Trade-a-Game vs. Amazon + Interview mit Lawrence Leuschner

tagJochen hat vor kurzem auf das neuste reCommerce Angebot von  Amazon hingewiesen. Damit ist es möglich gebrauchte Spiele einzusenden und dafür Gutscheine, gültig für das gesamte Amazon Sortiment, zu erhalten. Amazon tritt damit in den USA gegen die enorm populären Gamestop Shops an, die das Gleiche im Stationärhandel anbieten. Game Blogger Matt Peckman und Gamestopp CEO Dan DeMatteo glauben nicht daran das es funktioniert. Die hanebüchende Erklärung dazu erinnert an Frühzeit des Internets. Die Kunden würden ihren Gutschein/Neues Spiel im Tausch für ein altes Spiel  sofort wollen, und nicht Tage lang darauf warten. Der sarkastische Kommentar im entsprechenden Blogeintrag passt dazu:

„Let me get this straight… a bookstore? That you shop from on a computer?! Never work.“

Während die Vor-Internet-minded-Gamestop-Fanboys also noch hinter ihrer Theke die Originalverpackungen alter Atarikonsolen bewundern, haben Gazelle.com und das deutsche Trade-a-Game.de (nachfolgend TaG) schon lange vor Amazon den Markt der Gebrauchtwaren/-spiele online bearbeitet. Die Umsatz– und Venture-Capital-Finanzierungsmeldungen dieser Anbieter sind Nachweis genug für die Existenz dieses Marktes.

Nun stellt sich die Frage, ob TaG vor diesem Amazon-Schachzug Angst haben muss, oder ob es für die erfolgreiche Bearbeitung dieser Nische etwas mehr Bedarf als eine Subsite eines Mega-Retailers. Die Beantwortung dieser Frage ist auch deshalb so interessant, weil die Überlegungen analog für andere Nischen des E-Commerce Marktes gelten. Kann ein Mega-Retailer wie Amazon durch die bloße Ausnutzung seiner Kundenmacht auch kleine Nischen erfolgreich bearbeiten und so die konkurrierenden Player aus dem Markt drängen?

Schaut man sich die Umsatzverteilung von Amazon.de in Deutschland hat, so werden noch immer über 90% aller Umsätze mit Büchern, Medien & Elektronik gemacht, obwohl Amazon auch in anderen Bereichen (Schuhe, teilw. Mode, Möbel) mehr Angebot als jeder andere Online-Shop hat. Die bloße Einbindung dieser Sortimente reicht für den schnellen Erfolg scheinbar nicht aus. Mit der Strategie „Alles unter einem Dach.“ sind auch bereits andere grandios gescheitert.

Aber es gibt noch mehr Aspekte die bei Analyse zu betrachten sind:
a) Ist die Wertschöpfungskette (Einkauf, Bearbeitung…) komplex?
b) Sind die Kunden nur über bestimmte Kanäle zu erreichen?
c) Ist Exklusivität wichtig?
….
Die Wertschöpfungskette beim Handling von Gebrauchtspielen ist wahrscheinlich nicht zu verachten. Amazon z.B. lagert die Bearbeitung an norampartner aus. Wenn man durch ein exzellentes Handling (z.B. Coverreparatur, CD-Aufbereitung..) der Spiele noch Ertrag erwirtschaften kann, dann kann Amazon das wahrscheinlich auch langfristig nicht selber (profitabel) bearbeiten. Bleibt aber noch die Frage des Kundenzugangs. Kann TaG langfristig gegen diese Kundenmacht von Amazon gegenhalten, oder müssen sie selber wie norampartners zum Dienstleister werden und White-Label-TaG Plattformen an andere Online-Shops anbinden. Auf die offenen Fragen wird uns  Lawrence Leuschner von Trade-A-Game.de ein paar interessante Antworten geben.

Fragen an Lawrence Leuschner, CEO Trade-A-Game GmbH:

Habt ihr Angst vor dem neuen Amazon Service?
Angst ist übertrieben. Wir haben natürlich Respekt vor einem
Mitbewerber wie Amazon. Der Einstieg eines solchen E-Commerce Riesen
zeigt, dass es sich lohnt in dieses Geschäft einzusteigen. Das können
wir nur bestätigen:)

Funktioniert der US Markt für Gebrauchtspiele anderes als der Deutsche Markt?
Ich denke nicht. Die Expansion von Gamestop und der Erfolg in den letzten Jahren in Deutschland zeigen, dass er ziemlich ähnlich funktioniert. Wir sind uns sicher, dass unser onlinebasierter Ankauf/Verkauf in den USA genauso gut wie in Deutschland funktionieren würde.

Was macht euch langfristig besser als Amazon?
Wir sind seit Jahren auf den Handel von gebrauchten Spielen spezialisiert. Diesen Vorsprung in Form von Know-How u.a.in den Bereichen Kundengewinnung/Bindung, fairer Preisbildung und Refurbishment gilt es jetzt nicht nur zu sichern, sondern auch weiter auszubauen. Wir bieten unseren Kunden heute schon weit mehr als „nur“ den Ankauf von Spielen. Im Gegensatz zu Amazon`s „Trade-in-Service“ können unsere Kunden auch ihre alten Konsolen, Zubehör, DVDs und in Kürze auch CDs in Zahlung geben. Sie sehen, wir erweitern unser Angebot im An-und Verkauf stetig. Unser größter Vorteil jedoch ist, dass unsere Kunden nicht nur Artikel gebündelt an uns verkaufen können, sondern auch andere gebrauchte Artikel gebündelt von uns kaufen können und das alles innerhalb einer Transaktion. Unser Ziel ist es, uns als der wohl erste professionelle An-und Verkaufs Shop im Internet zu platzieren. Dieses Modell bringt viele Vorteile für den Kunden gegenüber Angeboten, wie Auktionshäusern oder Marktplätzen.

Wie steht ihr zu White-Label-Lösungen?
White Label Lösungen sehen wir als eine Stütze unseres Wachstums an. Wir betreiben derzeit 2 White Labels mit großem Erfolg und werden uns in Zukunft auch im stationären Handel mit einem spannenden White-Label Konzept positionieren.

Was sind für euch die nächsten Schritte?
Die nächsten Schritte sind erstens die Erweiterung unseres An-und Verkaufs auf weitere Kategorien, wie CDs und dann etwas später auch Bücher und danach gilt es unseren Service noch einfacher und schneller für unsere Kunden zu gestalten.

Wo haben die Leute in Deutschland vor trade-a-game ihre Spiele getauscht?
Ich denke, die größte Anzahl von Transaktionen im Bereich Gebrauchthandel wurden bei Ebay, Amazon Marketplace, in privaten Geschäften und bei Gamestop getätigt. Auch in dieser Reihenfolge.

Funktioniert euer Geschäft auch noch, wenn man Spiele direkt aus dem Netz nur noch auf die Konsole bzw. den PC lädt?
Wir sind gespannt auf die Entwicklungen in diesem Bereich. Die Digitalisierung wird sicherlich auch die Spielebranche erreichen. Fraglich ist neben dem Wann das Wie. Trade-a-game wird bis dahin hoffentlich führend im Handel mit gebrauchten Spielen in Deutschland sein und vielleicht bieten wir unseren Kunden dann eine Plattform für den Handel mit digitalen Lizenzen an. Wir werden sehen!

Vielen Dank für das Interview.

Website und Blog von Trade-a-Game.

0 Gedanken zu „Trade-a-Game vs. Amazon + Interview mit Lawrence Leuschner

  1. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass dieses Angebot von Amazon nicht auch irgendwann bei uns zur Verfügung stehen wird. Persönlich hätte ich wohl immernoch ein wenig Probleme, meinen Besitz einfach mal ins Blaue wegzuschicken, allerdings werden die Abläufe wohl so standardisiert sein und mit der gewohnten Amazon Qualität ablaufen, dass man sich da bestimmt auch keine Gedanken machen muss. Fände ich prinzipiell auf jeden Fall eine spannende Sache, von der ich auch Gebrauch machen würde.