Beitrags-Archiv für die Kategory 'Strategie'

Gedanken zu Geschäftsmodellen

Freitag, 27. August 2010 13:01

Gefunden bei Christoph Magnussen:

…Was den Unternehmer vom Selbstständigen unterscheidet, ist ein gutes Modell. Der Selbstständige ist selbst ein fester Bestandteil seiner Tätigkeit, er kommt nicht raus. Er verkauft Stunden, Tage oder bestimmte Leistungen die er selbst erbringen muss. Selbst gut verdienende Anwälte oder Berater sind selbst und ständig damit beschäftigt ihr Einkommen zu sichern…

Thema: Strategie | Kommentare (0) | Autor: Alexander Graf

Nische XYZ mit dem besten “Service”

Mittwoch, 25. August 2010 18:38

Spätestens seit dem Erfolg von zappos.com wird “Service” als eigenständige USP Komponente interpretiert. Demenstprechend viele Shops versuchen sich nun mit dem Konzept Nischensortiment+toller Service = Marktführerschaft. Das prominenteste Beispiel dafür ist wohl zalando.de.

Die Zalando Servicefaktoren

Klingt auf den ersten Blick auch toll. Die meisten Produkte in einem bestimmten Sortiment, tolle SEO Voraussetzungen, super Service bringt loyale Kunden => Wettbewerber haben es schwer. Auch wir haben vor ca. einem Jahr diesen “Faktor” in unserer USP Matrix betrachtet und als möglichen Differenzierungshebel genannt. Das Problem dabei ist die einfache Immitierbarkeit wesentlicher Servicekomponenten. Das bedeutet, dass es ggf. nicht so schlau ist auf Service als wesentliche Differenzierungskomponente zu setzen.

Das dürfte den aufmerksamen Beobachtern von zappos.com nicht entgangen sein. Zappos versteht sich nicht als Category Killer im Bereich Schuhe, sondern als Marktführer im Bereich Service. Dabei ist das Sortiment eigentlich nebensächlich. Bei genauer Betrachtung des Zappos Business Case sollte man sich zweimal überlegen, ob man diesen Weg auch gehen möchte. Er ist a) lange unprofitabel, weil Service im Fall von Zappos viel kostet und b) extrem unsicher aufgrund der sich ständig ändernden Marktbedingungen. Es ist mE schwer heute das Zappos Modell profitabel zu klonen.

Im Wesentlichen sind es zwei Limitierungen des Faktors Service, die mich zumindest nachdenklich machen.

  1. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von wesentlichen (wahrnehmbaren) Servicekomponenten. Im E-Commerce sind das z.B.
    • 70% Versandkosten
    • 10% Versandgeschwindigkeit
    • 10% Hygienefaktoren des Shops (Verfügbarkeit, Bedienbarkeit/Usability)
    • 5% Retourenmodalitäten
    • 5% Sonstiges
  2. Das Einkaufsverhalten richtet sich nicht im Wesentlichen am Faktor Service aus, denn
    • die Bindung an (Online-) Einkaufsstädten sinkt
    • im Kauf-/Suchprozess spielt Service nur eine untergeordnete Rolle
    • Service wird zunehmend weniger als Differenzierungsfaktor wahrgenommen, sondern als Hygienefaktor
    • insbesondere bei Nischenshops ist die Kauffrequenz viel zu niedrig, als das Service überhaupt Kundenbindungspotential entwickeln könnte

Diese Annahmen treffen natürlich eher auf Bereiche mit ausreichend Wettbewerb zu. Wenn es nur zwei Hundekloshops gibt und einer hat einen schlechten Shop und 50€ Versandkosten, gewinnt natürlich der etwas bessere Shop mit 40€ Versandkosten. #1 ist mit steigendem Professionalisierungsgrad der Logistikdienstleister für jeden Shopbetreiber mit ordentlichen Margen verfügbar. Da lässt es sich also schwer differenzieren. #2 betrifft alle Shops. Insgesamt verliert damit der Faktor Service seine Differenzierungsfunktion zunehmend.

Thema: Commerce, Strategie | Kommentare (3) | Autor: Alexander Graf

Venture Capital ist tot – es lebe Venture Capital

Montag, 21. Juni 2010 20:34

In Deutschland hört man recht häufig die Kritik am hiesigen Risikokapitalmarkt. Niemand möchte in wirklich innovative Themen investieren, Copy Cats werden bevorzugt, Innovationen haben es schwer. Das sind nur einige der genannten Kritikpunkte. Umso interessanter ist die Diskussion über die Relevanz von Venture Capital überhaupt, die gerade in den USA geführt wird (via @jkrisch) und die man auch in Europa führen kann, wenn man das Konzept von Lars Hinrichs Hack Fwd genau anschaut. Chriss Sacca (CEO Lowercase Capital) wird in der Diskussion wie folgt zitiert:

But today, it is far easier and far less expensive for entrepreneurs to design, code, and launch web services. But, Sacca writes, “many traditional VC funds have been loath to admit this reality and downsize their five hundred million dollar hauls. Why? They are paid fees based upon their total amount of money managed, thus there is no incentive for them to be smaller. Yet, as they try to inject those piles of money into early stage companies, interests become misaligned and an inherent conflict between the investor and the founder often arises. Fund returns, the companies, the entrepreneurs, and the users all suffer as a result.”

Das hört sich erst einmal recht schlüssig an, aber ich glaube so schnell lässt sich Venture Capital nicht tot reden. Man kann lediglich für viele Unternehmen beobachten, dass Venture Capital in der Gründungsphase nicht mehr zwingend notwendig ist. Ggf. kann man sogar beweisen, dass VC in der Gründungsphase kontraproduktiv ist, aber dazu habe ich keine Daten. In der Regel sehen wir bei Online Startups heute in der Gründungsphase einen deutlich gesunkenen Finanzierungsbedarf, dafür aber einen umso höheren Know How Bedarf, weil der Markt (Umfeld, Wettbewerb, Technologien…) täglich komplexer wird.

Das führt dazu, dass Kapital bei der Gründung nicht so wichtig ist wie Know How. Das ändert sich ggf. in einem späteren Unternehmensstadium bei dem durch die Skalierung hohe (Marketing-) Kosten auftreten, so dass doch wieder Kapital benötigt wird. Das am Anfang gefragte Know How findet man leider nicht in den klassichen VC Strukturen – dort geht es vor allem um die Verwaltung von Vermögensanteilen. Das oft propagierte Networking hilft den Startups wenig, wenn sie ein Problem bei der Skalierung einer Datenbank haben. Diese Hilfe findet man in anderen Strukturen, die ich einfacherweise mal als Y-Combinator und/oder Business Angel Ansätze bezeichne. Es lässt sich also eine Art Verschiebung in den Finanzierungsformen erkennen. In der folgenden Grafik habe ich das mal in einem klassischem Lebenszyklusmodell eingezeichnet:

investment life cycle

investment life cycle (click to enlarge)

Kurzes Lesebeispiel: In der 1990iger Jahre haben wir auch in der Früh-Früh Phase klassische VC Investements beobachten können, während 5-10 Jahre später immer mehr Business Angel diese Rolle übernommen haben. Den FFF Part lasse ich einfacherweise mal raus. Durch die gesunkenen Anlauf  und die höheren Know How Ansprüche haben die Business Angel Investments und in letzter Zeit auch die Y-Combinator Ansätze das klassische Frühphasen VC etwas verdrängt.

Das ist tiefgreifender als es auf den ersten Blick aussieht, weil sich damit die Risikostrukturen dieser Investments vollkommen verändern. Heißt: Eine Later Stage Venture Capital Firma setzt stärker auf bewährte Konzepte und hat dadurch weniger Flops im Portfolio. Bei stark sinkendem Risikoanteil enstehen dann den VC Fonds neue Wettbewerber – Banken. Diese investieren auch bei einem überschaubaren Risiko und haben nicht so hohe Renditeansprüche.

Wenn sich die (Kosten-Runter-Know-How-rauf) Spirale noch ein wenig weiter dreht, dann könnten Banken tatsächlich zu einem relevanten Marktteilnehmer werden. Das hat dann aber auch nicht mehr viel mit Risikoinvestments zu tun. Gut für Lars Hinrichs – schlecht für VCs.

Thema: Strategie, Technologie | Kommentare (8) | Autor: Alexander Graf

Online Geschäftsmodelle lohnen sich zunehmend weniger

Montag, 17. Mai 2010 6:16

Am Wochenende hatte ich endlich mal Gelegenheit mit  Statista.com Daten herumzuspielen. Als Beispielcase habe ich mich an einer eher provozierenden These versucht: Online Business lohnt nicht, weil Werbeausgaben bzw. Nutzeraufbau langsamer wachsen als das entsprechende Angebot (Content, Shops…) wächst. Die Wettbewerbsintensität steigt deshalb zu stark an.

Der Beweis:

  • Die Anzahl der Internet Hosts/Domains wächst stark  [Quelle]
  • Die Qualität/Quantität des Contents der Domains über die Zeit wächst im gleichen Maß mit [Annahme]
  • Die Anzahl der Internetnutzer weltweit/Europa wächst [Quelle]

Trägt man die Werte in einem Diagramm ab, sieht man tatsächlich, dass die Steigung der Angebotskurve (Anzahl Websites) deutlich steiler ist als die Steigung der Nachfragekurve (Anzahl Nutzer). Leider fehlt mir die Angabe der Websites in/für Europa, aber die lässt sich aufgrund der Domaininternationalität auch kaum statistisch ermitteln.Die Steigung der Kurve habe ich mit der Compound Annual Growth Rate (CAGR) dargestellt, die das Jahr zu Jahr Wachstum der einzelnen Funktionen angibt.

Anzahl Nutzer, Anzahl Websites

Anzahl Nutzer und Anzahl Websites im Vergleich (in Mio.)

Mit etwas Phantasie könnte man auch sagen, dass Europa als Markt für Online Geschäftsmodelle etwas weniger attraktiv ist im Vergleich zum Rest der Welt, weil dort das Nutzerwachstum stärker ist und deshalb der Wettbewerb etwas geringer. Interessant wird es, wenn man die Online Werbeausgaben gegen die Anzahl der Domains hält.

Werbeausgaben, Anzahl Websites

Werbeausgaben (Mrd.) und Anzahl Websites (Mio.) im Vergleich

Diese Statistik überrascht etwas mehr. Rein werbebasierte Geschäftsmodelle waren in den letzten Jahren gemäß dieser Statitik relativ attraktiv, weil der relative Wettbewerb in diesem Feld geringer geworden ist. Dazu gehört natürlich auch die eher mutige Annahme, dass das Webangebot in Deutschland analog zum weltweiten Angebot gewachsen ist. Aus diversen Quellen ist zudem zu vernehmen, dass die Ausgaben für Online Werbung in den nächsten 3-5 Jahren weiterhin stark steigen und Budgets aus der TV Werbung verlagert werden. Ich wage aber zu bezweifeln, dass die Online-Budget weiterhin mit ~30% wachsen.

Fazit & Statista Bewertung:

Statistiken, insbesondere neu aggregierte sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, weil man damit quasi alles beweisen kann. Insbesondere die zweite Grafik hier könnte hier zu falschen Schlüssen animieren. Bei genauer Analyse der Wettbewerber um Online-Werbegelder, wird man eine steigende  Konzentration der gewinnenden Geschäftsmodelle bzw. Websites feststellen können. Eine Gleichverteilung der Werbebudgets auf alle im Wettbewerb vertretenen Websites kann ausgeschlossen werden und es ist fest davon auszuegehen, dass das Werbebudget mittelfristig viel langsamer wächst als die Anzahl der um dieses Budget konkurrierenden Websites.

Aus meiner Sicht eignet sich Statista gut für diese Art von kurzweiliger Datenanalyse. Der Pool an zur Verfügung stehenden Statistiken ist groß und die Statistiken lassen sich in der Regel als .xls abspeichern, was die Nachbearbeitung stark vereinfacht. Für tiefergehende Analysen muss man allerdings noch einmal selber auf Quellensuche gehen, weil Statista im Vergleich zum Google Fundus nur einen kleinen Ausschnitt bereithält. Vielleicht kann Statista sein Geschäftsmodell zu einer Art Meta-Suchmaschine für Statistiken erweitern und den Google Fundus damit etwas vorsortieren. Das wäre sher cool.

Thema: Strategie | Kommentare (7) | Autor: Alexander Graf

Get Users – Schritt für Schritt Anleitung

Sonntag, 16. Mai 2010 17:25

Schöne Chartsammlung von den Dropbox Gründern. Neben den Trivialitäten (Baue ein Produkt das ein Problem löst), finden sich ein paar wirklich coole Tipps (Täusche Funktionen vor die du noch gar nicht hast). Ein Lesetipp für Gründer mit innovativen Ideen & Technologien. Welches Problem hatte (damals) eigentlich Dealstreet gelöst?

P.S.: Damit unsere WHU Leser auch etwas zu lesen haben: Tolle  andere Präsentation

Thema: Strategie | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf