Der „kleine“ Händler gewinnt – Interview mit dem Schuhhändler Claus Heinrich aus Kiel

heinrich-laden-holtenauerDie Frage nach der Zukunft des stationären Handels wird uns in 2014 wohl permanent begleiten. Nach vielen eher theoretischen Beiträgen dazu, freue ich mich über ein Interview mit Claus Heinrich aus Kiel. Heinrich betreibt den gleichnamigen Schuhhändler mit acht Geschäften im Norden Deutschlands. Er muss in klassischen Innenstadtlagen das aushalten, was ich in meiner Präsentation zum Handelskongress in Berlin aufgezeigt habe – der stationäre Handel verliert gerade massiv Frequenz & Umsatz. Er betreibt einen recht erfolgreichen Onlineshop (das-schuherlebnis.de) und macht sich sehr offen Gedanken darüber, was mit den unstrukturierten Innenstädten in den meisten Orten in Deutschland passieren wird. Nachdem die „Optikerladenwelle“ von der „Handyladenwelle“ abgelöst wurde, scheint niemand mehr Interesse an den leer stehenden Flächen zu haben, die vor 15 Jahren noch heiß begehrt waren. Noch nicht einmal geschenkt haben wollen potentielle Mieter die Flächen. Entweder sind dort zu wenig Kunden oder zu wenig Parkplätze. Aus Sicht von Heinrich ist die Eröffnung des IKEA in Altona das wohl spannendste stationäre Handelsexperiment der letzten Jahre. Was passiert, wenn man Handelskonzepte von der grünen Wiese wieder in die Innenstadt zurückholt? Der Titel des Beitrages ist aufgrund meiner Beobachtung entstanden, dass „kleine Händler“ wie Heinrich scheinbar viel besser in der Lage sind auf die Herausforderungen des Onlinehandels zu reagieren als große Ketten. Während Görtz & Co. lange brauch(t)en, um E-Commerce vernetzt zu denken und in den Geschäften auch mal Werbung für den Onlineshop zu machen, verkauft Heinrich schon Schuhe über Amazon. Das ist in der Tat erstaunlich, weil die Skaleneffekte der großen Handelsketten, die in den letzten 30 Jahren deren massives Wachstum begründet haben, nun offensichtlich der Grund dafür sind, dass sie nach und nach aus dem Markt verschwinden werden. Zu fett, zu langsam, zu unkreativ – eben das Gegenteil eines guten Händlers.

7 Gedanken zu “Der „kleine“ Händler gewinnt – Interview mit dem Schuhhändler Claus Heinrich aus Kiel

  1. Sehr schönes Interview da hier ein ziemlich bodenständiger Händler seine Meinung ungeschönt und ehrlich wiedergibt oder in die „Jammer-Schiene“ zu verfallen. Sind die Firmen oft nur leicht größer, sind die Interview Partner sehr oft nur Marionetten die die immergleichen Phrasen wie aus dem Rhetorikhandbuch wiedergeben. Der beste Schritt um Änderungen anzugehen, war ja erst kürzlich ein Thema, ist das Problem auch zu erkennen und zu reagieren.

  2. Sehr schön. ENDLICH mal eine authentische Auseinandersetzung mit einem Menschen, der nicht in Sphären rumschwirrt, wie es viele „eCommerce-Päpste“ in „namhaften“ Unternehmen unendlich bullshitbingo getränkt tun! Danke dafür und Bitte VIEL mehr davon!

  3. Sehr interessant dieses Interview. Endlich auch mal einer, der weiß von was er spricht. Sofern die Mieten in den Innenstadtlagen durch immer mehr Leestände sinken, steigen die Margen der Händler und sind dann wieder eine echte Alternative zum Onlinehandel

    • dieser Umstand ggf. ergänzt durch ein sinnvolles „Quartiersmanagement“ und konzertiertes, lokal ausgerichtetes, gezieltes Advertising, das echten Mehrwert bringt für den potentiellen Käufer (Verfügbarkeiten im Werbemittel je Händler, relevante landing page) gibt eine gute Chance für den stationären Handel, weiterhin relevant zu bestehen.

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