Shopify vs. Volusion vs….. Interview mit epages Gründer Wilfried Beeck

BeeckShoplösungen für Kleinunternehmer sind zur Zeit sehr angesagt. In den USA/Kanada bereitet Shopify einen Börsengang vor, der ca. 100 Mio. $ bei über einer Mrd. $ Bewertung einbringen soll. Mit 120.000 aktiven Shops und 5 Mrd. $ Außenumsatz seit 2006 spielt Shopify in einer Liga mit Volusion (17 Mrd. $ Außenumsatz kumuliert, 40.000 Shops) und Bigcommerce (5 Mrd. $ Außenumsatz kumuliert, 60.000 Shops). Im Schnitt dürften alle genannten Lösungen aktuell zwischen 1-4 Mrd. $ Umsatz pro Jahr Außenumsatz aufweisen. Muss Shopware in Deutschland nun Angst haben? Nein, Shopware, Magento & Co. sind Lösungen die sich (in der Regel) an professionelle Händler richten, mit entsprechenden E-Commerce Umsätzen und Know How. Den Zusammenhang habe ich in meinem Artikel “Shopsysteme 2014” ausführlich erklärt. Viel spannender ist in Deutschland der Vergleich mit epages aus Hamburg, die mit 120.000 aktiven Shops mit großem Abstand der europäische Marktführer in diesem Segment sind. Nachdem United Internet sich Anfang 2014 einen 25% Anteil an ePages gesichert hat, sind auch die ca. 30.000 Shops aus dem 1&1 Portfolio technisch auf die ePages Plattform gewandert. epages ist als Unternehmen vergleichsweise unbekannt, weil es die Shops nicht auf eigene Rechnung vertreibt, sondern fast ausschließlich über Reseller (1&1, Strato, T-Online..) an seine Kunden kommt. Das hat zwar den Nachteil, dass man vom ohnehin stark reduzierten Preis der Reseller („Shop ab 9,99€ im Monat“) nur einen Teil bei sich verbuchen kann, aber es reduziert natürlich erheblich die Marketingkosten und erhöht die Kundenbindung, weil die Kunden oft auch andere Produkte des jeweiligen Resellers nutzen dürften. Über diese Fragen, und um Mehrwerte und Handelsstrategien für die kleinen Händler, habe ich mit dem Gründer Wilfried Beeck in Hamburg gesprochen. Natürlich ging es auch um die Frage, ob SaaS Lösungen für große Unternehmen sinnvoll sind, oder ob individuelle Lösungen auf Basis von Spryker & Co. die Zukunft im E-Commerce darstellen. Es gibt wohl nur sehr wenige Unternehmer in Deutschland, die so viel zum Thema E-Commerce Technologie erlebt, beigetragen und zu erzählen haben wie Wilfried.

Kleiner Exkurs in die Firmengeschichte von ePages, das man bei kreativer Auslegung auch durchaus der E-Commerce Hauptstadt Kiel zurechnen kann:

Die ePages GmbH wurde 1983 als „Beeck & Dahms GbR“ von Wilfried Beeck in Kiel gegründet. 1987 erfolgte die Umfirmierung in „d’Art Computer GmbH“, 1991 die Sitzverlegung nach Hamburg. 1992 erfolgte die Gründung der Schwestergesellschaft NetConsult GmbH in Jena, die 1998 als Intershop Communications AG erfolgreich an die Börse ging. Nach dem Ausscheiden von Wilfried Beeck aus dem Vorstand der Intershop AG im Jahr 2002 übernahm die „d’Art Computer GmbH“ die Vertriebs-, Support- und Markenrechte sowie den Kundenstamm der „Intershop 4“-Produktlinie. Die Intershop AG gab damit ihre Produktlinie für kleine und mittlere Unternehmen ab und konzentrierte sich auf Großkunden. Die ehemalige „d’Art Computer GmbH“ firmierte seit der Übernahme zunächst unter dem Namen ePages Software GmbH, ab 2010 dann unter dem Namen ePages GmbH.

Egal wie man es dreht, Kiel gewinnt 🙂

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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4 Antworten

  1. bernd gemmer sagt:

    Sehr entspanntes und kompetentes Gespräch über die Tatsache, dass mehrere hunderttausend Händler weltweit begriffen haben, dass es nicht die Technik ist, die E-Commerce erfolgreich macht, sondern Sortiment, Marketing und Kundenbindung.

    Bei all dem B..-Bingo, den man tagtäglich von Agenturen präsentiert bekommt, ist dies mal ein echter Lichtblick.

    Auch wenn es den Schanzenport mittlerweile nicht mehr gibt, so scheinen die meisten beteiligten Händler ihre eigenen E-Commerce Aktivitäten fortzusetzen. Dies stellt meiner Ansicht nach unter Beweis, dass jegliche Form von Plattformen nur ein zusätzliches Marketinginstrument sein können, aber niemals die Basis einer langfristigen E-Commerce Strategie bilden.

    Danke an Alexander und Herrn Beeck für diesen Beitrag!

    • Das war zum Teil auch das Fazit des letzten Artikels zu den Basisfaktoren. Wenn man mit den anderen Anbietern nicht beim Sortiment, Preis und Verfügbarkeit konkurrieren kann, dann wird es auch nichts mit der besten Technik. Kleine Händler müssen das aber trotzdem richtig verstehen und wenn ihnen 1 Sale pro Tag/Woche ausreicht und ihr Laden bekannter wird, ist doch alles gut. Oft wollen sie aber viel mehr, ohne die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu haben.

  2. Hallo Alex, wieder mal ein sehr interessantes Inverview!!
    Ich hoffe ich mich kann trotz des Heimspiel-Themas „Shopsysteme“ kurz fassen..
    Vor dem Hintergrund des Spryker-Starts, ist die Differenzierung von Spryker zu KMU-Kunden und den unterschiedlichen Ausgangsszenarien und Zielsetzungen (z.B. Boutiquen vs. Online Pureplayer) sehr interessant zu hören.

    Der Börsengang von Shopify zeigt, das nach wie vor viel Bewegung und Potential im KMU Shopsystem-Markt. Es entstehen ja jedes Jahr weitere neue und anders gedachte Shopsysteme (Tictail, sellaround, etc.) die teilweise komplett neue Ansätze und Zielgruppen ins Auge fassen.

    „Kleine Händler müssen das aber trotzdem richtig verstehen und wenn ihnen 1 Sale pro Tag/Woche ausreicht und ihr Laden bekannter wird, ist doch alles gut. Oft wollen sie[KMUs] aber viel mehr, ohne die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu haben.“

    Das stellen auch wir immer wieder fest! Die Aufklärung über die Unterschiede der technischen Möglichkeiten der Shopsystem-Lösungen – was ja schließlich unser tägliches Brot ist – ist dabei ein erster wichtiger Schritt. Da die Transparenz darüber, was man wirklich – im MARKTVERGLEICH – durch Einsatz des jeweiligen Systems für das jeweilige Budget erhält, ist elementar, da hier deutlich wird, was ein KMU von seiner Lösung erwarten darf und was nicht.

    Da es auch bei Enterprise-Lösungen interessante Entwicklungen gibt und eben zwischen Enterprise-Lösungen wesentliche Unterschiede existieren, zeigen die Ausführungen über Demandware. (Kauf eines Point of Sale-Anbieters, Markenhersteller „müssen nicht technisch konkurrieren“).

    Fazit1: Für KMU-Händler wächst die Auswahl möglicher Lösungen weiter.
    Fazit2: epages nimmt auf längere Sicht auch umsatzstärkere KMUs als Zielgruppe ins Visier (Gerade weil durch Ermöglichung von Erweiterungen/ Plugins auf lang oder kurz auch Agenturen zur Realisierung ins Spiel kommen werden)

  3. Sehr interessantes Interview mit einem, der es wissen muss.

    Sehr interessant fand ich den Hinweis, dass man auch mit einem kleinen System wie WooCommerce starten kann und die eigentliche Investition eine andere ist: Nämlich die in Content. Wenn das mal nicht Wasser auf meine Mühlen ist …