Möbel Online: Versand innerhalb 24h geht doch || Ein Gespräch mit mycs.de Gründer Christoph Jung

mycs-schrankIn meinem Artikel zum Möbelmarkt vor vier Wochen habe ich die These aufgestellt, dass das Wachstum des Onlineanteils in der Möbelbranche vor allem deshalb stockt, weil viele Produkte nicht sofort lieferfähig sind. (Online-) Kunden sind es aber mittlerweile gewöhnt jedes Produkt innerhalb von 24-48h nach Hause geliefert zu bekommen. Wenn man drei Tage bzw. drei Wochen warten muss, dann kann man auch zum Möbelhändler in der Nähe fahren. Im Kommentarfeed zum Beitrag ist dazu eine spannende Diskussion entstanden, ob so etwas im Möbelmarkt wirklich möglich ist. Genau zu dem Thema hat sich dann Christoph Jung (mycs.com) bei mir gemeldet, der mit massivkonzept.com (verkauft an FAB) sehr spannende Erfahrungen machen konnte und nun unter mycs.com (von mixen) einen Möbelhandel mit konfigurierbaren Produkten aufbaut, die alle innerhalb von 12-24h versendet werden können. Dazu zählen zu meiner Überraschung auch Sofas. Im Interview geht es um seine Erfahrungen bei massivkonzept, Retourenraten, Kundengewinnungswege und die Entwicklung im Möbelmarkt Online. Viel Spass.

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13 Gedanken zu “Möbel Online: Versand innerhalb 24h geht doch || Ein Gespräch mit mycs.de Gründer Christoph Jung

  1. schönes Interview und recht offen. Ich denke – und merke selbst – dass in den späten E-Commerce Branchen die Hemmschwelle online zu bestellen mit jedem Jahr sinkt. Vor vier Jahren kam meist ungläubiges Staunen, wenn es Leute aus der Umgebung mitbekamen, dass wir sperrige Waren versenden. Heute wundert sich kaum noch einer. Möbel und auch DIY sind sicher späte Branchen im E-Commerce. Da werden in den nächsten Jahren aus den 62% in den nächsten Jahren mehr als 5% Käufer werden.

    Ehrlicherweise sollte eher die Woche Lieferzeit als die 48h kommuniziert werden – das Kernsortiment sind doch die sperrigen Güter. Ich finde die Woche auch okay. Der Kunde entscheidet sich für ein Möbel auch langsamer und bewusster als für paketfähige Sachen.

    Mycs kommt sehr designig rüber, hätte man für das Preissegment und Warenangebot auch etwas konsumiger/ungestylter anlegen können, um breitere Zielgruppen ansprechen zu können. Wäre mal interessant wie die Zielgruppe definiert ist.

    • mycs hat drei Zielgruppen.
      1. Zum einen sprechen wir Kunden an, die hochwertigere Produkte als bei Ikea suchen und nicht mehr alle Möbeleinkäufe bei Ikea tätigen wollen. Wir arbeiten mit Massivhölzern, lackierten Oberflächen, Echtholzfurnieren, nicht mit Spanplatten oder Laminaten.

      Hier sprechen wir überwiegend junge Familien und Berufseinsteiger an.

      2. Unsere Produktqualität kann aber auch locker mit der von BoConcept, Habitat oder Bolia mithalten. Durch unsere bessere Preis-Leistung, Individualisierbarkeit und die geringen Lieferzeiten können wir auch hier punkten. Gegen Einzelhandelsketten wie Höffner und Co. (über welche noch immer sehr viele Möbel gekauft werden) natürlich auch.

      Hier sprechen wir Kunden an, die meist über 40 sind, oft Eigenheimbesitzer.

      3. Im Bereich B2B wird mycs (wie zuvor auch Massivkonzept) Möbel für den Office-Bereich und für den Gastro-Bereich liefern und auch Kooperationen mit Innenarchitekten eingehen.

  2. Hallo Herr Jung,

    sehr interessantes Interview.

    Ich vertrete eine Polsterei die aufgrund Ihrer Struktur sicher gut zu Ihrem angesprochenen Modell bei Lederbezügen passen könnte.

    Einige Kunden kommen aus dem absoluten High-End Bereich, sowie aus dem hochwertigen „Massenmarkt“

    Wir sind noch auf der Suche noch einen Dauerläufer den wir mit kurzen Vorlaufzeiten durch die Produktion schleusen können.

    Sehr hohe Kompetenz im Bereich Sofa und Sessel ist vorhanden.

    Würde mich über eine kurze Nachricht freuen.

    @Herr Graf, ich hoffe diese Eigenwerbung ist für Sie in Ordnung?

    Viele Grüße

    Michael

  3. Hallo,

    ich frage mich, wie ihr das bei Betten machen wollt. Sich 10 verschiedene Kopfteile und Füße auf Lager zu legen, halte ich für unproblematisch. Jedoch erschließt sich mir nicht, wie man die Bettkästen sinnvoll lagern kann. Diese sind ja je nach Bettengröße in ca. 15 verschiedenen Maßen unterteilt und nehmen dementsprechend viel Lagerfläche in Anspruch. Und da man jedes Bett ja x-fach auf Vorrat haben muss, müsste es hier doch recht schnell zu Engpässen bei der Lagerfläche kommen.
    Oder habe ich hier einen Denkfehler ?

    • Der Bettenmarkt ist megaspannend für uns. Es gibt momentan kaum gute und erschwingliche Angebote für funktionale und ästhetische Betten, obwohl gerade das Bett ein sehr emotionales Produkt ist. Am Ende einer langen Suche nach dem perfekten Bett, entscheidet man sich dann doch meist für einen Kompromiss, wie z.B. das Malm von Ikea (war bei mir der Fall).

      Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, wie wir der Lager-Herausforderung mit sperrigen und teuren Bettkästen, und noch wichtiger, mit Matratzen begegnen werden, gibt es hier mehrere Hebel.
      1. Limitierte Anzahl von Optionen anbieten: 90, 140, 160, 180cm sind die in Deutschland gängigsten Bettbreiten, die man anbieten muss. Das ganze in 2-3 Ausführungen – da ist das Lager noch nicht voll. Die Kästen und Matratzen kann man ja über das gesamte Bett-Sortiment spielen.
      2. Auf Lager von (zuverlässigen) Zulieferern ausweichen: sollten Bettkästen und Matratzen nicht die Kernkompetenz, bzw. das Hauptunterscheidungsmerkmal der Produkte sein, kann man diese Standardprodukte auch über einen Partner beziehen. Da es zahlreiche Anbieter gibt, die diese Standardprodukte auf Lager haben, ist es nicht zwingend notwendig, mit diesen Produkten eigene Lagerflächen und Cash zu binden.

      • Wie sieht es denn da mit den Kosten für Retouren aus?

        Und auch für Gewährleistung? Wenn eine Matratze schon nach einem Jahr normaler Nutzung durchgelegen ist, kann man als Verbraucher nachvollziehbarerweise davon ausgehen, dass die Ursache dafür ein grundsätzlicher Herstellungs/Materialmangel ist. Beim lokalen „Matratzenlager XY“ wird man häufig abgewimmelt werden, spätestens sobald nach 6 Monaten die Beweislastumkehr eintritt.

        Der Kunde kann sich dann einen Anwalt suchen oder, wie er es zumeist macht, den Ärger schlucken und mehr, als sein Freundeskreis, wird davon auch nie erfahren.

        Im Netz ist das ja ganz anders. Da muss man nur den Namen eines Shops googlen und bekommt sofort jegliches negative Feedback von Kunden präsentiert. Ein Onlineshop ist also besonders stark auf Kundenzufriedenheit angewiesen. Da wird man es sich also zB kaum leisten können, solch einen Gewährleistungsfall auch nach der Beweislastumkehr mit Verweis auf formalgesetzliche Regelungen abzulehnen.

        Da man eine durchgelegene Matratze kaum reparieren kann heißt das ja im Klartext, man muss kostenfrei eine neue im Austausch liefern, die mangelhafte kostenfrei abholen lassen und dann auch noch entsorgen. Die Ausgaben dafür muss man erstmal verdienen.

        Solch Überlegungen sind der Grund, warum ich beim Thema Möbelhandel immer etwas skeptisch war, da sich manche Waren einfach nicht gut für den Versandhandel (nichts anderes ist ja der Onlinehandel) zu eignen scheinen.

        Ich bin gespannt.

        • Wir rechnen mit Retourenquoten von ca. 10%. Die meisten Retouren im Möbelbereich stammen von Transportschäden. Hier haben wir den Vorteil, lediglich die beschädigten Module schnell und kostengünstig austauschen zu können und nicht stets das gesamte Produkt.

          Es stimmt natürlich, dass man als Onlinehändler im Falle unzufriedener Kunden und daraus resultierender öffentlicher negativer Bewertungen großen Schaden davon tragen kann. Man kann es so handhaben wie z.B. Home24 und eine riesige Anzahl negativer Bewertungen „akzeptieren“, oder aber Produkte anbieten, die auf jeden Fall den Gewährleistungszeitraum überdauern und auch einen Servicelevel, der die Kunden zufrieden macht. Letzteres ist unser Ansatz. Dies ist sicher auch bei Matratzen möglich: ich würde nie minderwertige Matratzen ins Sortiment aufnehmen, die nach wenigen Monaten durchgelegen sind, auch wenn sich diese zunächst gut verkaufen würden.

  4. Sehr interessantes Geschäftsmodell. Klingt jedenfalls vielversprechend, weil es um Produkte bzw. Warenstücke handelt, die leicht zu handeln sind, d.h. die einzelnen Packstücke bzw. SKUs lassen sich besser zusammen lagern, wodurch die Lagerauslastung erhöht wird und damit die Lagerkosten relativ sinken. Außerdem zieht es bestimmt viele Wiederkäufer an, die Ersatz- oder Austauschteile wie Regalböden zusätzlich bestellen können.
    Das Einzige, was ich noch nicht richtig nachvollziehen kann, ist der Fokus auf eine schnelle Lieferung. Es ist ja durchaus bekannt, dass Möbelkäufer längere Lieferzeiten dulden. Vielleicht keine 3 Monate, aber eine Woche, wie es die meisten Speditionen schaffen würden. Viel wichtiger ist doch die Anlieferung zu einem Zeitpunkt, wo entweder der Kunde zu Hause ist, oder zu einem bestimmten oder avisierten Zeitfenster.

    • Stimme zu 100% überein. 3 Monate sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Es müssen/können aber auch nicht immer 24h sein.

      Wichtig ist, das Möbelstück sofort auf den Weg zu bringen, nachdem die Bestellung reingekommen ist. Dann ist zu unterscheiden, ob es sich um ein kleines Möbelstück handelt, das einfach über einen Paketdienst verschickt werden kann, oder um größere Produkte, wie Regalsysteme, Sofas, Esstische, die über eine Möbelspedition versandt werden müssen. Im Falle der Möbelspedition sind Lieferzeiten von einer Woche realistisch, natürlich mit persönlicher Avisierung und Absprache des Liefertermins.

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