E-Commerce ist unfair und macht einsam

Null DurchblickWenn Ranga Yogeshwar davon erzählt, wie schade es doch ist, dass die Amazon-Drohnen kein Leckerli für den Hund mitbringen werden und Günter Wallraff ein neues Buch vermarktet, in dem er alle Mitarbeiter in der Lager- und Auslieferungslogistik in den Verdacht stellt, sich unter grenzwertigen Arbeitsbedingungen ausbeuten zu lassen, dann fühlt man sich teilweise in einem falschen Film versetzt. Amazon sei der Teufel, weil sie unfassbare Gewinne machen und diese nicht bei uns versteuern. Hermes & DHL sind entsprechend Teufelsgehilfen, weil nun die Arbeiter dieses Landes in stressigen Logistikjobs arbeiten müssen und nicht mehr bei innenstadtaufwertenden Einzelhändlern. Das wir vor erheblichen Umbrüchen stehen, lässt sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen kaum noch leugnen. Dass es uns aber allen bald viel schlechter gehen wird, weil Amazon & Co. so erfolgreich sind, ist dann aber doch ein Ammenmärchen. Die Märchen & Mythen, die um diese Entwicklung herum entwickelt werden, reichen um mehrere Bullshit-Bingo Karten zu füllen. Ich frage mich, ob die Kutscher vor über 100 Jahren genauso über neuartige Automobile gewettert haben. Schließlich haben dadurch fast alle Kutscher, Kutschenhersteller und Kutschpferdezüchter ihre Arbeit verloren. Hier sind meine Top 5 Mythen:

  1. Die Milliardengewinne der Onlinehändler fehlen dem Einzelhandel: Das Einzige, was momentan beobachtbar ist, sind die Verschiebungen von Einzelhandelsumsätzen aus dem stationären Handel in den Onlinehandel. Diese Verschiebungen sind erheblich, aber leider schaffen es die wenigsten Onlinehändler daraus Gewinne zu machen. Die ehemaligen Milliardengewinne des stationären Handels stehen nun den Endkunden zur Verfügung. Die Preistransparenz im Internet macht es möglich. 
  2. Amazon ist der Teufel: Nichts liegt mir ferner als Amazon zu verteidigen, aber Amazon hat zur Zeit einfach das beste und effektivste Handelsmodell. Sie haben die größte Auswahl, oft den besten Preis, geringe Lager- und Bearbeitungskosten und Kunden bestellen deshalb dort. Jedes Unternehmen würde sich über so einen Erfolg freuen, aber Erfolg anzustreben ist in unserem Wirtschaftssystem gewollt und auf keinen Fall zu verteufeln. Man kann es asozial finden, dass Amazon in Deutschland kaum Steuern zahlt, aber wie jedes große Unternehmen nutzt Amazon nur alle Marktchancen aus. Ist Volkswagen auch zu verteufeln, weil sie die effizienteste Produktionsstraße geschaffen haben? Wahrscheinlich nicht.
  3. Unsere Innenstädte sind bald leer und einsam: Die aktuelle Aktion einiger Einzelhändler in Hamburg mit verklebten Fensterscheiben soll darauf hinweisen, wie langweilig es bald in unseren Innenstädten aussehen wird, weil alle Kunden nun online einkaufen. Es reicht also nicht mehr aus einen Laden zu mieten, diesen mit etwas Ware auszustatten, zu dekorieren und auf die Kunden zu warten. Wie erschreckend. Langweilige Einzelhandelskonzepte können in Zukunft nicht mehr überleben. E-Commerce mag diese Entwicklung beschleunigen, aber sie ist nicht dadurch begründet. Einsam und leer sind viele Einkaufsstraßen schon heute – bei einem E-Commerce-Anteil am Einzelhandel von unter 10%. War mal jemand in letzter Zeit in Kiel, Neumünster, Rostock & Co. in der Stadt?
  4. Onlinekäufer stehlen die Beratungsleistung im Einzelhandel: Wenn Einzelhändler über E-Commerce erzählen kommt dieses Szenario zwangsläufig zur Sprache. Nach toller Beratung verlassen die Kunden den Laden, um dann günstig online zu bestellen. Diese Fälle mag es geben, aber sie sind nicht verallgemeinerbar. Die meisten E-Commerce-Einkäufe werden online gestartet und dort auch beendet. Die Produktrezensionen von Amazon sind in der Regel deutlich erhellender als die Erfahrungsberichte eines unmotivierten Verkäufers („Habe ich auch zu Hause.“). Was soll denn Amazon sagen, wenn Kunden die Produktrezensionen nutzen, um dann zum gleichen Preis bei Mediamarkt zu kaufen? Es gibt nicht eine belastbare Studie, die den Vorwurf des Beratungsklaus belegen kann.
  5. Die Lieferfahrzeuge verstopfen bald unsere Straßen: Dieses düstere Szenario wird gerne gezeichnet, wenn wir uns vorstellen sollen, dass bald alles geliefert werden soll. Dazu ein kleines Rechenbeispiel: 10 Kunden wohnen im Schnitt 5 km entfernt vom nächsten Elektronikmarkt und brauchen eine neue Digitalkamera. Die Kunden wohnen alle 1 km voneinander entfernt, wenn man sie nacheinander anfährt. Wenn nun alle Kunden ihre Kamera selber beim Elektronikmarkt kaufen würden, müsste eine Gesamtstrecke von 10x2x5 km zurückgelegt werden (50 km). Wenn aber ein Lieferauto alle Kunden beliefert, dann wird nur eine Strecke von 5×2+9×1 km zurückgelegt (19 km). Der Umwelt, den Straßen & Co. werden also 31 km Einkaufsfahrt erspart. Verblüffend.

E-Commerce ist ein Fakt. Es ist nicht gut oder böse und Veränderungen im Marktumfeld treffen nun einmal ältere Handelskonzepte stärker als agile neue Handelskonzepte. Bei Kassenzone versuche ich die Marktentwicklung möglichst neutral zu reflektieren und herauszufinden, welche Optionen die verschiedenen Marktteilnehmer haben. E-Commerce-Unternehmen haben andere Herausforderungen als stationäre Einzelhändler und in vielen Diskussionen wird einfach alles vermischt, um populäre Aussagen zu generieren.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Handel von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

37 Gedanken zu “E-Commerce ist unfair und macht einsam

  1. Genau meine Meinung, ein sehr guter Beitrag! Außer dass Amazon wirklich böse ist und ich Angst vor einem Monopol habe. Aber das gehört nicht in diesen Kontext, da sind wir Onlinehändler selbst dran schuld.

  2. Applaus, grandiose Zusammenfassung der „Mythen“, danke!
    Da steh ich voll hinter.

  3. Danke, dass Du etwas dazu geschrieben hast. Ich dachte, ich wäre im falschen Film bei der Sendung. Was dort alles an Mist erzählt wurde, hat mich einfach nur sprachlos gemacht. Unfassbar… Absolut alle in der Runde…
    Ich würde auch gerne mal wissen, wo Herr Wallraf seine stationären Klamotten kauft… Ob die alle sozial- und umweltverträglich hergestellt wurden?!?…
    Faire Klamotten findet man meist zudem ja nur online…

  4. guten Argumente!
    zu 4. Diese Studien gibts doch. Und sie sind interessant (siehe aktuelle Ausgabe paperandoffice.de Magazin)
    21% gehen direkt in den stationären Handel (Info und Kauf)
    61% RonPoff (Research online, Purchase Offline)
    3% (!) RoffPon
    9% pure Online
    Gut gemachte Produktinfo-Seiten helfen also dem Handel beim Umsatz. Hersteller und Handel sind hier gefragt zusammenzuarbeiten. Beide sollten mal dem Kunden zuhören, und nicht versuchen, eigene Denkweisen dem Kunden aufzuzwingen.
    Zeigt also, dass nicht das böse Internet an der Abwanderung schuld ist, sondern andere Faktoren dazu beitragen. Und das ist sicher beileibe nicht ausschließlich der Preis:
    >5 Sterne sagen mehr als ein provisionsgetriebener Verkäufer
    >Wenn sich Öffnungszeiten mit Arbeitszeiten zu 95% überlagern, bleibt nur noch der Samstag zum Shoppen. Spätestens mit Kindern ist das dann auch keine Option mehr. Schon gar nicht im Dezember
    Die Latte liegt sicher sehr hoch für den Fachhandel. Aber nicht unüberwindbar hoch.
    Frohe Weihnachtszeit!

    • Hi Oliver, danke für den Link. Je nach Erhebungszeitraum und Erhebungsart widersprechen sich die Studien teilweise sehr. Heute kaufen erfahrene Onliner sicherlich auch anders ein als vor fünf Jahren. Im Bereich der Produktdarstellung und Bewertungen hat sich ja auch einiges getan. Was sich aber sagen lässt: Die pauschale Aussage des Beratungsklaus ist bisher nicht stützbar.

    • Ohempel, habe leider die von Dir erwähnten Studien nirgends entdeckt.
      Hast Du noch einen Link?

  5. Sehr schön zusammen gefasst. Ich habe durchaus Mitleid mit den Einzelhändlern, die aus meiner Sicht definitiv unter dem E-Commerce leiden. So ist es aber nur mal leider wenn sich ein Markt verändert und alte Modell abgelöst werden. Böse Autos!!

    • Ach, so viel Mitleid muss man mit denen nicht haben.

      Bei uns im Dorf damals haben jährlich 2-3 Einzelhändler ihr Geschäft eröffnet und ebenso viele gingen jährlich pleite. Am Stammtisch hieß es dann, die Wirtschaft ginge bergab, in 5 Jahren mussten 13 Händler dicht machen. Niemand kam auf die Idee nachzuzählen, wie viele Geschäfte es zu diesem Zeitpunkt gab und wie viele 5 Jahre zuvor.

      Gerade gestern wieder einen Clip über ein Geisterdorf bei Paris gesehen. Kaum Einwohner, einziges Geschäft im Ort war ein Antiquariat. Der konnte davon leben, weil er eben auch online verkauft.

      Es ist zudem auch nicht so, dass Amazon alles anbietet. Vielmehr ist es so, dass man über den „Handelsplatz Amazon“ quasi alles bekommen kann, was eben auch an den Einzelhändlern liegt, die dort verkaufen.

  6. Ich sehe alles genauso wie du.
    Das größte Problem sehe ich jedoch im Bereich internationales Steuerrecht. Denn es ist richtig, dass der Einzelhändler hier brav alles versteuern muss und die internationalen Steuerlücken (wie sie Amazon, Google, Apple und Co.) nicht „nutzen“ kann. Dies kommt dem Staat zugute, aber ist dennoch eine existenzvernichtender Nachteil gegenüber den großen Konzernen. Dies ist aber kein reines Onlinethema, sondern bei weltweit agierenden Onlinefirmen nur noch einfacher umzusetzen, als bei Offlinestores.
    Offline ist es ja auch eine Sauerei, dass das kleine Cafe um die Ecke brav seinen Steuertribut abführt, während sich z.B. Starbucks ins Fäustchen lacht. Hier ist die Politik gefragt und zwar nicht nur die deutsche, sondern eine einheitliche internationale Steuerpolitik.
    Das es diese Politik nicht gibt, ist imho eine der größten Ungerechtigkeiten unserer Zeit. Denn wenn jede Firma ihre Steuern in dem Land abführen würde, in dem Sie die Gewinn hat, wären auf einen Schlaf sehr viele Probleme gelöst.
    Auch wenn schon bekannt, immer wieder „interessant“: http://www.youtube.com/watch?v=e1TDliYbLvQ

  7. Diskussionen in welchen alles Moderne verteufelt wird ist nicht zielführend, aber Dinge gut zu finden weil es alle tun (Thema Steuern) lenkt die Diskussion auch nicht in die richtige Richtung.

  8. D’accord – das Prinzip lautet wohl mal wieder: „Denn nicht sein kann, was nicht sein darf.“. Vielleicht überlegen sich die kritischen Herren in den gut ausgeleuchteten Kamerarunden mal, was an Positivem am scheinbar bösen E-Commerce dran sein könnte. Vielleicht gibt es ja in der Tat einige internationale Kunden, die sehr gern hochwertige deutsche Produkte kaufen möchten? Vielleicht werden durch den wachsenden Onlinehandel inländische Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze gestärkt? Vielleicht gibt es ja auch „gute“ Online-Strategien für den Mittelstand?

    Fröhliche Weihnachten, allenthalben.

  9. Ein Problem, das der stationäre Handel nicht lösen kann – und der Onlinehandel offensichtlich auch nicht – ist das der „One Stop Destination“ Amazon hat – verkürzt gesagt – alles, zum besten Preis und am einfachsten zu kaufen. Wäre Amazon ein stationäres Kaufhaus, würde es zwangsläufig alle anderen Kaufhäuser in der Stadt kaputtmachen. In einer anderen Stadt würde das schon ganz anders aussehen. Nur gibt es im Internet eben keine anderen Städte. Natürlich hat Amazon die beste Verpackung, die effizienteste Logistik etc. p.p. Das haben sie aber mittlerweile nicht nur, weil sie so clever sind, sondern weil sie so groß sind. Und da wird sich die deutsche Internetwirtschaft bald mal was einfallen lassen müssen, oder es wird sie in diesem Umfang bald nicht mehr geben. Dazu gehört auch, dass Amazon dort Steuern zahlt, wo es seine Geschäfte macht und nicht dort, wo es am billigsten ist. Mag sein, dass das andere multinationale Konzerne auch tun, aber das macht es deshalb ja nicht richtiger. Es ist ärgerlich, wenn man zum Beispiel auf Amazon ein Handy-Ladegerät kauft, das kommt dann von einer Firma aus England, es liegt keine Rechnung bei und man weiß auch nicht, wohin man es zurückschicken kann, wenn es einem nicht gefällt. Das kann sich kein deutscher Wettbewerber leisten, ohne dass ihm eine Abmahnung auf den Tisch flattert. Hier muss die deutsche Politik im Interesse der ortsansässigen Wirtschaft tätig werden. Den stationären Handel wird das aber kaum retten, denn wenn die Leute nicht bei Amazon bestellen würden, würden sie eben bei Otto.de bestellen.

  10. Das ist alles sehr gut zusammengefasst. Gerade da ich selbst Einzelhändler bin (bzw. mittlerweile eher Dienstleister) sehe ich das ganze objektiv. Weder stimme ich in den weihnachtlichen Jammer-Kanon des Einzelhandels ein, noch in Lobhudelei für Online.

    Mich stört dennoch (ich mach es mal in Punkten zwecks Übersicht):

    1. Die Selbstdarstellung mancher Experten in Fernseh-Diskussionsrunden die keinen Plan haben.

    2. Den zwangsweisen Anspruch der Kunden man müsse alle Produkte da haben oder zumindest bestellen können bzw der Frust der Kunden wenn man ein Produkt XYZ eines bestimmten Herstellers XYZ nicht lagernd hat und auch nicht bestellen kann oder möchte. Der Beschaffungsaufwand und die Zeit ist einfach zu groß, klar mache ich das für viele Stammkunden aber es ist nun mal so:

    Ein Onliner wird sich genauso wenig rechtfertigen warum er diesen Artikel nicht im Shop hat und auch nicht bestellen kann oder möchte und ebenso wenig warum er in 8 von 10 Fällen bei Preissuchen ganz vorne steht aber eben auch 2 x seine 15-20% teurer ist. Ein Onlineshop wird (siehe die aktuellen Insolvenzen im Elektronicbereich online) auch nicht nur davon leben können überall der günstigste zu sein.

    3. mich stört wie vom Vorredner angesprochen dass die EU den EU-Bürgern empfiehlt in Ihren Studien doch viel mehr im preisgünstigeren EU Ausland zu kaufen..das würden vor allem Deutsche viel zu selten nutzen.Gleichzeitig aber gibt es in Deutschland ZPÜ Abgaben auf DVD Brenner, Rohlinge, Urheberrechtsabgaben auf Drucker usw usw..die den Wettbewerb vollends verzerren (siehe auch EBook Steuern etc).

    4. Mich stört genauso das Bashing gegen Amazon bezüglich der Löhne…. Wenn man sieht dass vor allem im Westen in Bad Hersfeld nach 6 Monaten ab 11,50 € gezahlt wird… zzgl Sonderzahlungen für Jobs ohne Ausbildungsqualifizierung.

    Gleichzeitig wird ein IT-Systemelektroniker oder Einzelhandelskaufmann hier mit Witz-Löhnen abgespeist die nur ein Leben bei Mama und Papa ermöglichen.Vor allem die junge Generation die in den Einzelhandelsgeschäften angestellt ist, träumt größtenteils vor allem hier in unserer Region im Norden Bayerns von Löhnen um 11€ die Stunde. In vielen bekannten Elektronikketten, vor allem jene die von Famiilienbetrieben geführt werden, sind 1300,1400€ Brutto für 40-42Std Wochen keine Seltenheit.

    5. mich stört dass die Politik keine echten Lösungen sucht und mit u.a. Subventionen den Markt völlig verzerrt. Auch Schuhaus Meyer, Müller etc, wird mit seinen 20 Filialen nicht den Onlineshop mit nötiger Werbung aufbauen können den ein Zalando dank hunderter Millionen an Risikokapital aufbauen kann. Hier und dort mag es Nischen geben und Ausnahmen, aber dem normalen inhabergeführten Filialsten mit seinen 3,4 regionalen Filialen wird’s eben nicht so einfach gemacht wie es sich die selbsternannten Experten in den Talkrunden oft vorstellen.

    6. @ Alex. Das mit der Anfahrt steh ich genauso. Man hat die Innenstädte mit ein paar Blumenkübeln und Bollern zur Auto- und oftmals Drumherum auch Parkplatzfreien Zone erklärt. Die umfassenden Marktplatz-Gestaltungsmaßnahmen holt man dann mit horrenden Parkgebühren oder Knöllchenschreibern rein.

    Ich bin selbst Einzelhändler, jedoch habe mein Ladenbüro an einer Ausfallstraße… Wenn ich an einem Samstag wie dem morgigen in die Innenstadt bzw die Einkaufscenter gehe, fühle ich mich als Sardine im Sardinenschwarm….es wird gerempelt geschupst, Gedränge.
    Es nervt und verursacht bei mir einfach nur unnötigen Stress….und ich bin froh wenn ich dem Entfliehen kann. An sich schade, denn ansonsten versuche ich schon möglichst viel Kontakt zu Menschen zu halten, aber ich glaube das geht auch anders als nur mit Erlebnisshopping.

    Die Liste könnte man unendlich fortsetzen…

    Was man aber gut daraus sieht, ich verteufle weder das eine noch das andere. Ich mache aus der Situation das Beste, suche mir Nischen, mache sehr viel Dienstleistung und schaffe mir Produkte die eben nicht vergleichbar sind.

  11. … sagte Ranga Yogeshwar und der olle Wallraff erzählt vom Krieg. Und die Menschen kaufen weiter online …

  12. Hallo Alex,
    na das ist ja mal wieder ein sehr besinnlicher Weihnachtspost, vielen Dank dafür.
    Ich bin jedoch der Meinung das Amazon und die anderen Online-Händler in den nächsten 3-7 Jahren gar nicht der eigentliche Wettbewerb des Einzelhandels sind. Hier wird online und offline gemeinsam die selben Aufgaben zu lösen haben, nämlich Konzepte gegen die gerade beginnende Vertikalisierung des Handels zu finden.
    Die echten Herausforderungen heißen, Adidas, Puma, Bosch, Miele, Levis und wer nicht noch alles. Der Konsument erwartet deren Präsenz im Netz und direkte Einkaufsmöglichkeit, die Marken haben auf diese Chance durch Druck von außen nur gewartet.
    Je unabhängiger eine starke Marke von fremden Vertriebsnetzen wird, desto eher besteht die Möglichkeit die Margen des Handels langsam abschmilzen zu lassen. Dann wird Amazon ein effizienter Logistik- und Vertriebspartner und die Shopping Center und echten A-Lagen in den Innenstädten werden mit Markenshops und Flagship-Stores attraktiver werden.
    Wenn der Einzelhandel über Amazon oder Zalando schimpft, dann ist der Blick der entsprechenden nicht wirklich nach vorne gerichtet. Eigene Produkte, echter Einkauf und keine Bestandslieferantenverwaltung, Innovationen, kleine Marken präsentieren, Erlebnis zelebrieren, neue Produkte und inspirierende Konzepte – das sind die Herausforderung, ansonsten geht nur Erfüllungsgehilfe oder Discounter. Von den Direktlieferungen asiatischer Hersteller und Händler an den lokalen Verbraucher, wollen wir gar nicht reden…

  13. Eine Anmerkung zu Amazon: „Sie haben die größte Auswahl, oft den besten Preis, geringe Lager- und Bearbeitungskosten und Kunden bestellen deshalb dort.“
    Das Amazon Model ist sicherlich aber nicht nur auf operative Excellence zurückzuführen, sondern auch einen gewaltigen Startvorteil: von den Investoren ist statt einer Margenerwartung „lediglich“ eine Wachstumserwartung (=Wette) im Markt vorhanden ist. d.h. konkret ein Mitbewerber der ein vergleichbares Geschäftsmodell hat muss mindestens so gute Prozesse haben und gleichzeitig kein Geld verdienen wollen, um gleichziehen zu können. Oder anders herum, die Prozesse müssen deutlich besser sein um Amazon „schlagen“ zu können.
    Aus meiner Sicht tun sich hier viele in dem Markt immer noch schwer mit einem Player zurecht zu kommen, der wachsen und(!) verdrängen will, bzw. fehlen häufig die Ideen/Konzepte um mit einer solchen Situation „zurecht zu kommen“.
    Und der Endkunde belohnt einen Margenverzicht beim Anbieter eigentlich in jedem Markt, egal ob online oder offline und egal ob dadurch der Preis niedriger ist oder es „einfach klappt“. Bei Amazon trifft sogar alles zu…
    Zalando war auch einige Jahre so unterwegs – mit dem Ergebnis, dass der komplette Markt nun anders ausschaut.

  14. @Peter

    Jo, nur hat Amazon es geschafft das selbst alte Schnäppchenjäger sich sagen, lieber zahl ich die 5% mehr, z.B. Mainboard 100,00€ bei Amazon und 93,98€ bei XYZ….denn hier weiss ich : Wenn etwas nicht passt, Amazon nimmt es zurück und lagernd heisst auch lagernd und dass es schnell verschickt wird. Nicht anders geht es mir oder Bekannten, keine nervige separate Anmeldung etc…

  15. Als ich Ende der 90er mit Mobile Shopping als Self-Service & Self-Payment in verschiedenen Europäischen Länder anfing ( nicht in Deutschland zu wenig serviceorientiert), da waren dann stets die Diskussionen, dass dann ja die Arbeitsplätze der KassiererInnen wegfallen würden. Also böser Self-Service. Was ist real passiert ? Die MA`s wurden auf andere Service Arbeitsplätze umgesetzt.
    Handel ist Wandel …

    Auch der E-Commerce wird sich laufend neu erfinden müssen , viele Themen wurden schon benannt ( Brands die via OnlineShop & Local Stores direkt in den Handel gehen,“Überangebot“ an Online Shops, wie kann sich da der einzelne OnlineShop noch differenzieren ( LBS Tendenzen etc.) & wie seine Kunden finden (treue und nicht immer neue mit viel Marketingaufwand).

    Bei aller berechtigten Kritik an der bösen Jauchrunde muss aber auch gesagt werden, dass an dem bösen Bild der Online Handel ein Stück weit selber Schuld hat: Er kommunziert einfach zuwenig mit dieser Öffentlichkeit ! Und dafür sind Amazon, Ebay etc. ein Paradebeispiel ! Mir kommt das manchmal so vor wie beim American Football vor: bloss den Ball unbemerkt ins „gegnerische“ Feld bringen !
    Aber der E-Commerce hat doch was vorzuweisen:
    z.B.
    – Transparenz der Waren & Preise ( heute wird der Einkauf im Stationären Bereich Online vorbereitet ! ). Das ist ein Verdienst/Erfolg des breiten Online Informationsangebots.
    – Kunde ist König bei Retouren: Das hat eine ganz neue – teure Mentalität – geschaffen, mit der man ( Online & Stationärer ) Handel lernen muss umzugehen. Auch hier gibt es (z.B. LBS) Tendenzen diese Kosten durch neue, andere Prozesse gestaltbar zu machen (Alex Spritrechnung stimmt natürlich so nicht wg. der Retouren & des ROnline,ROffline,POnline –> „Haptikkosten“)
    Wie auch immer im Einzelnen: Der Online Handel kann eins nicht: sich in seinen Online Shops einigeln und nicht mit der Welt „da draussen“ kommunizieren um neue Konzepte zu finden.
    Handel ist Wandel !

  16. @ Alex, „die ehemaligen Milliardengewinne stehen nun….“

    Das sehe ich auch so. Deshalb versuchen die Hersteller ja direkt zu vertreiben bzw es werden immer neue Marken „kreeiert“ oder produziert.
    So ist man nicht vergleichbar. Der Handel mit dem und dem selbigen Artikel auf EAN-Nummer Basis macht es zu vergleichbar… und ermöglicht Spannen die in vielen Einzelhandelsbranchen kaum ein Decken der Kosten ermöglichen.

  17. Hallo Alexander,

    das ist wirklich super auf den Punkt gebracht. Ich höre diese Argumente auch immer wieder. Insbesondere was den stationären Einzelhandel in den Innenstädten angeht. Nur muss man dabei auch mal erwähnen, dass wir nicht mehr im Jahr 1970 leben. Nicht nur die Technologie hat sich entwickelt, sondern auch die Erwerbstätigkeit der Frauen. Es gibt immer mehr Menschen in Beschäftigung, die immer längere Arbeitszeit beansprucht und deshalb immer mehr Menschen weniger Zeit haben zwischen 9 und 17 Uhr in der Innenstadt einkaufen zu gehen. Dann wenn die Leute Zeit haben, nämlich am Samstag und Sonntag, ist entweder begrenzt geöffnet oder komplett geschlossen.

    Nicht die Entwicklung des E-Commerce frittiert den Einzelhandel. Die teilweise Ignoranz und Unwissenheit des Einzelhandels über die massiv geänderten Kundenbedürfnisse treibt die Umsätze mehr und mehr in den Online Handel.

    „9 to 5“ Business ist tot, es lebe 7/11. Nur 7/11 kann gegen 24/7/365 im E-Commerce standhalten. Der Einzelhandel verspielt zudem auch seine Vorteile gegenüber dem reinen Online-Vertrieb.

    • Das stimmt – ich bin immer wieder erstaunt wieviel Zalando (strategisch) richtig macht. Beispiele dafür gibt es ja sehr viele – das erschreckende ist, dass viele Geschäftspartner diese Dinge zunächst genau anders sehen und erst nach einer Erklärung aufhorchen. Vielleicht ist aber sogar das ein Teil der Strategie – maßlos unterschätzt zu werden ist in einem kompetitiven Marktumfeld sicherlich nicht von Nachteil. Aber manchen Marktteilnehmern ist ja nicht einmal bewusst, dass das Marktumfeld höchst kompetitiv ist.

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  23. Also laut meinem Taschenrechner sind 10x2x5 = 100 [km].
    Und dass ein einziger Paketzusteller alle 10 Kunden anfährt, die jeweils 1 km auseinanderwohnen ist eher unwahrscheinlich, auch wenn die Paketzustellbezirke über die Jahre immer größer wurden.
    Sagen wir, 2 bis n Paketzusteller sind für die 10 Kunden unterwegs, dann relativiert sich der ›ökologische Vorteil‹ der Onlinebestellung rasch wieder. Mal davon ab, dass die Paketfahrzeuge auch irgendwo ’ne Zentrale haben, die meistens auch nicht direkt um die Ecke liegt.

    • Da hast du natürlich Recht mit den 100 km. Mein Fehler. Deiner Argumentation mit den Zustellern kann ich aber noch nicht folgen. Ein Zusteller bedient ja mehr als 10 Kunden in einem möglichst kleinem Liefergebiet In der Realität ist es also noch günstiger in Richtung E-Commerce. Und die Paketfahrzeuge sind in der Tat nahe der Logistikzentren stationiert. Der Weg über den Elektronikmarkt ist doch immer ungünstiger, oder nicht?

      • Ich bin von den im Text genannten 10 Kunden ausgegangen, was natürlich Quatsch ist/war :-]
        Für ’ne vernünftige Berechnung bräuchte man wohl schon ein paar mehr Faktoren, wie z.B. Größe des Bezirks, Anzahl der (Zustell)haushalte, nächste(s) Fachgeschäft(e) und wasnichtnochalles.
        Und die vergeblichen Zustellversuche verursachen dann ja auch noch zusätzlichen Verkehr …

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