Wie groß ist Amazon (DE)?

 calaveras makeupDie Quartalszahlen von Amazon waren wie gewohnt beeindruckend. Die Prognosen von Adrian Hotz zum weiteren Wachstum von Amazon sind erdrückend und so langsam kommen sogar „alte“ Kassenzone Theoreme an ihre Grenzen. Die vereinfachte Gleichung Google = Suchen, Amazon = Kaufen wird Wirklichkeit, mit allen Nebenwirkungen die sich betroffene Händler und Hersteller vorgestellt haben. Christian Rothe hat in den Kommentaren zum letzten Beitrag „Der Fall von Sony“ zurecht gefragt, worauf meine Aussage basiert, dass Amazon über 50% des E-Commerce Marktes direkt bzw. indirekt beeinflusst. Diese Aussage basiert zum Teil auf Erfahrungen mit diversen Händlern und Herstellern, diversen Studien zur Umsatzentwicklung in Deutschland und einigen „Macht das Sinn?“-Diskussionen mit den betroffenen Unternehmen. Ich versuche das gerne hier zu quantifizieren und freue mich über viele Anmerkungen in den Kommentaren. Vielleicht kommen wir gemeinsam auf bessere Werte – die Crowd und so… Die erste Zahlenkolonne kommt von Amazon direkt, die seit drei Jahren auch Werte für den deutschen Markt separat ausweisen. Zu den Umsatzwerten 2013 hatte sich zwischen dem BVEH und Axel Gronen ein spannender Disput entwickelt, um festzustellen, ob Amazon in Deutschland in Summe (Marketplace + Direktverkauf) bei eher 10 Mrd. Euro oder 20 Mrd. Euro liegt. Axel hatte sich der 10 Mrd. Marke Bottom Up genähert, während der BVEH versucht hat, die Befragungsergebnisse von vielen tausend Kunden zu verifizieren. Mit 20 Mrd. in 2013 wäre die 50% Anteilsmarke am E-Commerce von Amazon schon erreicht worden.

Ansatz #1 – Umsätze hochrechnen

Mittlerweile liegen Werte bis 2015 vor und ich habe mal versucht die Rechnung nachzuvollziehen und so auf einen sinnvollen Umsatzkorridor zu kommen. Ein wenig stutzen musste ich allerdings beim Studium der 9-Monatszahlen aus 2015, weil diese für die internationalen Märkte (inkl. Deutschland) kaum Wachstum ausweisen (siehe Screenshot). Ich konnte bisher nicht verifizieren woran das liegt. Es kann durchaus ein Wechselkursproblem sein, weil der Euro-Dollar Kurs fast 20% eingebrochen ist.

Amazon-International

Wenn man nun die Amazon Netto Zahlen für den deutschen Markt anschaut, wird darauf hingewiesen, dass in diesen Zahlen lediglich die Provisionen der Marketplace Händler (Third Party Sales) enthalten sind, aber nicht deren Gesamtumsätze. Das führt zu dazu, dass wir uns erst einmal herleiten müssen, wie hoch wohl die durchschnittliche Provision ist, die Amazon je nach Kategorie und Menge variiert und wie hoch wohl der Anteil der Marketplace Umsätze ist. Bei den Provisionen fühle ich mich durch viele Gespräche mit Händlern mit 15% wohl, einen Wert den auch Axel angenommen hat. Bei den Marketplace Anteilen sind die mir bekannten Werte viel schwankender. Irgendwo zwischen 30% und 60% Marketplace Anteil dürften es mittlerweile sein, auch weil eBay sich nach und nach aus dem Markt verabschiedet und zunehmend an Bedeutung verliert. Das muss ich mir aber noch mal im Detail anschauen und mit Mark Steier diskutieren. Eine weitere Variable ist der finale Umsatz 2015, bei dem ich in der Rechnung von 10% bzw. 20% ausgehe, weil der o.g. Screenshot währungsbereinigt sein dürfte. Die Excel Tabelle kann man hier runterladen und damit rumspielen. In dieser Rechnung komme ich bei Amazon Deutschland auf ein Gross Merchandise Volume (Gesamtumsatz!) von 15,28 Mrd. bis 30 Mrd. in 2015, je nachdem wie man Provisions- und Marketplace-Anteil schätzt. Mein Best Guess in dieser Herleitungsart wären für 2015 19,7 Mrd. (20% Wachstum, 15% Provision, 40% Marketplace). Mit dieser Größe rechne ich erst einmal weiter, um einen Bezug zum Gesamtmarkt herzustellen. Man könnte natürlich noch die AWS Umsätze (IT Services, Videostreaming…) aus dem Umsatz rausrechnen, aber das ändert nicht viel an der grundsätzlichen Dimension.

Amazon-Umsatz

Ansatz #2 Quervergleich Paketsendungen

Der beste Ansatz der mir eingefallen ist, um den Umsatz von Amazon zumindest im Verhältnis zum Gesamtmarkt zu verifizieren sind die gelieferten Paketmengen. Auch in diesem Bereich variieren die Angaben zum Teil erheblich. Die Wiwo kalkuliert, dass 400 Mio. Pakete von insgesamt 2,8 Mrd. versendeten von Amazon stammen.

Für die Zusteller in Deutschland bahnt sich damit ein Wendepunkt an. Etwa 2,8 Milliarden Pakete werden in Deutschland jedes Jahr verschickt. Den Großteil davon liefern der Marktführer Deutsche Post, Hermes und der Paketdienst DPD direkt bis zur Haustür der Privatkunden. Geschätzt bis zu 400 Millionen der insgesamt 2,8 Milliarden Pakete dürften von Amazon stammen.

Andere Quellen gehen von bis zu 700 Mio. Paketen bei einer Gesamtmenge von 3 Mrd.  aus. Laut Statista verteilen sich diese Pakete zu ca. 7% auf C2C, 52% auf B2C und 41% auf B2B in 2013, wobei der B2C Anteil wächst. Gehen wir mal der Einfachheit halber davon aus, dass die B2C Quote in 2015 bei 60% liegt und die Gesamtmenge in diesem Jahr bei 3 Mrd. liegt. Das wären 0,6 * 3 Mrd = 1,8 Mrd. B2C Pakete inkl. Katalogversender usw. Je nach Quelle wäre dann der Amazon Anteil bei 22% (400m Pakete bis 38% 700m Pakete). Bereinigt um Katalogversender und Shopping TV dürfte der reine E-Commerce Umsatzanteil in Deutschland dann schon die 50% Marke überschreiten. Dass bei diesen Mengen ein eigener Endkundenlogistiker Sinn macht, dürfte klar sein. Retouren sind mE in den 3 Mrd. Paketen nicht enthalten, aber da lasse ich mir gerne eine anderweitige Erklärung geben. Das würde die Rechnung zu den Anteiligkeiten aber nicht verändern.

Ansatz #3 Anteile am Gesamtumsatz Deutschland

Das Thema E-Commerce Gesamtumsätze in Deutschland ist emotional etwas belastet – leider. Grundsätzlich empfehle ich sehr, dass man jede Statistik zu diesem Thema sehr vorsichtig lesen muss und Herausgeberinteressen und Datengrundlage verstehen muss. Ich habe vor zwei Jahren mal die gängigen Studien und Daten in einem kleine Modell zusammengeführt und das funktionier heute für mich noch erstaunlich gut. Die Herleitung und Datenbasis (Exceltabelle) findet ihr in dem entsprechenden Artikel „Wann platzt die Immobilienblase“.

Marktmodell-2015

Die Daten in diesem Modell laufen auf einen E-Commerce Umsatz in 2020 von ca. 100 Mrd. Euro hinaus. Einen Wert den ich mittlerweile für eher konservativ halte. In 2015 landet man darin bei ca. 50 Mrd. Euro. Wenn man dem Modell folgt, muss man akzeptieren, dass der stationäre Handel unter der Annahme eines Null Wachstums des Einzelhandels in einem Zeitraum von 10 Jahren (2010-2020) ca. 25% Umsatz verliert. Der Gewinneinbruch dürfte noch größer sein, weil sich die Preiserwartung der Kunden aus dem E-Commerce in den stationären Handel überträgt. „Jetzt zu Internetpreisen im stationären Handel kaufen.“ Aus meiner Sicht ist das eine Bankrott Erklärung des stationären Handels, aber das muss jeder Händler selber entscheiden. Es gibt deutlich defensivere Statistiken, wie z.B. die Prognose vom HDE, die bei 42 Mrd. für 2015 landet. Der BEVH kommt eher auf 50 Mrd. in 2015. Alle Studien unterstützen aber die These, dass E-Commerce stark wächst.

Macht die Aussage „Amazon gehören schon heute über 50% des Online Handels“ noch Sinn? Das kommt darauf an, welchen Zahlen man glauben will. In absoluten (Online-) Umsatzanteilen dürfte das knapp der Fall sein. Wenn man die Effekte von Amazon in Summe betrachtet und sich überlegt wie stark Amazon Bewertungen mittlerweile auch die Einkäufe im stationären Handel beeinflussen, dann würde ich sogar noch etwas weiter gehen in der Aussage, dass Amazon mittlerweile auch große Teile des stationären Handels beeinflusst. Wenn ich dann noch die halbgaren „Multichannel“ Ideen von Kaufhof & Co. betrachte, dann kommen mir fast die Tränen. Noch gar nicht berücksichtigt sind die diversen Effekte aus neuen Logistikdienstleistungen, besseren Retourenprozessen usw. die E-Commerce noch mal massiv beschleunigen werden. Fairerweise hat sich in diesem Bereich in den letzten 20 Jahren kaum etwas Sichtbares für Endkunden getan, abgesehen vom 24-48h Lieferstandard.

Konsequenzen

Amazon als Händler oder Marktplatz zu betrachten greift mittlerweile zu kurz. Aus diesem Grund widme ich mich nun seit fast zwei Jahren in diversen Artikeln den verschiedenen Amazon Strategien und finde insbesondere das Beispiel von Kavaj weiterhin sehr relevant. Bis vor wenigen Jahren war ich ein großer Fürsprecher von Wachstumsstrategien, die davon ausgingen eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen und auszubauen. In der GAFAzon Welt wird diese Strategie extrem wackelig. Gut, eine Webseite und ggf. einen Shop als Hersteller zu betreiben, mag Sinn machen. Aber warum sollte man noch weiterhin teuer Kunden bei Google akquirieren, die ohnehin nicht treu sind, wenn am Ende des Tages schon 50% direkt bei Amazon einkaufen?

Amazon-Whitepaper-CoverAus diesem Grund haben wir uns vor kurzer Zeit auch bei Factor-A beteiligt, das sich als Dienstleister positioniert, um Hersteller bei Amazon erfolgreich zu machen. Auch wenn es keine langfristige Strategie sein kann, sich komplett von Amazon abhängig zu machen, welche Alternativen haben Hersteller mit signifikanten Online-Anteilen denn schon, als Amazon nicht massiv im eigenen Sinne zu nutzen. Amazon gewinnt (zurzeit). Wie man dieses Know-how nutzen kann, hat Factor-A in dem 50 seitigen Paper „Knut und die Amazonen“ zusammengestellt.

 

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Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

26 Gedanken zu “Wie groß ist Amazon (DE)?

  1. Hmm, man trifft Annahmen aufgrund unsicherer Grundlagen…dann bleiben nicht mehr als Vermutungen und die Glaskugel über.
    Lassen wir doch Amazon noch weiter wachsen, der tipping point wird kommen und dann ist die Situation wieder neu zu bewerten.
    Spätestens wenn der eigene Job oder der eines Familienmitgliedes durch amazon, direkt oder indirekt, angegriffen und bedroht ist, tritt ein Umdenken und Handeln ein.
    Ein Prima Bereich für Berater, Kaffeesatz- und Handleser. :-)

    • Die Basisdaten sind ja halbwegs sicher. Die Annahmen machen es aber angreifbar, aber dafür kann sich ja jeder die Tabelle runterladen und damit spielen. Man kann je nach Neigung an die 15 Mrd. oder 30 Mrd. glauben.

    • Trotz der Annahmen kristallisiert sich eine Bandbreite für den Marktanteil von Amazon heraus. Diese Spanne an Unsicherheit wird sich in den kommenden Monaten mit neuen Erkenntnissen verringern.

  2. Finde die Frage nach der tatsächlichen Größe Amazons ja auch sehr spannend. Sehe aber Amazon aktuell nur bei ca. 30% (Amazon + Marketplace).

    Hinzu kommt dass sich m.E. das Wachstum des Amazon Eigengeschäfts (ohne Marketplace) bereits seit ein zwei Jahren abschwächt und letztes Jahr „nur“ noch um ca. 13% gewachsen ist. Stärkstes Wachstum war m.E. zwischen 2010 – 2012 mit jeweils über 35%.

    Mein Zahlenwerk steht aber wie das von allen anderen auf sehr tönernen Beinen. Muss wohl beim nächsten Call Jeff selbst fragen. 😉

    Deine Rechnung geht m.E. aber auch einfacher. Das Amazon Eigengeschäft betrug 2014 angeblich 6,5 Mrd. Euro in Deutschland.(1)

    Wenn 6,4 Mrd. Euro = 60% des gesamten Amazon Außenumsatzes im Handel, dann ist Amazon inkl. Marketplace = 10,7 Mrd Euro.

    Würde aber mal vermuten, dass der Marketplace-Anteil mittlerweile höher ist.

    (1) Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/bericht-an-boersenaufsicht-amazon-setzt-in-deutschland-6-4-milliarden-um/7740590.html

    • Daran habe ich auch geknobelt, aber das Handelsblatt geht davon aus, dass die 8,7 Mrd. = GMV sind, was laut Geschäftsbericht nicht der Fall ist. Also muss man die Gleichung nach zwei unbekannten auflösen (Anteil + Provision) und dann kommt man auf die Formel in meiner Excel.

      Man kann das auch nicht abkürzen und sagen Umsatz/3/0,15 = TP Umsatz, weil du dann eine Gleichung mit zwei Unbekannten in einem Schritt auflöst. Das geht nicht.

  3. Hallo Alexander, soweit ich weiß habe ich alle Deine Beiträge zum Thema Amazon auf Kassenzone durchgelesen. Interessant, dass Du mit Deinen Thesen ziemlich gut das triffst, was tatsächlich dann einige Zeit später eintrifft.
    Dass sich Amazon so dermaßen schnell und stark weiterentwickelt haben wahrscheinlich die wenigsten geahnt oder geglaubt. Fakt ist aber auch, dass Amazon mit dem Same Day Delivery und dem Einstieg in den Lebensmittelbereich tatsächlich die aktuell noch unvorstellbaren 200 Mrd. Umsatz in den nächsten 2 Jahren generieren wird.
    Da Amazon in den letzten Jahren mehrfach bewiesen hat, dass sie sich nicht nur auf ihr „Kerngeschäft“ konzentrieren, liest Du mit Deiner Einschätzung bzgl. DHL & Co. wahrscheinlich auch diesmal nicht daneben, obwohl so ein eigenes UBER hier wahrscheinlich genau das Richtige für Amazon wäre :)
    Eine eigene Flotte hätte Amazon wahrscheinlich schneller zusammen als UBER in ein paar Jahren…

  4. Weil eBay unbedeutender wird und sich aus dem Markt verabschiedet???
    Da würde ich die aktuellen Zahlen einmal genauer unter die Lupe nehmen:-)

  5. „Bis vor wenigen Jahren war ich ein großer Fürsprecher von Wachstumsstrategien, die davon ausgingen eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen und auszubauen. In der GAFAzon Welt wird diese Strategie extrem wackelig. “

    Vom Kunden aus gesehen, ist die Theorie dahinter immer noch richtig – Amazon hat es erstaunlich gut geschafft, eine „direkte Kundenbeziehung“ aufzubauen – die überstrahlt in der Regel die Beziehung zu den Marketplace-Teilnehmern deutlich. Und: „Geliefert von Amazon“ ist mittlerweile ein Qualitätsmerkmal im Marketplace (weil: kommt schnell, verlässlich, kann einfach retourniert werden).

    Die Amazon-Rezensionen / Bewertungen sind in der E-Commerce-Landschaft das Optimum, was man sich als Kunde wünscht. Mit ein wenig Medienkompetenz lernt man die Ergebnisse zu interpretieren, was vor allem wegen ihrer Vielzahl auf neue Weise möglich ist, aber auch von Amazon technisch unterstützt wird („verifizierter Kauf“).

    Ein „Umdenken“, wie von Elvis S. erwartet, weil Job-Verluste in der eigenen Lebenswelt mit der Amazon-Evolution einher gehen, wird nicht stattfinden. (Bzw. immer – wie auch bisher – beim Denken und Bashen stehen bleiben). Das ist auch einsichtig, denn es ist ja nicht AMAZON persönlich, das man gerne nutzt und nicht missen möchte. Es ist die „Beste Praxis“, die da umgesetzt wird, besser als alles, was hiesige Shops und Marktplätze zu bieten haben.

    Es gibt aber derzeit IMMERHIN noch Chancen, zumindest den Kampf um die Belieferung mit Lebensmitteln nicht zu Gunsten Amazons ausgehen zu lassen! Derzeit überschlagen sich die neuen Angebote – mit ganz unterschielichen Konzepten. REWE hat da immerhin schon ein Bein auf dem Boden, wird nun aber von reinen Shops ohne Wurzel in lokalen Märkten angegriffen. Ausgang bisher ungewiss (mir als Kundin gefällt derzeit das Rewe-Konzept besser). Daneben beginnen kleine Geschäfte ihr Umfeld zu beliefern – das sind die mit der engen individuellen Kundenbeziehung, was physisch-lokal auch mehr Sinn macht. REWE dagegen denkt dagegen drüber nach, einen „Marktplatz“ ähnl. Amazon zu errichten, hat gerade eine große Kundenbefragung durchgezogen.

    Es wär m.E. ein unentschuldbares Versagen, wenn auch noch die Lebensmittelbelieferung an AMAZON ginge. (Von wem die vielen in China gefertigten Produkte versendet werden, ist vergleichsweise egal).

  6. Sind die genannten Umsatzzahlen eigentlich netto oder brutto?

    Spielt insofern eine Rolle da Amazon ja zB. 15% provison auf dem Bruttoverkaufspreis berechnet. Das sind dann 17,85% auf den Nettowert. Also bezahlt der Händler in Wirklichkeit 17,85% Provision (außer er ist Kleingewerbetreibender).

    Gleiche Frage gilt dann für den geschätzten E-Commerce Gesamtumsatz von HDE 42 Mrd. und bevh 50 Mrd. – brutto oder netto // mit oder ohne Dienstleistungen, Reisen, Downloads etc.?

  7. Rechnet mal das Amazon eine Nettorendite von 30 Prozent hat und fast keine Gewinne macht. Also von ca. 100 Mrd. Umsatz 30 Mrd. GEWINN. Jetzt rechnet mal den Aktienkurs neu aus. Denn das hat noch keiner gemacht.

  8. Lieber Herr Graf, die Entwicklung der internationalen Umsätze insbesondere mit Medien sind schon länger rückläufig und zwar zweistellig. Wenn Sie mal weiter unten in der Bilanz lesen, dann finden Sie auch die Werte nach der Umtauschkursbereinigung. Die sind im Plus, allerdings auch nur einstellig, der große Hype ist das nicht mehr. Man kann sie aber nicht nachprüfen. Außerdem: Wenn Sie mal die Medienumsätze in Prozent vom Gesamtumsatz umrechnen und das für die letzten beiden Jahre machen, werden Sie feststellen, dass der Anteil des Medienverkaufs am Gesamtumsatz sinkt. Und interessanterweise in den USA schneller als im internationalen Bereich. In den USA liegt er bereits unter 20 Prozent. Möglicherweise hat Amazon Schwierigkeiten sein Konzept in andere Länder zu exportieren bzw. macht der Wechselkurs einen Strich durch die Rechnung. Geld verdient Amazon ganz woanders, der Online-Handel kommt aus meiner Sicht an seine Grenzen.
    Gruß Koeffler, Langendorfs Dienst

    • In der Tat, bei einzelnen Sortimenten bzw. das ganze Handelsgeschäft wirft keine Gewinne ab, wobei da durch die Expansion auch erheblich investiert ab. Am Ende ist es aber egal womit Amazon Geld verdient, solange es die Kunden so stark an sich binden kann. Amazon hat sich als Bindungselement halt „einkaufen“ ausgesucht und Google „suchen“. Streng genommen verdient Google ja auch kein Geld mit der eigentlichen Suche.

    • Was meinen Sie mit Medien? Physische Medien?
      Die sind doch allgemein rückläufig. Amazon ist nicht zuletzt maßgeblich ein Player, der das befeuert. Inzwischen kriegt man mit Prime, was ja schon lange keine Versandflatrate mehr ist sondern eine „Amazonflatrate“, auch einen riesigen Filme- und Serienkatalog sowie Filme für lau. Es gibt zwar ziemlich ulkige Rezensionen, die sich zB darüber mokieren, dass beim 1 Mio. Musikstückkatalog von Amazon Prime diese und jene Lücke sei – aber meine Güte, 1 Mio. Musikstücke aller Grenzes gratis und so oft man will inbegriffen abspielen zu können, auf diversen Endgeräten, im Stream sowie im Offlinemodus, obwohl ich selbst schon mit PC, Handy und Internet aufgewachsen bin erinnere ich mich an meine Kindertage, wie ich aus dem Radio per Kasette mühevoll Lieder aufnahm und mir vom Taschengeld ein paar CDs abgespart habe und ganz stolz auf meine paar dutzend Lieder zählende Bibliothek war. Das ist schon ganz schön verhätschelte Kritik an der Musikflat, ebenso beim Videoangebot Amazons. Und da ist noch die Kindle Leihbücherei, jeden Monat kann man ein Buch gratis ausleihen, ebenso inbegriffen, natürlich nicht nur am Kindle lesen,sondern auch per App oder Software an PC oder Tablet oder Smartphone.

      Real heißt das, wir müssen einfach nicht mehr soviele Medien erwerben, egal ob digital oder physisch um unsere ja nicht größere Freizeit, im Vergleich zu früher, mit Medien zu bespielen.

      Damit hat uns Amazon aber nur noch enger an sich gebunden. Ich könnte mir nicht vorstellen, mein Amazon Konto zu kündigen. Es ist Teil meines Alltags geworden, von den Filmabenden bis zur Bestellung zwischendurch, seit neuestem ja sogar SameDayDelivery ohne Aufpreis, ja meine Güte, wieso soll ich noch irgendwo anders bestellen (oder auch in den Einzelhandel gehen – der hat ja nicht einmal „bei Amazon haben sie es erst morgen ohner zahlen sich dumm und dämlich für SameDayDelivery“ mehr auf ihrer Seite, wenn ich Abends nach Feierabend noch Zeit hätte meine wenige Freizeit zum Einkaufen zu opfern – wer will das schon – steht doch schon der Amazonbote vor der Tür, Zeit gespart, häufig auch noch Geld gespart, wer kann da noch gegen anstinken?).

      Und Amazon schläft nicht. Die bleiben jetzt nicht so und warten, bis Konkurrenz teilweise aufgeholt hat. Es geht weiter, Zack, Zack, Schlag auf Schlag. Keine Ahnung, was als nächstes kommt, aber es wird weitergehen.

      Niemand wird Amazon stoppen, also versucht, bestmöglich mit und von Amazon zu leben. Wenn man es richtig anpackt ist der Marketplace – wie viele Händler zeigen – eine Cashcow. Und alle haben was davon.

  9. Gerne bin ich Alex Aufruf gefolgt und habe mit seiner Excel-Datei meine eigene Berechnung durchgeführt. Ich komme witzigerweise genau auf meine Schätzung von 30% an Amazon-Anteil am gesamten Markt.

    shopanbieter.de Rechnung
    ====================

    11.919 Mio US-$ sind Amazon-Umsatz Deutschland in 2014.

    Darin enthalten ist:
    Umsatz Amazon Eigengeschäft
    Umsatz TP Provisionen
    AWS
    Sonstige Erlöse (zB. Werbeeinnahmen, Provisionen Co branded Kreditkarte)

    AWS-Einnahmen waren 7% und sonstige Erlöse schätze ich mal einfach auf 1, 5 – 3%.

    Diese mindestens 8,5% muss ich ja direkt vom Umsatz 2014 (11.919 Mio.) abziehen, nicht erst am Ende. Dann bleibt der Umsatz aus Handelsaktivitäten übrig.
    = 10.905 Mio. US-$

    bei 40% Marketplace-Anteil und 15% Ø-Provision wäre das dann

    Umsatz Amazon Eigengeschäft 9.914 Mio. US-$
    Außenumsatz Marketplace 6.609 Mio. US-$
    Gesamt 16.523 Mio US-$
    = 12.710 Mio EURO

    Wenn wir von 42 Mrd. EUR netto gesamten E-Commerce-Umsatz in 2014 ausgehen, läge Amazon bei 30% Anteil.

    Das wiederum ist genau meine Schätzung (habe ich tatsächlich ohne diese Rechnung gemacht, also Glück gehabt;-)

    Nachdem der Amazonumsatz m.E. nur noch moderat (2014: 13%) wächst, sehe ich überhaupt nicht dass Amazon schon bald 50% Marktanteil hat. Aber die Wahrheit kennt nur Amazon und die Glaskugel.

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