"Stars des Internets" oder "Das VC Kartell"

Nach den euphorischen Ankündigungen auf ds und gründerszene mit beeindruckend vielen Kommentare, um ein Buch im Gegenwert von 24,90€ zu gewinnen, habe ich mir am Samstag mal ein paar Stunden Zeit genommen, um mich über die „Stars des Internets“ zu informieren und das Buch gelesen. Das letzte Buch dieser Art habe ich von Björn aka „CEO of smatch.com“ gelesen. Das trug den Titel „Die eCommerce-Gewinner“ und hielt für das Jahr 2002 erstaunlich viele Learnings über die Zukunft bereit, die nun näher kommt bereit.  Die Latte lag also hoch!

Ich muss zugeben, dass ich eine Art Selbstbeweihräucherung der deutschen Gründerszene erwartet habe. Damit lag ich falsch. Der Titel des Buches ist zwar etwas hoch gegriffen – es müsste vielmehr die schillernden Figuren des Deutschen Internets heißen – aber es ist doch interessanter als ich zuvor vermutet hatte. Es wird sicherlich nicht an die Verkaufserfolge von Guy Kawasakis „The Art of the Start“ anknüpfen können, aber es dient hervorragend als eine Art Dokumentation zur deutschen Webinvestorenszene. Wer mit wem, wann und wo wird sehr anschaulich und teilweise unterhaltsam dargestellt.

Die interessanten Inhalte werden zwar von überflüssigen Kapiteln unterbrochen, die versuchen ein paar Grundlagen des Gründens zu vermitteln „Den richtigen Markt finden“, aber die kann man schnell überblättern.

Wirklich (selbst-) kritische Worte in den Berichten fehlen, aber dazu ist das Format wahrscheinlich auch nicht geeignet. Die Stellen, an denen diese Kritik genannt wird, sind aber bei mir hängen geblieben.

  • Fernsehwerbung für Internetfirmen ist fraglich (Schumann, Tipp24)
  • Große Firmen sind offener für kostensparende Software, als kleine Unternehmen (Schambach, Demandware)
  • Die Business Angel in Deutschland bilden eine Art Kartell (Der Autor)

Also: Um eine gute Dokumentation zur deutschen Gründerszene zu lesen, kann man mit den Buch leben. Kritische Themen werden nicht angesprochen, und auch die Auswahl der Geschäftsmodelle kann man in Frage stellen – Gewinn macht man mit den wenigsten. Aber darum geht es ja zum Glück im Web 2.0 nicht.

0 Gedanken zu “"Stars des Internets" oder "Das VC Kartell"

  1. Ich habe das Buch ebenfalls besprochen (http://gemeinschaft.bblogs.de/2009/03/11/stars-des-internets/) und möchte gern die Frage aufwerfen, ob der vermeintliche Mangel an (selbst-) kritische Worten nicht geeignet sein könnte, die Lücke zwischen wirklich oder vermeintlich vorwärtsstürmenden Amerikanern und den den klischeehaft lahmeren und problemzentrierten Europäern zu verkleinern? Ich fände da gut!

    Um ein hoffentlich hilfreiches Beispiel aus dem Sport zu nutzen: Überspitzt formuliert ist es Haile Gebrselassie (http://de.wikipedia.org/wiki/Haile_Gebrselassie) mit Recht egal, dass er seinen Weltrekord über die Marathondistanz nach klassischer Lehrmeinung eigentlich nie hätte laufen können, weil er eine das behindernde Auffälligkeit in seinem Laufstil hat. Was ich damit andeuten will: Eine Eigenschaft ist je nach Betrachtung und Einstellung schlicht ein Merkmal wie jedes andere auch oder ein unbedingt zu analysierendes Problem. Spannend wird es, wenn man überlegt, wann welche Betrachtung besser ist und wie man das hinbekommt, oder?