Beiträge vom Oktober, 2009

“So wie Vente Privée ist keiner” – Interview mit CEO A.-J. Granjon

Dienstag, 27. Oktober 2009 9:00

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit ein Interview mit Jacques-Antoine Granjon (CEO Vente Privée) in Hamburg zu führen. Ein guter Zeitpunkt alle Fragen zu stellen, die sich sonst nicht so einfach über andere Quellen beantworten lassen. Diese Möglichkeit hat auch Thorsten Boersma genutzt und die sehr interessanten (komplementären)  Ergebnisse auf seinem Blog veröffentlicht. Insbesondere die quantitativen Themen findet ihr eher dort. Ein paar Eindrücke aus dem Interview könnt ihr in dem folgenden beiden Videos sehen. Leider habe ich vergessen in den ersten 10min auf “Aufnahme” zu drücken, aber die restlichen Zusammenschnitte sind mE auch sehenswert.

Teil 1

Teil 2

Zusammenfassung des Interviews

Allgemeines zu JAG

  • Jacques-Antoine Granjon (JAG) ist enorm vom Vente Privée (VP) Konzept überzeugt. Er ist bereits seit ca. 25 Jahren im “Verwertungsgeschäft” und claimt deshalb diesen Bereich für sich.  Trotz, oder gerade wegen dieser Sturheit wirkt er enorm glaubwürdig und sympathisch.
  • Sein klarer Blick auf das Geschäft zeigt sich auch in den uns gegenüber geäußerten Businesswerten:
    • VP ist ganz klar ein B2B2C Geschäft und damit eher ein Service für Marken als eine B2C Plattform
    • Für Kunden soll es trotzdem (B2B) nur die besten Deals geben
    • Transparenz in den Preisen und Services ist das A & O der Kundenbindung
    • So wie Vente Privée ist keiner (zieht sich durch alle Fragen zum Wettbewerb :-) )

Vente Privée & der Kapitalmarkt

  • Der Frage nach den “Übernahmegerüchten” von VP durch eBay oder Amazon ist JAG etwas ausgewichen. Zurecht behauptet er aber, dass VP einfach sexy für alle größeren Marktteilehmer ist, aber mit 100 Mio. Cash auf dem Konto und ohne eigenes anorganisches Wachstumsinteresse kommt eine Beteiligung durch Dritte momentan nicht in Frage. Ob die 25% Beteiligung von Summit Partners irgendwann einmal abgelöst wird, konnte er nicht sagen. Er sieht als Option eher einen IPO, der sich im aktuellen Finanzmarktumfeld aber noch nicht anbietet.
  • Er sieht zudem noch ausreichend Wachstumspotenzial unter der Annahme, dass 2-8% aller Produkten in den Bereich overstock fallen.
  • JAG sieht sich auch in 5-10 Jahren noch als CEO und hat wenig Lust sich durch andere Investoren in seine Businessplanung reden zu lassen. Das ist wichtig vor dem Hintergrund seiner Internationalisierungsstrategie.

Gibt es Limits für das Konzept?

  • In diesem Jahr laufen bei VP europaweit 2.400 Kampagnen. Die Frage nach einer Kampagnenselektion (z.B. nach Kundeninteressen wie z.B. Sport) hat JAG klar beantwortet. Das ist für ihn überhaupt keine Option. Eine Selektion würde die Quote von Impulskäufen deutlich senken. Damit hat er Recht, weil ich in einer Selektionsmaske wahrscheinlich nichts zum Thema “Küche” ankreuzen würde und trotzdem schon ein paar Geschirrsets über solche Clubs bestellt habe.
  • Auch die Frage nach einer Art E-Mail Müdigkeit (Ich kann den Namen Nina von Winterfeld nicht mehr lesen) konnte JAG mit einer erstaunlichen Beobachtung beantworten.  Allgemein gilt für dieses Businessmodell die Formel “Anzahl registrierte Teilnehmer” x “Anzahl Aktionen” = “Umsatz”. Ich hätte nun ab einem bestimmten Punkt (z.B. mehr als 2 Aktionen pro Tag) eine sinkende Conversion erwartet, aber JAG bestätigt, dass die Conversion immer noch steigt. Dabei bleibe zwar ich als E-Mail-müder Kunde auf der Strecke, aber die Gesamtheit der Kunden findet es scheinbar sehr gut.
  • Er sieht keine Chancen für Nischenkonzepte, wie z.B. Kaffeeclubs. Er versteht das VP als zentrale Anlaufstelle für interessierte Kunden und das virtuelle Lager VP ist seiner Meinung nach unbegrenzt groß. In dieser Hinsicht könnte sich seine “Sturheit” mE langfristig als Nachteil erweisen, aber der Erfolg gibt ihm momentan Recht.
  • Solange die Nachfrage deutlich größer ist als das Angebot, sieht er keine Probleme.
  • Er sieht ebenfalls kein Limit für spezielle Produkte und Marken. Sogar Häuser und Autos haben in Frankreich sehr gut funktioniert.

Internationalisierung

  • Das Ziel von VP laut JAG ist es der größte Anbieter in Europa zu werden. Ok, das sind sie schon, aber sie möchten in allen wesentlichen europäischen Märkten Topplayer sein.
  • Für das Geschäftsmodell von VP ist das Voraussetzung, dass der entsprechende Markt a) groß ist und b) sich in einem reifen Lebenszyklus befindet. Er sieht aktuell keine Chancen für dieses Geschäftsmodell in “emerging markets”. Die Bemühungen der Wettbewerber in Osteuropa,  Südamerika oder Asien Fuß zu fassen kann er deshalb nicht verstehen. Den Hinweis auf den damit verbundenen Aufbau von Markteintrittsbarrieren für Folger beantwortet er wie folgt. “Wenn man in Wachstumsmarkt nur ein paar Kunden und ein Team hat, dann kann jeder Folger mit ordentlichen B2B Ansätzen (nur in reifen Märkten verfügbar) diesen Vorteil sofort aufheben.
  • Er sieht auch keine Option darin per anorganischem Wachstum neue Märkte zu erobern. Auch wenn man meinen könnte, dass das auf Angebot & Nachfrage basiert, glaube ich ihm das.
  • Dem US Markt sieht er kritisch. Die Anbieter (Marken/Hersteller) dort sind über die bestehenden Outletcenter bereits zu verwöhnt. Gilt Groupe ist seines Erachtens aber kein echter Wettbewerber, weil sie massiv ihr eigenes Lager auffüllen und damit ins (Waren-) Risiko gehen. Damit sind sie näher an einem Yoox.com als an VP.
  • Einen sehr wichtigen Hinweis hat JAG im Bezug auf die beste Strategie für die Bearbeitung neuer Märkte genannt. Es ist zwingend notwendig die komplette Wertschöpfungskette (Ausnahme IT) auf die neuen Märkte zu übertragen. Das erklärt auch den Aufbau der Infrastruktur von VP in Deutschland.

Details zu Vente Privée

  • 1.500 Mitarbeiter arbeiten bereits für VP, davon sind allein 90 Mitarbeiter als Einkäufer tätig.
  • Es gibt bereits sehr viele Länderübergreifende Aktionen bei denen die Marken aber ggf. ein Mitsprachrecht haben.
  • Es gibt nahezu keine Extraproduktion für VP Kampagnen. Lediglich bei fehlenden Sets wird nachproduziert. (Das ist leider nur schwierig zu belegen und für mich nicht ganz schlüssig )
  • Es wird keine Ware aufgekauft und selber aufs Lager genommen wie bei Gilt & Co. (Da scheint es verschiedenen Definitionen von Begriff “aufkaufen” zu geben)
  • Pro Tag melden sich über 13.000 neue Mitglieder an.
  • Montags wird der meiste Umsatz gemacht.
  • Social Media Marketing spielt auch zukünftig keine Rolle. Es bleibt also alles bei der E-Mail.

Soweit zu meinen Mitschriften. Uns hat das Interview viel Spass gemacht bedanken uns hiermit noch einmal bei JAG und seinem Team.

Thema: Commerce | Kommentare (6) | Autor: Alexander Graf

Barcamp Hamburg @ Fotostudio

Dienstag, 20. Oktober 2009 9:01

Für das Barcamp Hamburg hat das vor Ort befindliche OTTO Fotostudio wieder zwei spezielle Barcamp Aktionen geplant. Im letzten Jahr wurden zwar Führungen durch das Studio angeboten, aber aufgrund der Kurzfristigkeit war nicht mehr drin als ein kurzer Besuch im “Ring”. Mehr dazu bei Franz. Für das Fotostudio bieten sich durch das diesjährige Barcamp nun zwei interessante Möglichkeiten. Es kann seine Services a) bekannter machen und b) neue Ideen für weitere Projekte sammeln. Insbesondere für Möglichkeit b) wird nun im Rahmen des Barcamps angeboten für interessierte Teilnehmer echte (kleine) Produktionen zu verwirklichen. Dafür gibt es einmal den Aufbau des Ring (siehe Video #1 bzw. den Beitrag von Franz) oder den virtuellen Laufsteg (siehe Video #2).

Ihr könnt per Mail an info@otto-fotostudio.de Vorschläge einreichen und diese während des Barcamps in Sessionform realisieren. Was man damit machen kann wird in den Videos unten sehr gut gezeigt. Was genau während des Barcamps gemacht werden kann (Aufwand, Aufbau…) ist nicht final geklärt. Das muss man am besten mit den lieben Mitarbeitern des Fotostudios klären.

#1 Die Matrix The Ring (via twoforfashion)

ab  2:00min

oder Beispiel bei franztoo.

The Ring

The Ring (c) Otto Fotostudio

#2 Das Laufband Der Laufsteg (via twoforfashion)

Der Laufsteg (c) Otto Fotostudio

Der Laufsteg (c) Otto Fotostudio

Viel Spass dabei!

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Alexander Graf

“Free” – Lesetipp für Entscheider

Montag, 19. Oktober 2009 7:17

Nachdem Jochen auf seinem Blog so stark dafür geworben hat und der Buzz in den USA entsprechend groß war, habe ich nun auch das neuste Werk von “Free” – Chris Anderson gelesen.

Alles Gratis

Alles Gratis

Es liest sich ganz so leicht wie WWGD, aber es ist gut an einem Wochenende zu schaffen. Die pseudowissenschaftliche Schreibe von Anderson nervt manchmal etwas. Ist es zu empfehlen? Jein. Eine Reduktion auf Pauschalaussagen (sehe Amazonkommentare) wie “alles schon bekannt”, “nur eine Zusammenfassung von Wirtschaftstheorien”, “zu konstruiert” wäre nicht fair. Diese Argumente werden auch immer von der “Web 2.0 – gab es doch schon alles vorher” Fraktion vorgebracht.

Das Buch bringt keine neuen Erkenntnisse, sondern fasst nur bestehendes Wissen über Online-Pricing-Modelle zusammen und würzt es mit Rückblicken über die Pricing-Modelle in der Vor-Internet-Zeit. Manche Rückblicke sind auch sehr witzig, wie z.B. ein Microsoft (Ed Muth) Kommentar zum Thema Linux Erfolgschancen:

These are things that Robin Hood and his merry band in Sherwood Forest aren´t well attuned to do.

Das Buch ist sehr zu empfehlen für Entscheider die bisher eher in Märkten aktiv waren die einem gemäßigten Wettbewerb ausgesetzt waren und nun durch das Internet einem komplett neuen (Preis-) Wettbewerb ausgesetzt sind. Für die Digital Natives die mit dem Internet aufgewachsen ist, bietet es eigentlich nur ein paar gute Anekdoten und eine Zusammenfassung von Pricing-Modellen.

Thema: Commerce | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Wer braucht schon Domains wie 321.de?

Samstag, 17. Oktober 2009 7:17

Wie in einem Artikel bei Basicthinking zu lesen war, ist es ab nächste Woche Freitag möglich 2-Buchstaben oder Ziffern-Only .de Domains zu sichern. Als großer Fan neuer Domainkombinationen wollte ich auch ein paar grabben vormerken. Nun muss ich aber die folgende Antwort meines Domainproviders lesen.

Sehr geehrter Herr Graf,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Es liegen bereits für alle Kombinationen Vorbestellungen vor. Wir bitten deshalb um Verständnis, dass wir Ihre Vorbestellung leider nicht mehr annehmen können.

Mit freundlichen Grüßen

united-domains.de
Support-Team

Viel Erfolg den anderen Grabbern Domaininvestoren. en.de

Thema: Allgemein | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

eBay jetzt doch total langweilig

Freitag, 16. Oktober 2009 13:47

Zwar ist die Börse wieder zufrieden mit eBay (via shopanbieter.de) und ein paar Kunden wohl auch, aber der USP der Seite ist fast komplett dahin. Ebay ist weiterhin meine Anlaufstelle Nr. 1 für gebrauchte w124 Teile, aber der bisher versprochene… 321 Nervenkitzel ist mittlerweile genauso schwächlich wie die Leber von David Hasselhoff. (Eine literarische Anlehnung an MC Winkel).

Passend beschreibt es onlinemarktplatz.de:

Das neue eBay stellt eine verlockende Alternative zu jeder anderen E-Commerce-Seite dar, einschließlich Amazon. Kostenfreier Versand, leichter Zugang zu vertrauenswürdigen Händlern, breitgefächertes Warenangebot sowie eine optimierte Suche locken nun auch wieder die Kunden an..

Der erste Kommentar dazu von Sabrina spricht Bände:

Ja, fantastisch, mit dem neuen ebay haben wir eine weitere e-commerce seite dazu bekommen, die als ebay-express scheiterte. Für ebay war es das wohl wert, für die vielen privaten Verkäufer sicher nicht. Ein wahrlich trauriges Kapitel.


Ebay 08/15

Ebay 08/15

Und tatächlich. Ein Großteil der Einstiegsseite hat nichts mehr mit “…321 meins” zu tun, sondern ist das Ergebnis einer banalen Abverkaufslogik. Willkommen im Verdrängungswettbewerb eBay.

Thema: Commerce | Kommentare (4) | Autor: Alexander Graf