Beiträge vom März, 2009

Trade-a-Game vs. Amazon + Interview mit Lawrence Leuschner

Dienstag, 24. März 2009 7:25

tagJochen hat vor kurzem auf das neuste reCommerce Angebot von  Amazon hingewiesen. Damit ist es möglich gebrauchte Spiele einzusenden und dafür Gutscheine, gültig für das gesamte Amazon Sortiment, zu erhalten. Amazon tritt damit in den USA gegen die enorm populären Gamestop Shops an, die das Gleiche im Stationärhandel anbieten. Game Blogger Matt Peckman und Gamestopp CEO Dan DeMatteo glauben nicht daran das es funktioniert. Die hanebüchende Erklärung dazu erinnert an Frühzeit des Internets. Die Kunden würden ihren Gutschein/Neues Spiel im Tausch für ein altes Spiel  sofort wollen, und nicht Tage lang darauf warten. Der sarkastische Kommentar im entsprechenden Blogeintrag passt dazu:

“Let me get this straight… a bookstore? That you shop from on a computer?! Never work.”

Während die Vor-Internet-minded-Gamestop-Fanboys also noch hinter ihrer Theke die Originalverpackungen alter Atarikonsolen bewundern, haben Gazelle.com und das deutsche Trade-a-Game.de (nachfolgend TaG) schon lange vor Amazon den Markt der Gebrauchtwaren/-spiele online bearbeitet. Die Umsatz- und Venture-Capital-Finanzierungsmeldungen dieser Anbieter sind Nachweis genug für die Existenz dieses Marktes.

Nun stellt sich die Frage, ob TaG vor diesem Amazon-Schachzug Angst haben muss, oder ob es für die erfolgreiche Bearbeitung dieser Nische etwas mehr Bedarf als eine Subsite eines Mega-Retailers. Die Beantwortung dieser Frage ist auch deshalb so interessant, weil die Überlegungen analog für andere Nischen des E-Commerce Marktes gelten. Kann ein Mega-Retailer wie Amazon durch die bloße Ausnutzung seiner Kundenmacht auch kleine Nischen erfolgreich bearbeiten und so die konkurrierenden Player aus dem Markt drängen?

Schaut man sich die Umsatzverteilung von Amazon.de in Deutschland hat, so werden noch immer über 90% aller Umsätze mit Büchern, Medien & Elektronik gemacht, obwohl Amazon auch in anderen Bereichen (Schuhe, teilw. Mode, Möbel) mehr Angebot als jeder andere Online-Shop hat. Die bloße Einbindung dieser Sortimente reicht für den schnellen Erfolg scheinbar nicht aus. Mit der Strategie “Alles unter einem Dach.” sind auch bereits andere grandios gescheitert.

Aber es gibt noch mehr Aspekte die bei Analyse zu betrachten sind:
a) Ist die Wertschöpfungskette (Einkauf, Bearbeitung…) komplex?
b) Sind die Kunden nur über bestimmte Kanäle zu erreichen?
c) Ist Exklusivität wichtig?
….
Die Wertschöpfungskette beim Handling von Gebrauchtspielen ist wahrscheinlich nicht zu verachten. Amazon z.B. lagert die Bearbeitung an norampartner aus. Wenn man durch ein exzellentes Handling (z.B. Coverreparatur, CD-Aufbereitung..) der Spiele noch Ertrag erwirtschaften kann, dann kann Amazon das wahrscheinlich auch langfristig nicht selber (profitabel) bearbeiten. Bleibt aber noch die Frage des Kundenzugangs. Kann TaG langfristig gegen diese Kundenmacht von Amazon gegenhalten, oder müssen sie selber wie norampartners zum Dienstleister werden und White-Label-TaG Plattformen an andere Online-Shops anbinden. Auf die offenen Fragen wird uns  Lawrence Leuschner von Trade-A-Game.de ein paar interessante Antworten geben.

Fragen an Lawrence Leuschner, CEO Trade-A-Game GmbH:

Habt ihr Angst vor dem neuen Amazon Service?
Angst ist übertrieben. Wir haben natürlich Respekt vor einem
Mitbewerber wie Amazon. Der Einstieg eines solchen E-Commerce Riesen
zeigt, dass es sich lohnt in dieses Geschäft einzusteigen. Das können
wir nur bestätigen:)

Funktioniert der US Markt für Gebrauchtspiele anderes als der Deutsche Markt?
Ich denke nicht. Die Expansion von Gamestop und der Erfolg in den letzten Jahren in Deutschland zeigen, dass er ziemlich ähnlich funktioniert. Wir sind uns sicher, dass unser onlinebasierter Ankauf/Verkauf in den USA genauso gut wie in Deutschland funktionieren würde.

Was macht euch langfristig besser als Amazon?
Wir sind seit Jahren auf den Handel von gebrauchten Spielen spezialisiert. Diesen Vorsprung in Form von Know-How u.a.in den Bereichen Kundengewinnung/Bindung, fairer Preisbildung und Refurbishment gilt es jetzt nicht nur zu sichern, sondern auch weiter auszubauen. Wir bieten unseren Kunden heute schon weit mehr als “nur” den Ankauf von Spielen. Im Gegensatz zu Amazon`s „Trade-in-Service“ können unsere Kunden auch ihre alten Konsolen, Zubehör, DVDs und in Kürze auch CDs in Zahlung geben. Sie sehen, wir erweitern unser Angebot im An-und Verkauf stetig. Unser größter Vorteil jedoch ist, dass unsere Kunden nicht nur Artikel gebündelt an uns verkaufen können, sondern auch andere gebrauchte Artikel gebündelt von uns kaufen können und das alles innerhalb einer Transaktion. Unser Ziel ist es, uns als der wohl erste professionelle An-und Verkaufs Shop im Internet zu platzieren. Dieses Modell bringt viele Vorteile für den Kunden gegenüber Angeboten, wie Auktionshäusern oder Marktplätzen.

Wie steht ihr zu White-Label-Lösungen?
White Label Lösungen sehen wir als eine Stütze unseres Wachstums an. Wir betreiben derzeit 2 White Labels mit großem Erfolg und werden uns in Zukunft auch im stationären Handel mit einem spannenden White-Label Konzept positionieren.

Was sind für euch die nächsten Schritte?
Die nächsten Schritte sind erstens die Erweiterung unseres An-und Verkaufs auf weitere Kategorien, wie CDs und dann etwas später auch Bücher und danach gilt es unseren Service noch einfacher und schneller für unsere Kunden zu gestalten.

Wo haben die Leute in Deutschland vor trade-a-game ihre Spiele getauscht?
Ich denke, die größte Anzahl von Transaktionen im Bereich Gebrauchthandel wurden bei Ebay, Amazon Marketplace, in privaten Geschäften und bei Gamestop getätigt. Auch in dieser Reihenfolge.

Funktioniert euer Geschäft auch noch, wenn man Spiele direkt aus dem Netz nur noch auf die Konsole bzw. den PC lädt?
Wir sind gespannt auf die Entwicklungen in diesem Bereich. Die Digitalisierung wird sicherlich auch die Spielebranche erreichen. Fraglich ist neben dem Wann das Wie. Trade-a-game wird bis dahin hoffentlich führend im Handel mit gebrauchten Spielen in Deutschland sein und vielleicht bieten wir unseren Kunden dann eine Plattform für den Handel mit digitalen Lizenzen an. Wir werden sehen!

Vielen Dank für das Interview.

Website und Blog von Trade-a-Game.

Thema: Commerce | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Diskussion: brands4friends @ web.de

Dienstag, 17. März 2009 14:13

logo_vektor_beschnittAuf exclusified.de schreibt Stephan, dass brands4friends.de per Kooperation allen Web.de Nutzern den Zugriff auf  brands4friends.de erlauben möchte. Um möglichst viele Nutzer auf die Plattform zu locken scheint mir das ein probates Mittel zu sein, aber gegenüber Marken verliert b4f damit massiv an Glaubwürdigkeit.

Bisher wurde von den Gründern, wie auch von anderen Shopping Club Betreibern, gesagt, dass diese Art von Clubkonzept einen Service für Marken darstellt. Marken können so preisdiskrimierend arbeiten und Restposten/Überproduktionen verkaufen ohne die eigenen Markenwerte zu gefährden. Eine Kooperation mit dem Freemail-Portal Web.de macht dieser Argumentation aber einen Strich durch die Rechnung.

Nun könnte man argumentieren, dass viele Nutzer noch mehr Umsatz bringen und b4f so langfristig eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Marken hat. Die Top-Marken wird das aber nicht interessieren. Und ob die Nutzer langfristig Interesse an einer großen Plattform mit mittelmäßigen (unbegehrlichen) Marken haben, kann zumindest bezweifelt werden. Auch das “Aufhübschen” für einen (strategischen) Investor, der seine Investitionen noch nach Traffic und Kundenzahl ausrichtet ist möglich. Es ist aber fragwürdig, ob es momentan noch so große Investoren in Deutschland gibt, die eine Plattform mit >5 Mio. Nutzern kaufen können und wollen. Einige potenzielle Investoren können nicht mehr, andere wollen wahrscheinlich nicht mehr.

Stellt sich also die Frage: Ist die Kooperation mit web.de sinnvoll, oder schießt sie über das Ziel hinaus?

Thema: Commerce | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Featuring next09

Sonntag, 15. März 2009 16:48

bd_180x180Nach einer 5 von 10 Punkten next08, steht nun die next09 ins Haus. Das Set-Up ist wieder sehr ähnlich zum letzten Mal. (Keynotes, Wichtige Themen diskutiert von wichtigen Menschen, Party) Als Networking Event gibt es in Deutschland wahrscheinlich keine bessere Web-Veranstaltung. Der Titel der Next09 “Share Economy” ist krisenfest. Share Economy im Sinne der Next heißt zwar besser, effizienter, innovativer – in der Krise steht es aber wahrscheinlich auch für billiger. Share: Büroräume, Rechenleistung, Office-Lizenzen…..

Ich bin gespannt wie stark die Krise auf die Inhalte der Vorträge einzahlt, oder ob sie an der next09 einfach vorbeifliegt, damit es in der Nachbetrachtung auf kassenzone heißt:  “Next09 Ten Points”. Gibt es eigentlich außer Kosmar und uns noch jemanden der Freikarten haben möchte?

Aktuell kann man noch die Early Bird Tickets für 583€ kaufen, obwohl diese laut Website seit gestern nicht mehr erhältlich sein dürften. Für alle Teilnehmer, die von der Krise nichts wissen wollen, sind aber noch bis zum Eröffnungstags Tickets für bis zu 1200€ im Angebot.

Thema: Allgemein | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Startupweekend 2009 – Pitch #1

Donnerstag, 12. März 2009 7:59

ideeNachdem Florian vor ein paar Monaten schon die Entwicklungen der weltweit stattgefundenen Startupweekends zusammengefasst hat und mit Erschrecken feststellen musste, dass gerade mal 5% der Ideen noch gerade so im Online Modus sind, hat Cem in seinem Blog darüber berichtet und nach Meinungen zu zukünftigen Startupweekend gefragt. Es scheint nach außen nichts Nachhaltiges dabei rauszukommen.  Trotzdem bleiben dieses Events faszinierend. Irgendwie ist die Mischung aus Neugier, Unbekannten, Hoffnung und Networking doch vielen Teilnehmern etwas wert. Man sollte nur nicht mit dem Anspruch teilnehmen damit schnell reich zu werden, nur weil man sich schnell genug angemeldet hat. Die Diskussionen in den diversen Blogs sind eindeutig. Weitermachen!

Einer der vielen Verbesserungsvorschläge ist es den Auswahlprozess der Ideen zu verbessern. Der war beim ersten Startupweekend suboptimal und hat dazu geführt eine aus Marktsicht absurde Idee umzusetzen zu bearbeiten. Ich glaube nicht, dass man auf einem Startupweekend eine nachhaltiges/großes Unternehmen erschaffen kann, aber irgendetwas wie ein Feature das den Teilnehmern helfen kann hat schon mehr Aussicht auf Erfolg. Deshalb pitche ich hiermit noch mal ins Blaue unsere Idee vom ersten Startupweekend 2007 (damals Pitch #10). Vielleicht sind die Chancen so besser für ein hoffentlich stattfindendes Startupweekend 2009.

Idee: Ein Eventempfehlungssystem/-feature

Konferenzen, Events, Barcamps, Stammtische…  – Die Welt der Wissensaustauschs unterliegt den Gesetzen des Long Tail. “Wer um Gottes Willen soll da die Übersicht behalten?”, dachten sich Florian und ich vor ca. 1,5 Jahren vor dem Startupweekend 2007. Wir haben eine Art Eventempfehlungssystem vorgeschlagen. Ein System das automatisch über Barcamps in meiner Nähe informiert oder sagen kann, ob die next09 einen Besuch wert ist. Da standen wir ggf. noch stark unter dem Einfluss von Tasterati.

Nachhaltigkeit & Umsetzungsmöglichkeit: Es sollte nicht das x-te Social Network sein bei dem man sich anmelden muss und alle möglichen Daten pflegt, sondern einfach nur eine Metaplattform die sich aus bestehenden Informationen bedient und auf verschiedenen Plattformen durch eine einfache API eingebunden werden kann. Ich habe versucht das in der Abbildung unten zu skizzieren. Damit kommen wir auch gleich zu den Umsetzungsmöglichkeiten. Eine simple Plattform die gut zu den Schnittstellen von Facebook passt wäre klasse (gewesen). Auf dem Startupweekend hatten ohnehin alle Teilnehmer einen Account auf diesem Übernetzwerk.

Auch die Interessen der Teilnehmer haben sich wahrscheinlich in vielen Bereichen überschnitten. Sonst hätte man sich wohl nicht auf diesem Event getroffen. Eine kritische Web 2.0 Masse wäre also auch vorhanden gewesen

pitch1

Eventempfehlungssystem + häßliches Powerpoint Layout

Die Idee hatte es beim ersten Startupweekend leider nicht in die nähere Auswahl geschafft. Das lag am fehlenden Networken vorher, einem schlechten Pitch und viel zu viel Infos in den zugestandenen 120 Sekunden. Wir hatten sogar etwas von Geschäftsmodell erzählt. Das hat es wohl unglaubwürdig gemacht. In den Geschäftsmodell war die Rede von der Ausweitung auf viele Branchen und Dienstleistungen für die großen Konferenzveranstalter. Die hätten damit auf einen einfachen Verteiler zugreifen können und ggf. ihre Konferenzunterlagen (Präsentationen, Studien)  drittvermarkten können.

Weil aber bestehende Systeme wie wevento, amiando…. immer noch nicht diese simple Funktion bieten und noch niemand die Blogwert.com Idee verwenden wollte, werfe ich diese Idee noch einmal in den Topf für das nächste Startupweekend. Hinweis: Jeder Interessierte kann das Thema weiterentwicklen, für sich claimen oder an einen Investor verkaufen.

Thema: Ideen | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Kostenloses Musikstreaming mit Spotify

Montag, 9. März 2009 1:44

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Vor zwei Wochen habe ich den Peer-to-Peer Streaming Dienst Spotify entdeckt und war bereits nach kurzer Zeit ziemlich begeistert. Spotify bietet in einer werbefinanzierten Version kostenlos Musik der großen vier Musiklabels an, sowie Alben mehrere kleiner Labels. Obwohl die Musikdatenbank derzeit noch stark im Ausbau ist, ist das Angebot schon prima nutzbar.

Besonders beeindruckt hat mich die einfache, bzw. nahezu nicht notwendige Konfiguration der Software und die sehr gute Streamingqualität. Nach inzwischen einigen Stunden Musikhörens gab es keinen einzigen Aussetzer. Das Abspielen unterscheidet sich somit nicht von Musik von der Festplatte.
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Spotify setzt etwas auf iTunes Look-and-Feel, wirkt zum Glück aber bei weitem nicht so überladen. Empfehlungsfunktionen á la Last.fm, Genius von iTunes oder wie sie neuerdings der Musikplayer mufin bietet fehlen derzeit leider noch, werden aber bestimmt noch integriert. Die Möglichkeit die Songs direkt zu Last.fm zu scrobbeln gibt es hingegen bereits, sowie ein „Radio“ mit Genre- und Jahresfiltern.

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Zahlreiche Nutzer haben inzwischen Playlisten unterschiedlichste Playlisten erstellt, die sich einfach in Spotify nutzen lassen. Gute Anlaufstellen hierfür sind:
http://spotylist.com/
http://www.spotifyfriends.com/
http://www.yourspotify.com/

Wenn demnächst noch zusätzlich eine iPhone Version erscheint, wird auch das Streaming unterwegs möglich sein. Wie stabil das Streaming über das Mobilfunknetz sein wird, wird sich dann zeigen.

Sobald Spotify auch offiziell in Deutschland verfügbar ist und die Musikdatenbank noch weiter ausgebaut ist, ist es für mich die perfekte Alternative zu iTunes oder jeder anderen lokalen Musiksammlung. Überaschend, dass Last.fm hier nicht bereits eher aktiv geworden ist.

Thema: Technologie | Kommentare deaktiviert | Autor: Florian Hermsdorf