So sein wie „Collins“

Collins TeamIch habe selten ein Onlineprojekt gesehen, das von der Publikums- und Fachpresse so positiv zum Start begleitet wurde wie Projekt Collins. Zwar habe ich nach dem Launch des Projektes meine liebgewonne Insiderrolle verloren, aber dafür kann ich nun Collins in meine täglichen Diskussionen als Praxisbeispiel verwenden – in vielerlei Hinsicht. Fangen wir mal mit der Geschäftsmodellseite an.

Collins ist nicht wie erwartet ein Zalandowettbewerber oder ein Klon von Asos oder einfach nur ein schöneres Otto.de – nein es ist ein E-Commerce Ökosystem und bildet damit eine neue Kategorie. So wie eBay für Auktionen steht und Amazon für Marktplätze, kann sich Collins berechtige Hoffnung machen die Kategorie E-Commerce Ökosystem begründet zu haben. Wie geil ist das denn bitte?Mittlerweile werde ich schon gefragt, ob man so etwas wie Collins nicht auch für das Unternehmen XYZ machen könnte. Klar mit 100 Mio. + X kann man Einiges machen, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.


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Ein bisschen sein wie Collins? Netshops Commerce baut anspruchsvolle Onlineshops für Hersteller und Marken – für unter 100 Mio. + X: Versprochen!


Bei etailment und excitingcommerce finden sich gute Zusammenfassungen was Collins ist. Olaf beschreibt es so:

Collins verlässt die gewohnte Online-Welt. Im Kern geht es darum, maßgeschneiderte Inspiration mit einer Fülle an Nischen-Shops für jeden Kunden, für jeden Anlass und jede Lebenssituation zu bieten. Die These dahinter: Wenn das Warenhaus in der Offline-Welt nicht mehr funktioniert, muss man es online nicht zwanghaft weiterhin abbilden. About you ist da nur die individualisierte Variante eines Shopkonzepts, das von weiteren Nischen umkreist wird. Dabei ist About you als zentrale Anlaufstelle angesichts der App-Struktur zudem alles anders als statisch, sondern so wandelbar wie ein Newsstream bei Facebook

Jochen sieht es ähnlich:

Was einmal die ultimative Anwendung und der wesentliche Treiber der Plattform sein wird, lässt About You bewusst offen. Im ersten Schritt werden die gängigen Modelle und Mechaniken angeboten, um das Anwendungsspektrum zu verdeutlichen. Agenturen und Entwickler sind aufgerufen, hier kreativ zu werden und neue Möglichkeiten zu testen. Auch ein Inkubatorprogramm ist vorgesehen.

In diesem Abschnitt versteckt sich eine zentrale Erkenntnis. Collins weiß noch gar nicht was funktionieren wird. Das ist ja der Trick in einem Ökosystem und die ehrliche Antwort auf Planspiele in einer nichtlinearen Welt. Da hilft vielleicht der sehr schöne Beitrag von Evangelos Papathanassiou, der es wie folgt beschreibt.

Im Fall von Collins haben wir als Storefronts AboutYou.de, edited.de und sistersurprise.de, und bei den Apps gibt es sogar Beispiele, die eigenes Sortiment mitbringen, etwa Beliya Taschen oder Silberäffchen. Was uns zu einer potenziellen Ausbaustufe bringt – komplette Shops Dritter inklusive Sortiment. Zum vollständigen Beitrag hierlang.

Ob das nun alles so 100%ig zutrifft, oder ob Teile davon mehr Wunsch als Wirklichkeit sind, ist heute schwer zu sagen. Collins hat aus meiner Sicht eine neue E-Commerce Kategorie begründet und wenn es wirklich irgendwann mal so dermaßen offen funktioniert wie von Evangelos beschrieben, dann in der Tat. Chapeau!

Fast interessanter als das Collins Geschäftsmodell selbst, finde ich die Art der Umsetzung. 100 Mio. + X, 25jähriger GF, 23jähriger IT Chef, komplett grüne Wiese… Das ist schon ein sehr mutiger Schritt aus Konzernsicht. Welcher Konzern in Deutschland wäre denn zu so etwas heute in der Lage? In einem älteren Beitrag habe ich mich schon sehr positiv über die Otto Strukturen in Bezug auf Innovationen geäußert, aber Collins ist in seiner Konsequenz durchaus Neuland.

Wenn ich mir dieses Toolset, diese Organisationsformen für Innovation anschaue, dann kann höchstens der Springer-Konzern in Deutschland damit noch an einigen Stellen mithalten. Ansonsten sehe ich wenige etablierte Unternehmen, die sich derartig den Strukturveränderungen ihrer Branche stellen. Ob das am Ende funktioniert, profitabel ist und die Otto Gruppe nachhaltig in seinen Strukturen schützt, weiß ich nicht. Das was dort in den letzten acht Jahren entstanden ist, lässt aber jede noch so gut finanzierte „Innovationsabteilung“ reichlich blass aussehen.

Bei Collins & Co. arbeiten mittlerweile viele Leute die begehrenswerte Gesprächspartner geworden sind. Nicht weil sie (einfluss-)reich, wichtig und mächtig sind, sondern weil sie sehr kluge Antworten haben. Wenn Typen wir Tarek, Marc, Michael oder Florian Heinemann ihre Rolle als „Digital Natives“ ablegen können und irgendwann mal die Mehrheit im Otto Vorstand stellen, dann wird es erst richtig spannend. Und ganz ehrlich: Wer soll es denn sonst machen? Etwa ein alter Hase aus dem Einkauf?

Ich finde es bemerkenswert, dass man sich solche Fragen bei Otto mittlerweile durchaus offen stellen kann, während andere Unternehmen im „Change“ feststecken und überlegen den Planungsprozess für neue Unternehmensgründungen zu vereinfachen, so dass keine 200 Seiten langen Businesspläne mehr vom Beteiligungscontrolling abgenommen werden. Alternativ grübeln sie noch darüber welcher abgehalfterte Gründungsprofessor das Innovationsdepartment leiten sollte. Deshalb ist Collins natürlich noch lange kein Selbstgänger, und ich interessiere mich brennend wie sich die Zahlen bei Collins entwickeln, und ob wirklich viele Entwickler begeistert Apps für Collins entwickeln werden. Bis dahin kann sich Collins aber durchaus noch etwas im Launcherfolg sonnen.

Zwischenzeitlich hat dann auch das zweite vielversprechende E-Commerce Projekt in Deutschland seine Betaphase beendet und wurde heute in Ahaus offiziell aus der Taufe gehoben. Bepado.com – das Händler- und Handelsnetzwerk von Shopware. Der Start mit 1.000 angemeldeten Händlern und einem vollwertigen Endkundenmarkplatz ist sehr vielversprechend. Ich höre auf jeden Fall hin, wenn es in Zukunft auch heißen sollte: „…..so wie bepado.“

Kassenzone kann man nun nicht nur per Mail oder RSS abonnieren, sondern auch bei itunes, souncloud & Co. Alle Infos hier. So kann man bequem auch alle Interviews unterwegs hören.

29 Gedanken zu „So sein wie „Collins“

  1. Schöner Beitrag, gibt das Konzept gut wieder! Danke für die Erwähnung von beliya Charity-Taschen. Die App auf Collins ist für uns ein riesen Gewinn. Auf bald, Annika (Gründerin)

  2. Damit Collins ein wirkliches E-Commerce Ökosystem werden kann, muss es dieses Ökosystem erst aufbauen. Dafür sind besonders Entwickler wichtig, die eine Motivation finden Apps für Collins zu entwickeln. Am wichtigsten ist es dabei wenig Hürden aufzubauen und möglichst direkt Zugriff auf das SDK und die APIs zu gewähren.

    Bisher kann man jedoch leider nichts von beidem öffentlichen einsehen und auch nach einer Registrierung mit persönlichen Daten ist vorerst kein Zugriff möglich „Dein Account wurde leider noch nicht freigeschaltet. Wir werden uns bald bei Dir melden.“. Bei allen erfolgreichen auf Entwickler ausgerichteten Ökosystemen, die ich kenne, ist der Zugang zum Wissen so einfach wie möglich gestaltet. Hier verstehe ich daher den Prozess nicht.

    Ich stimme dir zu Alexander, dass Otto mit Collins (und besonders dem Team) einen guten und mutigen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Jedoch bin ich noch nicht davon überzeugt, dass „open commerce“ wirklich „open“ genug ist, um das angesprochene Ökosystem zu bilden oder sogar eine neue Kategorie im E-Commerce zu formen.

    Es gibt beispielsweise seit langem Affiliate Netzwerke die Entwicklern gute APIs zu Millionen von Produkten vieler Händler und Marken anbieten. Im Vergleich dazu würde mich interessieren wo Collins durch besser APIs, SDKs und weitere Services punkten kann. Besonders das Thema Checkout is sehr spannend.

    • Aktuell würde ich das mal unter „Startprioritäten“ verbuchen. Ich gebe dir aber absolut Recht: Am Ende muss sich Collins auch an der Attraktivität &Umgang für Entwickler/Partnerfirmen messen lassen.

      • Nun ja, der Umgang der Collins Truppe mit Entwicklern erscheint mir „gewöhnungsbedürftig“.

        Am Mittwoch, dem 7.5., hatte ich mich für das ABOUT YOU Developer Center angemeldet. Es kam eine E-Mail: „Aktuell erhalten wir sehr viele Anmeldungen und möchten uns jede Anmeldung vor der Freischaltung anschauen. Bitte habe deshalb Verständnis dafür, dass die Freischaltung ein wenig dauert. Wir werden so schnell wie möglich Kontakt mit Dir aufnehmen.“

        Zunächst passierte…. ichts. „So schnell wie möglich“ war dann heute, 9 Tage später! Allerdings kam mitnichten eine Freischaltung! Vielmehr kam eine Einladung zu einem „Hackathon“.

        Zitat: „Der erste ABOUT YOU Hackathon wird am 14. & 15.6. in Hamburg stattfinden. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos – genauso wie die Übernachtung für Teilnehmer außerhalb Hamburgs.

        Alle Teilnehmer, die bis zum ABOUT YOU Hackathon nicht freigeschaltet wurden, werden am ABOUT YOU Hackathon für das Developer Center freigeschaltet und erhalten Unterstützung bei der Programmierung ihrer App von unseren Developern.“

        Ja, nee, is klar: Ich soll also die Anreise von Baden-Baden nach Hamburg selbst zahlen und zwei Arbeitstage investieren (mit den Zeiten für An- und Abreise eher 4 Arbeitstage!). Und dann soll ich mich binnen 2 Tagen in ein völlig unbekanntes Development Framework einarbeiten und dann noch ein brauchbares Ergebnis produzieren. Hallo, geht’s noch? Will ich die Katze im Sack kaufen? Nein, das will ich nicht.

        Ich würde gerne die Komplexität und die Möglichkeiten des Collins Ökosystems, der Api, des SDK vorher einschätzen können.

        So, wie sich der „Otto Collins“ gerade verhält, wünscht er sich offenbar eine möglichst kleine Entwickler-Gemeinde. Schade. Das hatte sich in den offiziellen Presseankündigungen anders gelesen.

        • Naja mal ehrlich. Das ist kein Microsoft mit den entsprechenden Strukuren. Was die sicher nicht können, ist 3000 Leuten, „die das mal eben schnell mal ausprobieren wollen“ Support geben. Das ist schlicht nicht zu machen, dafür habe ich volles Verständnis. Ein Hackathon macht Sinn, da wird mit den Machern zusammen schnell funktionierender Code gebaut, der dann auch funktioniert und das ist essentiell, damit die Leute auch gern damit arbeiten. Das macht übrigens jeder so, der so was entwickelt und das ist auch komplett richtig. Wer das Potenzial sieht und versteht, fährt da hin und schaut sich das an. Alle anderen können ja erst mal weiter meckern 🙂

          • Naja, mal ehrlich: Als Entwickler muss man die Möglichkeiten des Collins Ökosystems doch grob einschätzen können. Da wäre es aus meiner Sicht das Mindeste, einen Einblick in die Doku zu gewähren: Welche Möglichkeiten bietet die Collins-API? Welche API-Calls existieren? Was kann ich mit Ihnen bewerkstellen?

            Das zeitliche Investment für den Hackathon ist für potenzielle Teinehmer durchaus nennenswert. Warum sollte ein Entwickler bei diesen Rahmenbedingungen eine „Fahrt ins Blaue“ unternehmen? Genau dies wäre nämlich eine Hackathon-Teilnahme mit null Vorinformationen.

          • Hi Christian,
            wir starten in der nächsten Woche unseren Developer-Blog und werden dort eine genauere Übersicht über die vorhandenen API-Calls und somit den Funktionsumfang der Schnittstelle(n) geben.
            Außerdem werden wir dort auch noch einmal auf den Checkout-Workflow eingehen.
            Damit bieten wir die Gelegenheit, zu schauen, ob der Hackathon und unsere API interessant sind (falls nicht würden wir uns natürlich über Feedback / Feature-Requests freuen).

            Bzgl. des zeitlichen Invests:
            Wir werden in den kommenden Monaten in diversen Städten in Deutschland Hackathons veranstalten – daher wahrscheinlich auch einen in deiner Nähe.
            Prinzipiell richtet sich der Hackathon an Entwickler und Kreative die Lust haben eine App-Idee umzusetzen oder bei der Umsetzung einer App-Idee zu unterstützen.
            Für Agenturen / Servicepartner bieten wir einen extra Workshop an (einfach über unseren Developer-Support anfragen).
            Wenn es am Anfang ein wenig dauert, Bitte um Verständnis: Wir nutzen die Fragen in den Anmeldungen, um parallel unsere Informationen & Dokumentationen zu optimieren, bevor wir später alles freischalten.

    • Sehe ich genauso, wieso sollte ich mich mich von Collins abhängig machen wenn ich als Affiliate Amazon, Zalando und Otto einbinden kann?

  3. Es ist richtig, die grösste Herausforderung sowohl für Collins als auch für den gesamten Konzern wird sein, wie schnell es gelingt, diese innovativen Leute in den oberen Entscheidungs-Gremien des Konzerns zu etablieren. Auch wenn Otto-Bashing in der Branche immer noch hipp zu sein scheint, muß man anerkennen, daß sich da in den letzten 4 Jahre gewaltig was getan hat. Ob es schnell genug die Oberhand gewinnt, wird man sehen.

  4. Pingback: Collins versetzt eine ganze Branche in Verzückung « Exciting Commerce

  5. Erste einmal Glückwunsch an Otto, Benjamin Otto und Tarek mit dem Team zum erfolgreichen Projekt-Launch!
    Aus Projekt2.0 bei Arcandor wurde scheinbar quasi in vielen Teilen Collins – zumindest sieht es aktuell für mich von außen betrachtet so aus 😉
    Eine technische Plattform und ein Sortimentspool quasi aus der Cloud, auf der dann auf einfache Weise spezielle und optisch individuelle Spezialshops (inkl. Content) zusammengestellt werden können – auch unter Einbezug von Usern für Funktionalitäten und Shoperstellung.
    Hier mal das Konzept-Chart von Projekt2.0 aus dem Jahr 2007: https://flic.kr/p/nEVXEt
    Damals sollten neben professionell aufgebauten spezialisierten Long-Tail-Zielgruppen-Shops auch Shops entstehen, die durch User erstellt wurden – daher die Bezeichnung UGS als User-Generated Stores (User hier: Vom professionellen User/Unternehmen bis hin zu Endusern).
    Wesentliche Teile meines Konzeptes aus Projekt 2.0/Bandeln, die vor 7 Jahren bei Arcandor entstanden, konnte Otto jetzt auf die Straße bringen – und da bin ich froh und dankbar drüber!
    Kurz vor Launch von Projekt2.0 im Jahr 2009 (die technische Plattform war bereits fast fertig) ging Arcandor leider in die Insolvenz.
    Damals hatte Otto allerdings leider kein Interesse an dem Konzept und der Technologie, um dieses in den Markt ein- und weiterzuführen.

    Es ist aber schön zu sehen, dass es eine gute Idee doch noch geschafft hat, das Licht der Welt zu entdecken!

    Ich wünsche Collins ganz viel Erfolg und drücke fest die Daumen!

  6. Ist Collins eigentlich nicht die gelebte Anti-These der Lean Startup Idee?

    Collins wurde doch konzerntypisch im Wasserfall umgesetzt.

    Nichts gegen den Wasserfallansatz er hat klare Vorteile, aber auch Nachteile vor allem den, dass er zu großen Upfront Investments führt.

    Bin leidlich skeptisch, Öko Systeme wachsen in der Regel organisch, gerade die soziale/emotionale Halo um ein Öko System herum kann man kaum dirigistisch erzeugen.

    Da kommt die Frage wie sieht das Community Management von Collins aus? Gibt es Meetups? gesponserte User Groups? Hacksessions? Wettbewerbe? Was cooles zum Spielen? Etc.

    Ich werde mir auf alle Fälle mal die APIs ansehen.

    • Naja, lean Startup wäre in diesem Fall eher unangebracht gewesen. Erstens ist das Geld ja vorhanden und zweitens will / muss man ja möglichst schnell vorn mitspielen und das geht nicht mit ein paar Euros. Im Gegensatz zu vielen anderen Otto-Projekten vorher, wird dieses Ding sicherlich in den nächsten 5 Jahren nicht an der Profitabilität gemessen 😉

      • Hallo Claus,

        Der Controller in mir sieht hier eine ziemlich große Ressourcen Allokation und ein damit einhergehendes Risiko.

        Es ist klar, dass man hier versucht in einer Art emergency Modus Boden gut zu machen.

        Aber rein prinzipiell, ist es die einzige Option?

        So gut ich das finde was Otto da macht, bin ich doch eher Anhänger einer Thesen behafteten inkrementellen Vorgehensweise – nichts anderes ist Lean Startup.

        Ich würde erwarten das ca 60% der vorhandenen Features entweder nicht benötigt werden, nicht vorhanden sind oder noch deutlich weiter entwickelt werden müssen.

        Eine gut skalierbare, offene und sichere Plattform in der Größenordnung zu bauen ist eine riesige Challenge.

        Klar nun knallen die Sektkorken, aber was kommt danach? Die Otto Cloud?

        Otto ist jetzt da wo Amazon vor ca 8-10 Jahren war.

        Wette die Otto Cloud steht auf der Roadmap. Bedarf wäre da.

        Viele Grüße,
        Stephan

  7. Pingback: Collins lädt zum ersten About You Hackathon am 14./15.6. « Exciting Commerce

  8. So nicht, About Me API Support? Nur nach Prüfung?

    Ja danke, sie können die API behalten. Kein Interesse.

  9. Vergessen wir bei aller Euphorie am App-Ansatz nicht den Nutzer?

    Welcher Nutzer besucht denn ersthaft einen Online-Shop und entscheidet sich dann dort noch für eine App? Zumal die Apps auf die selben Produkte zurückgreifen, wie sie auch im Shop zu finden sind.

    Apps auf dem Handy werden unterschiedlich genutzt. Hier hat man für verschiedene Use-Cases unterschiedliche Apps (Wetter, Bahn, Shoppen, etc.). Aber warum sollte ich für den einen Use-Case „Shoppen“ unterschiedliche Apps nutzen?

    Ich sehe bei aboutyou relativ wenig Mehrwert für den Nutzer durch die Apps. Die Apps (zumindest die momentan verfügbar sind) sind aus meiner Sicht eher eine Spieler die der Nutzer ein bis zweimal ausprobiert, dann aber das Interesse daran verliert. Warum sollte der Nutzer nicht direkt einen Shop ansurfen der seinen Interessen in Bezug auf Produkte und Look and Feel entspricht?
    Bis hier sehe ich eigentlich nicht mehr als ein gutes altes Portal was den Einstiegspunkt in die Shopping Welt darstellen soll. Und was aus den großen Portal geworden ist wissen wir ja…

    Ich persönlich glaube, dass dahinter etwas mehr steht. Ich denke man will eher einen Meta-Shop etablierten, der von „jedermann“ in seine Mobile App oder Webseite eingebaut werden kann. Die Kreativen und Entwickler können das Frontend so gestalten wie sie möchten, nutzen aber das komplette Fulfilment von Payment bis Logistik von Otto. Frei nach dem Motto: Wenn wir die Kreativität nicht in den Shop bekommen, dann bringen wir eben den Shop zu den Kreativen.
    Kurz: Für mich ist der Shop als solcher im Wesentlichen nur Werbung für das dahinterliegende Geschäftsmodell, damit Kreative und Entwickler sich von den Möglichkeiten inspirieren lassen können. Ich glaube nicht daran, dass Endkunden über den aboutyou-Shop zukünftig Massen an Umsatz generieren werden. Dass soll über die Webseiten der Kreativen laufen.

    • Da steckt sicher mehr dahinter – auch Sortimentstechnisch.
      Ich kann ja mal einen kurzen Ausblick geben, wie das Konzept (Projekt2.0) 2007/2008 bei Arcandor/Primondo umgesetzt wurde (allerdings aufgrund der Insolvenz von Arcandor kurz vor Launch gestoppt wurde):
      Hier mal die Grobstruktur des Konzeptes von Projekt 2.0: https://www.flickr.com/photos/fisbeck/14224047163/

      Allerdings gab es auch ein paar Unterschiede bei den Begriffen und bei der Umsetzung…
      Bei uns hießen die APPs damals UGS (Usergenerated Stores) und die Developer waren Otto-Normal-User. Daher gab es auch kein Developer-Center etc., sondern einen einfach zu bedienenden WYSIWYG-Baukasten, mit dem man sich Shopfunktionalitäten zusammenbauen und Sortimente aus dem gesamten Arcandor-Konzern (inkl. Reisen) und externer Partner ganz individuell zusammenstellen konnte (Vertriebsplattform-Modell).
      Zielgruppe für die Ersteller der UGS waren auch nicht Entwickler, sondern normale User, die Experte in einem bestimmten Thema sind und sich hier ihren eigenen Shop funktional und inhaltlich zusammenstellen konnten (bis hin zu Shopping-Widgets für Einzelprodukte, die dann auch bspw. von Verlagen in ihre Online-Auftritte eingebunden werden konnten).
      Ein einfacher Yoga-Trainer, der sich über Verkaufsprovisionen noch etwas hinzu verdienen wollte, sollte die Möglichkeit haben, einfach sein KnowHow zu seinem bestimmten Thema einzubringen und somit als Experte für sein Thema und seine Zielgruppe (und nicht als Entwickler – beides fällt selten zusammen….) auf einfachste Weise einen bedarfsgerechten Shop für seine Zielgruppe zu bauen, den er entweder als Stand-Alone-Shop oder als Shop innerhalb seines Blogs, betreiben konnte. Zudem erschien alle Shops dann auch auf der zentralen Plattform, auf der User nach Themen (z.B. Yoga) suchen konnten und dann passende Shops von Experten vorgeschlagen bekommen haben.
      Damals lief das Ganze noch unter dem Schlagwort „SocialCommerce“. Die User zu Verkäufern machen. Mit der Möglichkeit auch Content hinzuzufügen – also warum diese oder jene Yoga-Matte so gut ist, etc und die Möglichkeit, eine eigene Community um das Thema aufzubauen. Die Quelle bezeichnete das Ganze im Übrigen auch als Multiplikatorenvertrieb 2.0 oder Sammelbesteller 2.0 Konzept.
      Um die Prozesse inkl. Checkout, Recht, Fulfilment und Support musste sich der User nicht kümmern. Dies hatte alles die Primondo Bandeln GmbH übernommen – der Kaufvertrag kam also nicht mit dem User, der den Shop gebaut hatte zustande, sondern mit der Bandeln-Plattform.

  10. nach dem ganzen Hype in der einschlägigen Fachpresse habe ich mir gestern zum ersten Mal die drei Shops angesehen um mal einen eigenen Eindruck zu bekommen!
    Ich finde es ganz großartig, was das neue Ökosystem alles für die Entwickler und die Fachleute im „Backend“ bieten wird! Kein Artikel hat mal die Nutzerbrille der Endkunden aufgesetzt. Ich bezweifle das der Otto Normalkunde in den definierten Zielgruppen einen großen Unterschied sieht, vielleicht im Design, aber ansonsten sind es Fashionshops, nicht mehr und nicht weniger!

    Was ich allerdings sehr erschreckend finde ist die mobile Optimierung der Shops. Sisters Surprise ist mobil fit und man bekommt das was man erwartet, aber auch kein Rocket Sience, sondern auch nur wieder gute solide Arbeit, die sich nicht von anderen guten mobilen Shops unterscheidet.
    About You und Edited sind nach dem, was das nagelneue Konzept technisch eigentlich leisten möchte und auch sollte einfach irgendwie zum Kopfschütteln. Gerade bei Edited, wo die Zielgruppe sehr jung sein soll, die sind doch fast nur mit Smartphones unterwegs und dann sehe ich keine sauberen Produktübersichtsraster und die Skalierung der Pics sind grauenhaft!

    Wie gesagt, ich finde es super eine neue Denkweise im E-Commerce etablieren zu wollen, aber Geld verdient ein Shop nicht durch die Expertimentierbereitschaft von Entwicklern, sonder durch den gefüllten Warenkorb der Kunden und diese nutzen die mobilen Technologien!

    Beste Grüße
    Sebastian

  11. Lieber Torsten,

    die Aussage, dass Shopping nur EIN Case ist, kann auch wirklich nur von einem Mann kommen 🙂

    Gerade Mode einzukaufen sind unendlich viele „Cases“ und gerade deshalb ist aboutyou sehr spannend und endlich mal aus weiblicher Nutzersicht gedacht.

    Ich könnte Stunden mit Shopping-Apps verbringen und das wird definitiv nie langweilig. Gerade die vielen Möglichkeiten auf das Sortiment sind toll und abwechslungsreich.

    • nun gut, aber mal hand aufs herz. wie viele shopping apps verwendest du denn über die du auch noch regelmäßig bestellst?
      würde mich als mann wirklich interessieren. 🙂
      und würdest du wirklich in einen shop gehen und dann dort (unter einer menge von sagen wir mal 100 Apps) nach „lustigen“ Apps suchen mit deren Hilfe du dann Produkte findest?
      Das sind mir zu viele Schritte des Suchens und Orientierens. Nutzer wollen finden, und das möglichst schnell…

      • MÄNNER wollen schnell finden.
        FRAUEN wollen abwechslungsreich entdecken.

        „wie viele shopping apps verwendest du denn über die du auch noch regelmäßig bestellst?
        würde mich als mann wirklich interessieren. 🙂
        und würdest du wirklich in einen shop gehen und dann dort (unter einer menge von sagen wir mal 100 Apps) nach “lustigen” Apps suchen mit deren Hilfe du dann Produkte findest?“

        Das ist stereotypisch männlich gedacht. Ich bin einfach auf aboutyou gegangen, habe mich durch die apps geklickt, ohne etwas konkretes zu suchen, und bin auf Produkte gestoßen die mich interessieren. Das hat einfach Spaß gebracht und ich werde es bestimmt wieder tun. Einfach weil diese Apps einladen Produkte zu entdecken und Spaß bringen. Ein bisschen wie ein Magazin durch zu blättern. Mode-Magazine sind im „Case“ auch immer gleich, trotzdem kauft man (bzw. Frau) immer neue Ausgaben, auch wenn der „case“ immer gleich bleibt, einfach weil die Inhalte darin toll sind und inspirieren.

        Oder ließt du einmal die Zeitung und sagst dann, dass du nie wieder Zeitung ließt, weil du es einmal getan hast und jetzt alle Rubriken in der Zeitung schon kennst?

  12. Pingback: About You: Der Leiter des Developer Centers im Interview « Exciting Commerce

  13. Keiner will so sein wie Collins. Ökosysteme wachsen organisch. 100 Mio + investiert? Falscher strategischer Mut hier bewiesen. Das wird ein Riesenfehlinvestment. Das Konzept bietet nur theoretische Benefits: „Lass uns mal alle Features zusammenwerfen…“ Der User hat nichts davon.

  14. Ahhh, wieder mal herrlich, dieses Gezänk. Die Nörgler haben meiner Meinung nach nicht verstanden, was der Kern dieses Projektes ist: Analog zu Apple oder Google (weitere Namen beliebig einsetzbar) erfindet Otto den Content, den die User (Endkunden) haben wollen, nicht selbst, sondern setzt auf die Masse an kreativen Köpfen. Apple (Google etc.) hat doch auch auch nicht jede App im Store selbst erfunden und 99% sind Bullshit. Aber… es funktioniert. Weil es geniale Entwickler/Unternehmer gibt, die einfach eine coole Idee umsetzen, die ankommt – eben auf der jeweiligen Plattform, die von Apple (Google etc.) betrieben wird. DAS ist meiner Meinung nach die Stärke von Collins. Was nicht automatisch heißt, dass es funktioniert – aber endlich hat mal ein „klassischer“ Konzern den Mut bewiesen, etwas zu wagen. Wobei ich nicht denke, dass der Invest wirklich riskant ist.
    Um mal weg vom Thema Apps zu kommen, weil ich vermute, dass das missverstanden werden wird, nehmen wir als weiteres Beispiel mal Spreadshirt (x weitere Plattformen hier einsetzbar). Ist zwar eine völlig andere Technologie und auch das Konzept ist längst nicht so frei und flexibel, aber der Erfolg resultiert aus den gleichen Faktoren: Es gibt kreative Leute, die Ideen für Shirts entwickeln, die Spreadshirt allein in dieser Menge nie entwickelt haben könnte. Viele Verkäufer (der Großteil) auf Spreadshirt bieten Schrott und werden nie auf einen gründen Zweig kommen. Aber einige haben es eben raus und bieten attraktive Produkte für die Endkunden. Und Spreadshirt verdient genau daran mit, muss aber das Risiko von nicht funktionierenden Angeboten nicht tragen (das ist das Prinzip all solcher Plattformen).
    So ein Erfolg ist Collins auch zu wünschen und ich sehe die Möglichkeit als gegeben an. Da ist es doch völlig wurscht, ob das Ding nun „lean“ oder nicht in den Markt gebracht wurde. Das ist aus meiner Sicht wieder mal eine Glaubensfrage wie „Amiga“ oder „Atari“: Völlig sinnfrei. Entscheidend ist doch, was hinten raus kommt.
    Die Macht kommt doch daher, den Nutzern (Shopbetreibern) eine Plattform zu bieten, die ihnen die Freiheit lässt, genau das zu tun, was sie sich vorstellen – und wo sie mit aller Leidenschaft dahinter stehen. Wenn man sich mal die verschiedenen Modelle im Netz anschaut, dann sind es genau diese Modelle, die die größte Chance auf Erfolg (nicht nur) für den Plattformbetreiber haben.
    Also los, Mädels und Jungs von Collins, vielleicht braucht ihr einen langen Atem, aber die Idee ist vielversprechend.
    Viele Grüße und einen sonnigen Tag
    Heiko

  15. 2 Fragen stelle ich mir aktuell noch:
    Warum hat Amazon seine aStores quasi eingestellt – und was passiert, wenn amazon das Ganze dann ganz neu doch wieder zum Leben erweckt?

    2. Wie wird aktuell bei Collins das Thema Sortimentsaktualisierung gehandhabt bzw. Sortimentswechsel?
    Wenn eine App wie bspw. Nachteule die richtigen Outfits vorschlägt und die Produkte dann nicht mehr verfügbar sind, sind dann die Apps solange leer, bis der Entwickler Zeit gefunden hat, die App wieder zu aktualisieren?
    Besteht nicht die Gefahr, dass dann überall inhaltslose Apps herumgeistern?
    Gibt es eventuell eine Fallback Lösung von Produkten die bspw. der gleichen Kategorie angehören der die Ursprungsprodukte so gehörig waren?
    Wie das Problem der Verfügbarkeit und Sortimentsaktualisierung aktuell gelöst wurde habe ich noch nicht gelesen…

  16. Pingback: Winter K5 Cruise – Wie lassen sich E-Commerce Projekte erfolgreich umsetzen? | Kassenzone

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