Das Sand Theorem

Mittwoch, 19. Oktober 2011 10:23 | Autor:

Ich bin selber immer wieder erstaunt über die mangelnde Fähigkeit von Großunternehmen sich neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Sehr schön verfolgen kann man das als “Zuschauer” am Beispiel der Mediamarkt Online Posse. Dabei ist es in der Feinanalyse gar nicht so einfach herauszufinden, wer die Fehler macht und wie es zu derart grotesken Entscheidungen kommen kann. Im Einzelgespräch mit den Verantwortlichen wird man in der Regel sinnvolle Antworten bekommen. Von außen betrachtet sieht die Welt doch sehr einfach aus. Der Konzern XYZ hat doch die Kompetenzen ABC, damit müsste er doch locker Geschäftsmodell FGH machen können. So sieht die Welt von außen oft aus. Nach diesem Schema werden die Konzerne (zu Recht!) oft beurteilt. Ich habe diesbezüglich mit meinem Denksportkollegen Holger eine schöne Metapher gefunden mit der wir das oberflächlich betrachtet irrationale Verhalten sehr schön darstellen können. Die Frage nach dem “Warum” interessiert mich vor allem deshalb, weil ich gerne mit meinen eigenen Unternehmen so etwas vermeiden möchte. Mit eTribes haben wir mittlerweile eine kritische Größe (mehr als 50 Mitarbeiter) erreicht bei der man genau diese Ereignisse mit ein paar Eingriffen in das System verhindern bzw. verzögern kann.

Die Methapher bzw. das Sand Theorem

Für unser Bild benötigen wir drei Bestandteile.

  • Erde: als Symbol für fruchtbaren Boden mit allen Inhaltstoffen für ein schnelles Wachstum. Das ist z.B. Managementpower, Fachkompetenz, Netzwerk…. eigentlich Dinge die in einem Konzern zu finden sind.
  • Pflanzen: als Symbol für Geschäftsmodelle die auf dem Boden wachsen müssen. Das können sehr verschiedenen Pflanzen sein. z.B. Orchideen, sehr aufwändige Modelle, die alle Nährstoffe im Boden brauchen oder Kakteen die eher genügsam sind und kaum betreut werden müssen.
  • Wasser: Als Symbol für Kapitalbedarf, den ein neues Geschäftsmodell in der Regel hat. Wenn im Boden sehr viele “Nährstoffe” sind, dann braucht die Pflanze etwas weniger Wasser. Man kann die Pflanze aber auch “übergießen”. Dann schwimmt sie im Wasser und ertrinkt.

Das Bild kann man beliebig ergänzen mit passenden Bestandteilen (Wetter = Marktumfeld, Monokulturen = Mangelportfolio….), aber es reicht erst einmal aus um grundsätzlich zu erklären welche Rahmenbedingungen ein Geschäftsmodell braucht. In der Theorie stehen in einem Konzern alle diese Bestandteile ausreichend zur Verfügung. Warum klappt es dann so selten mit dem Aufbau neuer Modelle aus einem Konzern heraus? Nun kommt der Sand ins Spiel. Der Sand liegt auf der Erde – dem fruchtbaren Boden – und sorgt dafür, dass das Geschäftsmodell mit seinen Wurzeln nicht an die wichtigen Bodenressourcen gelangt.

Viel Konzern = viel Sand. Da kann man so viel gießen wie man will, es wird in der Regel nicht gelingen ein neues Modell in diesem Umfeld zu entwickeln. Ausgenommen davon sind Wasserpflanzen, also extrem kapitalintensive Modelle die vor allem gegossen werden müssen.

Was genau ist der Sand?

  • Mangelnde Entscheidungsfreiheit (Budgetfreiheit) der verantwortlichen Projektmanager
  • Steuerungsgremien, die de facto gar nicht steuern können, weil sie nicht am Modell arbeiten
  • Lange Milestonefristen
  • Fehlende Incentivierung der Projektmanager
  • ……

Was kann man dagegen machen?

Jeder einzelne Punkt ist in der Regel veränderbar, aber in der Summe sind es zu viele Punkte und zu viele Veränderungen die an den Grundfesten eines Konzerns nagen. Es ist nun einmal für die Gesamtorganisation sinnvoll, wenn man Entscheidungen durch Gremien laufen lässt. Das senkt das Risiko und sichert Tausenden den Job. Aber genau diese Strukturen die ein altes Geschäftsmodell gut & sicher machen, verhindern den Aufbau neuer Modelle. Da hilft in der Regel auch kein eigenes Gewächshaus (ausgelagerte Unternehmensentwicklung), weil die Modelle sich früher oder später ohnehin im sandigen Umfeld beweisen müssen. Ich glaube man kann mit ausreichend Willen viele Sandschichten abtragen, aber man kann leider nicht den fruchtbaren Boden imitieren auf dem neue Modelle entstehen. Umso wichtiger ist es, beim Aufbau von Unternehmensstrukturen darauf zu achten, dass wenig Sand entsteht. Unternehmen die a) groß und b) schon lange erfolgreich sind, scheinen das zumindest bis heute geschafft zu haben.

Die wesentlichen Sandtreiber:

Sicherlich kann den Prozess der Wüstenbildung verlangsamen, aber man kann ihn mE nicht aufhalten. Auch die größten, sehr innovativen Unternehmen wie z.B. Amazon oder Google sind mittlerweile nicht mehr in der Lage aus eigener Kraft neue Modelle zu entwickeln. Sie kaufen dazu. Immerhin schaffen sie es auch kleine, innovative Modelle zu integrieren. Das schaffen viele andere große Unternehmen nicht mehr.

Wüstenbildung in Unternehmen

Wüstenbildung in Unternehmen - gemalt von Folienknecht.com

Das war es mal wieder mit einem Ausflug in den Bereich der Organisationstheorie. Ich bin gespannt auf die Diskussion. In den nächsten Artikeln geht es um den Stand bei moinchef.de, B2B Groupon Modelle, AirBnB für Büros und vielleicht auch um dieses geheimnisvolle Folienknecht.com was ab sofort alle Slides von Kassenzone.de malt.

Thema: Organisation | Kommentare (4)

Noch drei Wochen bis zum wichtigsten Startupevent im Norden

Donnerstag, 28. Juli 2011 22:25 | Autor:

Dank des immensen Traffics durch meinen Zalando Artikel findet dieser Sponsorenaufruf für das Barcamp Kiel hoffentlich noch ein paar Empfänger. In drei Wochen (am 19. & 20. August) findet in Kiel das 2. Barcamp statt. Mit für Kiel unglaublichen 300 angemeldeten Teilnehmern ist es mit Abstand das wichtigste Startupevent in Schleswig-Holstein. Es sind noch ein paar Restplätze zu haben und es wird sich bestimmt lohnen. Das Barcamp findet im wunderschönen Kieler Wissenschaftszentrum statt, direkt neben den Kieler eTribes Büros. Alle Besucher des Barcamps sind natürlich auch herzlich bei uns auf einen Kaffee eingeladen. Es gibt mittlerweile neben moinchef.de noch weitere fünf spannende Startupprojekte in unseren Kieler Räumlichkeiten. Abends geht es beim Kieler Barcamp in der Regel zum Wasser an die Förde oder direkt zum Strand. Es lohnt sich also. Damit auch reichlich Frühstück und Kekse für 300 Personen angeboten werden können, sind die Organisatoren noch auf der Suche nach ein paar Euro. Wenn ihr also noch 500 Euro übrig habt, dann investiert sie bitte in das Barcamp, kommt vorbei, bekommt tolle Backlinks & super Karma.

Ich werde Sessions zu verschiedenen Themen anbieten. “Learnings aus Moinchef“, “Get big fast am Beispiel Zalando“, “Business Model Rating & Co.” werden wohl dabei sein.

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Zalando: Zahlen, Fakten, Gerüchte

Mittwoch, 27. Juli 2011 10:23 | Autor:

Zalando bewegt die Gemüter. Das lässt sich in den diversen (oft trivialen) Beiträgen und den zugehörigen Kommentaren zu diesem Rocket Internet Projekt ablesen. Besonders oft liest man von angeblich überzogenen Bewertungen und Mitleidsbekundungen für die aktuellen und/oder die zukünftigen Investoren die das investierte Geld niemals wiedersehen werden. Die Mehrzahl dieser Beiträge sind lediglich subjektive Meinungen, teilweise auch Gerüchte, gestützt durch… nix. Das nehme ich in den folgenden Sätzen gerne zum Anlass, um möglichst Objektiv die Fakten von den Gerüchten zu trennen. Vielleicht lässt sich so eine faire Bewertung für das Projekt “Zalando” ableiten. (Disclosure: Obwohl ich im Rahmen des eTribes Frameworks beruflich mit der Bewertung solcher Modelle zu tun haben, ist dieser Artikel rein privater Natur.)

Geschäftsmodell:

Zum Start vor knapp zwei Jahren, sicherlich inspiriert durch zappos.com, hat Zalando Amazon-like diverse Entwicklungsstufen im Zeitraffer durchlaufen und hat heute noch kaum etwas mit einem serviceorientierten Schuhshop zu tun. Mit der Sortimentsausweitung in den Bereich Fashion, dem Aufbau von Eigenmarken (sehr komplex) und den kürzlichen Ausflügen in Richtung E-Commerce Service Provider hat Zalando bereits wichtige Meilensteine geschafft. Ob das nun mit der guten Ausbildung des Teams (Grüße ans Gymnasium Kronshagen!) oder mit dem Support durch das Samwerteam zu tun hat, darüber kann gestritten werden. Ich denke eher, dass es notwendige Anpassungen sind, um mit so einem Händlermodell überhaupt Geld verdienen zu können. Sortimentsbreite durch Fashion = höhere Warenkörbe (mehr Ausschöpfung), Eigenmarken stärken die Marge und B2B Services sorgen für bessere Auslastung/geringe Stückkosten. Es geht bei einem solchen (unattraktiven) Händlermodell mE nicht darum die Gewinne zu erhöhen, sondern erst einmal in die Gewinnzone zu kommen. Das dürfte auch bei einer durch Florian Heinemann optimierten Onlinemarketingstrategie nicht einfach sein. Das Modell kann nur funktionieren, wenn alle Prozesse (inkl. Retouren) effizient laufen und große Umsatzvolumina erreicht werden. Den zweiten Part dürfte Zalando bereits geschafft haben. Beim ersten Part sind kundenseitig bereits sehr viele Themen in der Spur. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die enge Verzahnung der diversen Absatzkanäle zu verschiedenen Preisstufen (Zalando, Lounge, Offers…) sehr intelligent. Wenn Zalando es schafft für die diversen Marken in Deutschland/Europa der größte Absatzkanal zu werden (für einige Marken ist das mE bereits der Fall), treten zudem noch Skaleneffekte ein, die deutliche Margenvorteile gegenüber anderen Händlern bringen kann. Trotz aller Optimierung wird es aber vor Investitionen auch langfristig nicht möglich sein zweistellige Margen mit diesem Modell zu erwirtschaften. Dafür die Kundenakquisition in diesem Markt zu teuer.

Strategie & Operations:

Ich gehe davon aus, dass Rocket das Zalando Projekt relativ opportunistisch entwickelt hat. Dass am Ende nun so ein dickes Ding daraus wird, war nicht absehbar und liegt nicht zuletzt an ein paar branchenbedingten Veränderungen und der Bereitschaft einiger Investoren mit viel Kapital in das Modell einzusteigen. Auf den ersten Blick sieht eine Inkubatorenstruktur denkbar ungeeignet aus ein solch kapitalintensives Modell zu entwickeln und langfristig zu halten. Bei näherer Betrachtung wird aber deutlich, dass nun nach fast zwei Jahren die Zentralstrukturen von Rocket bei Zalando nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Zalando führt also nicht mehr dazu, dass andere Projekte liegengelassen werden müssen. Es hat sich eher zu einer aktiv gemanagten Beteiligung entwickelt. Das wird u.a. auch durch mittlerweile einigermaßen professionelle Teamstrukturen bei Zalando deutlich, auch wenn sich die Mitarbeiter eher bedeckt halten bei Xing & LinkedIn. Auch Rocket hat sich in den letzten beiden Jahren weiterentwickelt. Nicht zuletzt darum äußert sich Oliver Samwer in Interviews offen für langfristige Engagements und ein Partnermodell bei Rocket. Das macht Sinn, weil das Geschäft weniger volatil wird und trotzdem genauso lukrativ sein kann. Die Frage “Wann verkaufen die endlich?” ist aus meiner Sicht daher falsch. Es gibt keinen Verkaufsdruck mehr, solange der Business Case erfüllt wird. Ob es am Ende ein Börsengang wird oder einfach ein profitables Modell muss jetzt nicht entschieden werden. Auch diese Entscheidung (muss) wird opportunistisch fallen.

Operativ hat Zalando viele Sachen sehr gut gemacht. Sie sind beim Thema Online Kompetenz der mit Abstand beste Händler am Markt. Sie haben TV-Performance-Marketing groß gemacht und werden demnächst damit sicherlich in einigen Lehrbüchern zitiert. Grundsätzlich gab es solche Deals (auch im Radio Bereich) schon sehr lange, aber die gem. Branchengerüchten 60 Mio. Bruttowerbewert 2010 sind neu und definieren den Markt für Folger. Im Backend (Prozesse, Abwicklung, Retouren…) musste Zalando bisher sicherlich Lehrgeld zahlen, aber wer so stark wächst, wird das ausgleichen können. Zalando ist bereits jetzt DAS Online Brand für Fashion & Schuhe, hat ordentliche Werte im Bereich Kundenzufriedenheit und macht in der Abwicklung viele Sachen sehr gut. Im Bereich Steuerung & Performance der Kundenakquisition über alle Kanäle hinweg sind sie in dieser Größenordnung der Maßstab für den Markt. Man wird auf der Einkaufsseite sicherlich auch mal den ein oder anderen unzufriedenen Händler finden, aber die Marktmacht von Zalando (in Deutschland) ist bereits enorm. In der Summe werden die Partner mit Zalando zufrieden sein. Das nächste “Meisterstück” wird die Etablierung starker Eigenmarken, die ordentlich Geld in die Zalando Kasse spülen (müssen). Das ist leider nicht so gut multivariat testbar wie der Aufbau von Landingpages und daher entsprechend teuer. Genauso verhält es sich mit der Senkung der Retourenquote und dem Aufbau von zugehörigen Prozessen. Mit etwas Geduld und Kapital sind aber auch diese operativen Herausforderungen zu meistern.

Zahlen:

Es kursieren die verschiedensten Zahlen im Markt. Ich versuche mal ein paar von den “Gerüchten” zusammenzufassen.

Kapitalrunden: Laut Exciting Commerce gab es bisher 14 Kapitalrunden. Aus der Anzahl der Runden lässt sich leider nicht die Kapitalausstattung ablesen und schon gar nicht die Verteilung der Anteile. Da Zalando aber weiterhin ordentlich Gas gibt, insbesondere mit der kapitalintensiven Internationalisierung, scheint es kapitalseitig noch zu funktionieren. Die Kapitalrunden sind sicherlich auch im Interesse der Kapitalgeber, da sie so in jeder Runde zu aktuellen Bewertung, ggf. sogar unter Vorzugsbewertung, ihre Anteile aufstocken können. Kritisch ist ggf. die Höhe des bereits eingezahlten Kapitals durch die Hauptkapitalgeber. Damit sind sie gewissermaßen in einer Lock-In Situation und “müssen” finanzieren. Die bisher getätigten Investitionen werden in dieser Größenordnung nicht mehr als Sunk Costs betrachtet, auch wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre. Heißt: Auch wenn Holtzbrinck dem Modell mittlerweile kritisch gegenüber stände, würden sie weiter finanzieren. Ich gehe davon aus, dass mittlerweile ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag in allen Zalandoaktivitäten steckt. Allein der Aufbau des Lagers wird bisher einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben.

Mediadeal: Zu diesem Thema gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen. In der Summe wird davon ausgegangen, dass der Mediapartner eine Kaufoption auf ca. 5% der Zalando Anteile zu einer vorher vereinbarten Bewertung hat. Im Gegenzug wird massiv Mediavolumen (ca. 60 Mio. brutto 2010) zur Verfügung gestellt und mit den daraus resultierenden Mehrumsätzen anteilig vergolten. Der Mediapartner braucht also ein ordentliches Tracking. Der Handelspartner wird versuchen die meisten Umsätze anderen Kanälen als Direct bzw. Google Brand zuzurechnen. Es ist nicht auszuschließen, dass es dabei auch mal zu Streitigkeiten kommt, wenn solchen Volumina dranhängen. Unabhängig davon scheint es für beide Seiten zu funktionieren, sonst wäre der Werbedruck nicht mehr so hoch. Ich gehe davon aus, dass alle etwas größeren Startups mittlerweile versuchen solche Deals zu bekommen. Auf der Medienseite steigt nach meiner Beobachtung auch die Bereitschaft solche Deals zu machen. Ungenutzte Werbeplätze stehen in Massen zur Verfügung. Ich bin gespannt wie sich z.B. die Beteiligungen des neuen German Media Pools entwickeln.

Umsatz: Auch beim Umsatz gibt es sehr unterschiedliche Annahmen. In den einschlägigen Blogs und Kommentaren gibt es aber viele Kommentare die auf Basis von Durchschnittswarenkörben, Retourenquoten, Trafficquellen & Co. gute Ansätze für eine Umsatzschätzung liefern. Außerdem gibt es Möglichkeiten die Bestellanzahl mit Hilfe der Artikelnummern zu schätzen. Das geht dann zwar langsam in den Bereich der Glaskugel, aber es liefert teilweise interessante Ergebnisse.  Basierend auf solchen Schätzungen und einigen Marktinfos dürfte Zalando 2010 zwischen 250 und 400 Mio. Euro Bruttoumsatz gemacht. Ich gehe davon aus, dass sie bereits jetzt teilw. Wochenumsätze jenseits der 20 Mio. Euro Marke fahren und wenig Probleme haben werden in 2011 die Milliarde Bruttoumsatz zu überspringen. Vielleicht wird es sogar noch mehr, aber dafür muss die Kundenbasis noch deutlich wachsen. Den leichten Einbruch bei Google Trends sehe ich noch nicht kritisch. Ich denke, dass Zalando mittlerweile in der Lage ist sehr viel direkten Traffic auf seine Website zu ziehen (Brand!), so dass Google mit dem Tracking nicht hinterherkommt. Interessanterweise korreliert der Google Traffic auch mit dem Mediadruck. Heißt: Die Kunden neigen dazu das beworbene Produkt/Unternehmen erst einmal bei Google einzugeben anstatt direkt auf die beworbene Website zu gehen.

Ergebnis: Es ist nicht zielführend in der aktuellen Phase über EBT & Co. zu diskutieren, weil wir ja gar nicht wissen welches Ziel mit dem Unternehmen verfolgt wird. Im Deckungsbeitrag 2 wird Zalando sicherlich profitabel laufen, aber was dahinter kommt ist von außen nicht ersichtlich. Vor Investitionen wird es allerdings schwer zweistellige Margen zu erreichen. Mich würde momentan interessieren, was generell vor Investitionen bei Zalando hängen bleibt. Das momentan viel Geld für den Aufbau der Unternehmung gebraucht wird, ist nicht zu übersehen. Das hat allerdings nichts mit der Profitabilität des Geschäftsmodells zu tun. Das wird in der Diskussion über Zalando aus meiner Sicht oft vermischt.

Bewertung: Szeneorakel Jochen hat gerade einen vielzitierten Wert von 1,6 Mrd. Euro zur Sprache gebracht. In den Kommentaren wird dieser dann auf ca. 1 Mrd. reduziert, weil die Annahmen noch einmal überprüft worden sind. Für ein Unternehmen, dass innerhalb von 2,5 Jahren auf ca. 1 Mrd. Euro Umsatz wachsen wird und hinter dem noch sehr viel Phantasie steckt, ist eine solche Bewertung durchaus moderat. Abgesehen davon ist diese Bewertung 100% virtuell, weil niemand 1 Mrd. Euro für Zalando gezahlt hat, sondern alle darauf wetten, dass das Unternehmen noch viel viel größer wird. Damit verabschiedet sich Zalando langsam von der Möglichkeit gekauft zu werden und muss auf einen IPO hinarbeiten, damit die Investoren ihren Einsatz kapitalisieren können. Als Käufer bleiben neben eBay und Amazon (unwahrscheinlich) nur noch sehr sehr wenige Unternehmen im Spiel. Verglichen mit den Bewertungen zu LinkedIn, AirBnB, Facebook und Groupon ist Zalando eher unterbewertet. Das hat allerdings nichts mehr mit den Zahlen zu tun, sondern ist eher ein Zeichen einer Blase. Auch beim erwarteten KGV (vor Invest) können bei 1 Mrd. Euro Umsatz und hoher Wachstumserwartung ordentliche Werte unter 20 erreicht werden. (eigene Schätzung)

Fazit:

Ich zolle größten Respekt vor dem was das Zalando Team und Rocket Internet innerhalb der letzten beiden Jahre aufgebaut hat. Dazu gehört schön sehr viel unternehmerische Kompetenz und operative Exzellenz. Mit dem oft gehörten “Geld verbrennen” hat das aus meiner Sicht nichts zu tun. Man kann bei der Bewertung des Geschäftsmodells oder der Wachstumsstrategie sicherlich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ich halte es aber für äußerst gewagt Zalando als Blase zu bezeichnen bei der nur Geld verbrannt wird. Für Leute die lernen wollen wie heute E-Commerce funktioniert bietet Zalando sicherlich eines der attraktivsten Arbeitsumfelder in Europa. Ob es am Ende funktioniert und die Wette auf das Modell und den Markt aufgeht ist noch nicht abschließend zu sagen. Das liegt nicht zuletzt daran wie einfach die Beschaffung weiteren Wachstumskapitals wird. Momentan sieht es ganz gut aus. Eine kleine Finanzkrise kann sich allerdings sehr negativ auf den Erfolg auswirken. Es bleibt also spannend.

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Thema: Commerce | Kommentare (30)

Büro für 165€ in Hamburg, Kiel und Darmstadt

Montag, 18. Juli 2011 10:30 | Autor:

165euro BürogemeinschaftWie alle neuen Startups haben wir in Kiel für moinchef.de und in Hamburg für eTribes Büros gesucht, die das Startupleben vereinfachen und sich unserer geschäftlichen Erfolg (oder Mißerfolg) flexibel anpassen. In Hamburg haben wir dafür eine Fläche (ca. 600m²) in der Nähe der U-Bahn Station Wartenau angemietet die wir an interessierte Startups untervermieten. Das funktioniert nun seit ein paar Monaten hervorragend. Es macht einfach Sinn, wenn Gründer mit ähnlicher Ausrichtung zusammenarbeiten und sich Ressourcen teilen. Das macht alles einfacher und wesentlich schneller. In Kiel gab es bis vor Kurzem noch keine Möglichkeit in so einem Umfeld zu arbeiten. Zwar gibt es mit ein paar städtisch geförderten Einrichtungen, wie z.b. dem KITZ, auch gründungsorientierte Büroumfelder, aber die Schnittmengen in solchen Gründerzentren sind in der Regel zu klein, so dass kein echtes Startupflair entsteht. Aus dieser “Not” haben wir mit 165euro.de ein kleines Bürovermietungsbusinessmodell gegründet und bieten dieses Umfeld direkt auf dem Unicampus in Kiel nun selber an. Das Konzept ist einfach erklärt:

165euro ist die Idee jungen Unternehmen und Geschäftsmodellen einen vollwertigen Arbeitsplatz für 165 Euro/Monat zu bieten – ohne Folgekosten und monatlich kündbar. Dazu bieten wir in Hamburg, Kiel und Darmstadt ein Umfeld in dem bereits sehr viele Unternehmen aus dem Internetumfeld sehr zufrieden sind. Mit dem Betrag können wir gut unsere Kosten decken, aber es ist nicht unser Ziel damit reich zu werden.

Nun kann man also in Kiel ein Büro mieten und braucht pro Arbeitsplatz inkl. WLAN, Kaffee & Co. nur 165€/Monat zu zahlen. Aufgrund der Nachfrage, haben wir unseren Konferenzraum in Kiel nun auch mietbar für Externe gemacht. Die genauen Anschriften findet ihr unter http://www.165euro.de/standorte/. Wir freuen uns auf Besuch und auch neue Untermieter die mit uns gemeinsam am Jokerz Flipperautomat oder an der Carrerabahn Online Wachstumsstrategien besprechen wollen.

Thema: eTribes | Kommentare (1)

In eigener Sache

Freitag, 8. Juli 2011 16:39 | Autor:

In der letzten Zeit war es etwas ruhiger im Blog hier. Das wird sich zumindest teilweise ändern, wenn ich etwas mehr Zeit finde. Nach ca. vier Jahren und spannenden Aufgaben in der Otto Group bin ich wieder zu 100% auf die Unternehmerseite gewechselt und möchte das Internet noch mit der ein oder anderen Website bereichern. Im Auftrag der Otto Group habe ich viele spannende Online Konzepte kennengelernt, analysiert, gekauft (z.B. limango) und in ca. 90% der Fälle für ungeeignet befunden. Als “Analyst” kann man es sich da oft einfach machen. Man muss sich schließlich nicht mit dem anstrengenden Startup Alltag, wie z.B. SEM, MVT, HR & Co., rumschlagen. Das hat sich nun für mich geändert, indem ich parallel an zwei Projekten mitarbeite und versuche diese zum Erfolg zu führen. Obwohl man es erwarten könnte, sind beide Themen nicht im B2C E-Commerce Bereich angesiedelt. In dem kenne ich mich zwar sehr gut aus, allerdings finde ich diese Branche als Gründer momentan nicht attraktiv.

Projekt 1: eTribes

eTribes Logo

eTribes ist ein Unternehmensnetzwerk ausgerichtet auf den Aufbau von Online Geschäftsmodellen. Teilweise vergleichbar in der Strukturierung mit Rocket Internet, mit dem Unterschied, dass alle “Fachabteilungen” ihre Leistungen auch am Markt anbieten und damit eine Art institutioneller Co-Founder entsteht. Das Projekt läuft seit einigen Monaten und mittlerweile arbeiten ca. 60 Personen in dem Netzwerk in verschiedenen Agencies und diversen Geschäftsmodellen im Aufbau. Warum mache ich das? Ich möchte in der Lage sein meine Ideen effizient online umzusetzen, ohne jedes Mal von Neuem ein komplettes Team inkl. Developer, Vertrieb und Servicecenter aufbauen zu müssen. Das ist a) teuer und b) vergleichsweise langsam. Mit etribes schaffe ich mir selber die Möglichkeit meine eigenen Projekte schneller und günstiger umzusetzen. Das Netzwerk wird bereits von einigen großen Unternehmen genutzt, um deren Geschäftsmodellen in den ersten Monaten effizient aufbauen zu lassen. Auch wenn es im ersten Moment so aussieht, ist es kein Inkubator. Es  ist eher ein Dienstleisternetzwerk für große Unternehmen, VCs oder Inkubatoren die sich Ressourcen einkaufen müssen. eTribes.de ensteht gerade und wird in den nächsten Wochen noch mehr Hintergrundinfos bereitstellen. Meine Rolle in dem System liegt in den ersten Phasen, bei der Auswahl & Konzeption von Geschäftsmodellen. Wir sind bereits an drei Standorten aktiv (Hamburg, Kiel & Darmstadt). Jeder Interessierte ist gerne eingeladen vorbeizuschauen und die Leute bei und hinter etribes mal kennenzulernen. Dann wird relativ schnell klar warum das funktionieren kann.

Projekt 2: Moinchef

Moinchef LogoAn moinchef.de arbeite ich schon seit Mitte 2010. Seitdem mir in verschiedenen Firmen und Positionen der Fachkräftemangel sehr plastisch vor Augen geführt worden ist, glaube ich dass sich die Art und Weise von Recruitingmaßnahmen in den betroffenen Branchen verändern wird. Die Buchung von Anzeigenplätzen in verschiedenen Medien (Stellenbörsen, Tageszeitungen) ist in Arbeitnehmermärkten (Mehr Arbeitsplätze als Arbeitnehmer) immens ineffizient. Für kleine Unternehmen ist das sowieso sehr unattraktiv, weil auch teure Anzeigen auf bekannten Stellenbörsen oft zu keiner signifikanten Conversion (Bewerbungen) führen. Moinchef.de ist/wird ein System mit dem man sein Stellenanzeigenbudget effizienter einsetzen kann. So eine Art Perfomance Tool für Stellenanzeigen. Wir bauen ein eigenes Publishernetzwerk auf und binden diverse weitere Kanäle (Suchmaschinen, Vermarktungsnetzwerke, Social Networks…) ein, um die Stellenanzeige aktiv zu den dortigen Nutzern zu pushen. Natürlich auf Basis ausgebuffter semantischer und ortsbasierter Analysen, damit z.B. die Leser von Kassenzone.de nur relevante Stellenanzeigen sehen. Wir befinden uns in der Open Beta und es funktioniert bereits erstaunlich gut, auch wenn wir natürlich noch eine Menge zu tun haben. Insbesondere der Aufbau eines eigenen Publishernetzwerkes ist doch anstrengender als gedacht. Wenn ihr also coole Fachblogs und/oder Foren betreibt, dann werdet ihr noch von uns hören bzw. kommt selber zu uns, um am Fachkräftemangel zu verdienen. Wer gerade offene Stellen hat, kann mit dem Code “kassenjobs” bis zum Ende Juli die erste Stellenanzeige auf moinchef.de zum Preis von 25€ statt mind. 79€ einstellen. Zum Start rechnen wir noch nach Fixpreis ab. Mittelfristig könnt ihr aber ähnlich wie im Performance Bereich qualifizierte Ansichten eurer Stellenanzeige kaufen. Die Frage ist dann nur noch, welches Budget ihr dafür vorseht. Im Fall von moinchef nutze ich eTribes übrigens für die Themen Web-Development, Infrastruktur und Direktvertrieb. Bisher funktioniert das sehr gut.

 

Auch wenn die Zeit mit den beiden Projekten (+Nachwuchs) ziemlich knapp ist, werde ich Kassenzone auch zukünftig nutzen, um ein paar Analysen zu veröffentlichen und Geschäftsmodelle/Projekte zu bewerten. Das Thema E-Commerce hat mich nun vier Jahre geprägt. Das wird sicherlich auch in Zukunft einen großen Anteil an den Kassenzone Themen haben. Wer Zeit und Lust hat, kann mich gerne in unseren Büros in Kiel (Boschstraße 1 im Wissenschaftspark) besuchen. Kaffee, WLAN, Flipper & Carrerabahn (danke an die Ex-Kollegen von Otto) sind auch für Gäste nutzbar.

Thema: Allgemein | Kommentare (4)