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5min mit Benjamin Thym von barcoo.de

Dienstag, 2. Februar 2010 7:17

Mit diesem Beitrag möchten wir, im Rahmen der Ein Herz für Startups Aktion, gerne ein neues Format auf kassenzone.de einführen. Wir interviewen Gründer 5min lang zu ihrem Geschäftsmodell per Video und stellen es danach online inkl. Textausgabe. Die Inhalte sollen etwas unterhaltsamer & informativer sein als die bekannten PR Videos. Wir sind auf euer Feedback (siehe Umfrage unten) gespannt. Wenn du/ihr Lust habt von uns interviewt zu werden, dann schreibt einfach eine kurze Mail an info@kassenzone.de.

Das aktuelle Video, geführt mit Benjamin Thym auf den empfehlenswerten Live Shopping Days, habe ich mit meiner eigenen Digitalkamera gemacht, aber die Soundqualität ist leider nicht so gut. Beim nächsten Mal brauche ich einen Minicamcorder mit externem Mikro. Tipps?

Interview Text:

Erzähl, wer bist Du und was macht Ihr?

Ich bin Benjamin Thym, Geschäftsführer der checkitmobile GmbH und wir sind mit zwei Marken unterwegs. Zum einen Barcoo, zum anderen Woabi. Und bei beiden Marken geht es im Kern darum, dass man bei seinem Mobiltelefon anhand Produkte den Barcode scannt  und dann Informationen zum jeweiligen Produkt erhält. Das heißt Preisvergleiche, Testberichte, Ökoinformationen, Bioinformationen.

Ist das beides das Gleiche? Barcoo und Woabi?

Es ist so, dass Barcoo auch insgesamt für Qualitätsinformationen steht. Das heißt, dass dort neben dem Preisvergleich Gesundheitsinformationen, Ökoinformationen, Nachhaltigkeitsinformationen im Vordergrund stehen. Das interessiert laut Statistik ungefähr 40% der Deutschen. Wir wollen aber noch einem größeren Markt entsprechen. Deswegen machen wir noch Woabi. Das sind zusammen oft Preisvergleich und Schnäppchensuche und lokale Angebote.

Wie lange gibt es Euch schon?

Also Barcoo wird betrieben seit Februar 2009 und Woabi ist zwei bis drei Monate später dann gestartet. Und insgesamt haben wir jetzt über 400 000 Installationen. Ich würde sagen ungefähr die Hälfte davon ist sehr aktiv.

Was heißt sehr aktiv, einmal am Tag?

Es ist natürlich je nach Use-Case zu unterscheiden. Weil zum Beispiel wenn man aus dem Internet vergleicht zum Beispiel bei billiger.de nutzen es die User ein bis zweimal im Jahr. Solche Leute gibt es dann nur sehr selten, welche es zwei bis drei Monate benutzen. Aber wir haben auch Leute, die es dann aktiv für den Medieneinkauf nutzen, Lebensmittelkonsum im Allgemeinen nutzen. Und dort ihr Ernährungstagebuch pflegen oder die Lebensmittelampel anschauen.

Du sagst ja es gibt Leute, die laufen in den Supermarkt mit ihrem Handy und scannen die Produkte ein und schauen „Was gibt es für Produktinformationen“  als Person für mich?

Ja genau. Oder Sie scannen aus dem eigenen Kühlschrank und leiten daraus die Informationen.

Warum brauchen sie das dauerhaft? Wenn sie es einmal gescannt haben, dann wissen sie doch was drin ist.

Zum einen gibt es immer wieder neue Produkte, worüber man sich wieder informieren kann. Wie zum Beispiel Inhaltsstoffe. Diese verändern sich dann aber auch mit der Zeit. Aber wenn man zum Beispiel ein Ernährungstagebuch führt, sollte man auch dringend scannen.

Wie verdient Ihr Eurer Geld?

Wir verdienen unser Geld zum einen dadurch, dass wir bei Woabi kostenpflichtig im App Store für das i-Phone anbieten. Und zum anderen bei Barcoo, das wir dort Werbung für die Ernährung anzeigen und Shoppingkurse.

Dass die Leute dann wenn sie auf die Werbung klicken ihr beteiligt werdet.

Genau. Ganz klassisch wie in den Läden der Preisvergleich.

Sucht Ihr noch Investoren?

Wir haben schon Investoren, da sind wir schon ganz gut aufgestellt. Für den vergangenen Monat, für den Dezember hat es sich schon sehr gut gelohnt. Weil Woabi durch i-Phone sich sehr extrem gut verkauft hat. Natürlich, Apps verkaufen ist kein wirklich nachhaltiges Geschäft.

Was sind Eure Visionen?

Zum einen sagen wir, dass es noch nicht so gut funktioniert hat wie wir es uns vorstellen. Und unsere Vision ist, dass eigentlich alle Grenzen komplett verfließen. Das heißt, wenn man lokal unterwegs ist, einfach diese Online-Preise abrufen kann. Aber nicht nur diese Online-Preise abrufen sondern auch wirklich einkaufen kann. Aber das ist im Moment ein Problem, weil es in Deutschland nur eine Handvoll Online-Shops gibt die mobil tauglich sind. Diese werden wir nächsten Monat erst starten, dass auch der mobile Einkauf möglich wird. Und auf der anderen Seite auch den Einzelhandel gut erschließen wollen. Und denen eine Plattform bieten möchten. Das heißt einfach eine Vermischung aller Welten im Frontend.

Was ist euer USP? Beste Infos, meiste Infos? Was kann man von Euch erwarten in den nächsten paar Monaten?

Wir haben es möglich gemacht, dass wir die meisten und besten Infos haben. Und das ist auch das woran wir in den nächsten Monaten arbeiten. Also es wird bei Barcoo die Nachhaltigkeitsampel kommen, das heißt wir werden verschiedene Csa-ratings hernehmen, aggregieren und auch Bewertungen zeigen wo man auch wieder Details anzeigen lassen kann.

Wir von kassenzone werden auch ein nächstes Interview machen und freuen uns auf das nächste Interviewgespräch.

Dankeschön.

Das Gespräch wurde halbautomatisch übersetzt. Teilweise können Wörter und Sätze nicht vollständig korrekt angezeigt werden.

Thema: Commerce, Mobile | Kommentare (1) | Autor: Alexander Graf

“So wie Vente Privée ist keiner” – Interview mit CEO A.-J. Granjon

Dienstag, 27. Oktober 2009 9:00

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit ein Interview mit Jacques-Antoine Granjon (CEO Vente Privée) in Hamburg zu führen. Ein guter Zeitpunkt alle Fragen zu stellen, die sich sonst nicht so einfach über andere Quellen beantworten lassen. Diese Möglichkeit hat auch Thorsten Boersma genutzt und die sehr interessanten (komplementären)  Ergebnisse auf seinem Blog veröffentlicht. Insbesondere die quantitativen Themen findet ihr eher dort. Ein paar Eindrücke aus dem Interview könnt ihr in dem folgenden beiden Videos sehen. Leider habe ich vergessen in den ersten 10min auf “Aufnahme” zu drücken, aber die restlichen Zusammenschnitte sind mE auch sehenswert.

Teil 1

Teil 2

Zusammenfassung des Interviews

Allgemeines zu JAG

  • Jacques-Antoine Granjon (JAG) ist enorm vom Vente Privée (VP) Konzept überzeugt. Er ist bereits seit ca. 25 Jahren im “Verwertungsgeschäft” und claimt deshalb diesen Bereich für sich.  Trotz, oder gerade wegen dieser Sturheit wirkt er enorm glaubwürdig und sympathisch.
  • Sein klarer Blick auf das Geschäft zeigt sich auch in den uns gegenüber geäußerten Businesswerten:
    • VP ist ganz klar ein B2B2C Geschäft und damit eher ein Service für Marken als eine B2C Plattform
    • Für Kunden soll es trotzdem (B2B) nur die besten Deals geben
    • Transparenz in den Preisen und Services ist das A & O der Kundenbindung
    • So wie Vente Privée ist keiner (zieht sich durch alle Fragen zum Wettbewerb :-) )

Vente Privée & der Kapitalmarkt

  • Der Frage nach den “Übernahmegerüchten” von VP durch eBay oder Amazon ist JAG etwas ausgewichen. Zurecht behauptet er aber, dass VP einfach sexy für alle größeren Marktteilehmer ist, aber mit 100 Mio. Cash auf dem Konto und ohne eigenes anorganisches Wachstumsinteresse kommt eine Beteiligung durch Dritte momentan nicht in Frage. Ob die 25% Beteiligung von Summit Partners irgendwann einmal abgelöst wird, konnte er nicht sagen. Er sieht als Option eher einen IPO, der sich im aktuellen Finanzmarktumfeld aber noch nicht anbietet.
  • Er sieht zudem noch ausreichend Wachstumspotenzial unter der Annahme, dass 2-8% aller Produkten in den Bereich overstock fallen.
  • JAG sieht sich auch in 5-10 Jahren noch als CEO und hat wenig Lust sich durch andere Investoren in seine Businessplanung reden zu lassen. Das ist wichtig vor dem Hintergrund seiner Internationalisierungsstrategie.

Gibt es Limits für das Konzept?

  • In diesem Jahr laufen bei VP europaweit 2.400 Kampagnen. Die Frage nach einer Kampagnenselektion (z.B. nach Kundeninteressen wie z.B. Sport) hat JAG klar beantwortet. Das ist für ihn überhaupt keine Option. Eine Selektion würde die Quote von Impulskäufen deutlich senken. Damit hat er Recht, weil ich in einer Selektionsmaske wahrscheinlich nichts zum Thema “Küche” ankreuzen würde und trotzdem schon ein paar Geschirrsets über solche Clubs bestellt habe.
  • Auch die Frage nach einer Art E-Mail Müdigkeit (Ich kann den Namen Nina von Winterfeld nicht mehr lesen) konnte JAG mit einer erstaunlichen Beobachtung beantworten.  Allgemein gilt für dieses Businessmodell die Formel “Anzahl registrierte Teilnehmer” x “Anzahl Aktionen” = “Umsatz”. Ich hätte nun ab einem bestimmten Punkt (z.B. mehr als 2 Aktionen pro Tag) eine sinkende Conversion erwartet, aber JAG bestätigt, dass die Conversion immer noch steigt. Dabei bleibe zwar ich als E-Mail-müder Kunde auf der Strecke, aber die Gesamtheit der Kunden findet es scheinbar sehr gut.
  • Er sieht keine Chancen für Nischenkonzepte, wie z.B. Kaffeeclubs. Er versteht das VP als zentrale Anlaufstelle für interessierte Kunden und das virtuelle Lager VP ist seiner Meinung nach unbegrenzt groß. In dieser Hinsicht könnte sich seine “Sturheit” mE langfristig als Nachteil erweisen, aber der Erfolg gibt ihm momentan Recht.
  • Solange die Nachfrage deutlich größer ist als das Angebot, sieht er keine Probleme.
  • Er sieht ebenfalls kein Limit für spezielle Produkte und Marken. Sogar Häuser und Autos haben in Frankreich sehr gut funktioniert.

Internationalisierung

  • Das Ziel von VP laut JAG ist es der größte Anbieter in Europa zu werden. Ok, das sind sie schon, aber sie möchten in allen wesentlichen europäischen Märkten Topplayer sein.
  • Für das Geschäftsmodell von VP ist das Voraussetzung, dass der entsprechende Markt a) groß ist und b) sich in einem reifen Lebenszyklus befindet. Er sieht aktuell keine Chancen für dieses Geschäftsmodell in “emerging markets”. Die Bemühungen der Wettbewerber in Osteuropa,  Südamerika oder Asien Fuß zu fassen kann er deshalb nicht verstehen. Den Hinweis auf den damit verbundenen Aufbau von Markteintrittsbarrieren für Folger beantwortet er wie folgt. “Wenn man in Wachstumsmarkt nur ein paar Kunden und ein Team hat, dann kann jeder Folger mit ordentlichen B2B Ansätzen (nur in reifen Märkten verfügbar) diesen Vorteil sofort aufheben.
  • Er sieht auch keine Option darin per anorganischem Wachstum neue Märkte zu erobern. Auch wenn man meinen könnte, dass das auf Angebot & Nachfrage basiert, glaube ich ihm das.
  • Dem US Markt sieht er kritisch. Die Anbieter (Marken/Hersteller) dort sind über die bestehenden Outletcenter bereits zu verwöhnt. Gilt Groupe ist seines Erachtens aber kein echter Wettbewerber, weil sie massiv ihr eigenes Lager auffüllen und damit ins (Waren-) Risiko gehen. Damit sind sie näher an einem Yoox.com als an VP.
  • Einen sehr wichtigen Hinweis hat JAG im Bezug auf die beste Strategie für die Bearbeitung neuer Märkte genannt. Es ist zwingend notwendig die komplette Wertschöpfungskette (Ausnahme IT) auf die neuen Märkte zu übertragen. Das erklärt auch den Aufbau der Infrastruktur von VP in Deutschland.

Details zu Vente Privée

  • 1.500 Mitarbeiter arbeiten bereits für VP, davon sind allein 90 Mitarbeiter als Einkäufer tätig.
  • Es gibt bereits sehr viele Länderübergreifende Aktionen bei denen die Marken aber ggf. ein Mitsprachrecht haben.
  • Es gibt nahezu keine Extraproduktion für VP Kampagnen. Lediglich bei fehlenden Sets wird nachproduziert. (Das ist leider nur schwierig zu belegen und für mich nicht ganz schlüssig )
  • Es wird keine Ware aufgekauft und selber aufs Lager genommen wie bei Gilt & Co. (Da scheint es verschiedenen Definitionen von Begriff “aufkaufen” zu geben)
  • Pro Tag melden sich über 13.000 neue Mitglieder an.
  • Montags wird der meiste Umsatz gemacht.
  • Social Media Marketing spielt auch zukünftig keine Rolle. Es bleibt also alles bei der E-Mail.

Soweit zu meinen Mitschriften. Uns hat das Interview viel Spass gemacht bedanken uns hiermit noch einmal bei JAG und seinem Team.

Thema: Commerce | Kommentare (6) | Autor: Alexander Graf