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Daten als Produktionsfaktor im E-Commerce

Donnerstag, 2. September 2010 12:44

Irgendwo habe ich vor ein paar Wochen einen Absatz zum Thema “Veränderte Produktionsfaktoren” gelesen. Ich kann die Quelle leider nicht mehr finden, aber das hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Möglicherweise ist das im Rahmen der Diskussion um die Netzneutralität gewesen. Ein Fall bei denen die Lummas und Lobos in diesem Land ihr Kürzel unter irgendetwas PR-wirksames setzen, um wieder ihre Auslastung für Social Media Gedöns Workshops zu erhöhen.

Wenn man genauer über das Thema nachdenkt, dann zeigt sich diese Faktorenveränderungen doch recht deutlich. Wir hatten das im Rahmen einer VC-Life-Cycle Betrachtung schon einmal. Dort hat sich die Bedeutung von Kapital und Know How massiv verändert.

Während früher (in der offline Zeit) der Erfolg eines Unternehmens relativ stark von den drei Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden abhing, ist das für die meisten Online Geschäftsmodelle nicht mehr der Fall. Boden spielt im Internet keine Rolle mehr (abgesehen von Domains) und auch die Bedeutung von Kapital hat sich verringert (siehe VC Beitrag). Arbeit ist eher wichtiger geworden, allerdings ist damit nicht mehr die Massenarbeit/Stückarbeit gemeint, sondern der Zugang zu Know How. Ein guter Programmierer ersetzt hundert dumme.

Zu den drei “alten” Produktionsfaktoren gesellt sich nun ein neuer. Daten bzw. der Zugang dazu spielt eine immer größere Rolle für den Erfolg von Online Geschäftsmodellen. Insofern halte ich die Google Aktie noch für deutlich unterbewertet. Wenn Google seine Daten tatsächlich vollständig nutzen könnte, dann wären noch viel mehr Profite möglich. Das erklärt ggf. auch die hohe Bewertung von Geschäftsmodellen die noch gar kein Geld verdienen (Twitter, Facebook, lastfm…). Sie produzieren massenweise Daten mit denen man (ggf. erst morgen) viel Geld verdienen kann.

In der Abbildung habe ich das versucht schematisch darzustellen:

Veränderung von Produktionsfaktoren

Veränderung von Produktionsfaktoren

Aber was heißt das nun für E-Commerce Geschäftsmodelle? Dazu ein paar Thesen:

  • Bewertungen von Online Geschäftsmodellen die “nur” mit der Anzahl von Mitarbeitern und (nicht-profitablen) Umsätzen werben verändern sich. Das heißt z.B. für ein Modell wie Brands4Friends, dass die Generierung von Nutzerdaten (Interessen, Kaufabsichten…) mittelfristig höher zu gewichten ist, als die reine Umsatzhöhe.
  • Geschäftsmodelle die auf vorhandene Daten aufsetzen und ggf. neue generieren sind mittelfristig noch interessanter. (z.B. polyvore)
  • Die Fähigkeit Geschäftsmodelle komplett datenbasiert zu steuern bzw. zu 100% Daten als Steuerungsmechanismus zu verwenden erhöht die Zahlungsbereitschaft für solche Geschäftsmodelle bzw. für Personen mit entsprechendne Know How. Heute werden die meisten Shops z.B. eher aus einer klassichen Marketingsicht gesteuert. Sieht die Kategorieseite hübsch aus?
  • Geschäftsmodelle die keinen Gewinn produzieren, aber massiv Daten sind äußerst wertvoll. (siehe Twitter)

Thema: Commerce, Technologie | Kommentare (18) | Autor:

Ideen für Geschäftsmodelle 2010: Daten

Freitag, 29. Januar 2010 7:17

E-Commerce Geschäftsmodelle sind in der Regel sehr anstrengend, wenn man versucht alle Wertschöpfungsstufen zu bedienen. Kunden gewinnen, Zulieferer überzeugen, Plattform programmieren, Abmahnungen vermeiden…. das ist nicht ohne. Das hält trotzdem nur wenige Teams davon ab ihr Glück in diesem vermeintlich hoch attraktiven Geschäftsfeld zu versuchen. Zu oft wird dabei aber Umsatz mit Ergebnis verwechselt.

Nachdem immer mehr Anbieter im E-Commerce vertreten sind, besteht mittelfristig die Herausforderung weniger darin weiteres Angebot online zu bringen, sondern das richtige Angebot den richtigen Kunden zur richtigen Zeit anzubieten. Diese Herausforderungen sind nicht trivial und kaum durch technikaverse WHU Studenten zu lösen. Deshalb glaube ich, dass wir 2010 viel mehr Geschäftsmodelle rund um das Thema Daten beobachten werden. Grundsätzlich lassen sich zwei grundsätzliche Bereiche unterscheiden.

  1. Es werden Geschäftsmodelle benötigt, die Unternehmen (B2B) dabei helfen Daten zu managen. Das betrifft die Themen Tracking, Speicherung und am wichtigsten: Analyse. Viele bestehende Systeme können nicht mehr die Anforderungen der Business Intelligence Abteilungen erfüllen. Ein interessanter Spieler in diesem Umfeld ist die Firma Sones aus Erfurt. Von denen werden wir mE noch viel hören.
  2. Die andere Seite betrifft die deutliche bekannteren, weil kundenseitig (B2C)  aktiven Geschäftsmodelle. Da lassen sich z.B.  die klassischen automatischen Aggregatoren (guenstiger.de) und Multiaggregatoren (123people.com) nennen. Einen Boom gibt es aber momentan auch bei manuellen Aggregatoren wie z.B. Gutscheinplattformen, weil diese Informationen teilweise noch nicht effizient von Maschinen gesammelt werden können.

Beide Geschäftsmodelltypen verbindet eine sehr techniklastige Ausrichtung. Im B2B Bereich ist die Sache ungleich komplexer. Aber gerade dadurch wird es spannend. Wenn immer mehr Anbieter entstehen, die mit der Aggregation von Daten Geld verdienen, dann sind die Techniklieferanten umso besser aufgestellt. Im Goldrausch sollte man Schaufeln verkaufen.

Daten Geschäftsmodelle

Datengeschäftsmodelle - BC2 & B2B Sicht

Für die Leser von Kassenzone.de sind wahrscheinlich eher die B2C Geschäftsmodelle interessant. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass die Anbieter von lokalen Shoppingdaten mehr Geld verdienen werden als die Entwickler der iphone App mit der  ”location based products” angezeigt werden.

Wer trotz dieses Erkenntnis auf der B2C Seite aktiv werden möchte, sollte sich kritisch mit den bestehenden Kundenbedürfnissen auseinandersetzen. Was fehlt den Kunden noch online? Welche Daten könnten für dieses Problem verwendet werden? Wie kann man die Daten mit eigenen Daten (z.B. Einkaufsverhalten) aufwerten? Mir fallen dazu viele Geschäftsmodelle ein, aber wir sind hier auf der Suche nach Konzepten die sich bereits in der Gründungsphase befinden und das Potenzial besitzen das Shopping bereits 2010 zu verändern. Wer will?

Thema: Commerce, Ideen, Strategie | Kommentare (11) | Autor: