Grüne Wiese vs. Transformation // Interview mit Matthias Schrader

Wiese BusWahrscheinlich gibt es zur Zeit keinen einzigen europäischen Konzern der sich nicht mit dem Thema “digitale Transformation” auseinandersetzt – mittlerweile oft auf Vorstandsebene. Je nach Reifegrad dieser Transformationsprojekte könnte man sich dann entweder mit dem Gedanken auseinandersetzen wie man die eigene Organisation digitalisiert (Tablets für den Außendienst usw…) oder man versucht strategische Optionen gegen das GAFA Monopol zu finden, das Matthias Schrader vor kurzem in einer Präsentation dargestellt hat. Gesalbt mit digitaler Weisheit ist Matthias für mich ein hervorragender Gesprächspartner, um über die gängigen Herausforderungen im Markt zu diskutieren. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass Transformation großer Unternehmen nicht mehr funktionieren kann und man versuchen muss sein Glück auf der “grünen Wiese” zu finden. Matthias sieht das anders und glaubt noch an das Comeback der Konzerne. Darüber haben wir uns gestern unterhalten. Spannend dazu ist auch das letzte Kassenzone Interview mit ihm, dass ich vor fünf Jahren geführt habe.

Ich glaube übrigens, dass ich mit Conway´s Law eine Möglichkeit gefunden habe meine grüne Wiese These zu belegen, aber dazu mehr in einem der nächsten Beiträge. In zwei Wochen werde ich dazu diverse Beispiele beim new Deal Forum (Immobilien Konferenz) in Münster an die Wand werfen und mit den E-Commerce geplagten Immobilienbesitzern diskutieren. Das wird spannend!

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9 Gedanken zu „Grüne Wiese vs. Transformation // Interview mit Matthias Schrader

    • ja, ist mir auch aufgefallen später, aber ich hatte keine Lust noch mal neu zu rendern, und die Batterien in den Mikros müssen getauscht werden. Man hört ein leichtes Rauschen. Immer diese Technik…. Aber vergleiche das mal mit dem verlinkten Video vor 5 Jahren. Purer Luxus heute!

  1. Pingback: Matthias Schrader (SinnerSchrader) über digitale Transformation | INTERNETZKIDZ.de

  2. Schön, dass er seine Meinung zur McKinsey-Geschichten zum Schluss doch noch klar ausgesprochen hat. Ich hatte förmlich Tränen der Rührung bzw. Dankbarkeit in den Augen. 🙂

    PS: Du bist noch auf dem Weg zum richtigen, investigativen Journalisten.

  3. Die These vom Vorteil der grünen Wiese geht IMHO zu sehr von einem idealisierten, freien Markt aus. Das Internet ist sozusagen die technologische Manifestation des ungezügelten Kapitalismus, eher in seiner positiven Ausprägung natürlich. Zumindest bisher. Dementsprechend funktionierte dort die Sache mit der kreativen Zerstörung (bisher) so lehrbuchmäßig, wie auch alle anderen lehrbuchmäßigen Marktmechanismen. Wenn man sich den eCommerce der letzten 20 Jahre anschaut, dann kann man diesen in beinahe allen seinen Facetten eigentlich als perfektes Musterbeispiel für alle zukünftigen BWL Studenten heranziehen.

    Nur, das Internet wird zunehmend erwachsen. Sukzessive steigende Regulierung und durch sukzessive Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen wird deren, bereits vorhandene und etablierte, Regulierung sozusagen mit in den Cyberspace gezogen.

    Und da kommen dann auch wieder andere Dinge vorteilhaft zum tragen, die Konzerne einfach besser können. Wenn man eine große Rechtsabteilung und diverse Volljuristen beschäftigt, die sich nur mit Compliance and Datenschutz beschäftigen und man sein Angebot entsprechend gestalten kann, dann überzeugt das Kunden tendentiell eher, diese werden immer sensibler bei diesen Themen während gerade StartUp Techies dazu neigen zu technikbegeistert zu sein und im Machbarkeitsrausch zB diesen Aspekt häufig vernachlässigen („dieses und jenes Feature ist ja supertoll, aber will ich euch überhaupt meine Daten anvertrauen? Wer seid ihr eigentlich? Ein paar Werbesprüche und nicht nachprüfbare Versprechen in den FAQ reichen mir nicht!“).
    Dann setzt man sich auch weniger Haftungsproblemen aus, macht sich nicht durch Abmahnungen angreifbar, hat keine Probleme mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb zu fürchten, usw.; diese Dinge werden mit dem Maß wichtiger, mit dem das Internet eben kein „Neuland“ mehr ist, sondern alltäglich.

    Da haben Konzerne nicht nur Manpower und Organisationskraft, die ein Startup kaum aufbringen kann, die haben da schlicht auch Erfahrung. Man kann auch zunehmend ein neues, bisher nicht gekanntes, Einkaufverhalten beobachten. Die Leute kaufen nicht mehr da im Netz, wo es am billigsten ist. Sondern die Wiederbestellerraten steigen und steigen, es wird immer schwieriger Neukunden zu gewinnen. Weil ein eCommerce Anbieter inzwischen selbst zur Marke geworden ist und ein juristischer Laie und Normalkunde sich sagt, gut, die haben einen Namen zu verlieren, diese Marke kenne ich seit zig Jahren, ich denke, die gehen zB gut mit meiner Bankverbindung um, da kann ich „shoppen“. Oder auch, „da weiss ich, dass die nicht mit unzuverlässigen Paketdiensten arbeiten und der Versand wirklich so schnell geht wie versprochen, das ist mir den Aufpreis wert“ (=kann jeder nachvollziehen, der schonmal eine Woche auf sein Paket warten musste und dann die Auskunft in gebrochenem Deutsch an der Hotline des Billigpaketdienstes bekam, dass das Paket in einem kleinen Fotogeschäft drei Dörfer entfernt zur Abholung bereit liegt, weil man angeblich beim Zustellversuch nicht zuhause gewesen sei, dieser Fotoladen hat an zwei Tagen in der Woche 45 min. geöffnet und wenn man sein Paket abholen will riecht es nach altem Zigarettenrauch, weil der Paketfahrer vor dem ersten Zustellversuch – mit seinem Privatauto – die Pakete bei sich daheim zwischenlagerte und starker Kettenraucher ist…).

    Gerade weil eCommerce über „Spielerei“ hinaus gewachsen ist, verlangen die Leute, dass das so reibungslos und möglichst wenig zeitraubend verläuft, wie alle anderen klassischen nichtdigitalen Dienstleistungen schon immer ablaufen mussten aus Kundensicht. Da lässt man sich auf keine Experimente mehr ein, „den Ärger ist mir das nicht wert“.
    Das begünstigt Konzerne und etablierte Unternehmen natürlich ganz enorm und wird sich mit Sicherheit intensivieren. Wenn zB Bezahldienste/Mobile Payment tatsächlich mal das Bargeld ablösen sollten – wem vertrauen die Leute dann wohl eher ihre Finanzen an? Der Jabadabadu Startup AG oder einer wirklich altbekannten Marke, die man auch aus der Analogwelt kennt, wie zB VISA?

    Das kann man eigentlich für jeden eCommerce Bereich mit Beispielen durchgehen. Das mag nicht immer und bei jedem Kunden genau so eindeutig ausschauen, aber mindestens würde ich sagen, die Wahrheit liegt mindestens in der Mitte, wenn nicht doch eher beim Gesprächspartner. Meine Meinung.

    • In einem Punkt liegen wir sicherlich nah beisammen: Größe ist auch im Internet ein Vorteil, wenn man sie einzusetzen weiß. Wenn Größe dazu führt permanent größer zu werden (Google, Facebook…) dann hilft sie. Wenn Größe nur gehalten werden soll, dann wird das Internet zur Falle (AOL, Yahoo, eBay…). Diese Unternehmen werden nicht mehr von Startups angegriffen, sondern von den anderen großen Internetkonzernen.

      Bezogen auf klassische Unternehmen bringt Größe aus meiner Sicht gar nichts mehr, weil sich die Ressourcen nicht auf Wachstum konzentrieren, sondern auf Schutz. Da hast du ja ein hervorragendes Beispiel gefunden. Die Rechtsabteilung ist meistens der Klotz am Bein beim Wachstum. Der Trade of zwischen „eingesparten Abmahngebühren“ und „zermürbenden Rechtsstreitigkeiten“ spricht doch klar gegen die Rechtsabteilung in der Wachstumsphase, so wie sie heute eingesetzt wird. Wenn man nicht beschreiben kann wie das Geschäftsmodell in 6 Monaten exakt funktioniert, was soll denn die Rechtsbteilung prüfen.

      Nennen doch mal Beispiele für den Erfolg klassischer Strukturen im Internet in den letzten 3 Jahren.

      • Ich würde sagen, für die letzten 10 Jahre hast du unzweifelhaft recht. Darum kann ich da jetzt auch keine tollen Beispiele bringen. Ich frage mich aber, wie wird es in Zukunft laufen. Du hast ja mal selbst, wo genau weiss ich nicht mehr, illustriert, wie die ersten Jahre der eCommerce eigentlich nur andere, klassischere Direktvertriebskanäle kannibalisierte, also zB den Versandhauskatalog aus Papier und erst relativ kürzlich begonnen wurde, Marktanteile zB des stationären Einzelhandels zu übernehmen. Es ist da mit Sicherheit kein Zufall, dass gleichzeitig an anderer Stelle, auch du und deine Gesprächspartner sagen müssen, dass man jetzt kaum noch mal so eben einen Webshop aufbauen kann, dass man jeden Euro Umsatz, gerade in den Segmenten wo der eCommerce inzwischen direkt den Einzelhandel angreift wie Kleidung und Elektronik, (zu) teuer erkaufen muss. Damit gewinnt also eben nicht mehr (nur) die beste Idee und so weiter, sondern die Größtenvorteile, vorhandene Marktdominanz, usw. werden zu einem ebenso wichtigen Faktor.

        Die Frage mit der Rechtsabteilung, welche ja nur ein Beispiel sein sollte, wird in einem zunehmend gesättigten Markt, in dem technische Innovationen zunehmend schwierig zu machen sind, auch insofern relevant werden, als früher oder später die Player anfangen dürften sich auch mit diesen Mitteln zu bekämpfen. Man denke nur an die „Smartphone Wars“, die ja auch dadurch geprägt sind, dass sich die großen Hersteller ständig gegenseitig versuchen durch Milliardenprozesse wegen (angeblicher) gegenseitiger Patentverletzung aufzuschreiben und zu schaden. Auch sind bei Mängeln im Datenschutz in Zukunft durchaus auch juristische „Shitstorms“ zu erwarten, das Bewusstsein der Bevölkerung für Datenschutz steigt und aus Kiddies und Studis, die es dann mit einem bösen Tweet auf sich beruhen lassen, werden auch mal Erwachsene mit Rechtsschutzversicherung. Das kann dann richtig teuer werden.

        Ein Startup kann hier so kalt erwischt werden, dass ihm fast über Nacht die Existenzgrundlage entzogen wird, wenn es Pech hat. Auch dagegen schützt allein die smarte, „bessere“, Idee nicht mehr. Es hat schon auch seine Gründe und ist nicht pure Selbstbeschäftigung, dass etablierte Handelskonzerne rechtliche Implikationen ihres Handelns eingehend prüfen und laufend überwachen lassen.

        Und losgelöst von diesem Beispiel: mit zunehmendem Alter der „Turbobesteller“, ich kenne zig Leute Ende Anfang 30 die alles nur noch online bestellen und liefern lassen, ändern sich auch deren Prioritäten; man empfindet es mit zunehmendem Alter eher als nervend, zig Dinge gleichzeitig zu machen, im Aufzug mal eben noch schnell ne Überweisung per App usw., man „entschleunigt“ spätestens auf Anraten des Hausarztes, man lernt haptische Genüsse neu schätzen und investiert lieber mehr Zeit und Geld, Dinge wieder stationär zu sichten und zu erwerben, die u.p.s. des eCommerce werden in vielen Bereichen bei zunehmendem Alter irrelevanter – auch darauf muss man reagieren, aufgrund des demografischen Wandels wäre es selbstmörderisch sich außerhalb von Nischen nur auf eine Youngster-Zielgruppe zu fixieren.

        Wie es auch laufen wird in den kommenden 10 Jahren, ich denke klar ist, dass der Markt durch eine Konvergenz geprägt sein wird, aus zunehmender digitaler Kompetenz der etablierteren Marktteilnehmer und zunehmender Notwendigkeit für junge eCommerce Unternehmen sich (auch) in vielen Bereichen wie hergebrachte Unternehmen aufzustellen, dazu führt, dass der Vorsprung der einen schwindet, während die anderen gleichzeitig „aufholen“ und somit zunehmend ein „level playing field“ entsteht, auf dem man eben alles gleichzeitig beherrschen muss, um als Sieger vom Platz zu gehen.

        Das würde ich nicht nur auf Unternehmensstrukturen beziehen, sondern auch auf Vertriebskanäle, d. h. das perspektivisch die Unterschiede zwischen stationär und digital auf eine Art aufgelöst werden dürften, wie sich das die „Multichannel“-Fans so auch nie vorgestellt hatten.

        • Da würde ich dir in allen Punkten zustimmen. Die Frage für große klassische Unternehmen bleibt aber trotzdem: Was nun? Ein von dir beschriebenes Szenario traue ich eher Amazon als Mediamarkt zu.

  4. Pingback: Conway´s Law | Kassenzone

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