Beitrags-Archiv für die Kategory 'Commerce'

Wenn vom Handel nichts mehr übrig bleibt

Mittwoch, 10. März 2010 7:17

Wettbewerbsdruck, technische Komplexität und rechtliche Fallstricke machen E-Commerce heute nicht mehr so einfach wie es mal war. Einen Shop bringt man schnell online, aber damit Geld verdienen…. das gelingt nur den wenigsten. Entweder sind es die Marktteilnehmer die versuchen alle Wertschöpfungsstufen auszulagern, oder Marktteilnehmer mit Mut zur Innovation. Letztere finden sich eher selten.

Wer die Marktforschung Google Trends überlässt, statt eigenem Sourcing und Warenbewirtschaftung alles über Dropshopping regelt und den Vertrieb über möglichst dritte Plattformen erledigt, der freut sich über eine 2% Umsatzrendite. Das sind auch die potentiellen Kunden für den neuen Amazon Webstore. Eine feine Sache, wenn man nur noch Handelsmanagement betreiben möchte und sein eigenes Risiko klein halten will:

Selling online does not have to be expensive. Get multiple online stores for $59.99 per month plus 7% commission.

Diese Marktteilnehmer sollten sich aber später nicht beschweren, dass es immer schwerer wird damit Geld zu verdienen. Kaum verwunderlich eigentlich, wenn man sich in ein Wettbewerbsumfeld begibt in dem jeder mit “1-Click-Onlinshop” erfolgreich sein möchte und das sogar kann. In diesen Fällen kann man mE nicht mehr von Händlern sprechen, sondern nur noch von LongTail Projektmanagern.

Wie muss ich mir das vorstellen? Nische egal, USP egal, Hauptsache irgendein Sortiment, dass kurz- bis mittelfristig Profit abwirft und danach wird weitergeschaut?

So wie sich die Technologie hinter dem Handel entwickelt, wird auch diese Strategie langsam versanden, weil die ROI zu klein werden. Dann wird es langsam interessant für uns, weil man sich über Handelsmechanismen Gedanken machen muss. Also: Wie verkaufe ich zum maximalen/optimalen Preis oder wie erreiche ich den richtigen Kunden im richtigen Zeitpunkt. Diese Fragen lassen sich dann leider nicht mehr mit WHU-like SWOT Analysen beantworten.

Thema: Commerce | Kommentare (7) | Autor: Alexander Graf

Kundendaten – Analogie

Montag, 8. März 2010 7:17

Inspiriert durch die Analogie Betrachtung meiner ClubSale Evolutionsphasen bei Burkhard, gemischt mit ein paar Gedanken über mobile Apps von Christian stellt sich mir die Frage:

Was sind Kundendaten im Commerce von Morgen?

Berufsbedingt ist mir der Wert einer “qualifizierten Adresse” durchaus bewusst. Diese Art von Kundendaten wird normalweise über irgendwelche Zeitungsabos, Gewinnspiele oder Kundenkarten/Rabattkarten generiert. Ein unglaublich riesiges und nicht immer ganz glanzvolles Geschäft. Bleibt das auch so?

Bei dieser ganzen Diskussion um M-Commerce und Apps spielen auch Kundendaten eine besondere Rolle. Diesmal geht es aber nicht um Daten zum Einkommen oder zum Wohnort sondern zum aktuellen Aufenthaltsort. Wer diese Daten zuverlässig generieren kann und vermarkten darf, hat aus meiner Sicht langfristig ein größeres Asset als die klassischen Aboverkäufer Datendienstleister.

Banal betrachtet wäre das eine App mit permanenten GPS Kontakt. Vor diesem Hintergrund gewinnen Google Latitude und Radalert eine ganz andere Bedeutung.

Naja – ich kann mich auch irren. Meinungen?

Thema: Commerce, Ideen, Mobile | Kommentare (4) | Autor: Alexander Graf

Große Ohren, kurze Füße – ach wie süss

Montag, 1. März 2010 17:29

Im Rahmen unserer “Ein Herz für Startups” Aktion haben wir unser Blog als Plattform für innovative Startups angeboten. Mittlerweile sind auch einige “Bewerbungen” eingetroffen die wir alle versuchen zu bearbeiten. Bei einigen Kandidaten kann man durchaus den Innovationsgrad diskutieren, aber wir geben regelmäßig Rückmeldung and die Startups und freuen uns über weitere Einsendungen.

Heute möchte ich gerne mystofftier.com vorstellen. Ein Startup, dass sich mit der individuellen Fertigung von Stofftieren beschäftigt. Das hat nichts mit Teddybären zu tun, sondern mit sehr lustigen, flauschigen, keinohrhasigen kleinen Kuscheltieren. Wahrscheinlich finden Eltern das lustiger als Kinder, aber die treffen auch immerhin die Kaufentscheidung.

Kurzbeschreibung

In diesem Punkt kann man der Pressemitteilung durchaus glauben:

Mit nur wenigen Klicks zum ganz persönlichen Stofftier: Das ist seit dem Jahreswechsel Realität. Möglich macht’s myStofftier.com, der deutschlandweit erste Online-Anbieter von individuell gestaltbaren Stofftieren. Neben Größe, Füllung und Stoffbezug kann auch die Form des Kuscheltiers frei gewählt werden. Mehrere Millionen Kombinationsmöglichkeiten stehen zum Start zur Verfügung. Produziert werden die kuscheligen Bettgefährten ausschließlich in Deutschland – in reiner Handarbeit in einer Bremer Schneiderei.

Klingt einfach – ist es auch. Der Designtest mit dem Kassenzone Stofftier hat funktioniert. Ein paar Usabilitykleinigkeiten gibt es noch, aber im Grunde genommen ist es so leicht wie die Eröffnung eines Facebook Accounts. Mein Stofftier Design steht übrigens nicht unter Artenschutz. Wer will, kann es einfach nachbauen. “Runder Körper”, “Bananenarme”, “Stummelbeine”, “Große Ohren”, “Lustiger Mund” und “Ein Auge”. Fertig.

Wenn man keine Lust auf selbst designen hat, dann kann man sich im Stofftiergarten (bereits produzierte Stofftiere) oder per Zufallsgenerator ein Stofftier vorschlagen lassen.

mystofftier.com Beispiel

mystofftier.com Kassenzone Teststofftier

Bewertung:

Kundennutzen: Wenn man ein knuffiges individuelles Stofftier braucht, dann ist der Nutzen natürlich sehr hoch. Rein rational betrachtet braucht man kein eigenes Stofftier, aber wer denkt schon rational. (4 von 5 Sternen)

Innovationsgrad: Mass Customization ist in meiner Wahrnehmung der erste echte Web 2.0 Commerce Trend gewesen. Insofern ist es schon etwas “veraltet”, aber wenn man heutzutage noch mit individueller Schokolade punkten kann, dann ist “mystofftier” sehr innovativ. (3,5 von 5 Sternen)

Wettbewerb: Dawanda Designer, bedruckte Stoffbären,…. ingesamt sehr überschaubar, aber das ist in so einer Nische nicht weiter verwunderlich, obwohl ich ehrlich gesagt mit deutlich mehr Wettbewerb gerechnet hätte. Da das Konzept eine eigenen Produktion umfasst, ist auch nicht mit einem Groupon like Wettbewerb zu rechnen. (5 von 5 Sternen)

Marktchance: Wenn mystofftier.com noch einen coolen Namen bekommt (á la kawumba…) und es in der richtigen Szene (z.B. Hamburg Eppendorf) schafft als unverzichtbares Features im Kinderwagen mitgeführt zu werden, dann steht dem Bagaboo-artigen Aufstieg nichts im Weg. (5 von 5 Sternen)

Fazit:

Ich finde die Idee sehr gut und die Umsetzung gelungen. Ein schönes Geschäftsmodell mit solider Grundlage dank angeschlossener Produktion. Ich bin gespannt was wir von mystofftier.com noch hören werden und empfehle mit Nachdruck einen markenfähigen Namen.

Jetzt gehe ich mir eins bauen bzw. kaufen und warte auf die Meinungen der Kassenzone.de Leser.

Bewerbe dich jetzt bei Ein Herz für Startups. Wenn du ein innovatives Startup im Bereich E-Commerce, Mobile oder Technologie betreibst und bisher nicht ausreichend Beachtung in den Blogs gefunden hast, dann schicke eine Mail an info@kassenzone.de mit den folgenden Infos:

  1. Link zu eurer Website
  2. Was macht ihr genau? Wer ist euer Wettbewerber?
  3. Keyfacts inkl. Gründerteam und Startdatum des Startups
  4. Warum seid ihr innovativ?
  5. Keine Businesspläne anhängen! (die sind meistens total langweilig)
  6. Wenn ihr länger als 5 Minuten braucht diese Mail zu schreiben, dann trifft Punkt Nr. 4. wahrscheinlich nicht zu.

Danach schauen wir uns das Startup an und schreiben vielleicht ein ausführliches Review über euer Projekt bei Kassenzone.de.

Thema: Commerce | Kommentare (1) | Autor: Alexander Graf

ClubSale Evolutionsphasen

Montag, 22. Februar 2010 7:17

In der letzten Woche gab es bei Jochen Krisch einen Artikel zu den Geschäftszahlen der Gilt Groupe. Neben den sehr beeindruckenden Umsatzwerten und Wachstumsvorhaben, ist mir der folgende Satz aufgefallen:

2010: 35 bis 40% der (Marken-)Ware soll dann exklusiv für Gilt produziert werden.

Das ist in dieser Form neu. Zwar wird im Markt immer wieder kolpotiert, dass die hiesigen ClubSale Anbieter bereits Ware exklusiv produzieren lassen, aber das bezog sich bisher immer auf bestehende Kollektionen die für die Nachfrage in den Clubs neu aufgelegt wurde. Gilt geht nun noch einen ganzen Schritt weiter. Einen Schritt der vom Vente Privée CEO im Interview bei Kassenzone.de vehement bestritten worden ist. Er betrachtet Gilt aber auch nicht als Konkurrenten von Vente Privée, sondern vielmehr als Yoox.com Derivat. Über diese Sichtweise lässt sich sicher streiten – aus Konsumentensicht ist es allerdings ein Club. Ich gehe davon aus, dass alle größeren Clubs diesem Beispiel folgen, wenn es deren Kernsortimente zulassen, und die Entwicklung wird sogar noch weitergehen:

  • Phase 1: Overstock Selling – Das ist die Grundidee der Clubs. Je nach Betrachtungsweise wird es als preisdiskriminierender Erlöskanal für Marken vermarktet oder als Tool zur Kostenreduktion ohne Markenwerte zu gefährden.
  • Phase 2: Ergänzung mit MiniMarken – Die Skalierung ist die eigentliche Herausforderung der Clubs. Weil nicht schnell genug große Marken gewonnen werden können, wird auf kleine unbekannte Marken als Ergänzung zurückgegriffen. Diese Marken werden durch die Clubs teilw. erst zu Marken und müssen dafür ggf. sogar bezahlen.
  • Phase 3: Ergänzungsproduktion – Die hohe Nachfrage muss bedient werden, um unzufriedene Nutzer zu vermeiden. Dafür wird bei vielen Aktionen Ware extra nachproduziert, um z.B. fehlende Artikel zu ergänzen. In Phase 3 sind mE alle größeren Clubs mind. angekommen.
  • Phase 4: Eigene Offline/Online Sales Channel – Vente Privée hat einen eigenen stationären Kanal, um Rest-Restbestände abzuverkaufen. Das ist auch bei anderen Anbietern zu erwarten, entweder online oder offline. Bei Vente Privée muss man allerdings erwähnen, dass sie aus dem Stationärhandel kommen.
  • Phase 5: Eigene Kollektionen – Das erleben wir nun bei Gilt. Ware die es niemals im Stationärhandel geben wird, gibt es bei einem Club als Aktion. Das verändert die Rolle des entsprechenden Clubs maßgeblich. Damit wird er ein direkter Konkurrent der großen Fashion-Ketten.
  • Phase 6: Eigenmarkenproduktion – Aufgrund von Margendiskussionen, ggf. getrieben durch einen Börsengang, werden Gilt & Co. eigene Marken produzieren und vermarkten. Das haben sie bereits in Phase 2 gelernt und wissen das nun zu skalieren. Wichtig ist nur eine gute Mischung aus Fremd- und Eigenmarken. Das Erfolgsrezept aller guten Onlineshops.
  • Phase 7: Eigene Stores – Gilt & Co. eröffnen eigenen Flagshipstores in den großen Metropolen und sind damit etablierter Teil der Fashionindustrie geworden. Das Geschäft hat kaum noch was mit Phase 1 zu tun.
  • Phase 8: Die Fashionindustrie hat sich verändert :-)

Auch wenn das nicht allen Kunden gefällt, sie werden es ggf. nicht mal merken.

But neither Gilt nor the designers have any interest in letting customers know which items were made specifically for the site. “Gilt doesn’t tell you, as a shopper, that it’s ‘exclusive for us,’ ” admits one designer. “I think they want the shopper to think it is part of the regular collection.” The “discount” advertised on Gilt’s site is based on what the designer calculates a department store could have charged, even though the item was never intended to sell retail.

Thema: Commerce | Kommentare (4) | Autor: Alexander Graf

E-Commerce & M-Commerce Orakel 2010

Donnerstag, 18. Februar 2010 7:17

Nachdem wir mit unserem Thesenrückblicken für 2009 bewiesen haben, dass unsere Vorfahren irgendwie aus Delphi kommen müssen, können nun die die E-Commerce & M-Commerce Fragen für 2010 an das Kassenzone.de Orakel gestellt werden. Wir werden die interessantesten Fragen dann in unseren Thesen für 2010 verarbeiten. Möglich wäre z.B.:

  • Welcher Groupon Klon gewinnt?
  • Welches Handy soll ich mir in 2010 kaufen?
  • Lohnt sich ein Investment in ein Social Commerce Startup?
  • Färbt sich meine Frau 2010 die Haare? Werde ich schwanger?
  • Wird brands4friends.de auch seinen Umsatz ausweisen statt nur der PR geeigneten Nachfrage?
  • Klont sich Oli Samwer selbst oder kopiert er den Haarschnitt von Marc?

Los gehts! Die Kommentare warten auf Dich.

Thema: Commerce | Kommentare (3) | Autor: Alexander Graf