„Ich würde gerne in der Stadt einkaufen, aber der Service dort ist so schlecht.“ Deutschlandfunk Kultur

Auf meinem klar vorgezeichneten Weg zum E-Commerce Experten bei Stern TV, durfte ich am Wochenende im Deutschlandfunk Kultur das Thema Onlinehandel diskutieren. Die hervorragende Moderation Gisela Steinhauer hatte zum Gespräch eingeladen und die Runde wurde komplettiert durch Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V.. Passend zum Weihnachtsgeschäft wurden die folgenden Fragen diskutiert: Ist der Schaufensterbummel bald Geschichte? Welche Konsequenzen hat der Online-Shopping-Boom? Wie können beide Einkaufswelten verbunden werden? Wie werden wir in Zukunft einkaufen? Das Sendungsformat am Samstag Vormittag lädt Zuhörer dazu ein sich zu beteiligen und ich hatte mir schon ein paar Argumente zurechtgelegt, um die verbalen faulen Eier, die normalerweise auf mich als bösen Onliner geworfen werden, abzuwehren. Aber es kam dann doch anders als gedacht. 

Nachdem Nils Busch-Petersen seine nachvollziehbar aufmunternden Argumente für den stationären Handel aufgezählt hat und ich meine dunklen Thesen aus der hintersten Ecke der Kassenzone verkündet habe, haben tatsächlich viele Leute angerufen und auch einige per Facebook kommentiert. Eine der ersten Anruferinnen, eine ältere Dame, hat sich als Fan des stationären Einzelhandels geoutet, aber sie kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum man im Winter im Kaufhaus noch nicht mal eine Garderobe finden kann, um eine Jacke/Mantel abzugeben. Und überhaupt ist der Service heute nicht mehr so gut, da könne sie auch die Leute verstehen die online kaufen. Das leuchtet ein. Neben den Anrufern, die den stationären Handel mit der (Pferde-) Kutsche verglichen haben, gab es auch etwas Kritik zum Thema online (Verpackungsmüll), aber nicht mal ansatzweise so stark wie ich es bisher erlebt habe. Wer Lust und Zeit hat, kann das Gespräch nun nachhören. Ich übe derzeit meine Stern TV Grimassen. Aber wer weiß, jemand sagt mir letzte Woche, dass ich eher so ein Radiogesicht habe. Vielleicht bleibe ich da besser beim Deutschlandfunk 🙂

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

9 Antworten

  1. Florian sagt:

    Hallo Alexander,

    zu Weihnachten gab es auch auf Mopo.de ein Plädoyer für den stationären Handel
    (https://www.mopo.de/hamburg/ein-plaedoyer-fuers-analoge-einkaufen-warum-amazon—co–unsere-city-ruinieren-28963374)

    10 Jahre zuvor hat die Mopo ebenfalls über das Thema geschrieben. Hier die Zahlen:

    2007 wurden lt. Mopo 18 Mrd.€ Online-Umsatz gemacht. 360 Mrd. € hat der deutsche Einzelhandel insgesamt gemacht. Online machte somit einen Umsatzanteil von 5% aus.

    2017 nennt Mopo folgende Zahlen:
    49 Mrd.€ via Online
    501 Mrd.€ insgesamt
    Online-Umsatzanteil ca. 10%

    Nach diesen Zahlen wäre somit auch der stationäre Umsatz in den letzten 10 Jahren gestiegen… Kannst du diese Zahlen nachvollziehen. Ich weiß, Mopo ist nicht die seriöseste Quelle…

    • Rolf Horstmann sagt:

      Hallo Florian,

      zu den Zahlen kann ich nichts sagen, aber der Artikel ist doch das typische Deutsche MIMIMI zum Thema online vs. offline. Online ist alles Böse und schlecht, der kleine Laden um die Ecke ist doch das einzig Wahre. Das für jeden MINI-Laden ein LKW Waren durch die Stadt fährt – geschenkt. Das die Sortimente in den kleinen Läden oder die vorhandene Mengen eingeschränkt sind – kein Wort dazu. Mehr Kontakt zu Menschen und zum Geld – ist schön, kostet mich aber auch das wertvollste, was es Heute gibt – Zeit. Womit wir auch beiden Ladenöffnungszeiten sind. Ich schoppe gerne abends um 20 Uhr, bequem auf dem Sofa, oder auch Sonntags ganz entspannt. Dafür muss in dem kleinem Laden keiner arbeiten gehen, mehr Zeit für uns alle.

      • P. Kalmutzki sagt:

        Also nachhaltig ist Online-Handel defintiv nicht. Die Lieferketten sind deutlich länger und aufwändiger. Die Ware kommt erst von der Industrie zum Online-Händler und wird dann in einzelne Pakete verpackt und wird anschließend vom Paketversender einzeln zugestellt. Da kann die Post mit noch so vielen Elektroautos rumfahren, große LKW sind immer mit im Spiel. Da kann über die ach so kostbare Umwelt noch so viel Sorge erhoben werden. Am Ende ist sich jeder selbst der Nächste. Es ist und bleibt ein Umweltskandal über den keiner reden mag. (Und nein, ich bin keiner von den Grünen.)
        Des weiteren zahlen die stationären Händler die hohen Mieten in der Innenstadt. Damit werden die Bausubstanzen erhalten. In historischen Städten ist das sehr wichtig. Am Ende wird es der Kunde entscheiden ob verödete Städte der Bequemlichkeit weichen werden. Ich glaube es nicht, es hängt aber eher vom Geschick der stationären Händler ab. Der Gedanke, daß kleine Händler es mit der Komplexität des Internets aufnehmen könnten ist grotesk. Hier sind eher Spezialisierungen gefragt. Diese sind jedoch sehr risikoreich und trendbehaftet und spielen zudem nicht die erforderlichen Umsätze ein. Also ist der kleine Händler auch ein Stück weit von seinem grausamen König abhängig.

        • Wie genau ist das denn ein Umweltskandal? Es ist doch deutlich effizienter, wenn das (Elektro) Auto der Post mit einer Fahrt 50 Haushalte bedient und nicht 50 (Benzin/Diesel) Autos der Haushalte selber zum nächsten Händler fahren, oder? Wie viele „Pakete“ stecken denn im Schnitt im Kofferraum eines Kunden, wenn er aus der Stadt kommt?

          • P. Kalmutzki sagt:

            Wenn ich allein von mir selbst ausgehe, habe ich vor zwei, drei Jahren noch um die 50 Online-Käufe im Jahr getätigt. Rechne ich nur den Verpackungsmüll, bekomme ich garantiert eine große, blaue Hausmülltonne gefüllt. Es sind allerdings nicht nur Papier und Pappe in der Sendung enthalten sondern auch Kunststoffe, Kleber und Druckerschwärze. Bei Millionen von Haushalten dürfte das schon eine beträchtliche Masse ergeben. Es wird ja mittlerweile jeder P…ps online gekauft.
            Wenn ich mich als Kleinsthändler sehe und meine Warenlieferungen durchschnittlich 90 Einzelartikel in 2-3 großen Kartons enthalten, ist das deutlich effizienter als wenn ein Postauto (ob Diesel oder E-Mobil) 90 Haushalte anfährt.
            Die meisten Menschen leben sowieso in der Stadt. Die Einwohnerzahlen großer Städte wachsen permanent. Ein großer Hersteller von Luxusartikeln hat mir gegenüber einmal eingeräumt, daß der überwiegendeTeil seiner hauseigenen Online-Kunden aus Hamburg, Berlin, München und hauptsächlich aus größeren Städten stammen. Gerade in großen Städten gibt es ein ausgeprägtes Händlernetz mit vielen Flagstores. Ich könnte mich also auch zu Fuß aus dem Haus begeben und den Artikel im Geschäft erwerben. Wenn ich jetzt noch ein Auto hätte mit dem ich 50 km elektrisch fahren könnte, weil ich ja eh jeden Tag zur Arbeit in die Stadt fahre, wäre das mit dem Kraftstoff auch geklärt.

            • Ok, lass uns doch mal die Argumente trennen.

              a) Müllproblem: Für viele Artikel stimmt deine Argumentation, für viele aber auch nicht (Elektronikprodukte, größere Verbrauchsmaterialien usw.), aber gehen wir mal davon aus, dass 50% mehr Müll anfällt aufgrund der Verpackungsproblematik und davon ist ein Teil nicht wiederverwendbar. Da wäre für mich die Frage wie groß dieser Teil ist. Bei Papier sind es ca. 70%, bei Plastik?
              b) Benzin/Fahrtkosten: In dem Punkt gibst du mir indirekt Recht, bzw. widersprichst zumindest nicht. Wenn nun alle Leute in der Stadt alles zu Fuß einkaufen würden was sie denn könnten, dann könntest du Recht haben. Abgesehen davon wohnen die meisten eben nicht nah dran an den relevanten Stores, auch nicht in der Stadt.
              c) Convenience. Die Leute shoppen nunmal gerne vom Sofa aus. Es ist bequemer, oft ist der Service besser und die Käuferrechte sind deutlich besser. Zu Hause gibt es auch eine Garderobe 🙂

    • lala sagt:

      Hallo Florian,

      wenn du Zahlen von 2007 zu 2017 über einen damaligen Presseartikel zu einem heutigen Presseartikel vergleichst (360 Mrd. Euro zu 501 Mrd. Euro) fehlt dir der Inflationseffekt. Ohne Zinses-Zins Effekt sind es bei 2% pro Jahr* schon 360+70 = 430 Mrd. (* sind über Kopf gerechnet nur 1,5 Jahr – aber mit Zinses Zins passt 2%)
      Trotzdessen evtl. eine Steigerung – aber:
      Beim Online Anteil ist immer die Frage Einzelhandel inkl Lebensmittelhandel oder rausgerechnet.
      Es gibt Statistiken die besagen, dass der Online Anteil am Einzelhandel (Lebensmittelhandel rausgerechnet!) bei 20% aktuell liegt.
      Der Mopo Artikel sagt nix darüber ob mit oder ohne Lebensmittel. Und den Artikel von 2007 finde ich nicht. Evtl. (!) hatte der 2007er Artikel Lebensmittel rausgerechnet (?)

  2. Radiogesicht – der ist gut

  3. Irritierend finde ich das Entweder-Oder in dieser Diskussion: Es läuft doch überhaupt nicht darauf raus, dass wir entweder online oder stationär einkaufen werden, sondern uns den Kanal suchen, der am besten zur aktuellen Situation passt. Ja – der Einzelhandel muss endlich wieder Service in den Blick nehmen und dafür vor allem sein Personal schulen und wertschätzen. Beides ließe sich auch mit einer stärkeren Verknüpfung von Online und Stationär erreichen. Und der Online-Handel? Also als Konsument finde ich Amazon und andere Marktplätze inzwischen so unübersichtlich, dass ich dort nur noch suche und nicht mehr kaufe. Es fehlt immer noch an guten, verständlichen und kundennahen Prodsuktbeschreibungen und vor allem an schöner Präsentation. Und unmenschlich und assozial finde ich nicht das Verpackungs-, sondern das Personalproblem, insbesondere in der Logistik. Es vergällt mir den Konsum, wenn ich weiß, dass der Bote, der mir meine Genuss-Lederjacke bringt, sch…. bezahlt wird und kaum davon leben kann. Dann lieber in die Boutikke. Außerdem ist auch im Online-Handel nicht alles komfortabel, Stichwort „Letze Meile“, Bezahlung, Datenschutz und -Sicherheit, Tracking und sinnlose Werbeflut etc.pp Und an diesem Punkt bricht dich die ganze Diskussion auf Service runter. Wer mein Geld will in diesem Überfluss, muss sich halt mehr Gedanken machern – egal ob er online oder stationär verkauft, oder nicht?

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