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Strategiewechsel bei Startups: Fokussierung ist der neue Trend

Samstag, 6. Februar 2010 9:02

Ein Gastbeitrag von Christian Häfner.

Reichweite ist und bleibt ein Erfolgsindikator für Startups. Wer es einmal geschafft hat eine gute Datenbasis aufzubauen, der scheint über das Gröbste hinweg zu sein. Doch wird das auch in Zukunft ausreichen? Vermutlich nicht!
Gleich mehrere aktuelle Entwicklungen zeigen, dass es Zeit wird die eigene Strategie zu überdenken. Die Vergangenheit zeigt, dass viele breit angelegte, möglichst vielfältige online Dienste etabliert wurden um möglichst viel Reichweite zu gewinnen. Um in dem vielfältigen Angebotsmarkt auch künftig für die Nutzer attraktiv zu sein kommt man wohl nicht drum herum sein Angebot auf die konkreten Bedürfnisse der Nutzer zu fokussieren.
Schuld daran ist vor allem die rasante Entwicklung rund um das Thema mobile services. Immer mehr User sind “auf der Straße” online während sie in der Bahn, im Bus oder im Lieblings-Café sitzen. Doch statt den nächsten Urlaub zu planen ist der Bedarf lokaler Informationen für diese Zielgruppe ein anderer. Auch wurde bisher vermutlich eher weniger Zeit in die aufwendige Suche nach dem billigsten Schnäppchen in der Umgebung vor dem heimischen PC gesteckt. “Einfach mal losgehen…” ist für viele Nutzer heute wohl noch der praktikablere Ansatz. Doch was, wenn nun unterwegs eine ganz neue Qualität relevanter Informationen verfügbar wird? Wer bedient mich als Nutzer künftig an Ort und Stelle mit den für mich und meinem Standort relevanten Informationen? Welche Informationen werden das sein? Wie kann ich als Nutzer den maximalen Mehrwert aus lokalen Diensten gewinnen, ohne dass ich lange und aufwendig suchen muss?

Eine Antwort könnte Fokussierung sein. Genauer die Fokussierung von Inhalten und Zugangsmöglichkeiten.

Mehrere Gründe sprechen dafür, dass Nutzer künftig eher auf spezialisierte Angebote zurückgreifen werden. Einige Beispiele:

  1. Zeit ist knapp –> Wer unterwegs ist nimmt sich in der Regel weniger Zeit für die Suche nach konkreten Informationen. Das klassische “surfen” im Internet wird ersetzt durch zielgenaues Abfragen der gewünschten Daten.
  2. Kleines Display –> klingt trivial. Als Nutzer eines durchschnittlichen Smartphones will ich nicht lange auf dem kleinen Display suchen sondern kurz und knackig die für mich relevante Information finden.
  3. Mobile Ortung –> Das Handy weiß wo ich bin. Keine Eingabe/Suche von Orten, an denen ich eventuell mal sein werde sondern Beschränkung der Informationen auf die unmittelbare Umgebung. (Bushaltestelle, Briefkästen, Kinofilme, Angebote, etc.). Vom Standort losgelöste Informationsabfragen werden vermutlich nicht so stark sein wie vom heimischen PC.
  4. Daraus resultierend: Der Echtzeit Faktor –> Sobald ich unterwegs bin interessiert mich im Zweifel eher nicht, was morgen in dem Kino läuft, in dem ich jetzt einen Film sehen möchte weil ich davor stehe. Damit wird die mobile und lokale Informationsbeschaffung nicht nur relevanter, sondern macht den Ausflug durch die Stadt auch zum echten Erlebnis.

Lokale Fokussierung also statt breit angelegter Angebote. Es wird langfristig – so glaube ich – weniger all-in-one-Lösungen (Apps) oder mobile Webseiten geben, sondern klar sortierte, strukturierte und bedarfserfüllende Tools für jede Lebenslage. Zwar zeigen Apps wie Aloqa oder Layar, dass kanalisierte Informationen durchaus sinnvoll in einer App zusammengefasst werden können, die Befütterung liefern jedoch stark fokussierte Informationsanbieter (Starbucks, McDonalds, call-a-bike-Channels, Qype für Bewertungen, etc.).

Ein weiteres Poroblem wird das der Platzierung auf den iPhone werden. Auch wenn es mittlerweile über 112.000 Apps im App-Store gibt, so werden sich langfristig möglicherweise nur wenige Apps eine dauerhafte Position auf dem Durchschnitts-iPhone sichern können. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich irgendwann der Umfang auf noch eine Fahrplan-App, eine zum Bezahlen, ein paar für die Unterhaltung und dann noch wenige für die individuellen Bedürfnisse (shopping, Community, Food…) reduzieren wird. Jeder Nutzer wird sich immer wieder (implizit) fragen, warum er einen Service nutzt. Will man hier überzeugen, muss neben einer guten Zugänglichkeit (z.B. Über eine schöne App) auch eine schnell und gut zugängliche, also fokussierte, Information liefern können. Und hier liegt aus meiner Sicht das Potential vieler neuer Geschäftsideen.

Wer sich dem Trend verweigert, der wird es schwer haben gegen die stark wachsende Gemeinde um spezialisierte Informationslieferanten im lokalen, mobilen Business. Ich bin daher besonders gespannt auf bereits etablierte Plattformen und deren Überlegungen, den mobilen Markt zu betreten. Lohnt sich ein Strategiewechsel für den Eintritt in den mobilen Markt? Ich bin gespannt…

Thema: Mobile, Strategie | Kommentare (8) | Autor:

Das deutsche M-Commerce-Desaster: Wo bleiben die Mobile-Shops?

Donnerstag, 4. Februar 2010 8:54

Eine Vielzahl von Websites verfügt inzwischen neben der Darstellung für Standard-Browser auch über eine Mobile-optimierte Seite, welche in der Regel auch automatisch beim Zugriff via Handy dem Nutzer angezeigt wird. Auch Kassenzone wird beim Zugriff mit Smartphones inzwischen in optimierter Darstellung angezeigt, dem WPtouch-Plugin sei Dank.

Vor inzwischen über 2 Jahren warb Apple mit dem Zugriff auf das “echte Internet” über das iPhone. Grundsätzlich lassen sich in der Tat geschätzte 95% der Websites mit den neuen Smartphones à la iPhone anzeigen, jedoch sind die nicht Mobile-optimierten Seiten meist schwer oder teilweise gar nicht zu bedienen.

Die Relevanz von Mobile-optimierten Websites ist also gerade durch den ernormen Zuwachs an mobiler Internetnutzung (insb. durch Smartphones getrieben) enorm gestiegen und wird noch weiter zunehmen. Darüber hinaus wird 2010 vielfach mit dem Mobile Internet-Durchbruch in Zusammenhang gebracht, wie zuletzt u.a. auf den M-Days auch intensiv diskutiert wurde.

Somit gibt es wohl Gründe genug einmal die Vorbereitungen der deutschen Internet-Händler auf den kommenden mobilen Nutzeransturm zu überprüfen. Viele der Händler sollten sich auf dem kommenden Mobile-Ansturm bereits eingestellt haben, oder?

Welche der etablierten E-Commerce-Händler verfügen über Mobile-Shops?

Anmerkung: Manche der Anbieter verfügen über zwei unterschiedliche Arten von Mobile-Sites und steuern z.B. beim Zugriff über “normale” Handys eine andere mobile Version (“Mobile-Site”) aus als beim Zugriff via Smartphone, u.a. iPhone (“Smartphone-Site”).

# Händler Sortiment Mobile-
Site
Smartphone-
Site
Mobile-
App
1 eBay Universell Ja Ja Ja
2 Amazon Medien Ja Ja Ja
3 OTTO Universell Ja Nein Nein
4 Neckermann Universell Ja Nein Nein
5 Esprit Mode Nein Nein Nein
6 Bon Prix Mode Nein Nein Nein
7 Tchibo Universell Nein Nein Nein
8 Conrad Technik Nein Nein Nein
9 Weltbild Medien Nein Nein Nein
10 Dell Technik Nein Nein Nein
11 Notebooksbilliger Technik (Ja) Nein Nein
12 Discount24 Universell Nein Nein Nein
13 Baur Mode Nein Nein Nein
14 Pearl Technik Nein Nein Nein
15 H&M Mode Nein Nein Nein
16 Redcoon Technik Nein Nein Nein
17 Schwab Mode Nein Nein Nein
18 Zooplus Tierfutter Nein Nein Nein
19 Alternate Technik Nein Nein Nein
20 Cyberport Technik Nein Nein Nein
21 T-Online Shop Technik Nein Nein Nein
22 Heine Mode Nein Nein Nein
23 Medion Shop Technik Nein Nein Nein
24 My Toys Spielwaren Nein Nein Nein
25 SportScheck Technik Nein Nein Nein
26 QVC Technik Nein Nein Nein
27 Brands4Friends Technik Nein Nein Nein
28 Buch.de Technik Ja Nein Ja
29 Globetrotter Technik Nein Nein Nein
30 HSE 24 Technik Nein Nein Nein

Nur 20% der deutschen Web-Shops mit einer Mobile-Site vertreten

Insgesamt haben somit nur knapp 20% der besuchten Web-Shops einen mobilen Auftritt, von Smartphone-optimierten Shops oder Apps ganz abzusehen. Entweder vertrauen die Händler also darauf, dass die Kunden mit ihren Handy auf den bestehenden Web-Shops zurecht kommen oder den Mobile-Kanal wird noch nicht als relevanter Service-/Bestellweg wahrgenommen. Wie geht aber im Vergleich hierzu die Medienbranche mit dem Mobile-Kanal um?

Welche der Medienseiten verfügen über ein Mobile-Angebot?

# Seite Mobile-
Site
Smartphone-
Site
Mobile-
App
1 Bild Ja Ja Ja
2 Spiegel Online Ja Ja Nein
3 Chip Ja Ja Nein
4 RTL Ja Nein Ja
5 kicker Online Ja Ja Ja
6 Heise Ja Nein Ja
7 Sport 1 Ja Nein Ja
8 sueddeutsche.de Ja Nein Ja
9 Focus Ja Ja Ja
10 Welt Online Ja Ja Ja
11 Chefkoch Ja Nein Nein
12 n-tv Ja Nein Ja
13 Stern Ja Ja Ja
14 Zeit Online Ja Nein Nein
15 TV Movie Ja Ja Ja

Alle besuchten deutschen Medienseiten stellen eine Mobile-Site zur Verfügung

Bei der (Quick&Dirty-) Untersuchung der Medienseiten erhält man ein deutlich anderes Bild: 100% der Seiten stellen eine mobil-optimierte Seite bereit. Klar handelt es sich hierbei nur um einen Ausschnitt aller Medienseiten, diese Tendenz wird sich vermutlich aber auch bei einer umfangreicheren Recherche bestätigen.

Nun ist die Frage, ob es sich bei den vorhandenen Mobile-Commerce-Sites um ein deutsches Phänomen handelt oder diese Seiten Weltweit noch stark unterrepräsentiert sind.

Welche US-Händler verfügen über Mobile-Sites?

# Händler Sortiment Mobile-
Site
Smartphone-
Site
Mobile-
App
1 eBay Universell Ja Ja Ja
2 Amazon Medien Ja Ja Ja
3 Staples Büromaterial Ja Nein Nein
4 Dell Technik Ja Ja Nein
5 Sears Universell Ja Ja Ja
6 CDW Technik Nein Nein Nein
7 Newegg.com Technik Ja Nein Ja
8 QVC Universell Nein Nein Nein
9 Best Buy Technik Ja Ja Ja
10 Walmart Universell Ja Ja Ja
11 Netflix DVD-Verleih Ja Nein Nein
12 Zappos Mode Nein Nein Nein
13 Overstock.com Universell Ja Ja Nein
14 Buy.com Universell Ja Ja Nein
15 Barnes & Noble Medien Ja Nein Ja

Im US-Markt besitzen 80% der untersuchten Händler eine Mobile-Site!

Der US-Markt verhält sich komplett gegensätzlich zum deutschen Markt. Während in Deutschland Mobile-Web-Shops gesucht werden müssen, besitzt in den USA nahezu jeder Händler auch eine Mobile-Site. Bemerkenswert ist dieses Bild insb. vor dem Hintergrund, dass man den USA bis vor Kurzem noch immer einen Rückstand im Mobile-Umfeld ggü. Europa attestiert hatte.

Fazit

Möchten die deutschen E-Commerce-Händler zukünftig ernsthaft vom Mobile-Boom profitieren wird ein sichtbares Engagement höchste Zeit! Hierbei ist es im ersten Schritt nicht zwingend notwendig das komplette Sortiment inkl. aller Bestellfunktionen und sonstiger Einstellungen mobil zu enablen, allerdings sollten zumindest relevante Services verfügbar sein. Ohne diese grundlegenden Aktivitäten sind Mobile(-Commerce)-Apps für den deutschen Markt kaum Diskussionen wert.

Thema: Commerce, Mobile | Kommentare (45) | Autor: