"Blogs sind als Weblinks ungeeignet"…

…lautet der Kommentar eines Wikipedia Autoren, als er einen von mir gesetzten Link aus dem deutschen Artikel zu Social Commerce auf Wikipedia gelöscht hat.

Das und die Diskussion darüber (siehe unten) haben mich etwas verwirrt und ich habe das Gefühl einer übermächtigen Wikipedia Korrekturleserclique gegenüberzustehen, als würde ich beim Versuch einen Fußball auf einer Wiese im Stadtpark zu kicken von privaten selbsternannten Rasenpflegern (Rentner oder Schülern) gestoppt, die genug Zeit haben dem Gras beim Wachsen zuzusehen.

Vielleicht sehe ich das aber auch falsch. Deshalb von vorne, um die Hintergründe zu erklären und um mit eurer Hilfe ein Stück in der Frage weiterzukommen, ob Blogs wirklich so ungeeignet als Referenz in Wikipedia sind.

Es gibt für das Einstellen und Bearbeiten eines Wikipedia Artikel allgemeine Regeln die für alle Autoren gelten. Dies Regeln sind im Wikipedia Tutorial zusammengefasst. Grundsätzlich gilt, dass ein Artikel sachlich, neutral, relevant, leserorientiert, verständlich und grammatikalisch richtig sein sollte. Da fangen schon die ersten Diskussionen an. Wer entscheidet über die Relevanz eines Artikels? Es gelten auch noch besondere Regeln für das Setzten von Weblinks. Dieser Absatz scheint mir größer als der Rest des Tutorials. Das liest sich schon sehr stark im Beamtendeutsch. Hier ein Auszug:

  1. ….
  2. Vermeide Links auf Websites mit bevormundenden Mechanismen Es sollten auch keine Links auf Seiten gesetzt werden, von denen man mit der „Zurück“-Schaltfläche nicht mehr in die Wikipedia zurückkommt oder die sich nach Abfrage des sog.  Referrers unterschiedlich verhalten.
  3. Links auf Newsgroups oder Webforen sind unerwünscht. Diese bieten zwar mitunter weiterführende Informationen, ihre Qualität kann aber innerhalb kurzer Zeit stark schwanken. Weiterführende Informationen sind aufgrund des ständig wechselnden Inhaltsangebots kaum zu gewährleisten. Für Weblogs gilt generell das Gleiche, wobei Angebote besonders renommierter und zuverlässiger Institutionen und das Deeplinking Fan-(Club)-Seiten erwünscht sind, ist umstritten und hängt von deren Qualität sowie dem Themenbereich des jeweiligen Artikels ab. einzelner Beiträge, wenn diese den Qualitätskriterien entsprechen, davon ausgenommen sind.
  4. ….

Das klingt schon ziemlich skuril und engstirnig, aber wenn es die Qualität erhöht dann soll man es meinetwegen so machen. In der Wikipedia kann nicht alles Wissen des Internets stehen, aber ich möchte es auch gerne als Informationsquelle auch für neuere Themen nutzen können. Dazu gehören auch weiterführenden Links die solche Themen ggf. diskutieren. Es stellt sich für mich die Frage wer über richtig oder falsch entscheidet. Die Diskussionen die ich bisher in der Wikipedia gelesen habe strotzen nur so von Engstirnigkeit und Beamtenmentalität. Ist das notwendig? Mitunter ist es viel unterhaltsamer die Diskussionsseiten zu den einzelnen Artikeln zu lesen als den Artikel selbst. Probiert es aus!

Viel Kontrolle ist noch lange kein Garant für viel Qualität, auch wenn die Zitierfähigkeit von Wikipedia langsam, sehr langsam, steigt. Teilweise führt diese Hyperkontrolle auch zu völlig abstrusen Artikeln in der es nicht mehr um verständlichen Inhalt, sondern nur noch um die Einhaltung von Regeln geht. Dazu ein schönes Beispiel von Robert (bitte auch die Kommentare lesen). In vielen Fällen ist eine schnelle Korrektur aber auch notwendig – z.B. bei Link-Wars.

Ich habe hier in diesem Blog, wie oben bereits erwähnt, vor ein paar Monaten einen Artikel zum Social Commerce geschrieben und aufgrund der Diskussionen und einiges an Feedback dazu könnte man (ich?) annehmen, dass darin ein paar weiterführende Gedanken stehen oder die Abbildungen zumindest helfen das Prinzip Social Commerce zu verstehen. Aus meinem Verständnis heraus wäre es dieser Artikel wert in Wikipedia verlinkt zu werden. Jochen war mit seinem Blog im Beitrag über Social Commerce bereits verlinkt. Ich habe einfach einen Link zu dem Beitrag mit dem Link-Titel „Visualisierung zum Social Commerce“ daruntergesetzt. Dieser Link war auch ein paar Wochen online und hat ca. zwei Besucher pro Woche auf dieses Blog geführt. Von Linkspam kann/konnte mE also nicht die Rede sein.

Weblinks in Wikipedia zu Social Commerce

Weblinks in Wikipedia zu Social Commerce

Das hat ein berechtigter Benutzer (jemand der Artikelkorrekturen freischalten kann) von Wikipedia allerdings anders gesehen und hat den Link gelöscht und mit den Worten „Linkspam raus“ kommentiert. Auf meine Nachfrage schreibt er:

Die von dir verlinkte Website scheint mir nicht zu den geforderten renommierten und zuverlässigen Institutionen zu gehören – sie bietet lediglich weitere Beispiele, welche Firmen mit diesem Prinzip handeln.

Nun habe ich selber keine Lust einen Link-War anzufangen und schon gar nicht mit einem Schüler (berechtigter Benutzer) über ein ihm (wahrscheinlich) sachfremdes Thema zu diskutieren. Außerdem bin ich befangen, weil ich den Artikel selber geschrieben habe und deshalb die Sache falsch einschätzen könnte. Das ist auch der Grund warum ich diese Artikel hier überhaupt schreibe. Ich brauche eure Meinung.

Der Social Commerce Artikel bei Wikipedia ist mE ein Flickenwerk von Informationen rund um Web 2.0 die ganz sicher nicht den aktuellen Diskussionsstand zum Thema Social Commerce abbilden. Ich hätte auch Lust daran zu arbeiten, aber meine erste Begegnung mit dem Wikipedia-System hinterlässt bisher einen zu faden Beigeschmack.

Ich finde es generell sehr gut, dass sich viele Menschen so intensiv mit Wikipedia befassen und versuchen das Projekt noch wertvoller zu machen. Es scheint mir aber so, dass das Qualitätssicherungssystem nicht zu allen Artikelformen passt und an einigen Ecken durchaus überdacht werden könnte. Ich hätte wahrscheinlich eine Wikipediea-interne Umfrage zu dem Thema starten können und ggf. sogar über die Änderung in der Wikipedia Diskussion abstimmen lassen, aber wer stimmt denn da ab?

Ohne jetzt in eine Diskussion in Vor- und Nachteile ausschweifen zu wollen, mache ich einfach hier zwei kleine Umfragen.

Ich nutze Wikipedia natürlich weiterhin, aber in Zukunft lese ich mir öfter den Diskussionsteil zu den Artikel durch :-). Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

0 Gedanken zu “"Blogs sind als Weblinks ungeeignet"…

  1. Du bist aber sehr hart ins Gericht gegangen mit den Korrekturlesern :-). Da sind auch interessante Kommentare die in deinem Beitrag stehen… Ich hoffe hier bleibt es etwas sachlicher, aber 60 Kommentare werden es hier wohl eher nicht!

  2. Ja, der Wiki-Artikel sollte überarbeitet werden und ja, der Social Commerce auf Kassenzone bietet relevante Mehrinformationen und sollte verlinkt werden. Also … du siehst die Sache richtig. Punkt!

  3. Pingback: Basic Thinking Blog | Wikipedia: Versus oder mit Blogs?

  4. Das ist bei Wikipedia wirklich etwas seltsam, was da teilweiße abgeht. Allein, wenn man sieht, dass die Verschiedenen Plattformen von StudiVZ nicht einen eigenen Artikel oder wenigstens abschnitt verdienen, aber jedes kleine Codeschnippselchen einen eigenen Artikel bekommt solange das Programm unter GPL steht.

    Meine Blogs stehen bei mehreren Artikeln sowohl unter Links als auch oft unter belegen, ich sag aber nicht wo, sonst leist das jemand von den Extrem-Exkludisten und löscht das wieder- nein, die Links habeich nicht gesetzt, aber wenn man nach einigen Artikeln Googelt, findet man zuerst Wikipedia und dann einen Blogpost von mit.

  5. Pingback: Blogs sind nicht verlinkbar

  6. Es gibt einen guten Grund warum ich, wenn ich relevantes Wissen zu einem Thema zusammentrage, dann nicht an der Wikipedia mitarbeite.
    Es gibt viele andere Möglichkeiten zu einem Thema detaillierter, ungestörter und ohne Diskussionen von Leuten die mit den eigentlichen Thema gar nix am Hut haben, zu berichten und die sollte man auch nutzen. Die deutschsprachige Wikipedia bleibt weit hinter der Nützlichkeit der englischsprachigen Wikipedia zurück. Nicht ohne Grund.

  7. @Michel: Ich halte es für die falsche Einstellung nach kommerziell und nicht-kommerziell zu trennen, aber diese Einstellung beobachte ich auch bei vielen Wikipedia Artikel. Das Beispiel zur VZ Gruppe ist sehr schön. Warum ist der Artikel zu StudiVZ so extrem kritisch? Das ist eine sehr einseitige Darstellung ganz sicher nicht mehr objektiv ist. Da geht Wikipedia zu weit und könnte mE auf weiterführende Diskussionen verweisen.

    @Mela: Die Frage für mich ist: Muss man das hinnehmen? Wer lässt die Kleingärtnerpedanten denn das Steuer übernehmen? Prinzipiell sind wir es doch alle, wobei das durch die Tools bei Wikipedia erleichtert wird. Der Kleingärtner kann es aussitzen, die anderen haben vielleicht schneller keine Lust mehr. Ich habe keine Lust in „Die Kleingärtner“ und „Die Anderen“ zu trennen und möchte gerne gemeinsam an der Sache arbeiten. Was kann man also tun?

  8. Bei dem Wikipedia-Projekt geht es um die Erstellung einer Enzyklopädie. Also um Artikel zu Dingen, Begriffen usw. die einen allgemeinbildenden und allgemein Wert-darstellenden Hintergrund haben. Viele Aspekte des Web2.0 sind extrem schnelllebig (im Sinne von wenigen Monaten bis Jahren) und gehören per Definitionem nicht in eine Enzyklopädie. Ich denke, da liegt der Hund begraben: wie kann man die Relevanz schneller Medien und schnelllebiger Themen bewerten?

  9. Unter Enzyklopädie kann man viele Dinge verstehen wie uns Wikipedia lehrt: http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4die

    Ich finde auch nicht, dass Wikipedia alles Wissen abbilden muss, aber es kann (und sollte) einen guten Einstieg in neuere Themen bieten und Bestandsthemen wie zum Beispiel die Entstehung Sachsens umfassend abbilden.

    Relevanz in diesem Zusammenhang bedeutet doch eher relevant für viele und nicht relevant für alle.

  10. oh, ich hab auch schon drüber nachgedacht, themen wie social commerce, shopping-clubs, informations-architektur etc. bei wikipedia zu bearbeiten. nachdem ich aber schon wegen der links zu meinen blogs auf meiner benutzerseite böse angemacht worden bin, hab ich die idee wieder fallen gelassen.

  11. Pingback: Wikimania - Blogschrott 2.0

  12. Tja, eure Privatansichten in euren Blogs sind nun mal keine wissenschaftlichfundierten Ansichten. Bloggen mag super toll sein, ist aber nicht mehr als Meinungsäußerung. In den wenigsten Fällen auch nur ansatzweise seriös. Wikipedia akzeptiert ebenso wenig Bücher aus dem Eigenverlag. Wenn ihr Aufmerksamkeit wollt wendet euch an Google. So teuer sind die nicht.

  13. Ich lasse mich gerne von guten Argumenten überzeugen, aber davon sehe ich nichts in deinem Beitrag. Du scheinst nicht nach den Argumentationsrichtlinien von Wikipedia zu arbeiten und verbirgst sogar noch deine Idendität. Was soll man denn davon halten? Eine anständige Diskussion mit dir kann so nicht geführt werden. Du kannst mich auch gerne direkt anschreiben, wenn du eine öffentliche Diskussion scheust. Mail steht im Impressum. Lies doch einfach mal selbstkritisch durch was du geschrieben hast. Das ist zwar eine Meinung (eine schlecht begründete), aber noch lange kein Beitrag zu einer Diskussion.

  14. Pingback: “Blogger sind Sch…” - Fortsetzung von “Blogs sind ungeeignet” « Kassenzone - Commerce, Mobile, Technologie

  15. Pingback: mein-parteibuch.com » Wikipedia macht bei der Quellenauswahl einen dicken Fehler

  16. Erstaunlich. Das Video von Mario ist für mich Quelle Nr.1, um (den) Anderen zu erklären wie ein Barcamp funktioniert. Du warst in dieser Woche übrigens der erste von Askimet erkannte Spamkommentar. Glückwunsch 🙂

  17. Immer wenn man den Basic verlinkt 😀

    PS: Übrigens tut es mir um die Admins leid, die dort mit Leidenschaft und nicht mit einem Brett vorm Kopf an der Verbesserung der Wikipedia arbeiten. Die gibt es und ich kenne sogar welche persönlich.

  18. Ihr verkennt denke ich das Problem. Weblinks sind in Wikipedia generell nur als Quellenbeleg nötig, wobei es auf seriöse Quellen ankommt. Daneben sind die (in der Regel maximal drei) Besten weiterführenden Links zu einem Thema zulässig. Dabei gilt es wieder möglichst seriöse und neutrale Quellen zu finden. Blogs sind schon aus Prinzip nicht neutral, weil sie nur von einem Autor und seiner Meinung abhängen (oder einem Autorenkollektiv). Dieser Anteil Meinung und Persönlichkeit macht ja auch den Reiz von Blogs aus. Damit sind sie aber als wissenschaftliche oder enzyklopädische Quelle in der Regel nicht geeignet.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Weblinks

  19. Da stimme ich dir zu bei Themen bei denen es tatsächlich solche Quellen gibt. Bei diesen Themen machen Bloglink sicher wenig Sinn. Bei Themen/Begriffen die sich noch im Aufbau befinden kann es aber sehr viel Sinn machen, weil die „seriösen“ Quellen gem. Wikipedia Definiton (Spiegel, Focus & Co.) meist sehr oberflächlich (massenkompatibel) in die Themen gehen. Blogs können da etwas tiefer gehen und dürfen später gerne durch wissenschaftliche Quellen ersetzt werden. Im Bereich Social Commerce dauert das aber noch ein paar Jahre.

  20. da hat alexander auf alle fälle recht. das was spiegel und co über social commerce schreiben ist mehr als oberflächlich und oftmals voller fehler. (das will ich gar nicht mal den journalisten ankreiden, das liegt einfach in ihrem job, dass sie fast immer über themen schreiben, in denen sie keine experten sind.) aber wieso soll man dann auf solche quellen verlinken, aber auf die arbeit von experten eben nicht?

  21. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist der Artikel in der englischen Wikipedia. Hier macht sich jemand die Mühe, den saarländischen Dialekt auf englisch zu erklären. Nicht nur, dass es wirklich sehr komisch ist – der Artikel ist auch dazu faktisch richtig.

    Trotzdem ist er von Löschung bedroht, weil keine Quellen angeführt sind. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sich jemand vorher auf englisch die Mühe gemacht. Somit ist ein wirklich klasse geschriebener Absatz eventuell demnächst nicht mehr verfügbar, weil er der erste seiner Art ist.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Saarland#Language

  22. wikipedia ist genau wie alles andere, was irgendwann zu groß und (über)mächtig im netz wurde. ein sich selbst verwaltender konzern der nach eigenem good- oder badwill schalten und walten kann wie er will.

  23. Pingback: Wikipedia vs. Blogs - heute mal bei RWW « Kassenzone - Commerce, Mobile, Technologie

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  25. Pingback: Zeitspringer-Blog