Der Traum von der Startupfabrik

Fabrik2012 war das Jahr der Inkubatorengründungen in Deutschland. Wochenweise haben sich neue Teams gefunden, um analog zu Rocket Internet eine “Startupfabrik” zu gründen. Die Voraussetzungen dafür schienen einfach: Ein Team mit Online-Know-How (meistens Marketing), ein großes Netzwerk, etwas Geld, Zeit und ein paar Ideen. Die meisten der “damals” gestarteten Inkubatoren sind heute nicht mehr aktiv, bzw. haben ihr Geschäftsmodell verändert. Insbesondere die kleineren Inkubatoren sind recht schnell am Aufbau skalierbarer Strukturen gescheitert und mussten einsehen, dass die Flopquote bei Neugründungen doch deutlich höher ist als die oft kolportierten 90%. Um einen Inkubator zu betreiben, braucht es extrem gute Mitarbeiter, viel Geld, ausreichend Zeit und dann noch eine Portion Glück. Man muss in der Lage sein über die zentral zur Verfügung gestellten Funktionen (z.B. Finanzen & Onlinemarketing) die Gründungen am freien Markt zu überholen. Das ist alles andere als einfach, weil man in Inkubatoren wenig Möglichkeiten hat eine ähnliche Dynamik zu erzeugen wie in eigenständigen Gründerteams. Ja, auch Inkubatoren haben ein gewisses Maß an Legacy. Weiterlesen

Wann schaffen Lebensmittel Online den Durchbruch?

Kolonial-ContainerAn diesem Mittwoch (10.12.) trifft sich zum letzten Mal in diesem Jahr ein DCDnet Stammtisch. Diesmal sind die Vertreter verschiedener Lebensmittelhersteller und –händler eingeladen, um ihre Erfahrungen über „Lebensmittel online“ auszutauschen. Ich selbst erzähle etwas zu unseren Erfahrungen bei Localgourmet, aber vor allem erwarte ich spannende Beiträge von Deutschesee, Rewe Online, Brandnooz, Lieferello.de und Anne Leuschner von Delinero. Ich hätte gerne einen Erfahrungsbericht zum Rewe Online Einkauf geteilt, aber im Bestellprozess eben musste ich feststellen, dass eine Lieferung am Tag der Bestellung nicht mehr möglich ist. Schade! Bisher beschränkt sich der Lebensmittelhandel Online auf einige exotische Gourmetsortimente und Rewe & Co. versuchen das normale Supermarktsortiment online zu bringen. In Vorträgen blende ich den 150 Mrd. Markt Lebensmittel in der Regel aus, zumindest bei Projektionen bis 2020. Die große Frage ist nun, wann und wie konvergiert dieses Sortiment online. Braucht es erst radikale Innovatoren wie Kolonial.no, die in Norwegen den Markt aufmischen, oder kippt der Markt doch viel schneller durch die Anstrengungen von Rewe & Co.? Die Präsentation des Kolonial Gründers, die er auf der K5 Cruise gezeigt hat, stelle ich am Mittwoch beim Stammtisch auch noch einmal vor. Weiterlesen

Warum Konzerninkubatoren oft scheitern #CS183B

altman-1In Stanford wird gerade ein vielbeachteter Kurs zum Thema „How to Start a Startup“ angeboten. Sam Altmann, der Geschäftsführer des wohl weltweit führenden Firmeninkubators YCombinator hat die 1. Liga der Silicon Valley Firmengründer davon überzeugt im Rahmen seiner Vorlesungsreihe ihre Gründungserfahrungen zu teilen. Alle Vorlesungen sind frei auf Youtube verfügbar und in der Gründerszene werden wöchentlich die neusten Erkenntnisse dazu gesammelt. Wer am Wochenende noch nichts vorhat, kann sich die ersten acht 45min Vorlesungen anschauen. Ich habe die Qualität vollkommen unterschätzt. Statt belanglosem Startup blabla werden in der Tat die wichtigsten Startuplearnings von YCombinator offengelegt und auch diskutiert. Bei 700 gestarteten Firmen ist die Datenbasis für so einen Kurs natürlich ideal. Ich will hier auch gar nicht die einzelnen Kurse zusammenfassen, sondern nur auf einen spannenden Zusammenhang hinweisen, den Sam Altman in seiner ersten Vorlesung aufgezeigt hat und der meinen Artikel zur Pro7Sat1 Inkubationstätigkeit sehr gut ergänzt.   Weiterlesen

Versicherungen & Internet: Quo Vadis Allianz, Axa, HUK & HDI

old abacusSeit jeher interessiere ich mich für alle Branchen und Geschäftsmodelle, deren Entwicklung in Zukunft stark durch das Internet beeinflusst wird. Mein letzter „aufklärender“ Beitrag ist schon etwas älter und sollte ein wenig Licht ins Dunkel der Optikerbranche bringen. Tenor: Fielmann gewinnt das Spiel wohl langfristig. Ich hatte in den letzten Monaten einige interessante Kontakte in die Versicherungsbranche, die seit Jahren verschiedene Versuche unternommen hat, den internet-ökonomischen Effekten aus dem Geschäft zu entgehen oder diese in bestimmten Fällen zu forcieren. Ein oberflächlicher Blick auf diese Branche würde aus
E-Commerce-Sicht zu einer Aussage á la „In Zukunft werden alle Versicherungen online & direkt verkauft“ führen. Das klingt auch erst einmal ganz einleuchtend, da durch Direktvertrieb im Internet die Wertschöpfungskette deutlich effizienter gestaltet werden kann und damit auch die Konsumententarife attraktiver würden. Es gibt allerdings gute Gründe, warum das heute noch nicht der Fall ist und warum das auch in Zukunft nicht der Fall sein wird.

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Wenn nichts mehr geht, dann halt TV Werbung, oder? Learnings von ProSiebenSat.1

TV BildIn Zeiten wie diesen vermisse ich gut gemachte Wirtschaftspresse. Gerade passieren so viele spannende und schwer zu durchschauende Dinge im E-Commerce, da würden ein paar mehr fundierte Meinungen im Markt allen Interessierten wirklich helfen. Die Berichterstattung zum Zalando und Rocket IPO war schon schwach und so ist es nur nachvollziehbar, dass noch nicht mal mehr jemand von den kleineren Events berichten will oder kann. Eines dieser Events waren die Capital Market Days von ProSiebenSat1 (P7S1), in der man immerhin von einem sehr umtriebigen Medienunternehmen lernen kann was im TV Bereich funktioniert und was nicht. Der Betrieb eines eigenen Inkubators á la Rocket funktioniert schon mal nicht, wie Jochen sorgfältig festgestellt hat. Das finde ich aber ehrlich gesagt nicht tragisch. Lieber schnell schließen, als eine Menge Flops lange durchfüttern zu müssen. Dann lieber die Werbekohle in funktionierende Modelle stecken, wie sie ab Chart 132 in der Investorenpräsentation dokumentiert werden. Soweit ganz gut, aber hier reist für mich die Argumentationskette leider ab. Warum? Weiterlesen

Zur Zukunft des stationären Buchhandels # Interview mit Osiander Geschäftsführer Christian Riethmüller

Book ShoppingWährend des eTailment Summit in der letzten Woche, konnte ich mir Christian Riethmüller, den Geschäftsführer der Osianderschen Buchhandlung, für ein Interview schnappen. Während sein Onkel Heinrich Riethmüller als Vorsteher des Börsenvereins bei der Frankfurter Buchmesse wahrscheinlich wieder die alte Leier vom unverzichtbaren stationären Buchhandel gespielt hat, waren die Aussagen von Christian umso erfrischender. Osiander war bereits vor einem Jahr in einem spannenden Interview in der brandeins vertreten, in dem er hinterfragt wurde wie es das Unternehmen schafft gegen den Trend zu wachsen. Wer sich für die Zukunft des Buchmarktes interessiert, der sollte dringend die entsprechende Kategorie bei excitingcommerce lesen, in der Matthias Hell wöchentlich die spannendsten Entwicklungen in diesem Bereich dokumentiert. Mich interessierte im Interview vor allem die Rolle der stationären Filiale. Warum sollte ein Kunde dort in Zukunft seinen Bedarf decken? Was kann ein Buchhändler machen? Christian hat aus meiner Sicht spannende Ansätze für Osiander gefunden, die sich zum Pech für die großen Ketten und zum Glück für ihn kaum vereinheitlichen lassen. Weiterlesen

Öffnungszeiten für Onlineshops. Interview mit Christoph Wenk-Fischer (bevh)

Uhr simpelNach meinem denkwürdigen Schlagabtausch mit Lovro Mandac auf einem Immobilienkongress in Berlin vor ein paar Wochen, bei dem es auch darum ging zu überlegen wie man dem Onlinehandel beikommen kann, ist mir insbesondere der Vergleich der Öffnungszeiten stationär vs. online in Erinnerung geblieben. Aus Sicht einiger, sehr konservativ denkender stationärer Verfechter, ist es unfair, dass der Onlinehandel Sonntags verkauft, während der stationäre Handel seine Pforten Sonntags seit dem 01.10.1900 schließen muss. Ich konnte gar nicht glauben, dass solche Dinge wirklich diskutiert werden, aber wenn das E-Commerce Wachstum weiterhin anhält, Weiterlesen

Brille: Online? Über Fielmann, Mister Spex, Luxottica & Co.

brille-onlineMit dem Handel von Brillen & Zubehör wurden 2012 in Deutschland 5,2 Mrd. Euro umgesetzt. Das entspricht ca. 1,2% des Deutschen Einzelhandelsvolumens, das in 12.000 Geschäften + bei einigen Onlinehändlern abgewickelt wird. Wir betrachten Onlinepotentiale von Märkten und Geschäftsmodellen und auch in der augenoptischen Branche stellt sich zunehmend die Frage, wie zukünftig Brillen verkauft werden. Bislang wird laut Branchendaten und Gerüchten nur 1-2% des Brillenumsatzes online gemacht. Lediglich im Markt der Kontaktlinsen und Pflegemittel dürften schon über 25% des Handels online abgewickelt werden. Es ist schwierig herauszufinden, wie stark die Verschiebung der Absatzkanäle sein wird, wann sie eintrifft, wen sie wie betrifft und wie darauf zu antworten ist. Die stationären Einzelbetriebe und großen Filialisten sehen sich als Anwalt der Kunden und verteidigen ihr Modell im Sinne der Kundengesundheit, während die Onlinehändler voraussagen, dass ohnehin bald alle Kunden ihre Brillen online kaufen werden, insbesondere um Geld zu sparen. Wer hat Recht? Weiterlesen