren die Marke „Green Hero“ ins Leben gerufen, um Amazon und andere B2C-Lösungen auszuprobieren. Im B2B haben wir zudem ein sehr breites Feld, das wir bespielen können – und überlegen uns immer grundsätzlich, was am bequemsten und einfachsten für unseren Geschäftskunden ist. Wir gucken auch, was GAFA und Amazon machen, da sie in USA schon viel mit Dienstleistungen ausprobiert haben. Wir wenden disruptive Ansätze an – in einem Markt, der extrem konservativ ist und von Familienunternehmen geprägt, die höchstens mal SEO kennen.

(So habe man mit dem Vertrieb und Kundenservice über WhatsApp angefangen, so Daniel weiter. Wie der Geschäftskunde Getränkemarktleiter erst einmal zu Futura/Biotech Klute finde, will Alex wissen. Da gebe es keine einzige Antwort darauf, antwortet Daniel. Die meisten Betreiber von Lagerhäusern oder Großmärkten hätten schon Verträge. Regulatorisch passiere aber gerade einiges und zudem müssten sich Lebensmittelproduzenten neuerdings zertifizieren lassen, damit sie Supermarktketten beliefert können. Laut IFS-Standards dürfe kein Gift mehr in der Lebensmittelherstellung ausliegen: Oft googelten dann Kunden nach Futura-Produkten und verschickten Anfragen.

Daraufhin lässt sich Alex von Daniel eine Falle vor der Kamera vorführen: Es sehe aus, so Alex, wie eine normale Falle, nur mit einem flachen Unterbau als Gehäuse für das Smart-Package samt Akkus.)

24:55

Alex: Wie lange hat es gedauert, so ein elektronikintensives Produkt zu entwickeln – und was genau ist euer geistiges Eigentum in der Wertschöpfungskette?

Daniel: Das war ein wirklich großes Projekt, weil Schädlingsbekämpfung sehr speziell ist: Von den 1.500 Betrieben in Deutschland kauft vermutlich jeder eine ganz eigene Zusammenstellung ein. Es gibt bestimmt 50 Modelle von so einer durchschnittlichen Mausefalle, 100 verschiedene Köder… Es gibt nicht ‚Die Falle‘. Das heißt, dass wir alles selber durch alles Iterationen bauen und ausentwickeln mussten. Anfangs hatten wir nur ein smartes Gerät mit GSM entwickelt und verschiedene Fallen zugekauft. Das hatte aber keinen Sinn, ein teures IoT-Teil mit einer billigen, schlecht gemachten Falle zu verheiraten.

So mussten wir alles selbst machen, von 3D-Druck bis hin zu Werkzeugbau und Fertigung in Deutschland und China. Alles gehört uns: Von den Markennamen „Guerilla Traps“ und „Nara“ bis hin zum Endprodukt und den davon generierten Daten sowie die Apps und die Server dahinter.

(Daniel geht näher auf den Produktentwicklungsprozess im Team ein – und beschreibt, wie sowohl die Fallen als auch die Software von Jahr zu Jahr verbessert werden.)

27:45

Alex: Unter eMitter.info trägt man die Rattenfallen von euch ein. Wertet ihr die Ortungs- und Aktivitätsdaten aus, um etwa vor Rattenplagen in bestimmten Gebieten zu warnen?

Daniel: Schön wäre es, anhand der Daten sagen zu können: „2020 wird ein Rattenjahr! Ihr müsst präventive Maßnahmen ergreifen und ganz viele Fallen kaufen!“ So leicht ist es aber faktisch nicht – und wir sind noch nicht so skaliert, dass wir zuverlässig wie so eine Art Wetterkarte fungieren können. Aber natürlich können wir schon sehen, wo was passiert.

Für uns ist es zwar schon spannend, bei unseren Partnerunternehmen, die teilweise viele Tausend Fallen aufgestellt haben, reinzugucken und zu sehen, wo sie ihre Kunden haben. Ich muss aber zugeben, dass wir noch nicht so weit sind, wirklich einen sinnstiftenden Mehrwert aus den Daten zu generieren, die wir haben. Anders ist es beim Dienstleister und seinem Kunden: Für die ist es ein unglaublicher Mehrwert!

30:00

Alex: Es gibt ja diverse Smart-Home-Anbieter – und unser Spryker-Kunde Hornbach macht sich daran, so eine Art Dachlösung dafür zu entwickeln. Oder Gardena, das einen Gateway für Smart-Lösungen im Garten betreibt. Extrem schlau, wenn du mich fragst. Ergibt es strategisch mehr Sinn für euch, euch in diese Lösungen zu integrieren – etwa in der App von Gardena oder Hornbach so eine Fallenübersicht anzubieten, wenn sie ihre API für euch öffnen – oder versucht ihr, selber was zu entwickeln. Die Frage geht ja Richtung platform ownership

Daniel: Klar, Plattformökonomie ist ein spannendes Thema. Und im IoT-Bereich gibt es gerade unheimliche viele: Apple Homekit, Gardenas und wie diese Plattformversuche mit APi alle heißen…

Alex: Sind das wirklich so viele? Google macht das, Amazon, Apple… Aber dann lande ich schon bei Hornbach.

Daniel: Es gibt viele kleine, die man nicht unbedingt kennt. Zum Beispiel hat Viessmann vor einem paar Jahren einen kleinen Anbieter aufgekauft: Sie waren mit viel Kapital ausgestattet und hatten ein großes Team – und hatten alle möglichen Sensoren gebaut, Standards entwickelt und in einer tollen App kombiniert. Jedenfalls sind es sicherlich ein paar Dutzend – und sie sind alle bisher noch nicht so erfolgreich gewesen.

Dabei stimmt es schon: 2020 werden Prognosen zufolge 50 Milliarden IoT-Geräte am Funken sein – und das wird eine klassische Schlacht der Plattformen sein. Ich glaube, die GAFAs haben guten Chancen, auch hier zu Hauptanbietern aufzusteigen. Bei Gardena und Hornbach finde ich es vernünftig, dass so sie etwas für ihre Geräte bauen – allein aus Markensicht. Auch wir sind in unserem Segment Plattform und integrieren verschiedene Geräte von Mitbewerbern.

Alex: Aber angenommen, Hornbach sagt: „Daniel, möchtet ihr nicht eure Produkte bei uns integrieren?“ Was erwiderst du? „Ja, aber nur wenn wir im Gegenzug Kundendaten von euch bekommen.“

Daniel: Nein. Wir sind immer offen dafür, weil es sinnvoll ist, für den Kunden in der Breite erreichbar zu sein. Anfragen bekommen wir oft – auch, um die IoT-Devices von anderen auf unserer Plattform einzubinden. Und das machen wir auch sehr häufig.

(Daraufhin beschreibt Alex seine eigene Erfahrung mit den Futura-Fallen, die er bei sich aufgestellt  und angemeldet hat. Er könne sich kaum vorstellen, dass Kunden, nachdem sie zu Futura-Produkten gewechselt sind, wieder weggehen. Daniel bestätigt: Kundenbeziehungen gingen eher dann zu Ende, wenn beispielsweise eine kleine Bäckerei pleiteginge. Man habe eben ein Produkt, wonach die Leute suchen – in der Qualitätsstufe Made in Germany. Zudem habe Futura den Vorteil, so Daniel, ein Familienunternehmen zu sein, das ohne Fremdfinanzierung auskomme und daher agil agieren könne.)

35:55

Alex: In der Landwirtschaft ist der technologische Fortschritt noch nicht mit voller Wucht angekommen. Ist das ein Bereich, der für euch interessant ist? Oder ist der Schädlingsbekämpfungsmarkt groß genug, dass ihr allein dort auf 100 Millionen Euro Umsatz wachsen könnt?

Daniel: Kurze Antwort: Ja, erst einmal Fokus auf Schädlingsbekämpfung. Anfangs haben wir Fenstergriffe und Lichtschalter und all so einen Kram bei uns im Portal integriert, um als single solution partner unterwegs zu sein. Damit sind wir zu Kunden im Lebensmittel- und Pharmasegment und haben sagten: „Leute, wir können dies und wir können das…“

Alex: Und das hat nicht geklappt?!

Daniel: Rückblickend glauben wir, dass das daran lag, dass man als Schädlingsbekämpfer dafür nicht so richtig die Kompetenz zugeschrieben bekommst. So haben wir die Devise ausgerufen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Wir lieben unser Segment, weil er wirklich sinnstiftend ist. Zudem machen wir auch was ökologisch gutes. Und wir sind hochdisruptiv in unserem Markt, weshalb uns das alles Spaß macht.

Schädlingsbekämpfung ist also für uns groß genug. Wir planen auch keinen großen Exit, sondern sind ein profitables Unternehmen – und freuen uns einfach, dass wir mittlerweile Vorträge vor der Europäischen Kommission zu unserem Thema zu halten.

Ich unterscheide in unserem Markt ja in drei Kundensegmenten: Industrie (Food- und Pharmaproduzenten), B2C (beispielsweise Alex Graf zu Hause), Landwirte (die ja ihre Ernte vor Mäusen schützen müssen). Das macht unseren Markt spannend genug. Dann musst du dir vorstellen, wie viele Millionen Fallen es von allen möglichen Schädlingsbekämpfungsdienstleistern in Logistik-, Lebensmittel- und Pharmabetrieben gibt: Der Markt ist also auch groß genug – und es dauert sehr lange, flächendeckend reinzukommen. Daher sind wir sehr zufrieden.

38:30

Alex: Habt ihr nicht das „Amazon-Risiko“, dass ein Anbieter aus Asien ähnliche Produkte über Marktplätze direkt an den Kunden anbietet?

Daniel: Wir hätten durchaus die Macht, es mit Wettbewerbern aus Ostasien aufzunehmen. Zumal wir preislich nicht unattraktiv liegen, wenn du als B2B-Kunde paar Stück abnimmst. Und es ist keine Preissache, weil die Mehrwert, die wir liefern, weit darüber liegt. Amazon ist aber sicherlich etwas, was man auf dem Schirm haben sollte – auch im B2B. Ich habe dich ja damals über Gisbert Rühl von Kloeckner kennengelernt und ich fand die Vorstellung von Amazon im Stahlhandel faszinierend. Aber Amazon sucht sich erstmal Volumen und Marge. Bei uns ist der Markt zu klein, als dass Amazon auf Sicht einsteigt. Wobei du in USA schon einen Dienstleister über Amazon buchen kannst, der zu dir in den Garten kommt und mit einer Giftspritze hantiert… So wird es wahrscheinlich irgendwann kommen – vor allem dann, wenn Alexa noch mehr mit Home-Automation zusammenwächst.

Zum Glück haben wir aber uns entschieden, mit einer eigenen Marke Amazon als Spielfeld zu benutzen: Mit Green Hero vertreiben wir dort Tierpflegeprodukte und haben so Erfahrung im Umgang mit dem Konzern sammeln können. Mittlerweile ist das sogar ein sehr profitabler Teil unserer Firmengruppe geworden. So planen wir, unserer B2C-Fallen auch über Amazon erhältlich zu machen und mit Alexa zu verbinden. Stell dir mal vor, du kommst nach Hause und Alexa sagst: „Alex, du hast in Falle Nr. 1 eine Maus gefallen!“

(Zudem habe Futura die erste ultra-low-power Kamera der Welt patentieren lassen, die bald in allen Fallen eingebaut werden wird. Mit der Ausbreitung von 5G habe man auch die Chance, mit Livevideo zu arbeiten.

Alex beschreibt den Notstand in seinem Nachbardorf: Wie kommen denn Privatkunden, die von Ratten geplagt werden, an Futura-Ausrüstung? Daniel plädiert immer dafür, einen professionellen Dienstleister zu holen. Ratten übertragen Krankheiten und können existenzielle Schäden anrichten. Und für Privatkunden lohne es sich nicht, Futura-Technologie zur einmaligen Bekämpfung zu kaufen.)

44:10

Alex: Ihr bietet im B2C Produkte wie Nahrungsergänzungsmittel für Tiere auf Insektenbasis an. Welche Expertise habt ihr aus der Schädlingsbekämpfung im Bereich Tiernahrung?

Daniel: Produktkompetenz, ganz klar: Wir haben uns das selbst beigebracht. Problemaufstellung, Recherche, Produktentwicklung. Zum Beispiel Pferde: Man benutzt immer so einen Spray, um die Bremsen fernzuhalten – aber das ist Nervengift! Das Pferd kann sich nicht mitteilen und sagen: „Lass das! Ich habe Kopfschmerzen!“ Schon als Anwender merkst du aber, dass du davon Kopfweh bekommst. Das hat mich gestört. So haben wir uns überlegt, was man anders machen könnte – und haben jetzt „Bremsen-Ex“ als natürliche, biologische Alternative zum Fernhalten von Bremsen auf Pferden. Das ist so ein Beispiel für unsere Produktinnovation.

(Daniel spricht weiter über die schädigenden, teilweise gefährlichen Chemikalien, die immer noch in der Insektenbekämpfung – etwa bei Wespenbefall – in der häuslichen Umgebung verwendet werden: Hier müssten Alternativen her. Daran arbeitet Daniel gern.

Zum Schluss besprechen die beiden die Vertriebsstrategie für solche Produkte: Alex wundert sich, dass Daniel exklusiv online über den eigenen Shop und über Amazon verkauft, obwohl viele Tierhalter bestimmt stationär einkauften. Daniel führt die niedrigen Margen im Einzelhandel als Begründung auf. Das Unternehmen sei mit hochwertigen, natürlichen, in Deutschland hergestellten Produkten wie Green Hero nicht auf Masse aus – und brauche Marge, um weiterhin Mittel zum Investieren zu haben. Klein sei hier fein, stimmen Daniel und Alex abschließend überein.)

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