Beiträge vom Mai, 2010

Amazon als Social Commerce Verlierer

Montag, 31. Mai 2010 21:12

Auf Techcrunch findet sich ein kleiner Veriss über Amazon, der die fehlenden Social Commerce Aktivitäten des Konzerns anprangert.

All of the panelists seemed to agree that Amazon will continue to reign supreme in “commodity commerce” but will not be able to lead social commerce. Kalin stated, “I think Amazon is doing a good job monopolizing the boring way of shopping.” Caplan agreed, saying that “Amazon will own commodity commerce. They won’t lead the way to relationship commerce and more and more people are craving relationships in shopping.”

Zumindest scheint Amazon damit oberflächlich die Sicht des Kapitalmarkts zu vertreten, der bei isolierten Social Commerce Investements eher zurückhaltend agiert.

Der Artikel nennt als Erfolgsbeispiele Groupon, Gilt & Vente Privée. Das ist aus meiner Sicht sehr kurz gegriffen. Es erstaunt mich sehr, dass auch im US Markt Social Commerce Geschäftsmodelle immer noch so isoliert betrachtet werden und insbesondere (siehe die Beispiele) nur Geschäftsmodelle mit einer hohen Netzwerkabängigkeit als Erfolgsbeispiele genannt werden:

Qype Gründer und Avocado Store Betreiber Stephan Uhrenbacher hat kürzlich auf einer Konferenz etwas interessantes gesagt: Entweder schafft man Reichweite über Suchmaschinen (Google, Günstiger…) oder über Netzwerke (Twitter, Facebook, direkte Kontakte…). Klassischerweise haben sich Shops immer im vorderen Bereich platziert. Ausnahmen waren bisher eher die Shopping Clubs.

Um erfolgreich im Social Commerce aktiv zu sein muss man sich nun aber keinen Shopping Club kaufen. Wer es schafft mit seinen Services neben den klassischen Akquisitionskanälen auch (Menschen-) Netzwerke als Akquisewerkzeug zu nutzen und damit auch langfristig skalieren kann, ist erfolgreicher Social Commerce Aktivist. Das würde ich Amazon auf jeden Fall zutrauen. Dazu zählen übrigens nicht die 35€ Gutschein Aktionen bei Facebook und Twitter! Verschenken kann jeder. Es wird mal Zeit, dass ich unseren Social Commerce Artikel von 2008 aktualisiere.

Update: Schöner Zusatz noch im socialcommerce Blog:

….Indeed, when we run social commerce workshops, we warmup with a ‘count the number of social features on Amazon’ game.  We challenge you to find a more social e-commerce site! Here’s a list of social features apparent from a cursory glance at Amazon

  • Ratings and Reviews
  • Discussion Boards
  • Popularity Lists
  • Public Profiles
  • Follow Lists
  • Share to Twitter
  • Amazon Associates Widgets
  • Personal Recommendations
  • Listmania Lists (User Generated Best of..)
  • Gift Registry
  • Wish List
  • Communities
  • RSS feeds

To name but a few….

Die Aufzählung betrifft zwar soziale Elemente, ist aber noch nicht wirklich social commerce. Amazon hat die o.g. Elemente insbesondere für SEO und Conversionzwecke im Einsatz und nicht wirklich zur Interaktion mit dem Kunden.

Thema: Commerce | Kommentare (11) | Autor:

Meer Barcamp in Kiel 13./14. August

Freitag, 28. Mai 2010 16:18

In der wunderschönen Stadt an der Kieler Förder (disclosure: ich wohne da) findet am 13. & 14. August das erste Kieler Barcamp statt. Aufgrund der guten Erfahrungen beim Barcamp Hamburg wurde auch die Freitags-/Samstags Kombination gewählt.

Die Software und IT Landschaft ist durch diverse Firmen in Kiel bereits sehr gut vertreten, aber eine “Szene” entwickelt sich er jetzt langsam und wird u.a. liebevoll von Steffen (kaffeeringe.de) gepflegt. Das Barcamp lohnt sich damit auch für Einsteiger und ist mit ca. 80-140 Teilnehmern schön überschaubar. Noch sind ein paar Plätze frei. Den freien Sonntag kann man ja dann am Strand verbringen oder eine Runde segeln.

Thema: Allgemein | Kommentare (3) | Autor:

Multichannel – Erfolgsgarant oder Mythos?

Mittwoch, 26. Mai 2010 11:43

Jochen hat bei excitingcommerce.de vor ein paar Tagen einen schönen Artikel zum Thema “Multi-Channel-Händler als Verlierer im E-Commerce?” geschrieben.

Als Basis für diese These dient eine Schweizer Studie die im wesentlichen darauf basiert, dass ehemalige Multi-Channel Akteure sich nun stärker auf den Online Handel fokussieren. Jochens Fazit:

Im Gegensatz zu gesättigten Märkten ist in Wachstumsmärkten die Fokussierung auf den wachstumstreibenden Kanal entscheidend für den Erfolg. Das zeigen die Zahlen zwar schon lange, das hat die Branche aber bisher nicht davon abgehalten, am Multi-Channel-Mythos festzuhalten.

Warum auch? Schließlich verdient die Branche (Systemanbieter, Dienstleister, Agenturen und Berater) mit den Multi-Channel-Anbietern am besten – bis die Pleite sie scheidet (“Beginnt jetzt die Zukunft des deutschen Versandhandels?”)

Der ein oder andere Leser von Jochen wird in diesem Markt (gut) leben und kann sich entsprechend kaum mit dem Fazit anfreunden. Die Kommentare sind entsprechend unterhaltsam:

Marcel:

Ich finde die Beweislast erdrückend: Online-Business ist aufgrund seiner Prozesse und Business-Regeln ein eigener Markt. Es ist doch logisch, dass die Erfolg haben, die sich diesen Spielregeln am besten anpassen. Wer Tischtennis UND Tennis mit einem Schläger spielen will, der wird weder hier noch da erfolgreich sein. Sich das eine oder andere beim anderen Spiel abzuschauen ist ja etwas anderes.

Oder um es in der Kommentarqualität von Guuter Freund zu sagen: Logisch! :-)

derTrickle:

Naja, ich finde die Beweislast auch sehr erdrückend:
- der Multichannel-Spezialversand überlebt mit schlanken Prozessen und Retail-KnowHow die allermeisten hochgelobten Online-Startups

- Selbst reine Onliner erkennen die Effekte (Reichweite, Branding, …) des Multichannel und gehen in weitere Kanäle, z.B. Cyberport

Dass ein Kanal “halbherzig vorangetrieben” überhaupt keinen Sinn macht versteht sich doch von selbst, egal welcher – daraus allerdings ein Defizit einer starken Multichannelstrategie abzuleiten halte ich für schlicht falsch und zu kurz gesprungen…

Aber @Jochen: schön polarisierend geschrieben :)

Diese Diskussion kann man sicherlich ewig führen, wenn man nur die Marktaktivitäten untersucht und nicht auf einzelene Akteure abstellt. Es gibt genug Beispiele für erfolgreiche Multichannel Aktivitäten und für Pure Online Aktivitäten. Das lässt sich genauso wenig vergleichen wie Bus und Taxi, weil die Unternehmungen in der Regel viel zu unterschiedlich sind.

Genau das sollte man aber erkennen. Es gibt kein isoliertes Multichannel Geschäftsmodell, also auch keine Multichannelstrategie im Sinne einer Geschäftsstrategie. Ein Unternehmen mit begehrenswerten Services kann sowohl online als auch offline erfolgreich sein. Im Idealfall kann es vielleicht sogar beides. Im aktuellen Marktumfeld tut man sich mit einem verbundenen Ansatz schwer, weil der Online-Markt sich zu schnell verändert und man genug mit technologischen Anpassungen zu tun hat, so dass man schwerlich ein z.B. stationäres Modell andocken kann das in der Regel deutlich unbeweglicher ist.

Ich würde Jochen zustimmen wenn er sagt, dass Multichannel gegen Online verliert. Das hat mE etwas mit dem eben genannten Zusammenhang zu tun. Zudem ist es deutlich schwerer für marktgerecht träge agierende Offline Unternehmen sich dem Online Markt zu nähern, als für wettbewerbsgeplagte agile Online Unternehmen mal eben einen Store zu eröffnen. Dann ist man zwar bi-channelig unterwegs, aber man verfolgt noch lange keine Multichannel Strategie.

Wes heißt das nun? Ich kann mir gut vorstellen, dass langfristig die Unternehmen erfolgreich sind die tatsächlich mehrere Kanäle bedienen können, weil sich bestimmte Synergie/Skaleneffekte einstellen die kanalisoliert kaum machbar sind. Das setzt allerdings Exzellenz in allen “Kanälen” voraus. Ein mittelmäßiger Store und eine mittelmäßige Website sind am Ende ein  schlechtes Ergebnis, weil man auf beiden “Kanälen” verliert.

Thema: Commerce | Kommentare (10) | Autor:

Endlich mal ein E-Commerce Blog zum Thema “Wie verkauft man online?”

Dienstag, 18. Mai 2010 9:39

Herzlich willkommen shopanprobe.de. Das Blog kann ich schon nach den ersten beiden Artikel uneingeschränkt empfehlen, weil es von zwei sehr sehr kompetenten otto.de Fachleuten (privat) betrieben wird und entsprechend Erfahrung in die Artikel einfließt.

Selbstdarstellung:

Wie verkauft man eigentlich im Internet am besten Mode? Um diese Frage geht es im wesentlichen in der Shopanprobe. Hier werden existierende Modeshops begutachtet und bewertet hinsichtlich von Funktionen, Aufbau der Shops, Produktpräsentation und Usability. Wir schauen uns auch die Sortimentsstrategie an und kommentieren Studien und Erkenntnisse und Vorhersagen.

Ich bin gespannt auf viele interessante Analysen und Kommentare. Viele Grüße in den 6. Stock.

Thema: Bloggen | Kommentare (3) | Autor:

Online Geschäftsmodelle lohnen sich zunehmend weniger

Montag, 17. Mai 2010 6:16

Am Wochenende hatte ich endlich mal Gelegenheit mit  Statista.com Daten herumzuspielen. Als Beispielcase habe ich mich an einer eher provozierenden These versucht: Online Business lohnt nicht, weil Werbeausgaben bzw. Nutzeraufbau langsamer wachsen als das entsprechende Angebot (Content, Shops…) wächst. Die Wettbewerbsintensität steigt deshalb zu stark an.

Der Beweis:

  • Die Anzahl der Internet Hosts/Domains wächst stark  [Quelle]
  • Die Qualität/Quantität des Contents der Domains über die Zeit wächst im gleichen Maß mit [Annahme]
  • Die Anzahl der Internetnutzer weltweit/Europa wächst [Quelle]

Trägt man die Werte in einem Diagramm ab, sieht man tatsächlich, dass die Steigung der Angebotskurve (Anzahl Websites) deutlich steiler ist als die Steigung der Nachfragekurve (Anzahl Nutzer). Leider fehlt mir die Angabe der Websites in/für Europa, aber die lässt sich aufgrund der Domaininternationalität auch kaum statistisch ermitteln.Die Steigung der Kurve habe ich mit der Compound Annual Growth Rate (CAGR) dargestellt, die das Jahr zu Jahr Wachstum der einzelnen Funktionen angibt.

Anzahl Nutzer, Anzahl Websites

Anzahl Nutzer und Anzahl Websites im Vergleich (in Mio.)

Mit etwas Phantasie könnte man auch sagen, dass Europa als Markt für Online Geschäftsmodelle etwas weniger attraktiv ist im Vergleich zum Rest der Welt, weil dort das Nutzerwachstum stärker ist und deshalb der Wettbewerb etwas geringer. Interessant wird es, wenn man die Online Werbeausgaben gegen die Anzahl der Domains hält.

Werbeausgaben, Anzahl Websites

Werbeausgaben (Mrd.) und Anzahl Websites (Mio.) im Vergleich

Diese Statistik überrascht etwas mehr. Rein werbebasierte Geschäftsmodelle waren in den letzten Jahren gemäß dieser Statitik relativ attraktiv, weil der relative Wettbewerb in diesem Feld geringer geworden ist. Dazu gehört natürlich auch die eher mutige Annahme, dass das Webangebot in Deutschland analog zum weltweiten Angebot gewachsen ist. Aus diversen Quellen ist zudem zu vernehmen, dass die Ausgaben für Online Werbung in den nächsten 3-5 Jahren weiterhin stark steigen und Budgets aus der TV Werbung verlagert werden. Ich wage aber zu bezweifeln, dass die Online-Budget weiterhin mit ~30% wachsen.

Fazit & Statista Bewertung:

Statistiken, insbesondere neu aggregierte sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, weil man damit quasi alles beweisen kann. Insbesondere die zweite Grafik hier könnte hier zu falschen Schlüssen animieren. Bei genauer Analyse der Wettbewerber um Online-Werbegelder, wird man eine steigende  Konzentration der gewinnenden Geschäftsmodelle bzw. Websites feststellen können. Eine Gleichverteilung der Werbebudgets auf alle im Wettbewerb vertretenen Websites kann ausgeschlossen werden und es ist fest davon auszuegehen, dass das Werbebudget mittelfristig viel langsamer wächst als die Anzahl der um dieses Budget konkurrierenden Websites.

Aus meiner Sicht eignet sich Statista gut für diese Art von kurzweiliger Datenanalyse. Der Pool an zur Verfügung stehenden Statistiken ist groß und die Statistiken lassen sich in der Regel als .xls abspeichern, was die Nachbearbeitung stark vereinfacht. Für tiefergehende Analysen muss man allerdings noch einmal selber auf Quellensuche gehen, weil Statista im Vergleich zum Google Fundus nur einen kleinen Ausschnitt bereithält. Vielleicht kann Statista sein Geschäftsmodell zu einer Art Meta-Suchmaschine für Statistiken erweitern und den Google Fundus damit etwas vorsortieren. Das wäre sher cool.

Thema: Strategie | Kommentare (11) | Autor: