Preis, Auswahl, Verfügbarkeit

kater nach party ....Was wird wichtig 2015? Diese Frage habe ich vor und nach dem Jahreswechsel oft gehört und bei dieser Gelegenheit mal durch die diversen Prognosen von 2013 und 2014 gesurft. Dabei ging es oft um die Erfolgsfaktoren im E-Commerce. Big Data, Multichannel, Personalisierung, Mobile, Service…. usw. Oft ging es um die Faktoren aus dem Heinemannkegel – schöner, schneller, weiter, besser. Das finde ich natürlich super, weil es die Chancen von Spryker enorm steigert. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die betroffenen Unternehmen die Trends richtig bewerten und ihre Prioritäten entsprechend setzen. Daher würde ich gerne die aus meiner Sicht relevanten Erfolgsfaktoren im E-Commerce benennen.

Wie es der Titel schon sagt, reduziert lässt sich meines Erachtens der Erfolg von (Online-) Handelsmodellen auf die Faktoren “Preis-Leistung”, “Auswahl” & “Verfügbarkeit” reduzieren. Alle anderen Faktoren sind “nur” Hygiene Faktoren die zwar den Umsatz optimieren können, ihn aber nicht treiben. Ein schöner Onlineshop mit schlechten Preisen verkauft nicht mal ansatzweise soviel wie ein “funktionaler” Onlineshop mit guten Preisen. Aus den diversen “Erfolgsfaktoren für den E-Commerce” Studien ist das schwer herauszulesen. Nehmen wir mal als Beispiel die methodisch sehr sauber aufbereitete Studie “Erfolgsfaktoren im E-Commerce – Deutschlands Top Online-Shops Vol. 3” vom ECC und Hermes. Darin werden Shops auf Basis von sieben fest definierten Kriterien bewertet, um daraus einen “Online-Shop-Index” zu errechnen. In dieser Studie gewinnt Zooplus.de den Vergleich.

ecc-erfolgsfaktorenWas können wir daraus lernen? Sollte man sich an den Bezahlmöglichkeiten (5 Sterne) von Zooplus ein Beispiel nehmen? Muss Amazon im Bereich Nutzerfreundlichkeit aufholen? Wohl kaum! Für jede Bewertungskategorie finden sich unendlich viele Tipps was man wie & wo noch aus dem Shop herausholen kann. Wenn man die angeblichen Conversionsteigerungen aus den Optimierungsmaßnahmen zusammenrechnet, müssten die Top Shops mehrere 100% Conversion aufzeigen. Die Diskussion ist irreführend. Meine These ist, dass die drei genannten Faktoren mindestens 80% des Erfolgs erklären. Der Rest ist Beiwerk. Drei Beispiele:

  • Preis: Wer von euch hat in den letzten 12 Monaten wiederholt Produkte in einem Shop/Marktplatz gekauft, die es in einem anderen Shop zu deutlich besseren Konditionen gab? Warum?
  • Verfügbarkeit: Angenommen ihr sucht ein recht standardisiertes Produkt, z.B. Druckertoner, und findet den preisgünstigsten Shop mit einer geplanten Lieferzeit von 14 Tagen vor: Wer würde weitersuchen? Wie lange?
  • Angebot: Szenario 1 Druckerpartrone: Wie relevant für euch war es im eben genannten Beispiel, dass der günstigste Shop viele andere Markentoner geführt hat? Szenario 2 Fashion: Ihr landet nach der Suche der neusten Naketano Sachen in einem Shop mit 3 verschiedenen Pullis und einer Jacke. Wie gut bedient fühlt ihr euch damit?
  • Rest: Ihr landet bei der Suche nach Naketano Jacken in einem Shop mit ganz schlechter Usability und nur Zahlung per Kreditkarte. Es gibt dort aber das komplette Sortiment in allen Größen zu guten Preisen, lieferbar in 48h. Kauft ihr dort?

Die Diskussion um E-Commerce Erfolgsfaktoren wird nach meiner Wahrnehmung oft um den “Rest” geführt und weniger um die Basisfaktoren. Aus denen ergibt sich oft auch die Strategie eines Handelsmodells. Aus meiner Sicht zeigt sich zunehmend, dass Preis, Verfügbarkeit und Angebot in einem Handelsmodell jeweils kategorieführend sein müssen. Sonst rechnet sich der Spass nicht. Bedeutet: Super Preis, gutes Sortiment, aber 14 Tage Lieferzeit wird in einigen Sortimenten nicht ausreichen. Das beste Sortiment mit 24h Liefergarantie zu einem „schlechten“ Preis funktioniert aber auch nicht, wie viele (Marken-) Herstellershops gerade realisieren. Diese These steht natürlich im krassen Widerspruch zu den noch immer (von Managern) beliebten Zielgruppenmodellen auf Basis von Sinusmilieus. Noch fataler sind die Analogien zum stationären Handel oder zu anderen Kategorien:

  • so wie IKEA nur online
  • so wie brands4friends für Wein
  • so wie Amazon für Autos
  • ….

Diese Analogien sind zwar extrem plakativ, aber meistens sind sie nicht aus Kundensicht formuliert bzw. sie verhindern eine ausreichend disruptive Marktbearbeitung. Zu diesem Thema lohnt es sich ein kürzlich erschienenes Interview mit Elon Musk anzuschauen, in der er gegen das Denken in Analogien argumentiert:

 “First principles” is a physics way of looking at the world…what that really means is that you boil things down to the most fundamental truths…and then reason up from there…that takes a lot more mental energy…

Ich bin der Meinung, dass sich aus so einer Betrachtung auch Chancen für Handelsmodelle ableiten lassen – auch für stationäre Modelle. Was suchen Kunden in einem stationären Geschäft wirklich? Wenn sie wirklich den Kontakt zum persönlichen Verkäufer suchen, würde es nicht Sinn machen, der dieser Verkäufer den Kunden auch persönlich anruft, wenn er eine Produktempfehlung für ihn hat? Wann wäre ein zentral gesteuertes CRM Mailing besser, solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt? Ich glaube nicht eine Sekunde an die gerne gezeigten stationären Geschäfte von Morgen, präsentiert von eBay & Co.  Wer steht in einer Boutique gerne vor einem riesigen Touchscreen, um Ware nach Hause zu ordern, die es in dem Geschäft nicht gibt????? Wie man es auch nicht macht beschreibt gerade Harald Martenstein im Zeit Magazin über Karstadt.

Angeblich ist Karstadt in der Krise, weil die Leute lieber in Shopping-Malls einkaufen statt im Kaufhaus. Meiner Ansicht nach kauft man immer dort gerne ein, wo man das bekommt, was man haben will. Um herauszufinden, ob dies der Fall ist, muss man es einfach ausprobieren. Man muss Kunde sein.

Ist das wirklich neu? Natürlich nicht. Trendaverse Leser werden sich beim Lesen sicherlich gedacht haben: „Na und, das war doch schon immer so.“ Mag sein, allerdings konzentrieren sich nach meiner Beobachtung über 80% der operativen Ressourcen (Arbeitszeit) auf den „Rest“ und nur 20% kümmern sich um die wesentlichen Dinge. Auch in den sehr guten Studien (siehe ECC Quelle) muss idR viel an der Formel rumgeschraubt werden, damit die offensichtlichen Gewinner (Amazon & Co.) im Ranking nicht auf einmal hinten auftauchen. In der Abbildung oben steht „Strauss Innovation“ auf den vorderen Plätzen. Wie kann das sein? Das hat mit dem realen Erfolg nichts gemein.


 

JETZT KAUFEN :-): Auf dem Digital Commerce Day am 30. April in Hamburg werde ich in meiner Moderation auch alle Speaker auf diese These ansprechen und bin mir sicher, dass es auch Widerspruch gibt. Das wird sicherlich unterhaltsam.


 

Alle Kassenzone.de Beiträge werden zeitversetzt auch als Podcast (soundcloud & itunes) angeboten, inkl. meiner persönlichen Kommentierung der geschriebenen Kommentare. Ich hinke gerade etwas hinterher bei den Aufnahmen, aber bis Ende Januar dürften alle Beiträge ordentlich im Podcast erreichbar sein. Wer von den Lesern hier hört sich das an? Habt ihr Verbesserungsvorschläge?

24 Gedanken zu “Preis, Auswahl, Verfügbarkeit

  1. Hallo Alex,

    … lassen wir die Basisfaktoren mal außen vor (der Preis muss nicht immer der günstigste sein, Strategie-blablabla)… und unabhängig davon, dass ich pauschal immer bei Amazon bestelle. Das wären meine fünf Cents zum Thema eCommerce-Treiber für 2015, zumindest was die ambitionierten Player angeht. Dieses Bild ist mitunter auch ein Resultat meiner Eindrücke aus dem letzten San Francisco-Trip:

    a, Verstärktes Investment in die Digitalisierung (Plattform, Applikationen) und in Innovationen
    b, Tiefere Customer-Insights mithilfe von Cross-Channel-Tracking
    c, Einsatz von Predictive-Analytics-Tools auf Basis von Big-Data- und Cloud-Technologien (bspw. Warenkorb-Abbrecher-Erkennung)
    d, Einsatz von Real-Time-Bidding und -Advertising Applikationen
    e, Empirische Methodologie (z.B. MVTs) wird eCommerce „DNA“ -> only data-driven
    f, Konsistentes Einkaufs- und Markenerlebnis über alle Kanäle/ Touchpoints hinweg
    e, Etablierung von Customer Experience Design aus dem Service Engineering heraus als neue und wichtige Disziplin im eCommerce

    Vielleicht schaffe ich es beim nächsten Besuch an Deine Flasche Wein zu denken, ich hoffe es 😉

    Ciao

    Andreas

      • Ich argumentiere für die ambitionierten, großen Player, die schon am Markt etabliert sind, sich in einem Verdrängungswettbewerb befinden und die drei Basisfaktoren beherrschen. Der bezahlte Traffic, der schon mal auf der Seite ist, muss noch besser ausgeschöpft werden, d.h. Erhöhung CVR/ Average Order Size/ Nachfrage, Senkung Retouren etc., idealerweise noch Warenrohertragsorientiert. Hier setze ich voraus, dass an der Preisschraube nicht zwingend gedreht werden soll oder nicht mehr gedreht werden dann. entweder wg. geringen Margen oder weil es einfach nicht notwendig ist. In diesem Fall sehe ich meine Erfolgstreiber.

        Einsteiger müssen natürlich mehr Hausaufgaben machen. Meiner Ansicht nach heißt das, folgende drei Reifegrade durchlaufen: (1) Technologie & Sortiment aufbauen = technology-driven (2) Reichweite generieren = reach-driven und (3) die Ausschöpfung optimieren = data-driven.

        In Punkt 1 haben meiner Ansicht nach die von Dir genannten Faktoren Preis, Verfügbarkeit mehr strategische Relevanz als in Punkt 3. Dort sind meine Erfolgstreiber einfach nicht relevant, weil die notwendige Reife oder das Budget für fehlt. Es gibt natürlich noch eine Welt dazwischen… 😉

        • Gefällt mir diese Einteilung. In der Tat dreht sich meine Argumentation eher um die Unternehmen in Phase 1, allerdings wird Phase 3 besonders schnell erreicht, wenn die Basisfaktoren nicht bedient werden.

          • Im Grunde sind wir uns ja einig…, die Basisfaktoren sind die Grundlage, deshalb ja Basisfaktoren, aber die alleine werden Dich nicht vor den Haifischen beschützen…

            Eine Frage noch, meinst Du Phase 3 wird „schnell“ oder „nicht so schnell“ erreicht wenn die Basisfaktoren nicht stimmen. Ich glaube Du erreichst Phase 3 gar nicht erst, wenn Du die Basisfaktoren nicht beherrscht…, oder wenn, dann nur mit negativem Ergebnis 😉

  2. Hallo Alex,
    ich versuch mal auf die Fragen einzugehen:

    Preis: Kaufe auch bei Amazon wenn es teurer ist als anderswo. Grund? Bisher äußerst gute Erfahrungen mit dem Kundenservice, der mir ein höherer Preis wert ist. Ähnlich ist es bei bestimmten Produkten auch bei anderen Shops.

    Verfügbarkeit: Dieser Punkt ist, zumindest bei mir, stark von der Dringlichkeit abhängig. Muss ich morgen was drucken? Dann würde ich wohl weitersuchen. Zeigt mir mein HP-Drucker, dass die Patrone sich langsam dem Ende neigt, aber noch für X Seiten reicht, würde ich die 14 Tage Wartezeit in Kauf nehmen.

    Angebot: Szenario 1: In diesem Fall ist mit die Auswahl eher unwichtig, solange die eine Patrone vorhanden ist, die ich brauche.

    Rest: Usability und die Auswahl an Payment-Gateways hat, wieder nur auf mich bezogen, was mit Vertrauen zu tun. Da kann das Angebot noch so groß sein: Schlechte Usability und Zahlung only via KK sorgt bei mir für Vertrauensverlust.

    Letztendlich merkt man schon, dass Preis, Verfügbarkeit und Angebot eben auch viel auf Vertrauen basieren. Ok, dem Neukunden würde auffallen, dass Shop X günstiger ist als Shop Y. Aber der Bestandskunde, der seit Jahren auf Shop X bestellt, weil dieser das Vertrauen des Kunden erlangt hat, ist es egal ob Shop Y billiger, die Lieferzeit geringer und das Angebot größer ist. Der Mensch als Gewohnheitstier.

    Gegenfrage: Ein Shop für Key-Software (Bsp. Betriebssysteme, Office-Pakete usw.). Hat die günstigsten Preise, liefert per Mail innerhalb weniger Minuten und hat ein allumfassendes Angebot. Im Impressum steht, dass der Sitz in Hong Kong ist. Was ist nun das ausschlaggebende Argument, doch dort zu kaufen?

    • Dein Amazon Beispiel entspricht ja der „Preis-Leistungs“ These. Rücksendkonditionen sind z.B. ein Teil der Leistung. Bei Amazon musst du dir halt keine Sorgen machen. Der Fall der Druckerpatrone stimmt auch, aber meistens bestellen die Leute, weil sie es jetzt brauchen und dann sind 14 Tage ein no-go.

      Ich widerspreche auch nicht der Vertrauensthese, aber das ist sogar für den Shop in Hongkong mit ein paar Siegeln und einer Paypalintegration herstellbar. Das niemand in einem Shop bestellt, der eine ekomi Bewertung von 1/5 Sternen aufzeigt ist mir schon klar, aber das sind Randfälle. Wo gibt es das denn schon noch großartig?

  3. Hallo,

    bei allem Respekt für eine saubere und rationale Analyse, die sicherlich am grünen Tisch viel Kopfnicken erntet, sollte man nicht vergessen, dass der eigentliche Hauptakteur in diesem Geschäft der emotional handelnde Konsument ist.

    Im Bereich des reinen Bedarfskauf sind die von Alexander genannten 3 Faktoren sicherlich die Basis des Erfolgs, gleichzeitig aber auch ein wichtiger Grund für sehr erfolgreiche Anbieter keinen E-Commerce zu betreiben. Aldi und dm erfüllen die 3 genannten Erfolgsfaktoren sicherlich vorbildlich stationär und sehen genau darin die Limitierung einer erfolgreichen E-Commerce Strategie: Eine große Auswahl mit bester Preis-Leistung und jederzeitiger Verfügbarkeit ist unter den aktuellen Wettbewerbsbedingungen im Online-Handel betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll darstellbar.

    Sollte es also in Deutschland einen Online Anbieter geben, der z.B. mit den beiden oben genannten Anbietern konkurrieren möchte, muss er sich auf andere Erfolgsfaktoren konzentrieren: Convenience, Beratung, Personalisierung – durchweg weiche Faktoren, die sicherlich viel Detailarbeit und Investitionen verlangen um erfolgreich zu konvertieren.

    Die Erfolgsfaktoren für den nicht bedarfsgetriebenen Einkauf wie es zum Beispiel auf ca. 70% des Sortiments im Schuh- und Bekleidungsmarkt zutrifft, kann man ganz gut am Beispiel Naketano beschreiben: nehmen wir eine aktuelle Jacke aus der Kollektion H/W 2014 mit dem schönen Namen Stiefelpisser in dark-blue. Die google Suche ergibt eine breite Auswahl von Händlern, quer durch die deutsche Handelslandschaft. Offensichtlich ist diese Marke sehr breit vertrieben und trotz des schönen Namens gibt es auch sieben Monate nach Saisonstart noch ein breites Angebot. Auswahl und Verfügbarkeit stellen also kein hinreichendes Differenzierungsmerkmal dar. Der Preis ist interessanterweise trotz des hohen Warendrucks und des späten Zeitpunkts noch sehr stabil. Nahezu alle Anbieter verkaufen noch zum UVP, einige wenige haben um 25% reduziert, darunter zum Beispiel auch Karstadt. Der interessierte Konsument wird also konstatieren, dass er seinen Lustkauf durchaus noch bis zum offiziellen Beginn des WSV in 2-3 Wochen rausschieben kann, um dann in einem seiner bevorzugten Online Shops mit dem dann zu erwartenden Rabatt von 50% auf UVP einzukaufen.

    Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass unter diesen Bedingungen ein preisagressiver Onlineshop einen Wettbewerbsvorteil hätte. Die Realität des Marktes beweist jedoch, dass selbst der „böse“ Amazon sich an die UVP’s der Hersteller hält, weil die Markenlieferanten strikt auf deren Einhaltung achten und Preisbrecher systematisch von der Distribution ausgeschlossen werden.

    Ich hoffe, mit den oben stehenden Ausführungen dargelegt zu haben, warum zur Zeit soviel mit neuen Technologien und Services experimentiert wird: die Beherrschung der 3 Basics reicht für ein erfolgreiches Geschäftsmodell einfach nicht mehr aus.

    • Da bin ich bei Dir…

      Die von Alex genannten „Basisfaktoren“ muss man beherrschen, aber sie stellen in einem Verdrängungsmarkt nicht mehr zwingend die Basis von Wettbewerbsvorteilen dar. Irgendwann gleichen sich Sortimente, Preise, Verfügbarkeiten etc. an dann ist Schluss. Hier kommt die Themen Customer Experience (Service, Qualität, Erlebnisse) und Kostenorientierung bzw. Rentabilität ins Spiel. Was bringt denn jeder Euro Umsatz mehr, wenn ich unverhältnismäßig viel dafür investieren muss? Gar nichts, wenn es blöd kommt, vor allem, wenn ich in einem Preiskampf stecke.

      Es geht vielmehr um die Optimierung der Media-Spendings durch eine bessere Allokation des Budgets, z.B. über dynamische Attributionsmodelle, eine algorithmen-getriebene Optimierung von Paid Search (über Bidding-Systeme, fbx, etc.) und intelligente Kundenbindungssysteme.

      • Agree, aber ich stelle meine Frage noch mal anders: Wie beurteilst du diese Maßnahmen, wenn es im Wettbewerb einen Akteur gibt, der dir bei den Basisfaktoren überlegen ist?

        • Kommt darauf an, wie überlegen er ist und wie er mit weiteren Faktoren umgeht. Pauschal gibt es hier vermutlich keine vorgegebene Antwort, d.h. kein richtig oder falsch. Ich stelle trotzdem die provokante These auf, dass unter ähnlichen Bedingungen ein Unternehmen mit einer „außergewöhnlichen“ Customer Experience durchaus in der Lage ist, fehlendes Angebot (in der Breite), einen etwas höheren Preis oder kurzzeitige Nicht-Verfügbarkeit auszugleichen, wenn der Wettbewerber bspw. ausschließlich auf die drei Basisfaktoren setzt.

  4. Ja, dieser „Provokation“ kann ich mich 100% anschliessen. About-You hat das App-Konzept genau aus diesem Grund entwickelt und will unter Beweis stellen, dass man trotz eines 0815 Sortiments, das es bezüglich der 3 genannten Kernfaktoren bereits bei zig anderen Anbietern gibt, einen Mehrwert für den Konsumenten schafft.

    In extremer Form gilt dieses „aussergewöhliche“ Einkaufserlebnis auch für kuratierte Angebote, wo der Nutzen für den User gerade in der bewussten Beschränkung liegt. Wenn dann auch noch die „persönliche Telefonberatung durch Deine Stylistin“ wie bei Ouftfittery dazu kommt, herrscht gewiss kein Erlebnismangel.

    • Und ich behaupte, dass About-You viel mehr Umsatz machen würde, wenn a) das Angebot deutlich größer wäre oder b) der Preis deutlich niedriger. Beides hat natürlich negative Effekte auf der Kostenseite, aber darum geht es hier gerade nicht. Aus Kundensicht ist der individuelle Feed nett, aber 30% Rabatt wären netter.

      • Guter Punkt. Wobei es am Ende eigentlich mehr auf eine andere „harte“ Kenngröße ankommt: den Gewinn. Oder? Und da können 30 % Rabatt oder ein (zu) großes Sortiment auch wiederum kosten …

  5. Hallo Alex,
    das ist ja mal wieder interessant aufbereitet und vor allem die aktuellen Kommentare finde ich super!

    Ich reduziere einmal aufs wesentliche:
    So lange die Hersteller und Lieferanten den Markt in rechtsmißbräuchlicher Weise beschränken und über horizontale und selektive Vertriebsbeschränkungen ein stabiles Preisumfeld für Wiederverkäufer sicherstellen, können Soft-Faktoren in der Entscheidungsfindung den Ausschlag für erfolgreichere Geschäftsmodelle geben.

    Hmmmm…..

    Also ich denke ja grundsätzlich, dass logistische Erfüllungsgehilfen, die sowohl ihren mehrheitlichen Umsatz, als auch ihren mehrheitlichen Ertrag über die Distribution von Drittmarken realisieren, den Basisfaktor Auswahl/Sortiment schon mal gar nicht im Griff haben können.

    Ich bin weiterhin der Ansicht, dass ein technisch/emotional verbesserter Zugang zu den eigenen Angeboten und erhöhte Reichweite nicht die Ursachen angreifen, sondern lediglich Symptome behandeln und letztendlich das Sterben lediglich hinauszögern.
    Im Bereich der Distribution von Drittmarken wird es wahrscheinlich nur wenige Gewinner geben. Diese Gewinner sind Effizienzmaschinen, egal ob damit z.B. Logistik, Kundenservice, emotionale Aufladung oder Sortimentsbreite gemeint sind oder die Hersteller/Marken selber.

    Meiner Meinung nach lautet die Die E-Commerce-Gleichung für Anbieter von Drittmarken:
    hohe Transparenz + hohe Angebotsdichte = niedrige Preise bei niedriger Loyalität.

    Langfristige Geschäftsmodelle kann ich darin häufig nicht erkennen.

    Wer die Auswahl bzw. sein Sortiment nicht im Griff hat, wer nicht selbst Risiken im Produktmanagement, Einkauf und Produktentwicklung eingeht, der kann im E-Commerce langfristig häufig vor allem durch Preisabschläge seine Warenkörbe realisieren, damit er den dominierenden Effizienzmaschinen des Marktes wenigstens die preissensiblen Konsumenten abluchsen kann. Werden die Warenkörbe vor allem über Werbeausgaben realisiert, wird die Marge aufgezehrt und im Zweifel die Reputation wegen Mondpreisen angegriffen.

    An dauerhaft „geordnete“ Marktverhältnisse wie im stationären Einzelhandel glaube ich schon lange nicht mehr, vor allem durch die stetig wachsende Zahl internationaler Anbieter, die ihren Teil von unserem Markt abhaben wollen.

    Über den „Rest“ wie in Deinem Artikel beschrieben müssen sich so viele Gedanken machen, weil eigene Produkte und eigenes Entwicklungsrisiko weniger sexy sind, als ertragsbefreiter E-Commerce für Sortimentslister.

      • … der Handel ist mittlerweile sehr leidensfähig – ein Versuch wäre es wert!

        Für die genannten Thesen eignet sich der Edited Ansatz ganz wunderbar als reality-check. Klare Zielgruppe, attraktiver Markenmix, viel content und added value + die vielgerühmte Eigenmarke, sprich Herstellerkompetenz. Schau’n wir doch mal ob sich das gegen die etablierten Marken im Multilabel Vetrieb durchsetzt oder ob nur noch Monomarkenshops à la Zara, H&M etc. überleben werden.

  6. “Preis-Leistung”, “Auswahl” & “Verfügbarkeit”
    Sie machen 80% des Erfolges aus.

    Wäre ja auch schlecht, wenn nicht (mindestens) so viel.
    Denn: Schließlich machen diese Faktoren ja auch 80% der Kosten (und mehr) eines jeden Shops aus.

    Das sollte nicht vergessen werden. Und dann rechnen sich die anderen 20% bzw. ein Invest in diese anderen 20% (die hier genannten „Basis-Faktoren“) ganz schnell hervorragend.

    • Wenn du damit die Kapitalbindung meinst, dann stimme ich dir zu. Bezogen auf die Aufmerksamkeit & verwendeten Zeit in größeren Unternehmen stimmt das meines Erachtens so nicht.

      • Guter Gedankengang: Zeit vs. Kapital.

        Ich denke, es trifft auf beides zu. Und das auch beim 1-2 „Frau / Mann“ Shop bis zum Konzern. Jedenfalls bei den erfolgreichen.

        Wenn man allein mal schaut, wie viele Zeit für Einkauf, Logistik, Produktpräsentation (Fotos), Preissetzung etc. für die eingestellten Mitarbeiter/-innen in diesen Bereichen anzusetzen ist, dann kommt man auch beim Punkte Zeit in diese %-Dimensionen.

        Ich halte die Augen und Ohren mal offen, vielleicht finde ich dazu ja auch mal eine Studie / Analyse.

        Ich denke aber, dass die meisten Händler das schon richtig machen, ein gutes Bauchgefühl haben und erkennen, dass sie sich auf ihre fundamentale Handels-/Händlerfunktionen fokussieren müssen.

        „Aufmerksamkeit“ – schwer zu definieren in den Kontext, vielleicht ableitbar anhand der Themen, mit denen sich die Geschäftsführung befasst? Kann ich nicht einschätzen. Aber bei Zeit und Kapital, da denke ich, dass unsere Händler gute Händler sind.

        Bin ich dazu zu sehr Optimist, oder kennen ich nur erfolgreiche Händler?

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