Ist die Contorion Bewertung fair?

Sägeblatt, Saw BladeContorion wurde diese Woche für vermeintlich über 100 Mio. Euro an die Hoffmann Gruppe aus München verkauft. Dieser Deal schlägt in der B2B Welt große Wellen, weil sich nun viele Marktteilnehmer fragen, ob dieser Deal Sinn macht, ob der Preis fair ist und was nun mit Contorion passiert. Ein besseres Timing konnte das Florian Heinemann Interview „Sind wir in einer Blase?“ gar nicht haben. An dieser Stelle erst einmal meine herzlichsten Glückwünsche an das gesamte Team von Contorion und Hoffmann. Damit habt ihr die B2B Digitalisierungswelle wahrscheinlich gerade um den Faktor 10 beschleunigt. Contorion ist ein sehr spannendes Geschäftsmodell, wie sich bereits im Kassenzone.de Interview mit dem Gründer Frederick („So sein wie Contorion„) im Oktober 2016 gezeigt hat. Bleibt die Frage, ob der Deal Sinn für alle Beteiligten macht:

Im Interview mit Florian haben wir zu dem Thema drei entscheidende Kriterien herausgearbeitet, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • Umsatz & Ertrag: Im ersten Halbjahr 2017 hat Contorion ca. 20 Mio. Euro Umsatz gemacht, wahrscheinlich ohne positives Ergebnis. Das per se rechtfertigt keine 100 Mio+ Bewertung, aber in dem Segment (Online B2B) gibt es in Deutschland keinen vergleichbaren Wettbewerber mit dieser Wachstumsdynamik.
  • Team: Contorion hat ein Team mit über 100 Leute in Berlin, die alle um das Thema E-Commerce aufgebaut worden sind. Alleine so ein Team aufzubauen und zu finden kostet heute für einen B2B Konzern inkl. Hiring einen hohen einstelligen Mio. Betrag. Das ist ein gewaltiger Vorteil, rechtfertigt so einen Preis aber auch noch nicht.
  • Zeit: Die Alternative für Hoffmann (oder jeden anderen potentiellen Käufer) wäre es etwas ähnliches selber aufzubauen. Um auf das gleiche Niveau zu kommen wie Contorion müsste man sicherlich bis Ende 2020 arbeiten und der Markteintritt wir in Zukunft eher teurer, wie ich in vielen Beiträgen schon hergeleitet habe. Das Argument wäre aus meiner Sicht in diesem Deal am wichtigsten und für einen Konzern mit über einer Milliarde Umsatz Grund genug für eine 100 Mio.+ Bewertung.

In dieser Betrachtung ist der Deal also durchaus fair und nun kommt es vielmehr darauf an wie Hoffmann das Setup steuert und das Wachstum weiter vorantreibt. Schnell auf Profitabilität umzustellen, dürfte keine sehr kluge Option sein, wie man bereits bei „Deltirendo“ gelernt hat. Aber mir müsst ihr gar nicht glauben, weil wir mit Lennart Paul ja nun einen bloggenden B2B Superexperten haben, der auf Warenausgang.com den Deal im Detail beleuchtet hat. Unbedingt lesen!

Der Kauf Contorions durch Hoffmann ist mitnichten ein Anzeichen für eine Blase. Bei genauerer, hier nicht ausführlich dargestellter, betriebswirtschaftlicher Betrachtung, lehne ich mich sogar so weit aus dem Fenster und behaupte, Contorion ist ein Schnäppchen. Für 120 Millionen Euro entwickelt sich Hoffmann vom Unsicherheitsfaktor vergangener Jahre (Führungswechsel, Ausstieg des Geschäftsführenden Gesellschafters, Spekulationen um eine Übernahme durch Grainger, etc.) dank geschicktem M&A-Verhalten über Nacht zum digitalen Spitzenreiter unter B2B-Werkzeug-&-C0.-Händlern in Deutschland.

Wer mehr über das Geschäftsmodell von Contorion erfahren will, der sollte sich unser Interview vom Oktober 2016 anschauen, oder zum Digital Commerce Day B2B Spezial nach Stuttgart kommen (2. & 3. November). Hier geht es zur Voranmeldung.

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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1 Antwort

  1. 23. Juli 2017

    […] großer B2B Unternehmen auf der Bühne Stellung beziehen. Nicht zuletzt wird dort auch das Thema Contorion/Hoffmann intensiv diskutiert. Das Thema geht dermaßen durch die Branche, so dass Lennart und ich dazu noch […]

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