Mediamarkt Online – Eine Erfolgsgeschichte

Mediamarkt.de ist wieder online mit einem richtigen Online Shop. Es gibt bisher viel Kritik zu dem Shop, die aus meiner Sicht so nicht berechtigt ist. Deshalb nehme ich das Angebot von Alex gerne an und veröffentliche diesen Gastartikel zu Mediamarkt Online. Die vorherrschende Meinung auf diesem Blog ist bisher auch sehr kritisch, obwohl die Herleitung der “Warum kann Mediamarkt Online nicht funktionieren” teilweise gute Erklärungen bereithält.

Die meisten Kritiken beziehen sich auf die technische Umsetzung des Shops. Zu wenig Artikel, schlechtes SEO, kaum Social Media Krams, schlechte Produktlupe usw.. Da hätte die umsetzende Agentur sicherlich etwas besser aufpassen müssen, aber wichtig für Mediamarkt (MM) ist, dass der Shop nun online ist und die Nachfragepower online nicht mehr ziellos verpufft. Die meisten Kritiker lassen die notwendige Weitsicht vermissen, die für dieses Projekt angemessen ist. Ich versuche das mal anhand der wichtigsten Fakten darzustellen.

  • Die Schließung des mediaonline Shops vor einigen Jahren war richtig. Jochen Krisch hat mit seiner Einschätzung zu den “verlorenen Jahren” natürlich unrecht. Ein Shop der defizitär ist und gegen die Strategie der Holding läuft, darf und soll nicht weiterlaufen. Richtig ist lediglich, dass es etwas zu lange gedauert hat den neuen Shop online zu nehmen.
  • Die Media-Saturn-Holding (MSH) hat den Anspruch der Marktführerschaft stationär und online. Nur MSH kann aus meiner Sicht die notwendigen Ressourcen aufbringen, um Amazon in Europa mittelfristig Konkurrenz zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss eine ganzheitliche Multi-Channel-Strategie etabliert werden, die sich vor allem in der Verknüpfung von On- und Offline zeigt. MSH kann Amazon einfach kopieren, aber die stationäre Handelsmacht aufzubauen die MSH hat, wird für Amazon sehr schwer.
  • Die aktuelle Verknüpfung von MSH Online zu den stationären Geschäften finde ich sehr intelligent gelöst. So werden die stationären Einheiten gestärkt und stehen mental hinter den weiteren Online Projekten der Holding.
  • Der Kauf von Redcoon, der hier richtig prognostiziert wurde, sieht aus Sicht der Kritiker aus wie die Langfriststrategie zur Besetzung der Flanke “Onlineshop”. Das ist natürlich wieder zu kurz gedacht. Mit Redcoon schafft MSH wesentliche Ressourcen in der Holding, um dem Anspruch auf Marktführerschaft gerecht zu werden.
  • Wer die Stellenausschreibungen von MSH aufmerksam verfolgt, wird erkennen, dass in Ingolstadt eine mächtige E-Commerce Kompetenz entsteht, die noch für einige Überraschungen sorgen wird. Mediamarkt Online ist nur ein Anfang.
  • Die Online Kritiker übersehen in der Regel auch, dass die Zielgruppen Online und Offline sehr heterogen sind. Wenn MSH schafft die bisher offline kaufenden Kunden auch online adäquat zu bedienen und zu binden, sind erhebliche Umsatzeffekte möglich.
Das sind nur einige Punkte, die MSH aus meiner Sicht in ein deutlich positiveres Licht rückt. Das Geschaffte ist aus meiner Sicht beeindruckend und ich freue mich auf weitere Erfolgsgeschichten von MSH.

 

Zum Gastautor: Paul Verfechter kennt sich aus mit dem Internet. Er ist einer der profiliertesten Investoren in der (Ost-) Deutschen Webszene und berät Industrie &  Banken bezüglich ihrer strategischen Ausrichtung im Web. (Pauls Website). Er war schon oft erfolgreich und behält mit seinen Prognosen manchmal recht. 1999 war er als leitender Berater für ein großes Handelshaus aus Nürnberg/Fürth tätig, und prägte im Bezug auf die Erfolgsaussichten zu Amazon.com damals den Satz. “Niemand wird jemals erfolgreich Bücher im Internet verkaufen.” Aktuell sucht er Mitarbeiter für sein neues Büro in Ingolstadt.

4 Gedanken zu “Mediamarkt Online – Eine Erfolgsgeschichte

  1. Hallo Paul,

    klar ist der Start des Onlineshops der richtige Schritt, was ich auch erwähnt habe, aber die Umsetzung ist so schwach, dass “etwas besser aufpassen” aus meiner Sicht untertrieben ist.
    Ob Stellenausschreibungen schon ein Indiz für künftigen Erfolg sind, würde ich auch bezweifeln.Außerdem könnten es langfristig auch Google, ebay und die chinesischen Mitstreiter im Kampf mit Amazon aufnehmen.
    Was aber wohl entscheidend für einen Misserfolg von Media Markt Online sein könnte, ist die unzureichende wettbewerbsfähigkeit der Preise. Vergleichen ist kein Geheimnis mehr im E-Business!
    Die Grundlage wurde geschaffen aber es ist noch einiges zu tun.

    Grüße und ein schönes WE

  2. Der MediaOnline Shop wurde eingestellt, gerade weil er erfolgreich bzw. profitabel zu werden drohte. Die damalige “Strategie der Holding” war ein Zugeständnis an den überproportional hohen Einfluss der Regionalfürsten, die diesmal mit einer prozentualen Beteiligung an den Shop-Umsätzen befriedigt werden sollen. Die Querelen der letzten Monate um die Unternehmensgründer zeigen deutlich, dass hier noch längst nicht das letzte Wort gesprochen ist. Und unter dem selbst verordneten Zwang, online und offline die selben Preise anbieten zu müssen, hat der Shop in jedem objektiven Preisvergleich längst und auch langfristig verloren – und dies ist, abseits von allem Werbetamtam, der Traffic-Kanal Nr.1 im Internet.

    Man hätte das durch etwas “Social Media Krams”, SEO und ähnliche Massnahmen mehr oder weniger vollständig kompensieren können. Hat man nicht, warum auch immer, vielleicht richtet’s ja die zukünftig angeworbene “E-Commerce Kompetenz”.

    “Notwendige Weitsicht” bedeutet nicht nur, dass man weit nach vorne plant und sich enorm viel vornimmt. Weitsicht bedeutet im E-Commerce auch, dass man sich das erweiterte Umfeld zum aktuellen Zeitpunkt anschaut und realistisch einschätzt, was heute Standard ist.

    Unter diesen Aspekten ist der Shop ein Armutszeugnis und bewegt sich allenfalls auf dem Niveau einer kleineren Elektroklitsche.

  3. Pingback: Abo Commerce | Kassenzone

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