Beiträge vom Februar, 2010

ClubSale Evolutionsphasen

Montag, 22. Februar 2010 7:17

In der letzten Woche gab es bei Jochen Krisch einen Artikel zu den Geschäftszahlen der Gilt Groupe. Neben den sehr beeindruckenden Umsatzwerten und Wachstumsvorhaben, ist mir der folgende Satz aufgefallen:

2010: 35 bis 40% der (Marken-)Ware soll dann exklusiv für Gilt produziert werden.

Das ist in dieser Form neu. Zwar wird im Markt immer wieder kolpotiert, dass die hiesigen ClubSale Anbieter bereits Ware exklusiv produzieren lassen, aber das bezog sich bisher immer auf bestehende Kollektionen die für die Nachfrage in den Clubs neu aufgelegt wurde. Gilt geht nun noch einen ganzen Schritt weiter. Einen Schritt der vom Vente Privée CEO im Interview bei Kassenzone.de vehement bestritten worden ist. Er betrachtet Gilt aber auch nicht als Konkurrenten von Vente Privée, sondern vielmehr als Yoox.com Derivat. Über diese Sichtweise lässt sich sicher streiten – aus Konsumentensicht ist es allerdings ein Club. Ich gehe davon aus, dass alle größeren Clubs diesem Beispiel folgen, wenn es deren Kernsortimente zulassen, und die Entwicklung wird sogar noch weitergehen:

  • Phase 1: Overstock Selling – Das ist die Grundidee der Clubs. Je nach Betrachtungsweise wird es als preisdiskriminierender Erlöskanal für Marken vermarktet oder als Tool zur Kostenreduktion ohne Markenwerte zu gefährden.
  • Phase 2: Ergänzung mit MiniMarken – Die Skalierung ist die eigentliche Herausforderung der Clubs. Weil nicht schnell genug große Marken gewonnen werden können, wird auf kleine unbekannte Marken als Ergänzung zurückgegriffen. Diese Marken werden durch die Clubs teilw. erst zu Marken und müssen dafür ggf. sogar bezahlen.
  • Phase 3: Ergänzungsproduktion – Die hohe Nachfrage muss bedient werden, um unzufriedene Nutzer zu vermeiden. Dafür wird bei vielen Aktionen Ware extra nachproduziert, um z.B. fehlende Artikel zu ergänzen. In Phase 3 sind mE alle größeren Clubs mind. angekommen.
  • Phase 4: Eigene Offline/Online Sales Channel – Vente Privée hat einen eigenen stationären Kanal, um Rest-Restbestände abzuverkaufen. Das ist auch bei anderen Anbietern zu erwarten, entweder online oder offline. Bei Vente Privée muss man allerdings erwähnen, dass sie aus dem Stationärhandel kommen.
  • Phase 5: Eigene Kollektionen – Das erleben wir nun bei Gilt. Ware die es niemals im Stationärhandel geben wird, gibt es bei einem Club als Aktion. Das verändert die Rolle des entsprechenden Clubs maßgeblich. Damit wird er ein direkter Konkurrent der großen Fashion-Ketten.
  • Phase 6: Eigenmarkenproduktion – Aufgrund von Margendiskussionen, ggf. getrieben durch einen Börsengang, werden Gilt & Co. eigene Marken produzieren und vermarkten. Das haben sie bereits in Phase 2 gelernt und wissen das nun zu skalieren. Wichtig ist nur eine gute Mischung aus Fremd- und Eigenmarken. Das Erfolgsrezept aller guten Onlineshops.
  • Phase 7: Eigene Stores – Gilt & Co. eröffnen eigenen Flagshipstores in den großen Metropolen und sind damit etablierter Teil der Fashionindustrie geworden. Das Geschäft hat kaum noch was mit Phase 1 zu tun.
  • Phase 8: Die Fashionindustrie hat sich verändert :-)

Auch wenn das nicht allen Kunden gefällt, sie werden es ggf. nicht mal merken.

But neither Gilt nor the designers have any interest in letting customers know which items were made specifically for the site. “Gilt doesn’t tell you, as a shopper, that it’s ‘exclusive for us,’ ” admits one designer. “I think they want the shopper to think it is part of the regular collection.” The “discount” advertised on Gilt’s site is based on what the designer calculates a department store could have charged, even though the item was never intended to sell retail.

Thema: Commerce | Kommentare (4) | Autor: Alexander Graf

E-Commerce & M-Commerce Orakel 2010

Donnerstag, 18. Februar 2010 7:17

Nachdem wir mit unserem Thesenrückblicken für 2009 bewiesen haben, dass unsere Vorfahren irgendwie aus Delphi kommen müssen, können nun die die E-Commerce & M-Commerce Fragen für 2010 an das Kassenzone.de Orakel gestellt werden. Wir werden die interessantesten Fragen dann in unseren Thesen für 2010 verarbeiten. Möglich wäre z.B.:

  • Welcher Groupon Klon gewinnt?
  • Welches Handy soll ich mir in 2010 kaufen?
  • Lohnt sich ein Investment in ein Social Commerce Startup?
  • Färbt sich meine Frau 2010 die Haare? Werde ich schwanger?
  • Wird brands4friends.de auch seinen Umsatz ausweisen statt nur der PR geeigneten Nachfrage?
  • Klont sich Oli Samwer selbst oder kopiert er den Haarschnitt von Marc?

Los gehts! Die Kommentare warten auf Dich.

Thema: Commerce | Kommentare (3) | Autor: Alexander Graf

Rückblick: 9 Mobile und M-Commerce Thesen 2009

Dienstag, 16. Februar 2010 8:20

Nachdem Alex bereits festgestellt hat, dass 80% der E-Commerce Thesen von 2009 bestätigt wurden, wage ich nun einen Rückblick auf meine 9 Mobile-Thesen von 2009.

1. Nutzung des Mobilen Internets steigt

These: Mobile Internet bleibt weiterhin in der Nische, All-In-Flatrates verbreiten sich zusehends.
Bewertung:
Der BVDW hat gerade errechnet, dass die Nutzung des Mobile Internets bis zu 24% im letzten Jahr billiger geworden ist. Eine Vielzahl an All-In-Flatrates gibt es jedoch leider noch immer nicht. Insgesamt stehen wir bei der Nutzung des Mobile Internets jedoch noch auf dem Level der Internetverbreitung von 1999. Die Erwartungen für dieses Jahr sind jedoch umso größer.
Trefferquote: 70%

2. Mobile optimierte Internetseiten weiterhin relevant

These: Das iPhone (als Handy mit einem der besten mobilen Browsern) zeigt, dass speziell optimierte Mobilesites/ Inhalte dauerhaft hoch relevant sein werden.
Bewertung: Trotz des enormen Wachstums an iPhone-Klones Smartphones scheint inzwischen deutlich zu werden, dass mobil-optimierte Websites nachwievor für ein gutes Nutzererlebnis notwendig sind. Auch in absehbarer Zeit bedingen die Handydisplays somit Extraseiten. Dass diese “Extraseiten” nicht gleichbedeutend mit hässlich sein müssen zeigen insb. die Smartphone-optimierten mobilen Sites. Erschreckend rückständig sind in diesem Zusammenhang leider noch die Aktivitäten der deutschen E-Commerce Unternehmen. Kaum einer der Web-Shops verfügt über ein mobiles Äquivalent.
Trefferquote: 100%

3. Mobile TV scheitert weiterhin

These: 2009 wird mobiles Fernsehen (à la DVB-H) in Deutschland weiterhin kein Thema sein. Nur Streamingvideos (u.a. YouTube Mobile) werden eine halbwegs relevante Nutzung erfahren.
Bewertung: DVB-H ist erwartungsgemäß an einer Wiederauferstehung gescheitert. Auch in absehbarer Zukunft kann ich mir DVB-H in Deutschland nicht vorstellen. Im Gegensatz dazu weist Youtube auf allen Smartphones eine gute Nutzung auf. Auch die Aktivitäten seitens T-Home mit der Übertragung der Bundesliga in einem ersten kostenfreien Test Mitte 2009 regte die Phantasien an. In letzter Zeit ist es hierum jedoch auch recht still geworden.
Trefferquote: 100%

4. Netzbetreiberportale sind tot

These: Die Nutzer rufen direkt mobile Internetseiten auf, werden zu mobile optimierten Seiten automatisch umgeleitet oder nutzen “normale” Webseiten.
Bewertung: Subjektiv betrachtet nehme ich in meinem direkten Umfeld kaum noch eine Nutzung der Netzbetreiberportale wahr. Wie erwartet hat die Smartphone-Verbreitung auf das mobile Surfverhalten einen massiven Einfluss, d.h. es nähert sich im Verhalten an die PC-Nutzung an. Startpunkte für den Internetzugang werden so insb. Google oder der direkte gezielte Aufruf von Websites.
Trefferquote: 90%

5. Always Connected – Mobile Kommunikation löst klassische Kommunikation ab

These: mobile Kommunikation wird über Instant Messaging, Twitter, Skype, E-Mail zunehmend die Internetverbindung zur Hilfe nehmen, allerdings noch weiterhin ein Nischenthema.
Bewertung: Mobile Kommunikation über Social Networks, via Twitter, E-Mail oder Instant Messaging hat zweifellos letztes Jahr massiv zugenommen. Allerdings ließ sich nur teilweise ein Einfluss auf die klassische mobile Kommunikation (insb. Telefonie, SMS) erkennen. Vom teilweisen Ablösen der klassischen Kommunikation ganz abzusehen.
Trefferquote: 70%

6. Mobile Advertising noch mit geringer Relevanz

These: die Größe der erreichbaren Zielgruppe wird jedoch auch 2009 einem bedeutenden Wachstum im Wege stehen.
Bewertung: Trotz aktueller Erfolgsmeldungen im Bereich des Mobile Advertistings/Marketings hat der mobile Kanal insb. im Vergleich zum etablierten Onlineumfeld noch eine geringe Relevanz. U.a. die Übernahme von Admob durch Google Ende 2009 verspricht jedoch spannende Perspektiven.
Trefferquote: 100%

7. M-Commerce Geschäftsmodelle I / AppStores

These: Weitere zum AppStore vergleichbare Stores (Android, Blackberry…) werden launchen und versuchen auf den gleichen Zug aufzuspringen. Die Netzbetreiber werden versuchen hier mitzuverdienen.
Bewertung: 2009 war mit Sicherheit des Jahr der AppStores. Alle relevanten Mobile Betriebssysteme besitzen inzwischen einen eigenen Store. Zusätzlich versuchen die Netzbetreiber und Gerätehersteller auf den Zug aufzuspringen. Mehr oder weniger erfolgreich.
Trefferquote: 100%

8. M-Commerce Geschäftsmodelle II / M-Commerce Geschäftsmodelle

These: 2009 werden (leider) noch keine M-Commerce fokussierten Handels-Geschäftsmodelle starten.
Bewertung: Reine M-Commerce Geschäftsmodelle waren 2009 leider noch nicht zu entdecken. Erste Entwicklungen in diese Richtung zeigte z.B. Barcoo.
Trefferquote: 100%

9. Neue M-Payment Versuche

These: Es wird sich 2009 kein Anbieter durchsetzen können.
Bewertung: Neben mpass gab es insb. im deutschen Raum keine nennenswerten Neuerungen oder Entwicklungen im Mobile Payment Umfeld. Und auch mpass zählt nach inzwischen 1,5 Jahren am Markt gerade einmal 21 Partner-Shops.
Trefferquote: 100%

Fazit

Insgesamt betrachtet würde ich mir 90% Treffersicherheit für die beschriebenen Thesen geben. Damit hätten wir uns die zweite Goldene Ananas verdient. Sieht nach einem guten Start ins neue Jahr aus :-)

Thema: Commerce, Mobile, Strategie | Kommentare (2) | Autor: Florian Hermsdorf

10 Tage Nexus One – Erfahrungsbericht

Freitag, 12. Februar 2010 7:17

DAS Google Handy, DAS Android Wunderding, besser als DAS iPhone. Viele Dinge werden über das Nexus One geschrieben und es finden sich sehr detailierte Erfahrungsberichte über das Gerät. Wer technische Details und detailierte Analysen mag, den muss ich hier enttäuschen. Mich interessiert nur, ob sich das Nexus One als Nachfolger für mein aktuelles Handy eignet.

Ich verwende seit fast zwei Jahren das HTC P4550 / HTC TyTN II / Orange & HTC TyTN II / Vodafone VPA Compact V / Vodafone v1615 / SFR v1615 / Swisscom XPA v1615 / T-Mobile MDA Vario III / AT&T Tilt / O2 Xda Stellar / EMobile Emonster S11HT. Das ist alles dasselbe Gerät. Wird Zeit, dass HTC mal eine nachhaltige Brandingstrategie verfolgt. Ich musste also in den letzten 1,5 Jahren mit Windows Mobile 6.1 leben, das Dank vieler Zusatzfeatures (I love you XDA-Developer Forum) aber sehr gut ausgestattet ist. Es wird dadurch trotzdem nicht schöner und besser bedienbar.

Nun bin ich auf der Suche nach einem neuen Handy und konnte dank der DLD Nexus One Spende an eine Kollegin für 10 Tage das neue Google Handy testen. Was kann ich sagen?

Nexus One vs. HTC Tytn II

Nexus One vs. HTC Tytn II

Positiv:

  • Sehr cooler großer Bildschirm
  • Gute Hardware
  • Android
  • Ausreichend viele Apps
  • Relativ intuitiv bedienbar
  • Gute Anleitungen für den vollen Adminzugriff verfügbar
  • Akku ist austauschbar

Negativ:

  • Sehr schlechte Exchange Integration
  • Ein paar Software Bugs (Kleinigkeiten im Vergleich zu Windows Mobile!)
  • Die Buttons auf dem unterem Rahmen haben einen schlechten Druckpunkt
  • Google Navigation geht noch nicht in Europa

Fazit:

Ich kann nicht sagen ob es besser als das iPhone ist. Ist ein Mercedes besser als ein BMW?  Die Frage nach “Was kann es denn Cooles?” kann man nicht wirklich beantworten. Es ist keine neue Handygeneration. Es ist nur ein sehr gutes Telefon. Ich finde es besser als das iPhone, weil es billiger ist und man nicht an Apple gebunden wird, aber 1000x besser als mein aktuelles HTC ist es auf jeden Fall. Die Sofware Bugs werden sicherlich bald behoben sein.  Ich würde es (mit verbesserter Exchange Anbindung) kaufen, wenn es billiger als 300€ ist. Punkt. Vielleicht macht Google nach der DLD Aktion noch eine Blogger Aktion. Da wollen wir natürlich auch eins haben! Wer nicht abwarten kann, sollte sich das Nexus One direkt aus den USA nach Deutschland importieren oder ggf. noch ein paar Wochen aushalten bis es bei T-Mobile & Co. als gebrandete Version für unter 100€ inkl. Vertrag verfügbar ist.

Thema: Mobile | Kommentare (5) | Autor: Alexander Graf

Phase 2 der Groupon-Klones: Groupon-Aggregatoren

Mittwoch, 10. Februar 2010 9:15

Es ist noch gar nicht lange her als die ersten Groupon-Klone den deutschen Markt geentert haben. In diesem Zuge haben sie zum Teil kürzlich erst beachtliche Finanzspritzen erhalten.

Doch verliert man als interessierter Nutzer und Schnäppchenjäger bei der aktuellen Vielzahl an Rabattangeboten schnell die Übersicht. Abhilfe hierfür sollen die Groupon-Aggregatoren schaffen. Ähnlich der Welle von Live Shopping-Aggregatoren (u.a. myliveshopping, liveshoppingaktuell) starten nun die ersten Anbieter, welche sich auf die Zusammenfassung der Grouponangebote konzentrieren. Vier Kandidaten sind bereits gestartet:

1. Couponteria.de

Couponteria war die erste unter den Übersichtsseiten. Hier werden grafisch nicht besonders ansprechend, dafür jedoch sehr aktuell alle Deals zusammengefasst.

Update: Couponteria bietet neben tagesangebote.de ebenfalls einen Feed an (Danke an Christian für den Hinweis). Sehr praktisch!

2. Dealzeit

Dealzeit ist am letzten Wochenende gestartet und somit ganz frisch mit dabei. Die Deals werden automatisch um eine Qype-Bewertung und Karte ergänzt.

3. Dealmob


Dealmob nutzt eine sehr schlichte Darstellung und zeigt in der Übersicht sehr prominent prozentual die erzielbaren Rabatte an. Allerdings fehlt bei mehreren Angeboten eine Angabe des Angebotspreises, d.h. in diesem Fall muss man sich erst wieder zur Anbieterseite durchklicken.

4. tagesangebote.de

Tagesangebote ist der einzige der Anbieter, bei dem sich die Angebote bei RSS-Feed abonnieren lassen. Sehr praktisch, wenn man sich keinen Rabatt entgehen lassen möchte. Zudem nutzt Tagesangebote eine Geolokation, d.h. anhand der IP-Adresse werden automatisch die Angebote der eigenen Stadt angezeigt.

Fazit

Aggregatoren der deutschen Groupn-Klones sind erstaunlich schnell gestartet. Zurzeit ist die Erstellung und Pflege der Seiten jedoch mit hohem Aufwand verbunden, da die Groupon-Anbieter überraschenderweise noch keine eigenen Feeds anbieten.

Weitere Aggregatoren werden mit Sicherheit spätestens dann starten, wenn die Groupon-Klone anfangen Affiliate-Systeme zu nutzen.

Jetzt fehlt nur noch eine unabhängige Bewertung, ob die vermeintlichen Schnäppchen auch echte Schnäppchen sind. Denn einige der Groupon-Deals bieten scheinbar gar nicht die suggerierte Ersparnis von bis zu 50%. D.h. sie liegen zum Teil deutlich geringer unter dem ursprünglichen Verkaufspreis als erwartet.

So wurde am Sonntag (07.02.10) z.B. das 3-Gänge Überraschungsmenü bei Citydeal für “26 EUR statt 49 EUR” (47% günstiger) angeboten. Direkt auf der Seite des Restaurants findet man es jedoch nur für 29,50 EUR, was einer echten Ersparnis von 14% entsprechen würde.

Thema: Allgemein, Commerce | Kommentare (6) | Autor: Florian Hermsdorf