Beitrags-Archiv für die Kategory 'Commerce'

E-Commerce ist toll

Mittwoch, 26. Januar 2011 19:52

Nachdem ich im Anschluss an das Barcamp Hamburg 2010 einen Artikel zum Thema (Lame) E-Commerce ist doof geschrieben habe, möchte ich in diesem Artikel die Gegenposition einnehmen. (Exciting) E-Commerce ist toll. Die Unterscheidung zwischen Lame & Exciting ist an dieser Stelle sehr wichtig. Klassische Shopkonzepte, auch wenn Zalando dank kluger Marketingstrategie etwas anderes zeigt, haben es zunehmend schwerer am Markt. Deshalb bezieht sich meine Empfehlung ausdrücklich auf Konzepte die den Markt anders (ggf. neu) angehen.

#1: Der relevante Markt ist sehr groß

Normalerweise streiche ich dieses Argument, weil Standard VCs u.a. damit Business Modelle einwerten. Auf diese Weise sind alle Startups im E-Commerce, Automobil, Pharme und Energiebereich interessant. Allerdings werden insbesondere im Handelsbereich die Regeln durch das Internet zunehmend auf den Kopf gestellt und damit potentiell viel Umsatz neu verteilt. Heißt: Die etablierten Player stolpern gerade mächtig über ihre eigenen Füße. Ich werde das in einem der nächsten Artikel am Beispiel Mediamarkt näher erläutern. Das macht die Sache dann doch wieder spannend.

Einzelhandel-Anteil-BIP

Einzelhandel Anteil am BIP (Quelle: Einzelhandel.de)

Der E-Commerce Anteil am Einzelhandelsumsatz beträgt je nach Berechnung unter 10%. Das sollte allerdings nicht abschrecken, sondern eher zum Markteintritt ermutigen. Die Verschiebung hin zu E-Commerce bzw. E-Commerce induzierte Offline Sales ist ungebrochen.

#2: Die Eintrittsbarrieren sind gering

Auch wenn dieses Argument langfristig gegen einen Einstieg in diesen Markt sprechen sollte, so kann es Gründern nur helfen. Kunden lassen sich leicht wie nie akquirieren, die Technologien stehen fast immer kostenlos zur Verfügung und die Kosten für Prototypen sind sehr gering. In einem Marktumfeld in dem die Kundenbindung immer schwerer wird (geringe Wechselkosten auf Kundenseite) gelten diese Regeln umso mehr. Dazu empfehle ich auch unseren Artikel zum Transparenzdilemma.

Wettbewerbseffekte

Wettbewerbseffekte

#3: Man kann das schnellste erste Mrd. $ Unternehmen werden

Groupon ist neben Facebook sicherlich das am meisten gehypte Online Unternehmen in 2010 gewesen. Und es war das Unternehmen mit der kürzesten Zeit zur ersten Umsatzmilliarde.  Aus meiner Sicht wird es nicht das letzte Commerce Startup gewesen sein, was so einen Medienhype auslöst und alle etablierten Wettbewerber zum Handeln zwingt – auch wenn ich den Versuch von ebay lächerlich finde. Wer es also auf viel Aufmerksamkeit von Presse und Wettbewerb anlegt, der ist im E-Commerce richtig. Ggf. wird euer Startup dann auch Ziel diverser kluger Anlaysen á la Pareto Optimierung.

Pareto & Groupon

Pareto & Groupon (Quelle: evanmiller.org)

#4: Social Commerce ist gerade mal bei 1%

Diese Aussage ist vom Google CEO der damit aber “nur” das Thema Social gemeint hat. Es wurde in den letzten Jahren zwar viel über Social Commerce geschrieben, aber neben ein paar kleinen Versuchen á la polyvore & Co. und einer supertollen Social Commere Definition ist noch nicht viel passiert in diesem Umfeld. Das liegt zum Einen am sich erst langsam anpassenden Nutzerverhalten und zum Anderen an der Verfügbarkeit und Verwendbarkeit sozial geprägter Daten. Dieses Thema verändert sich Dank Facebook rasend schnell. Die Datenschutzdebatte hinkt da leider ein paar Jahre hinterher, aber das wird schon noch. Wenn man sich mal gedanklich von banalen CheckIn Aktivitäten löst, lassen sich wirklich einige sehr spannende Ideen skizzieren. Da erhoffe ich mir von den Live Shopping Days 2011 ein paar interessante Inputs. Ein paar Resttickets gibt es übrigens noch.

Social Commerce Definition

Social Commerce Definition

#5: Der Rest

Es gibt sicherlich noch ein paar mehr Gründe, die ich nicht mehr ausführlich auflisten will kann:

  • Commerce Geschäftsmodelle sind meist einfach an Investoren zu pitchen
  • Commerce Geschäftsmodelle verdienen kein Geld durch Werbung
  • Commerce Geschäftsmodelle haben in der Regel sehr kurze Proof of Concept Zeiten
  • Tolle Blogs wie kassenzone.de schreiben über Startups im E-Commerce Umfeld
  • ….

Thema: Commerce | Kommentare (7) | Autor:

SEO Lyrics

Donnerstag, 30. Dezember 2010 17:21

SEO, SEO und dann noch SEO. Bei vielen Online Unternehmungen findet sich dieser Begriff im Businessplan und einige Startups erklären das Thema SEO sogar zur zentralen  Strategie.  Darüber lässt sich sicherlich streiten, aber darum geht es in diesem Artikel gar nicht. Zwischen den Tagen wollte ich kurz über ein unterhaltsames Resultat dieser SEO Fokussierung berichten. Weil Google im Wesentlichen den Content einer Seite im Rahmen der OnSite Bewertung anschaut, finden sich in den letzten Jahren vermehrt kurze Texte auf Produktseiten, Kategorieseiten und allem was sonst noch als Landingpage herhalten kann. Diese werden bei größeren Shops in der Regel von Agenturen erstellt, die diese Aufgabe wiederum an Kleinstautoren (Schüler, Studenten, Hausfrauen) weiterleiten. Die bekommen dann ein paar Keywords zugeworfen mit dem Auftrag daraus einen 100-200 Wörter Text zu formen. Der fertige Text sollte dann die Keywords erhalten und schön informativ für den Nutzer für die Suchmaschine sein. Oft sind diese Texte versteckt und werden von euch gar nicht gelesen. Wie schade! Deshalb sammle ich in diesem Artikel, als unterhaltsame Lektüre zwischen den Tagen, ein paar besonders schöne Exemplare und freue mich auf Ergänzungen in den Kommentaren. Jedes Zitat bekommt auch einen prima SEO relevanten Backlink von Kassenzone!

Stiefel billig – Stiefel billig kaufen – Eine Kunst die nur wenige Frauen richtig gut beherrschen. Es geht nicht darum einfach nur den “billigsten” Schuh zu erhaschen – Nein der Shopping-Sport besteht eher darin, qualitativ hochwertige Schuhe von Top-Schuhmarken zu günstigen Preisen zu erstehen. Billige Stiefel mit guter Qualität Stiefel von Tommy Hilfiger, EMU oder Bronx gibt es des Öfteren zu billigen Preisen zu kaufen. Wenn man Glück hat und die Stiefel nach der Hauptsaison kauft in den beliebten Sommer-oder Winterschlussverkäufen, senken sehr viele Schuhhändler und Online Shops sehr gute Stiefel auf günstige Preise…..
Quelle:  http://www.zalando.de/stiefel-billig/

Stiefel- Kaum zu glauben, aber bereits vor 17.000 Jahren trugen Höhlenmenschen Stiefel. Damals dienten sie in erster Linie zum Schutz. Heute steht natürlich eher der modische Aspekt von Stiefeln im Vordergrund. Stiefel sind längst nicht mehr nur ein Bestandteil der Wintermode. Ganz im Gegenteil haben Stiefel für Damen inzwischen das ganze Jahr über Hochsaison. Wir tragen Stiefel tagsüber zur Arbeit, abends auf die Party oder zum Wandern in die Berge.
Quelle: http://www.limango-outlet.de/damen-stiefel

Ecksofas - die pure Gemütlichkeit Ecksofas – sie sind der Traum vieler Menschen. Warum? Das zu beantworten ist ganz einfach, denn Ecksofas zeichnen sich aus durch ihre Gemütlichkeit, welche durch den Platz entsteht, auf welchem man sich ausbreiten kann. Und auf Ecksofas finden natürlich auch besonders viele Menschen Platz – ohne dabei dicht gedrängt “aufeinander” zu sitzen, wie das leider allzu oft bei normalen Zwei- oder Dreisitzer Sofas der Fall ist. Hier bieten Ecksofas einfach viel bessere Lösungen, sich zu verteilen.
Quelle: http://www.moebel-profi.de/wohnzimmermoebel/sofas-couches/ecksofas

Immer mehr setzt die Möbelindustrie auf den Einrichtungsgegenstand “Ecksofa“, um gemütliche Wohnzimmereinrichtungen zu verkaufen. Es ist völlig egal, ob man ein großes oder eher kleines Wohnzimmer besitzt, ein Ecksofa wirkt in keiner guten Stube fehl am Platz.
Kleine Räume gewinnen an Platz, ohne auf Sitzmöglichkeiten verzichten zu müssen. Durch die konzentrierte Anordnung der Plätze entfallen die Zwischenräume, die man einrechnen muß, wenn man die Kombination Zweiersofa-Dreiersofa-Sessel bevorzugt.
Quelle: http://www.ecksofa.org/

Vorbei sind die Zeiten, in denen unförmige Röhrenfernseher das Wohnzimmer verunstalteten. Flachbildfernseher heißt das Zauberwort für ein modernes, hochauflösendes und platzsparendes Fernsehvergnügen in den heimischen vier Wänden. Doch wie funktioniert ein LCD-Fernseher eigentlich? Hinter einer Scheibe wird eine Flüssigkristallschicht je nach Spannung dazu angeregt, mehr oder weniger Licht hindurch zu lassen. Dieses Licht trifft dann auf Farbfelder in den Farben Rot, Grün und Blau und bringt diese unterschiedlich stark zum Leuchten. So entsteht das Bild auf einem LCD-Fernseher.
Quelle: http://www.billiger.de/show/kategorie/2060.htm

Wissenswertes über Fernseher – Die Geschichte des Fernsehers beginnt früh. Schon gegen 1886 wurde ein Patent angemeldet, das ein fernseherartiges Gerät beschreibt. Mit diesem Gerät sollten aus der Ferne übertragene Bilder mechanisch angezeigt werden. Die Fernsehtechnik nach heutigem Verständnis wurde erst durch die Erfindung der Braunschen Röhre möglich. Diese war der Grundstein für Fernseher nach heutigem Verständnis. Dank vieler Weiterentwicklungen um die Braunsche-Röhre war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglich, bewegte Bilder anzuzeigen. 1929 wurde die erste deutschsprachige Nachrichtensendung ausgestrahlt….
Quelle: http://www.preis.de/katalog/Fernseher/3,647.html

Die (Leder-) Handtasche und ihre Geschichte – Die Geschichte der Handtasche ist recht alt und geht bis in das Mittelalter zurück. Damals konnte man natürlich noch keine Designer Handtaschen online kaufen, außerdem war dieses Zubehör hauptsächlich den Männern vorbehalten…..
Quelle: http://www.handtaschenstore.de/

Handtaschen – das gewisse Etwas für den perfekten Auftritt – Schuhe und Taschen – für uns als modebewusste Frauen die vielleicht wichtigsten Bestandteile unseres Outfits! Am liebsten tragen wir beide toll aufeinander abgestimmt und immer dem Anlass entsprechend. Handtaschen sind deshalb unsere geliebten Begleiter besonders auf rauschenden Festen oder coolen Parties- das nötigste haben wir so immer dabei und gleichzeitig können wir mit unseren Handtaschen unser Gespür für die aktuellen Trends beweisen….
Quelle: http://www.stylefruits.de/handtaschen

Du suchst mehr Zitate? Sucht einfach nach einem Standardprodukt bei Google (Schuhe, Regenjacke, Schreibtisch) und schaut euch die ersten Ergebnisseiten genau an.

Guten Rutsch.

Thema: Commerce | Kommentare (17) | Autor:

Noch ein Kommentar zu Groupon

Sonntag, 12. Dezember 2010 22:12

In den letzten Tagen war Groupon in der Techszene das Thema schlechthin. 2 Millarden $ Umsatz, 6 Millarden $ Übernahmeangebot von Google, weltweites Wachstum, Gelddruckmaschine….. usw. Das führte zu ausreichend Aufmerksamkeit und damit  zu vielen klugen Analysen und Kommentaren in diversen Medien. Mich hat vor allem die Frage beschäftigt, ob es richtig war die 6 Mrd. Summe von Google abzulehnen und ggf. auf Mehrerlöse im Rahmen eines IPOs zu spekulieren? Ich möchte gerne nachvollziehen können, was der Groupon CEO noch vorhat und eine kleine Einschätzung geben, ob diese von mir vermuteten Vorhaben realistisch sind. Wie immer in letzter Zeit muss da ein Phasenkonzept herhalten. Das Geschäftsmodell hat sich aus meiner Sicht in den letzten Monaten verändert. Es hat immer weniger etwas mit dem Verkauf von lokalen Schnäppchen zu tun, sondern mit der Herausforderung langfristig eine Rolle im Bereich Offline-Online Commerce zu spielen.

Phase 1 – 50% Rabatte in deiner Stadt

Vor ein paar Monaten war Groupon nicht viel mehr als ein digitales Gutscheinbuch. Die Herausforderungen lagen insbesondere in der Lösung des Henne-Ei-Problems in jeder Stadt und in der Skalierung/Internationalisierung des Geschäftsmodells. Wenn man das Henne-Ei Problem (ausreichend Deals vs. ausreichend Kunden)  löst, kann man von einem fast automatischen Wachstum ausgehen. Wenn es die Händler gut finden, dann lassen sich sehr leicht neue Händler akquirieren und der Social Graph tut seine Arbeit von alleine auf der Kundenseite. Für die US Städte hat Groupon Phase 1 sehr schön gemeistert. Die Internationalisierung wurde ihnen von cleveren Investoren abgenommen. Der Ankauf von citydeal & Co. war & ist  zwar kapitalintensiv, allerdings ist eine eigenständige Internationalisierung mE auch nicht viel billiger. Insofern haben die Samwers, Hommels & Co. hier schöne Zuarbeit geleistet. Das hat allerdings dazu geführt, dass das Geschäftsmodell sehr schnell in Phase 2 eingetreten ist.

Phase 2 – 50% Rabatte auf deine Lieblingsdeals

Sehr viel Nachfrage auf Händlerseite, Millionen Kunden aber nur ein Deal pro Tag und Stadt. Das führt automatisch zu Überlegungen wie man dieses Potential besser ausschöpfen kann. Ich habe mich dazu im Rahmen der Personalisierungsvorhaben auch schon eher kritisch geäußert. Die Fragestellungen in Phase 2 sind offensichtlich:

  • Wie kann man den Traffic besser monetarisieren?
  • Wie kann man die bestehende kundenseitige Nachfrage besser abschöpfen?
  • Wie kann man das bestehende händlerseitige Angebot besser integrieren?

Die Lösungen sind bereits auf Groupon implementiert. Die Personalisierung (bisher Fokus auf US Plattform) führt zu mehr Deals und einer wahrscheinlich besseren Zusammenführung von Nachfrage & Angebot. Die Online Deals führen zu einer wesentlich besseren Ausschöpfung des Plattform Traffics. Diese Deals werden nach meiner Beobachtung regelmäßig 5-stellig verkauft. Während nun die Probleme aufgrund zu hoher Nachfrage (Kunden & Anbieter) gelöst wird, verliert die Plattform allerdings zunehmend an Reiz. Die Gutscheinqualität wird nicht besser und der Impulsfaktor lässt nach. Ggf. schätze ich das falsch ein, allerings würde ich fast darauf wetten, dass dieser Effekt beweisbar ist. Dafür bräuchte man nur die Groupon Transaktionsdaten für ordentliche Kohortenanalysen. Irgendwann verlieren Massage- und Restaurantgutscheine ihren Reiz und das Wachstum geht momentan etwas zu schnell, um andere Anbieter gut auf der Plattform zu verankern. Solange das Wachstum allerdings so stark steigt wie momentan, werden sich die Groupon Macher nicht mit diesem Problem auseinandersetzen müssen. Ggf. sehen sie das Problem aber auch nicht:

ANDREW MASON: I think part of what makes Groupon really fun for consumers is this element of discovery, finding new things, being surprised every morning what the deal is.  And we try to remain surprising and we try to do things, whether it’s the deal you’re getting or whether it’s the way we’re writing about the deal or whether it’s the brand and the culture of  the company, that’s constantly surprising people, because that’s kind of the spice of life.

Phase 3 – Kurzfristplanung: Groupon als Plattform

Nach dem die Probleme der Phase 2 auf den ersten Blick gelöst sind, macht sich Groupon nun auf den Weg sein Geschäftsmodell zu erweitern und die seine Funktion auf die Bereitstsellung der Plattform für lokale Aktionen zu reduzieren. Die Händler können so direkt mit den Kunden in Kontakt treten. Währen die Margen bei diesem Modell im ersten Schritt auf 10% sinken, sinken die Kosten für die Betreuung der Aktionen auf ein Minimum. Zumindest lässt sich das auf dem Papier schön aufzeigen. Die Qualität der Aktionen wird allein schon durch die steigende Anzahl weiter sinken. Der Impulskaufeffekt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch geringer. Aber aufgrund der boomenden Nutzerzahlen fällt das wohl gar nicht so auf. Wenn man sich isoliert die Anzahl der Kunden, Aktionen und Umsätze anschaut, wird man fast nur steigende Graphen beobachten. Für den nachhaltigen Erfolg dieses Schrittes muss Groupon allerdings die Aktionsqualität aufrecht erhalten und vermeiden zu einem einfachen Marktplatz zu verkommen.  Die Idee finde ich ingesamt schon sehr gut, mir fehlen allerdings die Mechanismen die den Spass an der Plattform/am Kauf erhalten. Die Skalierungsmechanismen wie bei Facebook und Google gelten bei Groupon (leider) nicht.

Ansonsten passiert Groupon das Gleiche wie eBay. Wachstums, Wachstum, Wachstum bei der jede Veränderung isoliert betrachtet anfänglich zur Wertsteigerung des Unternehmens beiträgt. Der Nutzen für den Einzelkunden bleibt am Ende aber auf der Strecke. Eine interessante Analyse zu diesem Thema findet sich heute übrigens auch bei avc.com.

Phase 3 führt also zu sinkenden Margen auf Aktionsebene und teilweise zum Verlust des Plattform USPs aus Kundensicht.

Phase 4 – Langfristplanung: Shoppingempfehlungen in deinem Umfeld die Google Wette

Nehmen wir mal an, dass ich alter Pessimist nicht Recht behalte und Groupon es schafft die Skalierung ordentlich zu bewerkstelligen. Dann stellt sich nun die Frage wie der Groupon CEO das Google Angebot ablehnen konnte. Ich glaube es basiert weniger auf der Skalierungsphantasie von Phase3 und dem Streit um die Bewertung auf Basis der aktuellen Umsatzzahlen. Ich vermute eher, dass Andrew Mason auf ein viel größeres Wachstum durch lokale Händler hofft. Er will für lokale Händler das werden, was Google AdWords für Online Händler ist.

ANDREW MASON: No, because they don’t know how to make it work.  They don’t know how to make non-Internet advertising work.  They kind of do it because they feel like they have to.  But 99 out of 100 businesses that put an ad in the paper end up feeling disappointed about it.  They can’t  measure the returns, and to the degree they can they feel like it was a disappointment. So what Groupon does is — it’s for the first time local businesses get performance-based marketing.  They only pay when these customers walk in the door.  We get them in the door and then it’s up to them to give them an amazing experience.

Der Markt ist gigantisch – ein Vielfaches vom AdWords Markt. Es klingt ja auch verlockend: Groupon könnte den Groupon Nutzern GPS-basiert in Echtzeit das Pizza Rabatt Angebot eines lokalen Händlers in der Nähe aufs Handy bringen, oder Horden shoppingwütiger Damen die sich in der Holstenstraße in Kiel (disclosure: ich wohne hier) befinden in den nächsten H&M locken. Viele Nutzer hat Groupon schon und diverse Massagepraxen und Restaurants auch schon. Dann müsste es doch klappen, oder?

Bleiben wir mal beim Vergleich mit Google AdWords. Was hat Google in diesem Markt so erfolgreich gemacht? Sie sind durch gute Suchtechnologie quasi zur #1 Einstiegsseite des Internets geworden und verteidigen diese Position sehr erfolgreich. Heißt: Groupon müsste für lokale Kunden die #1 Einstiegsseite für Shopping werden. Da werden Facebook, Google, Qype, Nokia & Co. allerdings noch mitreden wollen. Das ist nur schaffbar, wenn Groupon mit bestimmten USPs aufwarten kann die die anderen Anbieter nicht haben. Bisher war das der Überraschungseffekt in den Aktionen und die unterhaltsamen Beschreibungen á la Woot. An der Erosion dieser USPs wird mE sehr erfolgreich gearbeitet und mit der Ablehung des Google Angebotes haben sie nun einen starken Wettbewerber sicher.

Fazit

Erst einmal gebührt Andrew Mason Respekt vor der Entscheidung eine 6 Milliarden $ Offerte abzulehnen. Das war sicherlich nicht einfach, insbesondere mit einigen Exit getriebenen VCs im Hintergrund. Allerdings ging es hierbei auch nicht ums Überleben. Groupon ist gut finanziert und sehr profitabel aufgestellt. Und wenn der Gründer erst einmal einen Porsche fährt, lässt es sich deutlich entspannter entscheiden.

Es gibt für Google gute Gründe sein Portfolio mit Groupon zu ergänzen, eben weil beide Unternehmen so verschieden aufgestellt sind. Technology Company vs. People Company. Aus meiner Sicht hätte es sich auch für Groupon angeboten sich an Google zu binden und seine Position zu verstärken. Die ehrgeizigen Pläne, die ich zugegebenermaßen nur vermuten kann, sind beim zu erwartenden Wettbewerbsdruck schwierig erfüllbar. Das Transparenzdilemma schlägt zu :-) . Möglicherweise reicht das Momentum aber noch bis zu einem IPO. In diesem Fall hätte Mason alles richtig gemacht.

Thema: Commerce, Strategie | Kommentare (13) | Autor:

Barcamp Hamburg 4 (2010) – Die Abrechnung

Montag, 29. November 2010 11:04

Wie die letzten beiden Jahre (2008 und 2009), möchte ich euch wieder ein paar interessante Zahlen und Fakten des diesjährigen Barcamps in Hamburg nachliefern. Wie im letzten Jahr kamen wieder an einem Freitag und Samstag (12./13. November) zahlreiche Interessierte zusammen um diese Mal über Themen von Video Shopping, Social Media Monitoring, Agile Produktentwicklung, Android bis hin zur Erfahrung von der Startup-Gründung neben dem Job zu diskutieren.

Nun aber zu den Zahlen & Fakten:

  1. 6 Videos wurden veröffentlicht
  2. 8 Präsentationen bei Slideshare hochgeladen
  3. 8 Organisatoren planten das Barcamp
  4. 10 Sessionräume standen zur Verfügung
  5. 22 Sponsoren ermöglichten die Durchführung des Barcamps
  6. 23 Blogartikel zum Barcamp wurden gepostet
  7. 24 Stunden Barcamp fand an den 2 Tagen statt
  8. 25 Themen mit Slides und Reports wurden zu den Sessions auf Mixxt im Anschluss eingestellt
  9. 51 Bookmarks wurden bei Delicious veröffentlicht
  10. 91 Bilder wurden getwittert
  11. 93 Sessions wurden Freitag und Samstag gehalten
  12. 100 MBit Internetzugang und klasse Support stellte N@work bereit
  13. 168 Bilder wurden bei Flickr hochgeladen
  14. 320 Teilnehmer waren am Samstag vor Ort
  15. 390 Teilnehmer waren am Freitag vor Ort
  16. 547 Interessenten meldeten sich für den zweiten Barcamp-Tag
  17. 553 Interessenten meldeten sich für den ersten Barcamp-Tag
  18. 500 verschiedene Teilnehmer waren an beiden Tagen beim Barcamp
  19. 700 gedruckte Raumpläne lagen bereit
  20. 756 Namensetiketten wurden gedruckt
  21. 930,89 Euro Spenden wurden gesammelt, welche an das EduCamp gehen
  22. 1.866 Mitglieder haben sich im Barcamp Hamburg Mixxt Netzwerk registriert
  23. 2.390 Tweets wurden veröffentlicht
  24. …zahlreiche Helfer die vor Ort unterstützt haben!

Auswertung der 2.390 Tweets:

Übersicht an Blogposts zum Barcamp:

Bis zum Barcamp Hamburg 5 im nächsten Jahr! :-)

Thema: Allgemein, Commerce, Mobile | Kommentare (22) | Autor:

Der Weg zum Pure Player Online

Montag, 22. November 2010 22:28

Im letzten Beitrag habe ich als Kontra Argument für den Aufbau eines (Lame Commerce) Geschäftsmodells im E-Commerce u.a. aufgeführt, dass die stationären Händler/Hersteller in den Markt drängen. Das ist grundsätzlich zwar richtig, allerdings muss man zwischen verschiedenen Phasen des E-Commerce Eintritts unterscheiden. Die meisten stationären Händler sind noch in den Phasen 1-3. Diese Phasen gelten übrigens nicht nur für stationäre Händler/Hersteller, sondern für alle Marktteilnehmer die bisher kaum etwas mit dem Verkauf von Gütern über das Internet zu tun hatten. Erstaunlicherweise durchlaufen alle diese Marktteilnehmer fast alle Entwicklungsphasen. Es gelingt aufgrund der Steuerungsmechanismen & Unternehmenskultur in den Unternehmen in der Regel nicht Phasen zu überspringen und direkt an die Spitze zu drängen. Unterschiede sind mE nur in der Dauer der einzelnen Phasen in den jeweiligen Unternehmen zu finden.

Phase 1: Ablehnung

  • Meinung des Chefs: „Unserem Unternehmen geht es doch gut. Dieses Internet Dingsbums spielt gar keine Rolle. Wir verdienen auch so ausreichend viel Geld und im Internet steckt außerdem der Teufel, weil unsere Waren bisher immer als Fake bei eBay verkauft wurden.“
  • Umsatzanteil: 0%
  • Typische Entscheidungsstruktur: Der CEO, Geschäftsführer oder der Markenverantwortliche verhindern den Sprung zu Phase 2. Die Informationen bezieht der Entscheider aus Tagesschau & Co.
  • Beispielunternehmen: Viel im KMU Umfeld zu finden.
  • Dauer der Phase: Unbegrenzt bis zur Veränderung der Branche oder des eigenen Cashflows
  • Lösungsansätze: Leider keine. Die Veränderung erfolgt ggf. durch einen Wechsel im Top Management oder durch externe Einflüsse wie z.B. der sinkenden Profitabilität.

Phase 2: Die Flashseite

  • Meinung des Chefs: „Naja, es kann ja nicht schaden, wenn die Kunden sich zumindest über die aktuellen Produkte im Internet informieren können. Wichtig wäre mir aber, dass die Marke auch richtig gut präsentiert wird. Herr HeadofMarke: Bitte setzen sie das doch um.“
  • Umsatzanteil: 0%
  • Typische Entscheidungsstruktur: wie Phase 1
  • Beispielunternehmen: Louis Vuitton
  • Dauer der Phase: mehrere Jahre, sonst wie Phase 1
  • Lösungsansätze: Hohe Kundennachfrage über das Flash-Kontakt-Formular. Ansonsten wie Phase 1.

Phase 3: Erste Backendveränderungen und Mitarbeiter

  • Meinung des Chefs: „Ich glaube wir müssen da mehr machen. In der FAZ stand neulich ein Artikel dazu, dass [wesentlicher Wettbewerber] da bereits Erfolge verzeichnet. Stellt da mal jemanden in der IT Abteilung ein, der sich mehr um die Website kümmert.“
  • Umsatzanteil: <5%
  • Typische Entscheidungsstruktur: Immer noch wie in Phase 1 & 2, aber ggf. mit Online affinen Marketing Chef/Mitarbeiter
  • Beispielunternehmen: IKEA, Mediamarkt
  • Dauer der Phase: mindestens 1-2 Jahre, danach Eintritt in Phase 4 oder zurück auf 1
  • Lösungsansätze: Regelmäßig Wettbewerbsberichte für den Chef in denen deren Online Erfolge deutlich werden

Phase 4: Interne oder Externe Skalierung – profitables Beigeschäft

  • Meinung des Chefs: „E-Commerce ist für mich ganz wesentlich. Wir müssen da mehr tun und unsere Umsätze steigern. Können wir uns da vielleicht extern verlängern? Vielleicht sollten wir den Meier aus der IT in die Marketingabteilung versetzen. Da sollten wir langsam Gas geben. Wichtig wäre mir, dass durch die Aktivitäten das Geschäft in den Läden nicht gefährdet wird. Unsere Kunden wollen vor allem im Laden kaufen.“
  • Umsatzanteil: 10-20%
  • Typische Entscheidungsstruktur: Entweder Aufbau einer eigenen Online Abteilung, oder Auslagerungen fast aller Entscheidungen an einen Dienstleister á la Heycom oder NextCommerce.
  • Beispielunternehmen: Esprit
  • Dauer der Phase: 2-5 Jahre je nach Unternehmen. Ggf. schnelle Einstellung (wie bei C&A 2001), wenn zu viele Prozessprobleme auftreten.
  • Lösungsansätze: Der Weg ist schon ziemlich gut. Jetzt gilt es dranzubleiben.

Phase 5: E-Commerce wird Schwerpunkt des Businesses

  • Meinung des Chefs: „Was machen die bei Amazon und Zappos nur so gut? Wir müssen auch agiler werden! Holt mir mal ein Team von BCG. Wir brauchen eine führende Online Strategie.“
  • Umsatzanteil: ~50%
  • Typische Entscheidungsstruktur: Altes Management übernimmt auch Online Entscheidungen. Intensives Inhousing.
  • Beispielunternehmen: Neckermann
  • Dauer der Phase: Bis Online Umsätze wesentlich das Ergebnis tragen.
  • Lösungsansätze: Insgesamt OK, ggf. Probleme auf der Know How Ebene.

Phase 6: Ausweitung der Online Aktivitäten über Kerngeschäft hinaus

  • Meinung des Chefs: „Die von BCG haben gesagt, dass wir den Markt proaktiver bearbeiten müssen – Inkubatoren und so. Die haben da auch schon ein Konzept für uns. Ich glaube wir sollten die 2 Mio. dafür investieren. Ich habe da ein gutes Gefühl.“
  • Umsatzanteil: >50%
  • Typische Entscheidungsstruktur: Top Management in alle Entscheidungen eingebunden. Das führt zu hoher Visibilität des Online Themas, aber ggf. zu falschen Entscheidungen, weil von extern motiviert.
  • Beispielunternehmen: Staples
  • Dauer der Phase: unbegrenzt je nach Liquidität
  • Lösungsansätze: Mehr internes Know How aufbauen, selber treiben und nicht treiben lassen. Phase 7 extrem schwer erreichbar.

Phase 7: Führender Pure Player

  • Meinung des Chefs: „Fuck – ich will jetzt auf jeden Fall diese solarbetriebenen Akkus entwickeln. Mir ist scheißegal was die Marktforschung dazu sagt. “
  • Umsatzanteil: ~100%
  • Typische Entscheidungsstruktur: Eigengetrieben, hohe strukturelle Agilität, ggf. Chef mit IT Hintergrund.
  • Beispielunternehmen: Amazon
  • Dauer der Phase: 5-15 Jahre
  • Lösungsansätze: keep going!

Phase 8: Loser

Der Goldrausch online hat leider auch Schattenseiten. Die Unternehmen (ab Phase 4) befinden sich aufgrund der Online Effekte insgesamt in einem sehr harten Innovations- und Geschwindigkeitswettbewerb. Es kann also wieder schnell bergab gehen. Beobachten konnte man das z.B. bei AOL und z.T. Yahoo. Das dann zu durchlaufende Tal kann sehr lang sein, wenn die Ideen fehlen oder man den alten Online Geschäftsmodellen (z.B. Verkauf von Mailboxen) nachweint.

Wer kann sein Unternehmen in einer der Phasen einordnen?

Thema: Commerce, Organisation | Kommentare (48) | Autor: