Der langsame Tod des (klassischen) Großhandels

PerspektivenManchmal denke ich, dass es doch langsam etwas zu abgegriffen klingt, wenn man heute noch vor den Effekten der Digitalisierung warnt. Im nächsten Moment bin ich zufällig mal wieder auf einem Meeting mit einigen Großhändlern oder Leuten aus dem B2B Sektor und denke mir bei der einen oder anderen Aussage: “Krass, unfassbar, wie kommen die darauf…..” Dann befinde ich mich unvermittelt wieder im pastoralen Kassenzone.de Modus.Ich wünsche wirklich niemanden, dass ihn die “digitale Keule” trifft, aber die meisten Unternehmen werden das nicht vermeiden können. Scheinbar durchläuft jedes Unternehmen in der Digitalisierung eine Phase, in der alle “digitalen” Facetten daraufhin geprüft werden wie man das angestammte Business schützen kann. Das läuft auf verschiedene Maßnahmen hinaus wie z.B.:

  • Den Außendienst zum Thema E-Commerce schulen – man kann ja nie wissen
  • Den Außendienst mit Tablets ausstatten, damit man auf aktuellere Produkte/Preise zurückgreifen kann
  • Den Leiter Key Accounts zu einer Online Messe schicken, welche Vorteile sich durch E-Commerce ergeben
  • Argumente vorbereiten, warum der Niedergang des Wettbewerbers xyz auf keinen Fall etwas mit dem Wachstum von E-Commerce Modellen im eigenen Segment zu tun hat
  • Die eigene Webseite relaunchen – responsive und so. Man will die Digitalisierung schließlich nicht verpennen
  • Einen neuen Leiter (ggf. Geschäftsführer) für das Thema online einstellen – im Idealfall einen Kandidaten mit Erfahrung von digital bereits umgewälzten Unternehmen wie Tchibo, Karstadt oder Neckermann

Das traurige an den Maßnahmen ist oft, dass sie von Leuten umgesetzt werden müssen, die es eigentlich besser wissen und wenig Möglichkeiten haben die angestammten Argumente im Top Management zu widerlegen. Auf dem Berliner B2B Tag des bevh hatten Tamer El-Hawari & ich die Möglichkeit diese Entwicklung aus Spryker Sicht darzulegen und darüber zu sinnieren, ob Contorion dem ein oder anderen B2B Anbieter gefährlich werden könnte. Ich glaube, dass Contorion mit signifikant Kapital dazu in die Lage versetzt werden kann. Aktuell kratzen sie an der Oberfläche und Peer Schmid von Adorsys hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass B2B nicht gleich B2B ist. Für den Ersatzteiledienst von Siemens dürften schnelle Ladezeiten im Frontend egal sein. Zugegenermaßen erwartet wirklich niemand, dass man sich die Teile fürs Blockheizkraftwerk per App nachbestellen kann.

Martin Groß-Albenhausen hat für seinen Vortrag auf dem B2B ganz tief in “klassischen” Wirtschaftsbüchern gegraben und daran erklärt welche Distributionsfunktionen der Handels mal hatte. Ich kann mich noch bestens an diese Diskussion erinnern als Holger Schneider und ich bei der Otto Gruppe in unseren Rookie Jahren erklären mussten, was E-Commerce denn nun verändern würde. Mittlerweile glaube ich, dass es irreführend ist so zu argumentieren, weil diese Darstellung impliziert, dass die betroffenen Unternehmen so werden können wie die Angreifer. Das ist definitiv nicht der Fall. In der nun 25 Jahre alten Funktionsdarstellung des Handels, kommen allerhand Geschäftsfelder zusammen. Ware transportieren, finanzieren und darüber informieren.

Handelsfunktionen

Aus diesen Funktionen leiten sich dutzende (B2B) Handelsmodelle ab, die im Gabler Lexikon sehr schön aufgezählt sind.

  • Distribuierender Großhandel (Schwerpunkt: Absatzseite),
  • Binnengroßhandelsbetriebe, deren Aktivitäten sich auf ein Land beschränken, die mithin innerhalb nationaler Grenzen eines Staates angesiedelt sind, und die sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Absatzseite ausschließlich mit inländischen Marktpartnern zusammenarbeiten,
  • Außengroßhandelsbetriebe, deren Aktivitäten sich zwischen Ländern abspielen und damit über die nationalen Grenzen eines Staates hinausreichen (Export, Import, Transit…)
  • Kollektierender Großhandel (Schwerpunkt: Beschaffungsseite): (Schrotthandel, Landmaschinen…)
  • Distribuierender Großhandel (Schwerpunkt: Absatzseite),
  • Grossierer als Großhandelsbetrieb, der an Einzelhandelsbetriebe, gewerbliche Verwen­der und Großverbraucher absetzt,
  • Zentralgrossierer als Großhandelsbetriebe, die an zentralen Marktplätzen ansässig sind und vornehmlich an andere Großhandelsbetriebe absetzen (z.B. die Zentralen der Handelsgruppen im Lebensmittelhandel).

Alle diese B2B Handelsformen bedienen sich der Nachfrage nach Handelsfunktionen diverser Akteure im Markt. Nun ist es nicht so, dass diese Nachfrage auf einmal geringer wird. In der Argumentation von Martin kann diese Nachfrage von neuen Akteuren allerdings viel besser bedient werden. Er hat das „leicht“ vereinfacht in dem folgenden Chart dargestellt.

Handelsfunktionen-amazon-google

Als er das gezeigt hat, ging ein kurzes Raunen durch die Reihen. Man konnte in den Köpfen förmlich die Frage nach dem “Betrifft mich das auch? Was kann ich besser?” sehen. Im Anschluss hat das in der Diskussion gemündet, ob B2C Erkenntnisse wirklich auf den B2B Großhandel zu übertragen sind. Die folgenden Gegenargumente werden dabei immer wieder genannt:

  • Die Produktarten im B2B sind nicht für die o.g. Disruptionen geeignet (C-Teile, Große Anlagen…)
  • Der Markt ist extrem fragmentiert und nicht dafür geeignet von einem oder mehreren großen Angreifern übernommen zu werden
  • Der Preis spielt im B2B eine viel geringere Rolle für die Kaufentscheidung. Service und Verfügbarkeit sind entscheidender. Die Angreifer kommen aber nur über das Preisargument.
  • Der Markt ist riesig (870 Mrd Euro +) und zu weiten Teilen schon im E-Commerce vertreten, z.B. durch automatisierte Bestellprozesse über das SAP System

Aus der Sicht bestehender Marktteilnehmer ist jedes Argument für sich stark genug, um die Gefahr durch Amazon Supply, Contorion und Co. zu negieren. Wenn man die Argumente lange genug betrachtet, leuchten sie auch ein und das führt dann zu den eingangs genannten Aktionen, die zur “Digitalisierung” beitragen sollen. Je mehr Akivität, desto stolzer ist das betreffende Unternehmen darauf. Dazu passen die Aussagen von Gisbert Rühle (GF von Klöckner) in einem aktuellen Capital Beitrag zur Digitalisierung von Konzernen.

Derzeit werden noch fast 90 Prozent des Stahlhandels per Fax oder Telefon abgewickelt, auch bei Draxinger. Das dauert, ist fehleranfällig und hat zur Folge, dass die gleichen Daten immer wieder irgendwo eingetippt werden müssen. Zudem begleitet jede Stahllieferung eine penible Dokumentation in Form von Werkszeugnissen. Firmenchefin Ruth Draxinger, die die Firma in zweiter Generation führt und Rühl aufmerksam zuhört, hat eine Vorstellung, was das Ziel wäre: „Eine transparente Lieferkette – am liebsten in Echtzeit.“ Und Rühl nimmt das ernst. Alle Daten sollen künftig per Online-Plattform übermittelt werden. Klöckner, Platzhirsch einer konservativen Branche, will jetzt in der digitalen Welt ankommen. Flexibler und stärker vernetzt werden. Und mehr über seine Abnehmer wissen.

Interessanterweise wird die Otto Gruppe in diesem Kontext als leuchtendes Vorbild für die Branche genannt. Gemessen am noch jungen Digitalaktivismus manch anderer Konzerne trifft das 100%ig zu, aber gerade die Erfahrungen bei Otto sollten doch Warnung genug sein. Sogar Otto muss auch jetzt permanent investieren, um neue Modelle und Lösungsansätze zu finden, obwohl sie einem Klöckner schon 10-15 Jahre voraus sind. Für mich bedeutet das im Umkehrschluss, dass immernoch zu zaghaft investiert wird und dann auch noch in die falschen Dinge. Und wenn investiert wird, dann fehlen oft Steuerungskompetenz und Zielbilder in den Projekten. Dazu wird sich in an dieser Stelle Björn Schotte (GF von Mayflower) noch einmal ausführlich äußern.

Viele Teile des B2B Handels verhalten sich zur Zeit wie Franz. Sie machen nichts falsch. “Ja Alex, du hast leicht reden. Was würdest du denn machen?” Diese Frage muss ich mir dann gefallen lassen und meistens folgen ein paar einfache Fragen:

  1. Wie lange wird es dauern, bis dein Geschäftsmodell von Amazon & Co. ernsthaft bedroht wird? (Antwort: Meistens 5-10 Jahre)
  2. Wie lange braucht dein Unternehmen, um das nächste relevante “digitale” Projekt durchzuführen? (Antwort: 1-2 Jahre)
  3. Wieviel Wegstrecke sind damit zur vollständigen Digitalisierung gegangen? (Antwort: 1-5%)
  4. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Tempo ausreicht, um den 5-10 Jahres Vorsprung für sich zu nutzen? (Antwort: 10-20%)
  5. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, wenn der Wettbewerb schneller wird, was ich sehr wahrscheinlich finde? (Antwort: 0-5%)

Also: Auch wenn die meisten Unternehmen heute noch nicht wissen wer sie aus dem Markt nehmen wird bzw. das versucht, wissen fast alle, dass es bald passieren wird. Wenn nun aber der Transformationsprozess zu langsam geht (immer der Fall!), was würde ich tun? Dann würde ich a) massiv digitale Kompetenzen zukaufen und b) all mein Geld auf Grüne Wiese Projekte setzen, weil diese eine realistische Chance haben Märkte neu zu gestalten. So ist auch das Collins Projekt entstanden, dass immerhin ein neues Handelsmodell definiert hat (Open Commerce) und damit Pioniervorteile für sich nutzen kann. Würde ich dann die Digitalisierungsprojekte (Tablet für den Außendienst usw…) im Tausch einstellen? Sehr wahrscheinlich ja. Ich würde so viel Geld wie möglich in Projekte stecken, die keine Transformationskosten mit sich bringen.

Das E-Commerce BuchMehr zu den Themen Großhandel, E-Commerce Strategie und zur Bewertung diverser digitaler Geschäftsmodelle finden sich im Juni 2015 erschienenen „Das E-Commerce-Buch“ von Holger Schneider und Alexander Graf. Bereits nach kurzer Zeit führt das Buch diverse Bestseller Listen bei Amazon an und wurde im Schnitt mit 5 Sternen bewertet. 39,90€ Euro, 305 Seiten, 20 Jahre E-Commerce Know How.

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19 Gedanken zu “Der langsame Tod des (klassischen) Großhandels

  1. Hallo Herr Graf,
    ich bin Geschäftsführer bei der PSG Procurement Services GmbH, einem der „Urväter“ im B2B-ecommerce (wir haben z.B. 1996 bereits die erste eProcurement-Lö-sung in D entwickelt…) und war auch auf dem von Ihnen angesprochenen B2B-Tag des BevH. Ich würde mich bei Gelegenheit gerne einmal mit Ihnen austauschen! Wir als PSG fliegen ziemlich „unter dem Radar“, sind aber mit Kunden (namhafte Großkonzerne und große Mittelständler), die uns 2-stellige Millionenvolumen anvertrauen und sich mit uns nun auch global fortentwickeln wollen, sehr gut im Geschäft. Ich glaube, wir verstehen die Anforderungen und Entwicklungen in diesem Bereich sehr gut und treffen mit unseren Ansätzen aktuell einen „Nerv“. Vielleicht haben sie Interesse, ihren Horizont noch ein wenig zu erweitern und sich z.B. unseren Ansatz eines „kontrollierbaren Marktplatzes“ o.ä. einmal erläutern zu lassen. Beste Grüße Michael Kofler

  2. Hallo Herr Graf,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ich stimme Ihnen zu, dass der Wandel im B2B in Richtung E-Commerce noch langsam vorangeht. Jedoch setzt vermehrt ein Umdenken ein und selbst sehr konservative Branchen möchten etwas verändern. Dies stellen wir gerade mit unserem für die Stahlbranche entwickelten Marktplatz Mapudo (www.mapudo.com) fest. Mit unserem Fokus auf diesen Bereich können wir die Bedürfnisse der Händler sehr gut abbilden, sodass der Schritt zum E-Commerce erleichtert wird. So wie Herr Rühl von Klöckner werden wir die Digitalisierung in der Stahlbranche vorantreiben, setzen jedoch dabei auf ein Konzept, welches allen Händlern egal welcher Größe offen steht. Viele Grüße, Martin Ballweg

  3. Mit Risikokapital finanzierte Firmen müssen agressiv am Markt auftreten.
    Da Risikokapital, ist es reine Spekulation. Zu verlieren haben die praktisch nichts, außer ihrer „Mission / Ideologie“.
    Damit setzten sie etablierte, kaufmännisch solide finanzierte Unternehmen welche mehr Verantwortung zu tragen haben und entspr. konservativer agiern, unter Druck.
    Der einzige Vorteil, den ich sehe, ist das es Kunden einen Mehrwert bringt.
    Oftmals reduziert sich das auf den Preis. Hin und wieder jedoch auch eine schnellere Abwicklung.
    Sobald in einer Branche die Absatzzahlen nach oben sollen / müssen, ist das Tor für Amazon & Co. offen und es reduziert sich auf Preis & Menge.
    Bild 2 kann man zustimmen, oder auch nicht. Es ist sehr vereinfacht dargestellt. Besonders der Nominalgüterstrom. So einfach ist es jedoch in der Praxis nicht. Paypal lässt sich finanzieren, es finanziert niemanden.
    Nur durch engen Schulterschluss von Hersteller, Distribution, Fachhandel lässt sich gegen die „Wadenbeisser“ ankommen. Ob dies gelingt, bezweifle ich jedoch, da die Distribution und Fachhandel in der Zange von Hersteller(viel Abnahme) und Endkunde (billig) stecken.
    Die Distributionen haben es nicht geschafft eigene Platformen zu schaffen. Nun rennen sie hinterher.

  4. Wie so häufig geht mir das Herz auf wenn ich Deine Artikel lese!

    Herzlichen Dank und beste Grüße
    Guuter Freund

  5. Hier muss ich unumwunden zustimmen.

    Die Digitalisierung zeichnet sich gerade dadurch aus, nach und nach sämtliche Intermediäre überflüssig zu machen. Diverse Studien haben übrigens ergeben, dass dies nicht nur die Angebotsseite (Großhandel) betreffen wird, sondern auch die Nachfragerseite (Einkaufsabteilungen). Intelligente Cloudsysteme und spätestens die Industrie 4.0, in der Maschinen selbstständig Halbzeug nachordern, machen auch bei den Nachfragern die Einkäufer komplett überflüssig (einer der ersten „white collar“ jobs, die von der computergetriebenen Automatisierung akut gefährdet sein werden).

    Ein Treppenwitz ist für mich ohnehin: man bekommt als Gewerbetreibender beliebiger Größe Waren, sofern sie dort verfügbar sind, inzwischen bei Amz billiger, als über jeden Großhändler. Schneller und mit mehr Rechten (meines Wissens unterscheidet Amz bezüglich Rückgaberecht nicht zwischen B2C und B2B bzw. generell nicht zwischen B2C und B2B) als bei jedem Großhändler, die sich ja immer auf das HGB versteifen und seltenst Kulanz zeigen, geschweigedenn ansatzweise vergleichbare Rechte einräumen, wie Verbraucher diese genießen (es verbietet Großhändlern ja auch keiner, ein Widerrufsrecht analog zum Endverbraucherrecht in ihre AGB aufzunehmen).

    Wenn ich dann noch sehe, dass zur Bestellung vielfach sogar noch Faxvorlagen verlangt werden oder irgendwelche individuellen Preislisten (d. h. man muss erst mühsam persönlichen Kontakt aufnehmen und hin und her, bis man mal bestellen „darf“, weil man ein Kundenkonto eingerichtet hat), anstatt einfach wie beim Endverbraucher üblich mit ein paar Klicks von der Artikelsuche über Google zur Bestellbestätigung zu gelangen. Der Großhandel macht es einem auch sehr schmackhaft ihn in Zukunft zu umgehen.

    Es gibt also sozusagen sowohl starke Push-Faktoren, wie auch starke Pull-Faktoren. Wie das der Großhandel überleben soll, mir ist es schleierhaft.

    • PS: ich kenne mehr und mehr gerade kleinere Gewerbetreibende, von denen der B2B Bereich mit seinen „Apothekenpreisen“ ja besonders lebt (die „Großen“ konnten schon immer günstigere Preise ausverhandeln), die sich inzwischen komplett über B2C Kanäle versorgen. Eben z. B. über Amz. Die „Großen“ sind natürlich generell strukturell träger, aber es ist nur eine Frage der Zeit und neuer Angebote, bis auch dort umgeschwenkt wird. Mutmaßlich dann, wenn Tools verfügbar sind, die es einfach genug machen, die Intermediären einfach zu umgehen, also das Tool die Organisationsarbeit der Intermediären quasi nebenbei in seinem Programmcode mit erledigt.

    • Genau so ist es. Ich habe selbst mehrere Firmen. Die Zulieferer sind schon der Hammer: Bestellung per Fax, komische Bestellformulare, Preis die teurer sind als im EH (verbunden mit naturgemäß längerer Lieferzeit), langsamer Versand, keine kundenfreundlichen Retouren- und Zahlungsmöglichkeiten. Und das sind nur einige Punkte.

      Ich frage mich auch oft, warum Handwerker & Co. immer noch ALLES dort einkaufen. Wahrscheinlich Routine und / oder Bequemlichkeit.

      Also wir machen das anders. Wir kaufen da wo der Preis und der Service passt. Als Einzelfirma genießt man ja sowieso die selben Rückgaberechte etc. wie ein Endverbraucher (geht bei GmbH natürlich nicht), das ist ja für den Händler nicht erkennbar. Z.B. Büroausstattung wird immer im EH gekauft wegen der Garantie.

  6. Hallo Alexander,

    ein weiterer Artikel aus der Reihe „Tod“. Ich versteh nicht ganz warum Strategieberatung und Branchenbewertung eigentlich immer mit dem Tod anfängt. In deinen letzten Artikeln sind die Händler, die Hersteller und nun auch die Großhändler gestorben. Du – als Otto Kind – müsstest doch wissen wie schwierig die Transformation ist und wie lange diese dauert. Langsamkeit bedeutet doch nicht immer gleich Tod. Auch ich spreche mit vielen Traditionsunternehmen, Herstellern, Großhändlern und Händlern und würde die Aussichten nicht immer so düster sehen. Wäre es nicht schöner über die Chancen zu schreiben. Klar, das ist komplizierter und man muss ins Detail gehen und Beispiele suchen. Aber die düsterste Welt kann jeder malen.

    Natürlich würdest du jedem eine Art „Projekt Collins“ empfehlen an dem du ja initial beteiligt warst. Natürlich finden das deine Kooperationspartner gut und deine Agenturbeteiligungen applaudieren und wollen auch so sein…. aber ist das nicht eine ganz eigene, kleine Welt?

    Ich glaube wir müssen mal diskutieren 😉

    • Gerne. Fangen wir doch mal mit einer einfachen Frage an: Welche Chancen hat denn ein Großhändler aus deiner Sicht? Nehmen wir ruhig die einfachste Form – den distribuierenden Großhandel, also die Stufe zwischen Hersteller und B2C Handel.

  7. Was Alexander Graf hier macht ist Storytelling, wie es Berater immer machen. Er versucht Händlern Angst zu machen, um dann einen Beratungsauftrag zu akquirieren. Meines Wissens nach hat Alexander bisher selbst kein einziges tatsächlich erfolgreiches Unternehmen gegründet. Aber vielleicht irre ich mich auch.
    Jeder „echte“ Unternehmer sollte selbst darüber entscheiden, ob er sich durch die Artikel aus dem Bereich „Tod“ von so jemanden verängstigen lässt. Und das Jugend forscht-Projekt „Collins“ ist für jeden, der Kontakte zum Top-Management der Otto Group hat, bekanntermaßen nur heiße Luft und nach von dort erfolgten Feedback alles andere als ein Erfolg bisher. Nicht umsonst ist Benjamin Otto dort gerade abgetreten.

  8. Die Gefahr lauert noch an anderer Stelle. Wenn Konzerne B2B mit Fax machen und dann beschließen auf e-Commerce umzustellen, stellt sich regelmäßig die Frage, ob man nicht von der Konzernseite aus mit seinem eigenen Store seinen Einzelhändlern Konkurrenz machen soll. Apple ist z.B. so ein Kandidat. Microsoft zieht jetzt das erste Mal in Deutschland nach.

    Statt von einem Konkurrenten überflügelt zu werden, nimmt der Hersteller das Geschäft einem gleich selbt weg. Die großen Hersteller machen das aus eigener Kraft – die kleineren mit Hilfe von Amazon. Alles ist seit Jahren im Gange. Nennt sich Verkürzung der Supply Chain. Wenn die Versorgungskette dann nur noch 0 Glieder hat, ist B2B und B2C überflüssig geworden. Es gibt dann nur noch Hersteller zu Endkunde H2C.

  9. Also, wir sind mit unserem B2B Marktplatz für Konsumgüter, die am Ende ihres Lebenszyklus sind auch seit vielen Jahren aktiv und ich kann die Expertise von Alex nur unterstützen.

    Gerade der lokale Großhandel von Drittwaren sollte versuchen seine Stärken und Kompetenzen auszuspielen – vor allem Verfügbarkeit, Service und Beratungskompetenz – dafür braucht es Digitalisierung und Angebote, mit denen ein Handwerker z.B. sein Material schneller und einfacher und variabler bestellen kann und bei der Abholung vielleicht nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden ist.

    Und das ganze unter der Prämisse, das diverse Margen zukünftig unter Druck geraten werden.

    Ob das reicht – auf Dauer wahrscheinlich nicht, aber ein guter Schritt in die richtige Richtung ist es auf jeden Fall.

    Die vielen kleinen und mittleren Importeure / Produktentwickler und Großhändler sollten langsam aufhören ihr Geschäft darin zu sehen nur an ein paar „Große“ zu verkaufen und sich auf zusätzliche Beine stellen, denn Amazon ist hier auch eine Chance, da die Rezession in Wettbewerb mit der Marke größerer Wettbewerber tritt.

    Meiner Erfahrung nach wird aber gerade im Mittelstand immer noch viel lieber das Geld für einen Porsche oder schnellen BMW / Audi / Benz des Geschäftsführers ausgegeben, anstatt dieses Geld und weiteres in die IT des Unternehmens zu stecken. Sich für die Aufgaben der Zukunft zu wappnen scheint weniger sexy zu sein, als das nächste Rennen auf der A7.

    Beste Grüße
    Stefan

    • Sehe ich genauso. Die noch existenten Kunden des Großhandels sind entweder eingefahrene Handwerker ohne Onlineaffinität oder bonusgetriebene Einkäufer im Verbund. Jeder will es einfach haben, das bedeutet für die meisten so wie bisher. Mit wachsender Onlineerfahrung und Einzug der digitalen Eingeborenen ins Arbeitsleben wird sich das rasch ändern.

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass der B2B Anteil im Onlinehandel bald auf höherem Niveau als jetzt schon B2C abläuft. Ganz einfach weil es so viele Vorteile hat und die technischen Hürden fallen. Die Frage ist, welche Plattformen genutzt werden. Für einen Wiederverkäufer kann ich mir nicht vorstellen, wie sich eine offene Plattform wie Amazon Business dazu eignen sollte.

      Sehr prägnant und wachrüttelnd war hierzu der Vortrag von Dir, Stefan, auf dem DCD. Vielen Dank dafür!

      Gruß
      Henrik

  10. http://www.channelpartner.de/a/amazon-will-verstaerkt-unternehmen-beliefern,3098096

    Der eigene Großhandelsbereich war ja schonmal vor 2-3 Jahren hier ein Thema – aber nun geht’s Amazon an. Vielleicht wachen dann manche Großhändler auf – für die meisten ists dann wohl zu spät.

    Bereits jetzt erkennt man zumindest in meinem IT Bereich dass diese 90% Ihrer eigenen Ware nicht interessiert, diese nur gehandelt wird um gleichzeitig den Kunden die „Postenware“ und Aktionsware zu verkaufen…klassisches Trading….bei der normalen Ware sind die Distris kaum günstiger, oft sogar teurer als Amazon. Gleichzeitig gibt’s sogut wie keine Rechte, von einem Rückgaberecht, insbesondere wenn die Packung aufgemacht wurde ganz zu schweigen. Mit viel Kulanz wird dann angeboten gegen 10-30% Wiedereinlagerungsgebühren die Ware zurückzunehmen…..

  11. Na da bin ich ja mal auf die Aktienkurse von Grainger & Co. gespannt 🙂

  12. Pingback: Kundenantrag: Realitäten im Großhandel | Kassenzone

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