Beiträge vom September, 2010

Viral verpufft – Tipp Ex

Montag, 13. September 2010 21:00

Momentan kann man sich kaum noch retten vor lauter Empfehlungsmails, die den Tipp Ex Werbespot empfehlen. Bei Google Blogsearch finden sich fast nur 100% positive Stimmen um den ach so tollen viralen Wert der Kampagne.

Die Zugriffszahlen sind tatsächlich beeindruckend. 6,5 Mio Abrufe mit steigender Tendenz (siehe Abbildung #1) sind schon sehr imposant. Das führt dazu, dass Viral- und Social Media Agenturen mal wieder einen Grund haben bei Unternehmen zu pitchen und ihre tollen Videoideen vorzustellen.

In dieser Situation sollte man sich aber kurz zurücklehnen und fragen: Was hat dieses Video eigentlich gebracht? Wenn man der Google Insights for Search Prognose glaubt (siehe Abbildung #2), dann bringt es außer einem kurzfristigem Hype gar nichts. Ich glaube dem Tool, weil

  • es totaler Humbug ist einen solchen Spot für das offlinigste Werkzeug aller Zeiten zu entwickeln.
  • niemand mehr Tipp Ex verwendet in einer immer stärker digital werdenden Welt.
  • die Tipp Ex Verwender (wahrscheinlich) ohnehin kein Internet haben.
  • viraler Erfolg nichts mit der Conversion im Laden zu tun hat.
  • für die meisten der Videonutzer gar nicht käuflich erhältlich sind. Hat einer von euch schon einmal Tipp Ex in einem russischen Supermarkt gesehen.

Ich finde die Aktion übrigens auch sehr lustig. Es ist allerdings müßig zu erklären, dass solche Aktionen nichts mit dem Thema Conversion (=Geld) zu tun haben. Es bringt in der Regel nur etwas für die Marke und für die erstellende Agentur. Und das ist im Internet mE zu wenig.

Abb 1: Abrufstatistik Tipp Ex Video

Abb 1: Abrufstatistik Tipp Ex Video

Abb 2: Prognose Google

Abb 2: Prognose Google

Interessant: In Hessen, Berlin & Co. ist der Hype noch nicht angekommen.

Thema: Commerce | Kommentare (35) | Autor:

Bürgermeister gesucht

Montag, 6. September 2010 9:39

Beim Kaffeeklatsch in Kiel mit Steffen von Kaffeeringe habe ich ein interessante Infos über das Wahlsystem in Deutschland erhalten. Bisher bin ich nur in der Wahlkabine damit in Berührung gekommen, aber nun weiß ich: Jeder Bürger kann/darf Bürgermeister werden.

Bürgermeister….. das klingt irgendwie wichtig. Das hat Aura. Das hat “Reichweite”. Menschen hören einem zu. Und da wird es doch für die vielen neuen Online Geschäftsmodelle interessant, die eher lokal orientiert sind und auf lokaler Ebene Partner brauchen. Dazu gehören z.B. diverse Portale (meinestadt….) oder Plattformen (kaufda, groupon…). Diese haben Interesse an “lokaler” Reichweite, weil ihre Services entsprechend geclustert sind.

Die Kandidatur als Bürgermeister hätte in diesem Fall natürlich nicht Ziel tatsächlich gewählt zu werden, sondern von den diversen Reichweiten Aktionen + Gesprächsterminen zu profitieren:

  • Kandidatenvorstellung im Rathaus
  • Berichte in lokalen Zeitungen
  • Diskussionen in lokalen Foren
  • Gesteigerte Aufmerksamkeit für die eigenen Aktivitäten
  • ….

Dem gegenüber stehen verhältnismäßig geringe Kosten. Eine Website + Text + Foto + Reisekosten für formale Termine und Interviews. Ich glaube es ist noch nicht mal notwendig eine Partei zu gründen = tolle Kostenersparnis. Auf der NRW Website finden sich dazu ein paar interessante Infos, die das Ziel haben mehr Bürgermeister Bewerber zu bekommen. Einen KPI Vergleich zu klassichen (Online-) Reichweitenkanälen schenke ich mir an dieser Stelle. Es ist ja schon jetzt klar ersichtlich, dass bei stark lokal geprägten Geschäftsmodellen die Kandidatur durchaus helfen kann. Wenn das Geschäftsmodell der Komune wirklich weiterhilft, dann ist es ggf. sogar moralisch legitim nur dafür zu kandidieren.

Vote for Kassenzone

Vote Kassenzone

Wirklich lohnen wird sich das System wohl in kleinen bis mittleren Komunen in denen es nur 1-3 Bewerber gibt. Das sind in der Regel Städte bis 50.000 Einwohner. Eine Recherche über die letzten Wahlen in diesen kleinen Komunen zeigt, dass es durchaus schon vergleichbare Ansätze mit parteilosen Kandidaten gibt. Diese vermarkten aber lediglich sich selbst und kein Geschäftsmodell. So schlecht und profillos wie die meisten Wahlkämpfe geführt werden, sind die Wahlchancen bei einigen Komunen ggf. auch gar nicht so schlecht. Parteien mit Web 2.0 optimierten Websites  (Foren, Umfragen, Abstimmungen, super Usability) sind nicht zu sehen, aber die Menschen suchen scheinbar danach.

Ok – es ist wirklich eine Schnapsidee. Aber sucht mal in eurer Stadt bzw. nächstkleineren Komune nach der letzten Bürgermeisterwahl und schaut euch mal die erreichten Reichweiten der Kandidaten in den Tageszeitungen & Co. an. Allein für den Aufbau von Backlinks könnte das interessant sein :-) .

Thema: Ideen | Kommentare (8) | Autor:

Daten als Produktionsfaktor im E-Commerce

Donnerstag, 2. September 2010 12:44

Irgendwo habe ich vor ein paar Wochen einen Absatz zum Thema “Veränderte Produktionsfaktoren” gelesen. Ich kann die Quelle leider nicht mehr finden, aber das hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Möglicherweise ist das im Rahmen der Diskussion um die Netzneutralität gewesen. Ein Fall bei denen die Lummas und Lobos in diesem Land ihr Kürzel unter irgendetwas PR-wirksames setzen, um wieder ihre Auslastung für Social Media Gedöns Workshops zu erhöhen.

Wenn man genauer über das Thema nachdenkt, dann zeigt sich diese Faktorenveränderungen doch recht deutlich. Wir hatten das im Rahmen einer VC-Life-Cycle Betrachtung schon einmal. Dort hat sich die Bedeutung von Kapital und Know How massiv verändert.

Während früher (in der offline Zeit) der Erfolg eines Unternehmens relativ stark von den drei Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden abhing, ist das für die meisten Online Geschäftsmodelle nicht mehr der Fall. Boden spielt im Internet keine Rolle mehr (abgesehen von Domains) und auch die Bedeutung von Kapital hat sich verringert (siehe VC Beitrag). Arbeit ist eher wichtiger geworden, allerdings ist damit nicht mehr die Massenarbeit/Stückarbeit gemeint, sondern der Zugang zu Know How. Ein guter Programmierer ersetzt hundert dumme.

Zu den drei “alten” Produktionsfaktoren gesellt sich nun ein neuer. Daten bzw. der Zugang dazu spielt eine immer größere Rolle für den Erfolg von Online Geschäftsmodellen. Insofern halte ich die Google Aktie noch für deutlich unterbewertet. Wenn Google seine Daten tatsächlich vollständig nutzen könnte, dann wären noch viel mehr Profite möglich. Das erklärt ggf. auch die hohe Bewertung von Geschäftsmodellen die noch gar kein Geld verdienen (Twitter, Facebook, lastfm…). Sie produzieren massenweise Daten mit denen man (ggf. erst morgen) viel Geld verdienen kann.

In der Abbildung habe ich das versucht schematisch darzustellen:

Veränderung von Produktionsfaktoren

Veränderung von Produktionsfaktoren

Aber was heißt das nun für E-Commerce Geschäftsmodelle? Dazu ein paar Thesen:

  • Bewertungen von Online Geschäftsmodellen die “nur” mit der Anzahl von Mitarbeitern und (nicht-profitablen) Umsätzen werben verändern sich. Das heißt z.B. für ein Modell wie Brands4Friends, dass die Generierung von Nutzerdaten (Interessen, Kaufabsichten…) mittelfristig höher zu gewichten ist, als die reine Umsatzhöhe.
  • Geschäftsmodelle die auf vorhandene Daten aufsetzen und ggf. neue generieren sind mittelfristig noch interessanter. (z.B. polyvore)
  • Die Fähigkeit Geschäftsmodelle komplett datenbasiert zu steuern bzw. zu 100% Daten als Steuerungsmechanismus zu verwenden erhöht die Zahlungsbereitschaft für solche Geschäftsmodelle bzw. für Personen mit entsprechendne Know How. Heute werden die meisten Shops z.B. eher aus einer klassichen Marketingsicht gesteuert. Sieht die Kategorieseite hübsch aus?
  • Geschäftsmodelle die keinen Gewinn produzieren, aber massiv Daten sind äußerst wertvoll. (siehe Twitter)

Thema: Commerce, Technologie | Kommentare (18) | Autor: