18 Monate Mitfahrgelegenheit.de – Ein Plädoyer für mehr C2C-Commerce

Intro

Seit ca. 1,5 Jahren (=18 Monate) bin ich begeisterter Nutzer von www.mitfahrgelegenheit.de (Kiel – Hamburg – Kiel) und wundere mich doch über die sehr zaghaften Plattform-Versuche im C2C Commerce Bereich in Deutschland. Mitfahrgelegenheit.de ist aufgrund seines Preismodells (99% gratis) dem Mitbewerber Mitfahrzentrale.de (1% gratis) um Längen voraus. Konzeptionell ist die Seite trotz kürzlichem Relaunch aber im Jahr 2000 stehengeblieben. Dazu später mehr…

Pro/Kontra

Mitfahrgelegenheiten fristen auf Anbieter- und Nachfrageseite ein Nischendasein. Obwohl auf dem o.g. Portal ständig über 50.000 Fahrten angeboten werden, so ist das verglichen mit dem Potential dieses Konzeptes sehr wenig. Allein in Hamburg gibt es täglich über 250.000 Pendler die von außerhalb mit dem Auto in die Stadt fahren. Für diese Pendler gäbe es mehrere Gründe an solchen Konzepten teilzunehmen:

  • Ökologisch: Benzin sparen/Transportmittel effizienter nutzen
  • Ökonomisch: Reisekosten sparen/Reisekosten senken
  • Sozial: Leute & Geschichten kennenlernen/Langeweile senken

Erfahrungen & Tipps

Ich habe bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht und auch meine Mitfahrer konnten nur in den seltensten Fällen von solchen Erfahrungen berichten. Es ist mittlerweile eher selten geworden, dass man zu fünft im VW Polo von 1992 die Strecke Stuttgart – Hamburg antreten muss. Dafür konnte ich schon interessante Sachen von Profisurfern, Kaufhausdetektiven und Profipokerspielern lernen. Wer hätte gedacht, dass in Kaufhäusern Software zur automatischen Gesichtserkennung eingesetzt wird, Mediamarkt-Verkäufer 1.350€ brutto/Monat verdienen (das erklärt einiges) und das Thema „Motivation adipöser Kinder im Sportunterricht“ gefühlt von 50% aller Sportstudenten als Magisterarbeitsthema gewählt wird.

Und diese Geschichten gibt es komplett gratis. Wenn man ein paar Tipps beim Eintragen seiner Mitfahrgelegenheit folgt, dann steht den ökologischen, ökonomischen und sozialen Vorteilen nichts im Weg.

  • Genaue Start- und Zielpunkte eingeben (Hbf, Straßennamen…)
  • Preis angeben, Rufnummer angeben
  • Glatte Abfahrtzeiten wählen (wird öfter aufgerufen)
  • Frühzeitig eintragen (steht in den Suchergebnissen weiter oben)
  • Angaben zum Auto (Klima, Kombi…)
  • ….

Kritik

Man kann sich trefflich darüber streiten, ob ein besseres Portalangebot den Markt weiter öffnen würden, oder ob der Markt zu klein ist und deshalb keine Portale entwickelt werden.

Hätte Henry Ford Marktforschung betrieben, hätte er eine schnellere Kutsche entwickelt. (Ralf Speth)

Ich bin fest der Überzeugung, dass zeitgemäße Tools (Echtzeit Eintragungen, Mobile Portale, Bewertungssysteme,  Mobile Payment…) diesem Teil des C2C Commerce ordentlich Auftrieb geben könnten. Bei mitfahrgelegenheit.de ist damit scheinbar nicht zu rechnen, wenn ich einem aktuellem Interview des CEOs glauben darf. Sein Verständnis von Features (aka Innovationen) wäre vergleichbar mit dem Versand von Leselupen als Beilage zu Versandhauskatalogen:

Was wird es in diesem Jahr für neue Features auf Mitfahrgelegenheit.de geben?
Michael Reinicke: Wir werden bei den Inseraten eine Option hinzufügen, mit der die Anbieter kennzeichnen können, ob sie eine Mitfahrgelegenheit oder ein Bahnticket zum Verkauf anbieten

Damit möchte ich das Angebot von mitfahrgelegenheit.de nicht schlechtreden. Es ist aber gerade in diesem Bereich noch so viel möglich. Vielleicht kommt das noch bei mitfahrgelegenheit.de oder aber bei aufstrebenden neuen Portalen. Ich freue mich über Hinweise darauf. Alleine ein Portal mit einer mobilen Anbindung/Anwendung könnte den Markt ordentlich aufwühlen.

C2C Commerce hört nicht bei eBay oder Craigslist auf, sondern fängt dort  mE erst an. Ich werde mich demnächst  intensiver mit dem C2C Real Estate Bereich beschäftigen und herausfinden wie sich leerstehende Wohnungen vermarkten lassen. Wer bis dahin von Hamburg nach Kiel (oder umgekehrt) fahren möchte, der ist herzlich zur Mitfahrt eingeladen.

0 Gedanken zu “18 Monate Mitfahrgelegenheit.de – Ein Plädoyer für mehr C2C-Commerce

  1. Spannendes Thema. Bin selbst ein großer fan & Nutzer der MFG… Neben mobilen Anwendungen halte ich den Punkt Sicherheit und schutz vor kommerziellen Dauerfahrern für sehr wichtig.
    Im Bereich Immobilien erleben Dienste wie couchsurfing.org ja gerade einen riesen hype. Ist aber leider noch nicht ganz in DEU angekommen.

  2. Im Immobilienbereich ist es auch eine Frage der Begrifflichkeit. Es gibt keinen generisch verstandenen Begriff wie „mitfahrgelegenheit“. Das macht es nat. nicht einfacher. „mitwohngelegenheit“ passt semantisch nicht wirklich.

  3. Es gibt doch jeden Tag 10 neue Mitfahrzentralen im Netz. Die machen alles dasselbe und es wird oft auch einfach vergessen, dass es kein so grosses Ding ist: ich möchte von A nach B, trage meine Fahrt ein und jemand ruft mich an. Mehr ist es einfach nicht. Klar, Datensicherheit, ein paar neue Funktionen aber das System lebt doch gerade von der Einfachheit. Je mehr schnickschnack ich habe, desto mehr aufwand, desto höhere kosten, desto mehr kommerziell (siehe mitfahrzentrale).

  4. Hi Bernd. Das sehe ich bei Weitem nicht so. Damit negierst du ja sämtliche Innovationsansätze. „Menschen wollen mit dem Handy nur telefonieren und brauchen keinen Schnick Schnack wie eine Kamera darin…“. Auch wenn es nur die Fahrt von A nach B ist, dann gehört zum Matching von Anbieter und Nachfrager deutlich mehr als eine einfache Datenbank. Mitfahrzentrale.de ist mE auch nicht funktionsreicher als mitfahrgelegenheit.de. Bei den Preismodellen sind aber beide Portale sehr schwach aufgestellt.