Der Tot von Reichweite (n basierten Geschäftsmodellen)

Ein Artikel von RWW aus der letzten Woche trägt den Titel „The Death of Pageview„. Darin geht es um die gesunkende Relevanz von primären Trafficwerten (Visits, Pageviews, …) und den damit verbundenen Aufruf an Startups sich wirklich wesentlichen Messwerten zu widmen und sich nicht mit alberne Reichweitenwerte zu definieren.

Das ist an sich nichts wirklich Neues, weil in der Regel klar ist, dass am Ende zählt wieviel Geld verdient wird, allerdings ist mir vorgestern bei der (empfehlenswerten) Ventoure Lounge in Hamburg aufgefallen, dass die präsentierenden Startups vorrangig genau diese Trafficwerte als Erfolgsmesser aufgeführt haben. Die Hälfte der Startups hat Kapital gesucht (zwischen 100 Tsd. und 2 Mio.€), um mehr Reichweite aufzubauen.

Das ist aus meiner Sicht schon ein Hinweis darauf, dass diese Geschäftsmodelle kaum funktionieren können. Wenn ein Geschäftsmodell für einen erfolgreichen Businessplan eine hohe Reichweite braucht, dann wird es in der Regel nicht funktionieren, weil Reichweite per se begrenzt ist und der Wettbewerb um Aufmerksamkeit permament wächst. Wir alle haben nur zwei Augen und schauen in der Regel auf einen Monitor. Viel interessanter sind deshalb Geschäftsmodelle die mit „wenigen Augen“ auskommen und aus einer geringen Reichweite viel Umsatz schöpfen, oder Reichweite generisch nutzen können (z.B. Facebook Apps).

Wenn diese Geschäftsmodelle dann noch groß im Sinne von Reichweite werden, dann sind sie umso spannender. Der Fokus muss also deutlich stärker in Richtung „Geld verdienen“ ausgelegt sein. Wieviel Umsatz macht ein durchschnittlicher Nutzer? Wie lange bleibt ein Nutzer auf meiner Website? Wie hoch ist die CLV? Wie hoch sind meine Fixkosten?…..

Ich persönlich finde Trafficvergleiche zwischen den Grouponklonen auch sehr interessant, allerdings wäre es falsch daraus die Umsetzungsexcellenz des jeweiligen Modells abzuleiten. Die Reichweite hat überhaupt nichts mit dem Erfolg des entsprechenden Geschäftsmodells zu tun. Schaut euch studivz o.ä. an. Was kann man daraus lernen? Sollten euch in Zukunft Geschäftsmodelle über den Weg laufen die das erreichen des Break Even an eine bestimmte (i.d.R. hohe) Reichweite koppeln, dann sollte man sich zumindest Gedanken darüber machen, ob der Ansatz wirklich nachhaltig ist und Reichweite dazu führt Markteintrittsbarrieren zu errichten. Bei den Groupon Klonen ist das übrigens nicht der Fall.

Update: Eine schöne Fortsetzung des Gedankens findet sich bei Martin im Mailorderportal:

…Der Versender investiert viel Geld in eine Beziehung, die nur in einem Bruchteil der Fälle wirklich zustande kommt. Der Lohn des langwierigen Aufbaus von Beziehungen mit teuren Werbeträgern ist – oder vielmehr: war – eine langfristige Geschäftsbeziehung. Auf diesem Prinzip beruht die Ermittlung des Wertes, den ein Kunde im Lauf der aktiven Saisons für den Versender darstellt. Der Customer Lifetime Value ist eines der wichtigsten und zentralen Steuerungselemente im Versandhandel….

Ihr seid anderer Meinung? Ab in die Kommentare damit.

Alexander Graf, 35, E-Commerce Unternehmer & Autor, Gelernt und erste M&A-Tätigkeit bei der Otto Group, danach über 10 Unternehmen gegründet, heute u.a. Gründer Geschäftsführer des führenden Shop Technologieanbieters Spryker Systems. Im Juni 2015 hat er das E-Commerce Buch veröffentlicht, das seitdem die E-Commerce Rankings anführt. Weitere Infos hier, oder direkt kontaktieren unter: alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

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6 Antworten

  1. RT:kassenzone.de: Der Tod von Reichweite-basierten Geschäftsmodellen – The death of Pageview http://bit.ly/d8aIJE

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  2. RT: @infolust: RT:kassenzone.de: Der Tod von Reichweite-basierten Geschäftsmodellen – The death of Pageview http://bit.ly/d8aIJE

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  3. Marcel Weiß sagt:

    "Sollten euch in Zukunft Geschäftsmodelle über den Weg laufen die das erreichen des Break Even an eine bestimmte (i.d.R. hohe) Reichweite koppeln, dann sollte man sich zumindest Gedanken darüber machen, ob der Ansatz wirklich nachhaltig ist und Reichweite dazu führt Markteintrittsbarrieren zu errichten. Bei den Groupon Klonen ist das übrigens nicht der Fall."

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  1. 26. März 2010

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