Wann schaffen Lebensmittel Online den Durchbruch?

Kolonial-ContainerAn diesem Mittwoch (10.12.) trifft sich zum letzten Mal in diesem Jahr ein DCDnet Stammtisch. Diesmal sind die Vertreter verschiedener Lebensmittelhersteller und –händler eingeladen, um ihre Erfahrungen über „Lebensmittel online“ auszutauschen. Ich selbst erzähle etwas zu unseren Erfahrungen bei Localgourmet, aber vor allem erwarte ich spannende Beiträge von Deutschesee, Rewe Online, Brandnooz, Lieferello.de und Anne Leuschner von Delinero. Ich hätte gerne einen Erfahrungsbericht zum Rewe Online Einkauf geteilt, aber im Bestellprozess eben musste ich feststellen, dass eine Lieferung am Tag der Bestellung nicht mehr möglich ist. Schade! Bisher beschränkt sich der Lebensmittelhandel Online auf einige exotische Gourmetsortimente und Rewe & Co. versuchen das normale Supermarktsortiment online zu bringen. In Vorträgen blende ich den 150 Mrd. Markt Lebensmittel in der Regel aus, zumindest bei Projektionen bis 2020. Die große Frage ist nun, wann und wie konvergiert dieses Sortiment online. Braucht es erst radikale Innovatoren wie Kolonial.no, die in Norwegen den Markt aufmischen, oder kippt der Markt doch viel schneller durch die Anstrengungen von Rewe & Co.? Die Präsentation des Kolonial Gründers, die er auf der K5 Cruise gezeigt hat, stelle ich am Mittwoch beim Stammtisch auch noch einmal vor. Darin waren einige ganz spannende Überlegungen, u.a. die zu den technologischen Barrieren.

Kolonial

Damit wir die Diskussion in den Räumen der Netshops Commerce GmbH am Mittwoch mit Daten füttern können, freue ich mich über Kommentare von euch. Was hält euch heute noch von der Lebensmittel Bestellung online ab? Wann würdet ihr eure Einkäufe online tätigen? Ist es der Preis? Ist es die Gewohnheit? Fehlen die Logistiklösungen? Fehlt es an Angebot? Diese Fragen klingen trivial, aber wenn dieser Markt auch nur leicht Richtung online konvergiert, dann wird es auch für andere Produktgruppen massiv voran gehen. Alleine die durch Lebensmittel getriebenen Logistiklösungen sind extrem vielversprechend für das E-Commerce Wachstum. Ob wir analog zu Norwegen auch kleine Containerabholstellen bekommen, kann ggf. Rewe am Mittwoch beantworten. Zwei Plätze sind noch frei, falls hier jemand mitliest, der zum Stammtisch passt und mitkommen möchte. Mich halten übrigens die Gewohnheit und meine Frau vom Lebensmittel Onlineeinkauf ab. Wir wohnen 100m von einem City Sky entfernt und müssen die Onlinebestellung von Milch & Co. erst noch lernen.

16 Gedanken zu „Wann schaffen Lebensmittel Online den Durchbruch?

  1. Der Markt kippt, sobald sich Investoren in Deutschland trauen Innovatoren mit realistischen Investments zu bedienen. Consumer wollen überzeugt werden, danach aber auch nicht mehr zurück. Mit weniger als 100 Mio. Euro lässt sich ein Marktführer in Deutschland schaffen, aber das ist fast jedem VC in Deutschland to much.

    In der Zwischenzeit werden die amerikanischen Pendants mit 2 Mrd. bewertet und sitzen auf einer ordentlichen Kriegskasse um die Innovation voran zu treiben. Von der Old Economy erwarte ich da jedoch nichts.

  2. Ich bestelle einmal im Monat bei ReWe Online (in Berlin), und das schon seit zwei Jahren- allerdings hauptsächlich aus logistischen Gründen, denn dann bringt der nette Lieferservice 4 Kisten Wasser, das schwere Waschmittel und Milch ;-). Frische Lebensmittel kaufe ich am liebsten Bio oder auf dem Markt, also regional. Das habe ich als Angebot bisher online kaum gefunden. Es spielt auch eine Rolle, das ich diese dann gern am selben Tag hätte, und zu einer Zeit zu der ich wiederum zuhause sein muss… irgendwie noch nicht optimal gelöst. Und der nette Plausch am Marktstand, der wird niemals ersetzt werden können, das halte ich auch nicht für erstrebenswert – wie so oft liegt die beste Lösung in der Mitte. Vielleicht noch ein Mini Insight zu ReWe Online: Man bekmmt immer Gutscheine, die man ausdrucken soll, um sie dann wiederum dem Lieferanten zu zeigen – very bad user experience, ich habe nicht mal mehr einen Drucker. Viel Spaß am Mittwoch, und danke für die tollen Beiträge.

    • Ja, beim Versand. Bei Direktlieferung wie bei uns fällt faktisch gar kein Müll an, nicht mal die Tüten.

      Ebenso gibt es weniger Umweltbelastung weil ein Lieferfahrzeug von uns bis zu 750 Belieferungen monatlich abdeckt, also auch hier wird kräftig eingespart.

  3. Wiederkehrende Produkte wie Babynahrung, Windeln, Müsli, Milch, Getränke und saisonale Gemüsekiste bestellen wir heute schon „online“. Wobei „online“ garnicht so entscheidend ist, es kann auch per Telefon oder Abo sein. Wichtig ist, dass man von dem Lieferanten eine zuverlässig Lieferung und wiederkehrende Qualität erwarten kann. Weiter wichtig ist, dass man sich nicht auf einen Lieferanten beschränken möchte, sondern manche Dinge überregional (Amazon) bezieht, andere lokal (Getränke, Gemüse, Milch etc.) bei verschiedenen Anbietern. Diese Versteifung auf „wir machen den besten Online Shop und pushen ihn mit 100 Mio. zum Marktführer“ führt meines Erachtens total am Ziel vorbei. Die Leute orientieren sich in ihrem lokalen Umfeld und nehmen Lieferservices von den ihnen bekannten Händlern aus Conveniencegründen in Anspruch, den Rest sourcen sie überregional.
    Was die Logistik betrifft, so hat sich unser Bestellverhalten seit dem Einzug ins Eigenheim mit eigens konstruierter eCommerce Box – großer Müllschrank der durch ein spezielles Depotschloss von jedem Lieferservice befühlt und verschlossen werden kann – enorm gesteigert. Eine reibungslose Belieferung ist sicherlich ein bekannter Bottleneck im Lebensmittelhandel – wir haben sie für uns gelöst. Leider ist unsere Custom-Lösung im Innenstadt-Mehrfamilienbestandshaus aus baulichen/Platzgründen nicht realisierbar. Wer aber neu baut sollte an eine eCommerce Infrastruktur für die Bewohner, auch im Mehrfamilienhaus, denken – könnte zukünftig neben SmartHome zu einem wesentlichen Convenience Faktor werden.
    Und was den tatsächlichen Lebensmitteleinkauf, Frischwaren, Zutaten für Gerichte etc. betrifft, so kann ich als überzeugter Onliner trotzdem nur sagen: Sorry, das erledige ich auch mittelfristig in der realen Welt. Das hat so viel mit Impulskäufen, kurzfristigen Umdisponierungen, haptischen Erlebnissen, Ritualen etc. zu tun, das werde ich trotz alle Anstrengungen („…mit 100 Mio zum Marktführer“) und bester UI nicht online erledigen. ABER ich wäre interessiert an einer intelligenten Multichannel Strategie, die mich im Geschäft auf meine zurückliegenden Einkäufe hinweist, Zusammenstellungen zum Wiederkauf anbietet, wiederkehrende Produkte erkennt und zum Abo anbietet, aufgrund von Zutaten mögliche Gerichte erkennt und mir den Ort der fehlenden Zutaten im Geschäft aufzeigt…das wären Mehrwertservices, die für mich den stationären Handel aufwerten und die online Services langsam etablieren würden. Ein „mit 100 Mio zum Marktführer“ Online Shop würde das sicherlich bei mir nicht erreichen.
    Grüße,
    Oliver

  4. Spannende Kundenansichten. Vielen Dank! Die angesprochenen <100 Mio. sind Marketingzahlen die man benötigt, um sich sinnvoll und langfristig als Online Lieferant zu etablieren. Die Geschäftsmodelle sind variabel genug um mitzuwachsen.

    Ein paar Zahlen vielleicht zu food.de – Durchschnittswarenkorb 84.- Jahresmittel steigend / Wiederbestellerrate 36% / organische Wachstumsrate 30% p.A. / Wachstum durch Marketing ca. 12% Jahresmittel / 12 – 16€ pro Neukunde / bis zu 50 Kontakte im PoS p.A. per Customer

    Vielleicht trägt das ja auch am Mittwoch zur Diskussion bei.

  5. Ich bestelle inzwischen häufiger online, und ja, bei rewe muss man vorplanen, kann sich dann aber auch den time-slot der Lieferung auswählen, was praktisch ist. Sowieso steht nur ein einkauf pro woche auf dem programm, weil ich mir als berufstätige frau auch nicht mehr zeitaufwand für alltagskram leisten kann. Noch praktischer aber fände ich es, wenn sich in deutschland das abholprinziop durchsetzen würde. ich bestelle online und hole auf dem heimweg die fertig gepackten tüten ab. So entgehe ich dem ätzendsten einkaufserlebnis, dem warten an kassen, und hab trotzdem alles, was ich brauche. Und wenn ich wie in England im supermarkt auch noch die wäsche abgeben und die gereinigte mitnehmen könnte, würde ich dem supermarkt echte treue schwören (und auch einhalten): weil er gleich zwei alltagskram-dinge auf einmal anbietet und ich echten zeitmehrwert dafür bekomme.

  6. Mir fehlt eine gute Customer Experience. Die ist am PoS schon größtenteils miserabel, so dass der Lebensmitteleinkauf i.d.R. eine lästige Pflicht ist. Jeder traditionelle Player, der sich im digitalen Kontext platziert und positioniert, zwingt mich in seinen Kosmos. Dabei wäre ich einem (einmaligen) „locked-in“ gar nicht abgeneigt, wenn – wie gesagt – die UX passt: bei Apple mache ich das ja auch mehr oder weniger freiwillig.

    Es wird sich auch in den kommenden Jahren wenig ändern:
    – so lange REWE (stellvertretend) glaubt, dass rewe.de der Weisheit letzter Schluss ist und sich die Verbraucher schon irgendwann alle registrieren werden,
    – so lange CpX und CAC und Co. die dominierenden KPI bei „Experimenten“ der großen Händler sind (wie wäre es mal mit Aktionen, die Kunden wirklich begeistern?),
    – so lange der Preis die ultima ratio ist,
    – so lange der Handel Hersteller als Feind und (End-)Kunden als Mittel zum Zweck ansieht.

    Ich könnte noch ewig weitermachen. Mein Fazit ist: Die Probleme haben nichts, aber auch gar nichts mit „Digital“ zu tun. Sie sind hausgemacht, z.T. willentlich in Kauf genommen und v.a. einer Branche immanent, die in Optimierung erstarrt und diese Innovation nennt.

    • Was den wenigsten bewusst ist, wie wenige Einkaufsgemeinschaften es nur noch gibt. Es ist faktisch unmöglich, an den großen 5 vorbei Waren zu beziehen. Zumindest nicht, wenn man einen konkurrenzfähigen Preis haben möchte.

      Damit erlischt Wettbewerb und Vielfalt fast von allein.

  7. Sehr interessanter Artikel. Das ist schon ein großer Kampf gegen Riesen wie Amazon und co anzukämpfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Lebensmittel irgendwann nur noch im Netz versendet werden.

  8. Wenn wir als Gäste die Gastronomie besuchen überlassen wir auch Angestellten des Betriebes die gesamte Auswahl der Zutaten. Diese beziehen die Zutaten in aller Regel auch mit kritischem Blick und gespitztem Bleistift (nicht „billig“ ist entscheidend aber wortwörtlich preiswert, den Preis wert, muss es sein).

    Diese Kompetenz müssten mir Lebensmittelhändler bieten dann würde ich ihnen auch die Auswahl meiner Frischewaren überlassen. Beim eingesessenen Metzger lässt man sich auch ein Stück Fleisch empfehlen, beim alten Krämer stand man auch nur an der Theke und kaufte was gebracht wurde.

    Das Kernproblem des Lebensmittelhandels ist, dass er dazu keine Kompetenzen mehr hat. Bis hin zur Ausbildung der Einzelhandelskaufleute als spezifische Fachkräfte, dis ganz auf den SB Supermarkt zugeschnitten sind (Logistik, Kasse, usw).

    Wer versucht mir eine Onlineportierung davon anzubieten darf sich nicht wundern, wenn ich dann nur Limo 6er Packs und Hundefutter bestelle aber nichts, wo Augenscheinnahme wichtig ist. Meine Versuche bestätigen das (unappetitliches Obst und Gemüse, wenig attraktives Fleisch, was im Laden jeder Kunde hätte liegen lassen… Da wurde beim Versender nicht warenkundlich ausgewählt sondern Masse kommissioniert, zufällig halt mein Gemüse und nicht Schraubenmuttern).

    So wie ich „meine Pappenheimer“ kenne wird der Handel vor Ort aber nicht rechtzeitig mit Service gegensteuern. Das hat schon das Warenhaus nicht geschafft gegen Online.

    Es sind ja nicht nur die Preise, da wird man von der Verkäuferin über den Brillenrand hinweg skeptisch beäugt, demonstrativ ignoriert oder bekommt auf ein Begehren Antworten wie „Wat solln wir denn noch alles machn?“ an den Kopf geknallt. Das schreckt nicht nur ab sondern bringt mich als Kunde regelrecht auf, so dass ich mich bei hämischen Gedanken erwische und schließenden Kaufhäusern keine Träne nachweinen werde. Ganz ähnlich geht es vielen Leuten doch mit „ihrem“ Supermarkt aber diese haben bisher noch das Monopol als Vertriebsweg für Lebensmittel und was man dann eben nebenbei noch so kauft für den Haushalt.

    Sobald es hier jemand gibt der den Markt aufrollt wird das nichr schön aussehen für die SB Märkte. Und das beschränkt sich auch nicht auf den Vertriebskanal. Vor Amazon fanden wir Bestellscheine mit Artikelnummern und eine Woche Lieferzeit ebenso normal, wie „6 bis 8 Wochen“ auf eine Rückzahlung aus einer Retoure warten zu müssen. Bei Lebensmittel sehe ich also in der Gesamtschau einen Markt mit gigantischen Potentialen. Gerade in der heutigen Zeit, wo man die knappe Freizeit dann ungern noch für Einkäufe aufwendet.

  9. Wenn ich überlege, dass der Hauptsinn hinter Online Lebensmittelbestellungen eine Zeit- und Aufwandseinsparung sein soll für Vielbeschäftigte und ich dafür aber extra vor meinem Desktop Rechner sitzen muss, frage ich mich, warum keiner der hier genannten Player eine App zum bestellen von unterwegs anbietet. Doh!
    Mich würden die Erfahrungen und das Wachstum von Apps wie Allyouneed und EDEKAdrive interessieren.

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