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Der Tot von Reichweite (n basierten Geschäftsmodellen)

Donnerstag, 25. März 2010 7:01

Ein Artikel von RWW aus der letzten Woche trägt den Titel “The Death of Pageview“. Darin geht es um die gesunkende Relevanz von primären Trafficwerten (Visits, Pageviews, …) und den damit verbundenen Aufruf an Startups sich wirklich wesentlichen Messwerten zu widmen und sich nicht mit alberne Reichweitenwerte zu definieren.

Das ist an sich nichts wirklich Neues, weil in der Regel klar ist, dass am Ende zählt wieviel Geld verdient wird, allerdings ist mir vorgestern bei der (empfehlenswerten) Ventoure Lounge in Hamburg aufgefallen, dass die präsentierenden Startups vorrangig genau diese Trafficwerte als Erfolgsmesser aufgeführt haben. Die Hälfte der Startups hat Kapital gesucht (zwischen 100 Tsd. und 2 Mio.€), um mehr Reichweite aufzubauen.

Das ist aus meiner Sicht schon ein Hinweis darauf, dass diese Geschäftsmodelle kaum funktionieren können. Wenn ein Geschäftsmodell für einen erfolgreichen Businessplan eine hohe Reichweite braucht, dann wird es in der Regel nicht funktionieren, weil Reichweite per se begrenzt ist und der Wettbewerb um Aufmerksamkeit permament wächst. Wir alle haben nur zwei Augen und schauen in der Regel auf einen Monitor. Viel interessanter sind deshalb Geschäftsmodelle die mit “wenigen Augen” auskommen und aus einer geringen Reichweite viel Umsatz schöpfen, oder Reichweite generisch nutzen können (z.B. Facebook Apps).

Wenn diese Geschäftsmodelle dann noch groß im Sinne von Reichweite werden, dann sind sie umso spannender. Der Fokus muss also deutlich stärker in Richtung “Geld verdienen” ausgelegt sein. Wieviel Umsatz macht ein durchschnittlicher Nutzer? Wie lange bleibt ein Nutzer auf meiner Website? Wie hoch ist die CLV? Wie hoch sind meine Fixkosten?…..

Ich persönlich finde Trafficvergleiche zwischen den Grouponklonen auch sehr interessant, allerdings wäre es falsch daraus die Umsetzungsexcellenz des jeweiligen Modells abzuleiten. Die Reichweite hat überhaupt nichts mit dem Erfolg des entsprechenden Geschäftsmodells zu tun. Schaut euch studivz o.ä. an. Was kann man daraus lernen? Sollten euch in Zukunft Geschäftsmodelle über den Weg laufen die das erreichen des Break Even an eine bestimmte (i.d.R. hohe) Reichweite koppeln, dann sollte man sich zumindest Gedanken darüber machen, ob der Ansatz wirklich nachhaltig ist und Reichweite dazu führt Markteintrittsbarrieren zu errichten. Bei den Groupon Klonen ist das übrigens nicht der Fall.

Update: Eine schöne Fortsetzung des Gedankens findet sich bei Martin im Mailorderportal:

…Der Versender investiert viel Geld in eine Beziehung, die nur in einem Bruchteil der Fälle wirklich zustande kommt. Der Lohn des langwierigen Aufbaus von Beziehungen mit teuren Werbeträgern ist – oder vielmehr: war – eine langfristige Geschäftsbeziehung. Auf diesem Prinzip beruht die Ermittlung des Wertes, den ein Kunde im Lauf der aktiven Saisons für den Versender darstellt. Der Customer Lifetime Value ist eines der wichtigsten und zentralen Steuerungselemente im Versandhandel….

Ihr seid anderer Meinung? Ab in die Kommentare damit.

Thema: Strategie | Kommentare (6) | Autor:

Strategiewechsel bei Startups: Fokussierung ist der neue Trend

Samstag, 6. Februar 2010 9:02

Ein Gastbeitrag von Christian Häfner.

Reichweite ist und bleibt ein Erfolgsindikator für Startups. Wer es einmal geschafft hat eine gute Datenbasis aufzubauen, der scheint über das Gröbste hinweg zu sein. Doch wird das auch in Zukunft ausreichen? Vermutlich nicht!
Gleich mehrere aktuelle Entwicklungen zeigen, dass es Zeit wird die eigene Strategie zu überdenken. Die Vergangenheit zeigt, dass viele breit angelegte, möglichst vielfältige online Dienste etabliert wurden um möglichst viel Reichweite zu gewinnen. Um in dem vielfältigen Angebotsmarkt auch künftig für die Nutzer attraktiv zu sein kommt man wohl nicht drum herum sein Angebot auf die konkreten Bedürfnisse der Nutzer zu fokussieren.
Schuld daran ist vor allem die rasante Entwicklung rund um das Thema mobile services. Immer mehr User sind “auf der Straße” online während sie in der Bahn, im Bus oder im Lieblings-Café sitzen. Doch statt den nächsten Urlaub zu planen ist der Bedarf lokaler Informationen für diese Zielgruppe ein anderer. Auch wurde bisher vermutlich eher weniger Zeit in die aufwendige Suche nach dem billigsten Schnäppchen in der Umgebung vor dem heimischen PC gesteckt. “Einfach mal losgehen…” ist für viele Nutzer heute wohl noch der praktikablere Ansatz. Doch was, wenn nun unterwegs eine ganz neue Qualität relevanter Informationen verfügbar wird? Wer bedient mich als Nutzer künftig an Ort und Stelle mit den für mich und meinem Standort relevanten Informationen? Welche Informationen werden das sein? Wie kann ich als Nutzer den maximalen Mehrwert aus lokalen Diensten gewinnen, ohne dass ich lange und aufwendig suchen muss?

Eine Antwort könnte Fokussierung sein. Genauer die Fokussierung von Inhalten und Zugangsmöglichkeiten.

Mehrere Gründe sprechen dafür, dass Nutzer künftig eher auf spezialisierte Angebote zurückgreifen werden. Einige Beispiele:

  1. Zeit ist knapp –> Wer unterwegs ist nimmt sich in der Regel weniger Zeit für die Suche nach konkreten Informationen. Das klassische “surfen” im Internet wird ersetzt durch zielgenaues Abfragen der gewünschten Daten.
  2. Kleines Display –> klingt trivial. Als Nutzer eines durchschnittlichen Smartphones will ich nicht lange auf dem kleinen Display suchen sondern kurz und knackig die für mich relevante Information finden.
  3. Mobile Ortung –> Das Handy weiß wo ich bin. Keine Eingabe/Suche von Orten, an denen ich eventuell mal sein werde sondern Beschränkung der Informationen auf die unmittelbare Umgebung. (Bushaltestelle, Briefkästen, Kinofilme, Angebote, etc.). Vom Standort losgelöste Informationsabfragen werden vermutlich nicht so stark sein wie vom heimischen PC.
  4. Daraus resultierend: Der Echtzeit Faktor –> Sobald ich unterwegs bin interessiert mich im Zweifel eher nicht, was morgen in dem Kino läuft, in dem ich jetzt einen Film sehen möchte weil ich davor stehe. Damit wird die mobile und lokale Informationsbeschaffung nicht nur relevanter, sondern macht den Ausflug durch die Stadt auch zum echten Erlebnis.

Lokale Fokussierung also statt breit angelegter Angebote. Es wird langfristig – so glaube ich – weniger all-in-one-Lösungen (Apps) oder mobile Webseiten geben, sondern klar sortierte, strukturierte und bedarfserfüllende Tools für jede Lebenslage. Zwar zeigen Apps wie Aloqa oder Layar, dass kanalisierte Informationen durchaus sinnvoll in einer App zusammengefasst werden können, die Befütterung liefern jedoch stark fokussierte Informationsanbieter (Starbucks, McDonalds, call-a-bike-Channels, Qype für Bewertungen, etc.).

Ein weiteres Poroblem wird das der Platzierung auf den iPhone werden. Auch wenn es mittlerweile über 112.000 Apps im App-Store gibt, so werden sich langfristig möglicherweise nur wenige Apps eine dauerhafte Position auf dem Durchschnitts-iPhone sichern können. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich irgendwann der Umfang auf noch eine Fahrplan-App, eine zum Bezahlen, ein paar für die Unterhaltung und dann noch wenige für die individuellen Bedürfnisse (shopping, Community, Food…) reduzieren wird. Jeder Nutzer wird sich immer wieder (implizit) fragen, warum er einen Service nutzt. Will man hier überzeugen, muss neben einer guten Zugänglichkeit (z.B. Über eine schöne App) auch eine schnell und gut zugängliche, also fokussierte, Information liefern können. Und hier liegt aus meiner Sicht das Potential vieler neuer Geschäftsideen.

Wer sich dem Trend verweigert, der wird es schwer haben gegen die stark wachsende Gemeinde um spezialisierte Informationslieferanten im lokalen, mobilen Business. Ich bin daher besonders gespannt auf bereits etablierte Plattformen und deren Überlegungen, den mobilen Markt zu betreten. Lohnt sich ein Strategiewechsel für den Eintritt in den mobilen Markt? Ich bin gespannt…

Thema: Mobile, Strategie | Kommentare (8) | Autor: