Der Spiegel #50: Das gelieferte Fest

spiegel-festIm aktuellen Spiegel bekommt das Thema E-Commerce die Titelgeschichte, passend zu Weihnachten und natürlich passende zu den aktuellen E-Commerce Herausforderungen. Zurzeit muss man bei Medienbeiträgen zum Thema E-Commerce etwas vorsichtig sein, weil oft sehr einseitig von tatsächlichen und vermeintlichen Problemen gesprochen wird, die im Grunde genommen nur dazu dienen die Klickraten der schwarz/weiß geschriebenen Beiträge in die Höhe zu treiben. Solche Beiträge werden dann allzu gerne als Begründung herangezogen, wenn es darum geht die analoge Weltsicht von Handelslobbyisten zu unterfüttern. „Schaut her, Amazon verliert, alles wird gut.“ Simone Salden und ihren Kollegen beim Spiegel ist es aber zum Glück gelungen einen sehr ausgewogenen Blick auf die E-Commerce Herausforderungen zu entwickeln und die Sicht der Kunden mit der Sicht der „betroffenen“ Händler zu vergleichen. Der Artikel klärt die Leser auf und gibt ihnen selbst die Möglichkeit zu entscheiden, ob diese Entwicklung nun gut oder schlecht ist.

Wahrscheinlich braucht es wirklich den Platz und die Vorbereitungszeit, um ein solches Verständnis vom Markt entwickeln zu können. Auf acht Seiten führt der Artikel durch diverse E-Commerce Themen. Es fängt mit 123gold.de an und endet mit einem Zukunftsausblick. Zum Thema 123gold.de stellt der Artikel wie folgt fest:

Das Bei­spiel zeigt zwei­er­lei: zum ei­nen, dass die Hoff­nung man­cher Ein­zel­händ­ler, ge­wis­se Din­ge lie­ßen sich ein­fach nicht über das In­ter­net ver­kau­fen, falsch ist. Und zwei­tens, dass es in­zwi­schen nicht mehr der Händ­ler ist, der be­stimmt, was dem Kun­den zu ge­fal­len hat. Son­dern dass der Kun­de sich den Händ­ler sucht, der das bie­tet, was der Kun­de will.

Auch die Auswirkungen der Retail Apokalypse kommen nicht zu kurz.

Wel­che Ket­ten­re­ak­ti­on sie da­mit aus­lö­sen, ist den meis­ten Kun­den al­ler­dings nicht klar: Feh­len den Fi­lia­len in den In­nen­städ­ten die Um­sät­ze, weil die Men­schen lie­ber on­line shop­pen, re­du­zie­ren Kauf­häu­ser zu­nächst Aus­wahl und Per­so­nal, da die Miet­ver­trä­ge oft über Jah­re fi­xiert sind. Su­chen die ver­wöhn­ten On­line­shop­per doch ein­mal per­sön­li­che Be­ra­tung in ei­nem sta­tio­nä­ren Ge­schäft, sind sie von Sor­ti­ment und Ser­vice ent­täuscht.

Das Musikhaus Thomann, bei dem ich u.a. auch all mein Podcast Equipment einkaufe, wird als Gewinner der Entwicklung gezeigt, um nur eine Seite später festzustellen, dass auch Thomann sich nicht zu freuen sollte, wenn man den Blick nach China wagt. Dort spielt der Desktop Shop schon gar keine Rolle mehr.

„In vie­len Tei­len Pe­kings wer­den on­line be­stell­te Le­bens­mit­tel in­zwi­schen in­ner­halb ei­ner hal­ben Stun­de ge­lie­fert“, sagt Wu Yue. „Wenn ich nicht zu­fäl­lig mit je­man­dem auf ei­nen Kaf­fee ver­ab­re­det bin, kom­me ich gar nicht mehr dazu, in ei­nen Su­per­markt zu ge­hen.“

Ich durfte für den Artikel auch ein paar Zitate beisteuern, die ein paar Beobachtungen von kassenzone.de zusammenfassen. So oder so ist es aus meiner Sicht ein sehr empfehlenswerter Artikel, der durchaus für den ein oder anderen Onlineabruf mehr sorgen dürfte.

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

9 Antworten

  1. EinfachOnline sagt:

    Ich sitze im Moment am Rechner, und recherchiere für Inspiration und Ideen für Weihnachtsgeschenke und tätige diese auch gleich Online.
    Ich mache alles, einfach alles Online. Es gibt für mich (wohlgemerkt mich, andere mögen es anders halten), keinen aber wirklich keinen Grund Offline zu gehen.
    Ich gucke aus dem Fenster und das Wetter ist auch noch schrecklich heute. Einfach toll alles Online erledigen zu können.
    Erst vor Kurzem habe ich eine Kamera gekauft und 5 mögliche Kamerataschen zur Auwahl bestellt. 4 davon werden wieder retoure gehen.

    • Mr.Humor sagt:

      Fast musste ich lachen. Es gibt nun wirklich keinen Grund überhaupt noch aus dem Haus zu gehen! Jetzt wird es höchste Zeit, dass auch das Essen direkt ins Wohnzimmer geliefert wird. Besser noch: gleich intravenös verabreichen. Was viel Zeit spart, die an anderer Stelle sinnvoll genutzt werden kann.

      Aber seien Sie unbesorgt, selbst wenn das Problem mit dem Essen noch etwas andauert: die Unbilden des Wetters kriegen wir sicher auch noch in den Griff.

      • Franz sagt:

        Das wird super, da ergeben sich völlig neue Berufsfelder. ZB. Sozialbetreuer/-innen von vereinsamten 100%-Online-Pure-Buyern. Da erlernen sie dann auch wieder, wie man mit echten Menschen persönlich in Kontakt tritt bzw. Face-to-face kommuniziert. 😉

        Blöd nur, dass es dafür sicherlich wieder nur den Mindestlohn gibt, da keine Wissensintelligenz, sondern emotionale Intelligenz für diesen Beruf benötigt wird. Und die ist ja bekanntermaßen nichts wert, obwohl es vielen daran fehlt.

  2. SowohlOnlineAlsAuchOffline sagt:

    Der letzte Satz von „EinfachOnline“ beschreibt hervorragend die gesellschaftliche Verrohung bei gleichzeitiger sozialer Inkompetenz.
    Oder wie es Max Liebermann sagte: „Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.“

  3. Freue mich schon, den Artikel in meinem digitalen SPIEGEL-Abo auf dem iPad zu lesen. 🙂

    Ich habe ja schon häufiger in Blogs (zB bei Exciting Commerce) kommentiert, dass ich sehr sehr viele Dinge bei Amazon bestelle (bin natürlich Amazon Prime Kunde).

    Das Gemecker der lokalen Einzelhändler (meist sind es ja die Verbände, die meckern) kann ich nur bedingt nachvollziehen. Es reicht eben nicht mehr aus, ein Ladenlokal zu haben bei dem die Türe offen steht und zu warten dass Kundschaft kommt, mit einer Registrierkasse die schon viele Jahre auf dem Buckel hat, und einem Verkaufsraum, der in etwa vollgestopft, äh, sortiert ist wie bei Hempels unter dem Sofa.

    Ich denke, wenn Einzelhändler pfiffig und kreativ reagieren, Aktionen drumherum bauen, mehr tun als nur Flyer zu verteilen und Rabatt-Aktionen zu gestalten, werden sie auch in Zukunft gute Geschäfte machen. Viele schließen sich mittlerweile ja zu Gemeinschaften zusammen und gestalten zusammen kreative Aktionen – da macht dann das Shopping in der Stadt auch wieder Spaß.

    Verändern sollten sich allerdings auch ein paar Banken-Rahmenbedingungen. Kontaktlos per EC-Karte bezahlen können: geil, endlich schien Deutschland im Neuland angekommen. Aber nur max. 25 EUR (und nicht 100 Dollar, wie anderswo), seriously?

    • P. Kalmutzki sagt:

      Haben Sie mal darüber nachgedacht wie das gehen soll wenn Sie Ihren Umsatz der Handelsgroßmacht Amazon überlassen. Shoppen in den Innenstädten wird nie wieder Freude machen weil dem stationären Kleinhändlern einfach die Finanzkraft fehlt. Dazu kommt, daß sie in den Städten horrende Ladenmieten entrichten müssen. Der Arbeitgeber des Handels ist immer noch der Kunde. Ich hoffe nur, daß manche Städte in 10 Jahren nicht wie Logistikhallen von Zalando & Co aussehen. Dann wirds richtig gemütlich. Wie schon oben geschrieben: gesellschaftlche Verrohung statt sozialer Marktwirtschaft. Ach stimmt ja, letzterer Begriff wird ja seit zwanzig Jahren nicht mehr verwendet. Würde aber mal wieder Zeit.

  4. Konstantin sagt:

    Die Annahme „ge­wis­se Din­ge lie­ßen sich ein­fach nicht über das In­ter­net ver­kau­fen“ ist absolut falsch. Dem stimme ich voll zu. Wir (Movemates) liefern seit wenigen Tagen innerhalb Hamburgs Weihnachtsbäume bis direkt vor die Haustüre. Die Zahlen zeigen bereits jetzt, dass die Kritiker einfach falsch lagen. Das Argument „Die Leute wollen sich den Baum aussuchen“ ist schlicht weg irrelevant.

  5. Hackfleisch sagt:

    Die Bestellkritiker machen sich in meinen Augen lächerlich, wenn sie den stationären Einkauf im Vergleich zum vermeintlich faulen Onlineshopping als Fleißtat oder gar Sport darstellen. Auch das Gerede von sterbenden Innenstädten – es war und ist doch ein sehr fragwürdies Verständnis einer „lebendigen“ Stadt wenn man darunter v. a. „Konsumpassanten“ versteht die für Besorgungen von A nach B eilen. Wenn Teile der Innenstädte wieder zu Orten des Wohnens werden, wo nicht nur konsumiert wird und die Fenster nach Ladenschluss nicht dunkel bleiben, halte ich das für wesentlich „lebendiger“ als das geschäftige Klackern vieler hoher Absätze und das Rascheln großer Tüten.

    Und schließlich die Ökologie – klar, ist natürlich viel ökologischer, wenn die Warenlogistik alles erstmal in ein Zwischenlager mit Namen Ladengeschäft liefert. Und weil das dort ausgepackt im Regal steht ist natürlich auch keinerlei Kartonverpackung dabei angefallen. Und wenn man auch dorthin bewegt um das zu holen und damit wieder nach Hause bewegt ist das verkehrstechnisch tatsächlich wesentlich „lebendiger“ auf den Straßen als wenn es der Paketbote bringt der pro Tour bis zu 200 Pakete zustellt. Und Retouren gibt’s im stationären Handel übrigens auch massenhaft, nur kriegt der Endverbraucher davon nichts mit.

    Es mag viele individuelle Gründe geben trotzdem nicht nur alles online zu bestellen. Aber dieses moralinsaure Einmischen in fremder Leute Angelegenheiten, in Deutschland ist das traditionell der Mehrheit ja noch nie peinlich gewesen, das ist einfach lächerlich.
    Nicht zu vergessen die Ironie, dass jetzt stationäre Geschäftsmodelle fast zum musealen Kulturgut erklärt werden, die ihrerseits vor wenigen Jahrzehnten erst mit voller Wucht den Kramer mit Thekenbedingung, den Schneider, Schuster, Kurzwarenhändler, Eisenwarengeschäfte, etc. komplett verdrängt haben.

    Stetig ist in Handel nur der Wandel. Neu ist höchstens dieses moralinsaure Getue.

  6. Alex sagt:

    Die Pressemeldung des HDE zum 4. Advent war sehr gemischt. Fazit: Onlinehandel gewinnt, im Offlinehandel sind die großen stark, die kleineren Händler verlieren. Sicherlich gibts wie überall hier aber viele Ausnahmen.

    Der Wegfall vieler Produkte ist aber auch ein anderer Punkt:

    Ein kleiner Videospieleladen schliesst hier in unserer Stadt still und heimlich zum 31.12. Hier spielt sicherlich auch die Zukunftsperspektive eine Rolle… wenn in 3-4 Jahren die nächste Konsolengeneration mitunter gar keine optischen Datenträger mehr nutzt und der Laden nur noch voller Leerpackungen stehen mit „Steam“ oder Playstation-Codes drin,…tja der Ausgleich mit Fanartikeln geht auch nur bis zu einem gewissen Level. Hier bin ich gespannt wie es der großen Videospielkette GameStop ergehen wird, diese macht ja auch viel mit Fanartikeln (gab glaube ich in einem Fachmagazin vor einem Jahr einen Bericht über die Neuausrichtung).

    *******************************
    Zum Thema Lieferung / geliefertes Fest und der Paketzustellung.

    Das mit den Lieferungen ist wirklich eine Sache wobei ich sagen muss dass DHL in unserer Kleinstadt wirklich auf Zack war. Aber auch ich habe mir bereits die Erlaubnis geholt an mein Büro einen neutralen Paketkasten zu schrauben….nur ist die einzige sinnvolle Verwendung derzeitig auf mein Risiko hin z.B. GLS oder DPD eine Abstellerlaubnis zu erteilen und darauf zu hoffen dass die Pakete auch reingelegt werden und der Metallkasten dann verschlossen wird. Das setzt zudem voraus dass ich von jedem Versender eine Tracking-ID erhalte und dann auch die Abstellerlaubnis erteilen muss. Trotz dass dieser Bereich dann videoüberwacht ist, eine wirklcih befriedigende Lösung ist dies nicht, schon gar nicht für die Lieferung von Ware im 4 stelligen Bereich.

    Ich bin oft 6 Tage die Woche von früh bis spät im Büro, Geschäftstermine habe ich oft ganz früh um 8 Uhr und dann verpasst man oft das so dringend benötigte Ersatzteil und GLS und CO liefern dann (weil auch direkte Nachbarn nicht da sind) am nächsten Tag oder zum 5km! entfernten Paketshop am anderen Ende der Kleinstadt.

    Ich erwarte dass Amazon spätestens dieses Weihnachtsgeschäft den Warnschuss als erster für voll genommen hat und seine neutralen und für alle Paketdienste nutzbaren (sofern diese das wollen) Packstationen in 2018 langsam ausrollt.

    Der Paketkasten mit seinen 20-30 Fächern verschiedener Größe der z.B. hier in unserer Wohnanlagen Gruppe ( 3 einzelne Wohnblöcke mit geschätzt 140 Wohnungen) perfekt reinpassen würde, wird in wenigen Jahren so selbstverständlich sein wie jeder Privatmann seit Jahrzehnten einen Briefkasten hat.

    Den Ernst der Lage hat hier mal wieder nur Amazon erkannt. In Amerika arbeiten diese ja bereits mit den großen Wohnungsbaugesellschaften zusammen und stellen denen eine Anlage in den Eingangsbereich. Und dann ist es Amazon die eben z.B. den Euro pro Einlagerung von den Paketdiensten kassieren oder von den Nutzern. Mit Ihrer Nutzerbasis und dem Fakt das vermutlich mind. jeder zweite Onlineshopper in Deutschland bereits ein Kundenkonto dort hat, wird es sicherlich einfacher machen.

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