Digitalisierung am Beispiel der Globus Kaufhäuser | Interview mit Andreas Hink

schweiz-internetDie Schweiz und das Internet haben schon eine ganz besondere Beziehung. Vor einem Jahr habe ich mich darüber beschwert, dass die Schweizer Unternehmen aufgrund diverser Sonderfaktoren den Anschluss an Amazon, Zalando und Co. verloren haben. Vor wenigen Monaten wurde diese Einschätzung von Thomas Lang („Die Schweiz und das Internet Teil 2„) bestätigt, der lediglich im von Swisscom und Coop finanzierten Siroop.ch ausreichend Ambitionsniveau erkannt hat. Egal welches Unternehmen ich in Deutschland zu Schweiz befragen, alle loben die tollen Margen die man dort machen kann und die vergleichsweise günstigen Marketingkosten. Das ist super für Unternehmen aus dem Ausland.

Das ist auch super für bestehende Schweizer Unternehmen, solange der Auslandsanteil noch klein genug ist. Das ist schlecht für die Schweizer Kunden, allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich das Preis- und Leistungsniveau an den deutschen Markt angepasst hat. Der Druck auf den Innovationsgeist der Schweizer Platzhalter müsste also groß sein, aber beim Blick auf deren Portfolios sieht es nach den klassischen „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ Strategien aus. Das gilt auch für den Schweizer Migros Konzern, der in all ihren Beteiligungen lediglich bei bei leshop.ch etwas Innovationspotential erkennen lässt, aber schon beim wichtigsten Onlinepferd im Stall, der Digitec Galaxus, sieht es schon eher nach (Online-) Bestandsverwaltung aus. Ein Lichtblick für mich ist der (technische) Ansatz von Magazine zum Globus, einem Kaufhauskonzept, das im Vergleich zu Karstadt/Kaufhof kleiner, sortierter und nur in guten stationären Lagen vorkommt.

Die Frage für mich ist nun: Was kann man bei so einem Konzept überhaupt digitalisieren, und warum investiert Globus überhaupt in einen eigenen Technologie Stack? Stehen stationäre Szenarien im Vordergrund, oder geht es doch um innovative Geschäftsmodelle? Und was bedeutet „Ambitionsniveau“ bei Kaufhäusern eigentlich? Andreas Hink, der das diese Themen bei Globus verantwortet, hat sich dazu spontan mit mir zusammengesetzt. Ich kann nur sagen: 2017 wird ein spannendes Jahr für Globus, um dann auch den Thomas Lang zu überzeugen.

Unsere nächster Digital Commerce Day (DCD) mit dem Motto „Was ist die Alternative?“, findet am 23. März 2017 in Hamburg statt. Zielgruppe sind Menschen, die sich nicht mehr mit der Diskussion über verschiedenen Vertriebskanäle aufhalten (müssen).

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Alexander Graf, 37, E-Commerce Unternehmer & Analyst, Gelernt bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Commerce Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

3 Antworten

  1. Thomas Lang sagt:

    Das Interview bestätigt bedauerlicherweise meine Prognose zu Globus [http://blog.carpathia.ch/2016/10/01/globus-home-ausverkauf/], dass E-Commerce keine Umsatzziele hat (alle Bestellungen werden den Flächen zugerechnet) wie auch, dass man meilenweit von Omni-Channel oder Customer-Centricity entfernt scheint.

    Denn wer heute noch von Kanälen spricht, redet aus einer Innensicht. Kunden kaufen schon lange nicht mehr in Kanälen sondern im Brand. Und der ist bedauerlicherweise noch nicht touchpoint-übergreifend spürbar bei den beiden Häusern.

    Globus und Schild dürften online jeweils ca. 6-8 Mio machen ggü. unternehmensweiten knapp 600 Mio rsp. 165 Mio (2015). Da ist man in der Tat noch nirgends. Dafür um Jahre zu spät.

    • Da hast du bezogen auf den Status Quo Recht. Die Frage für Globus ist ja nun, ob ein Weg á la Breuninger oder ggf. sogar Zalando überhaupt noch möglich ist und ob das Kaufhaus Modell als Basis dabei helfen kann. Ich glaube das ist nicht der Fall. Für so einen Wandel ist es schon zu spät, so dass ich Online „mißbrauchen“ würde, um die Fläche attraktiv zu halten. Das ist zwar ein zeitlich begrenzte Strategie, aber vor dem Hintergrund des Status Quo ein vertretbarer Weg. Viel wichtiger ist dann aber zu erkennen, dass der Weg endlich ist und man sich links und rechts vom heutigen Kerngeschäftsmodell neue Geschäfte suchen muss. Da gäbe es im Globus Fall ja schon ein paar spannende Ansätze, wenn ich mal quer durch das Sortiment blicke. Diese Ansätze sind wir im Interview nicht alle durchgegangen, aber ich meine da gibt es ausreichend Potential.

      Die Fragen sind in der folgenden Reihenfolge zu betrachten:

      => Ist Globus heute technisch/konzeptionell auf einem sinnvollen Stand im Online Business (Nein)
      => Kann Globus mit seinen Mitteln die 100/200m online in 2/3/4 Jahren erreichen? (Nein)
      => kann man das bestehende Modell noch optimieren, um auf 30-70m zu kommen (Ja)
      => Was kommt danach (Neue Modelle!)

      Vielleicht irre ich mich auch und sehe das zu rosarot, aber um den bestehenden Kundenstamm kann man schon noch viele spannende Sachen machen.

      • Thomas Lang sagt:

        Sofern der bestehende Kundenstamm die Geduld hat, kann man noch vieles machen. Die Gefahr ist jedoch gross, dass die nicht so lange warten. Denn die Alternativen sind zu verführerisch.

        Ich erinnere gerne an folgendes: Schild ist mit dem Onlineshop 1-2 Jahre vor Zalando gestartet in der Schweiz. Schild macht heute weniger als 10 Mio. – Zalando geschätzte 500 Mio.
        Und bei der Übernahme von Schild durch Globus wurde als einer der prominentesten Gründe kommuniziert: „Schild hat einen Onlineshop, Globus nicht“. Die Zahlen spiegeln den Erfolg beider Onlineformate.