Rabattschlacht.de – Losbude 2.0

Der geneigte Konsument deutscher Blognachrichten wird es bereits gemerkt haben. Rabattschlacht.de ist seit kurzer Zeit online bzw. präsentiert sich im neuen Look. Eine Art Gewinnspiel-Shopping-System, dass rein definitorisch in den Bereich Social Commerce passt. In diesem Zusammenhang kann man es unter „Der Nutzer nimmt aktiver am Kaufprozess teil“ einordnen. Das ist erst einmal sehr positiv zu bewerten, weil wir auch der Meinung sind, dass sich langfristig lebendigere E-Commerce Konzepte ihren Anteil am Distanzhandelsumsatz sichern werden.

Dieser Meinung ist Jochen auch. Als Verfechter des partizipativen Commerce war das aber auch zu erwarten. Bei den Pressemeldungen auf Deutsche Startups und Horizont gibt es leider auch keine individuell kritischen Anmerkungen. Ganz andere Töne gibt es bei Alles2Null und bei Michael Schwarz, die ihre Kritik aber auch zum Teil auf den Gründer Jens Kunath beziehen. Darüber kann sich jeder selber seine Meinung bilden – uns interessiert wie immer der konzeptionelle Teil.

So funktioniert es:

  • Man kauft bei Rabattschlacht „Minuten“ ein, die man zum Aufdecken von Preisen nutzen kann. Eine Minute kostet 0,90€ und wenn man einen Preis aufdeckt, wird das Produkt automatisch im 0,50€ billiger. Das System per Loseinsatz, aber noch ohne Zeitfaktor, kennen wir bereits von Luupo und Swoopo. Einen Erfinderpreis gewinnt Rabattschlacht also nicht.
  • Wenn man einen Preis aufdeckt, kommt man in einen virtuellen Raum in dem der Preis rückwärts läuft 40 Cent pro Minute. Darin befinden sich im besten Fall noch andere „Aufdecker“ die den Preis nach unten treiben. Wer zuerst zuschlägt bekommt das Produkt. Dann beginnt der Preis wieder von vorne (Startpreis) zu fallen. Leider läuft der Preis nicht schneller, wenn sich mehrere Leute im Raum befinden.
  • Thats it – im Grunde genommen ist das System eine Art Glücksspiel – eine Losbude 2.0 sozusagen. Viele Nieten, wenig Gewinne. Die Seite ist hübsch programmiert und kann durch nette Chat- und Flash-Features beeindrucken.
Rabattschlacht.de Startseite

Rabattschlacht.de Startseite

Auf dem folgenden Bild ist abgebildet wie der „Live-Raum“ aussieht. Oben der aktuelle Preis, unten rechts die verbleibenden Minuten auf dem Konto, unten links der Chat mit den anderen Teilnehmern.

Rabatt Aktion Panasonic Plasma TV

Rabatt Aktion Panasonic Plasma TV

Ich finde, dass die Spielanreize bei rabattschlacht.de sehr schön umgesetzt sind. Da ist es auch egal, dass es das Konzept schon diverse Male im Internet gibt. Allerdings ist das Konzept doch sehr begrenzt. Es gelten zum Teil ähnliche Regeln wie bei den Live-Shopping Portalen. Es ist prinzipiell schwer mit Hardware im Internet ordentliche Margen zu erwirtschaften. Das lässt sich bei guut.de sehr schön beobachten, deren Produktqualität mit Rücksicht auf die Marge erheblich nachgelassen hat. Ein Nachteil des Konzeptes ist der ausschließliche Preisfokus. Natürlich verkaufen sich Schnäppchen immer gut, aber leider lässt sich damit auch kein USP aufbauen. Das Konzept kann so noch zig Male kopiert werden und am Ende laufen nur die Aktionen bei denen der Händler draufzahlt, weil sie von mydealz.de empfohlen worden sind.

Der Startpreis des o.g. Plasma TV ist relativ hoch angesetzt – ca. 35% teurer als das der günstiger.de Favorit. Das Konzept funktioniert doch nur massenkompatibel bei niedrigen Startpreisen, um schnell einen Preisvorteil durch das Aufdecken der Preise zu bekommen. Oder verstehe ich das falsch? Warum sollte ich bei einem Produkt mit hohem Startpreis  (=über günstiger.dePreis) überhaupt einsteigen. Die Tiefstpreise (tiefster bisher erreichter Preis) sind reine Psychologie. Die Darstellungsweise suggeriert, dass man eine reelle Chance hat das Produkt zu dem Preis zu bekommen. Ob das überhaupt rechtlich so ok ist……?

Ich kann zudem nicht nachvollziehen, warum die Produkte in ihrer Anzahl limitiert sind. Bei diesem System geht Rabattschlacht doch nicht ins Warenrisiko. Wenn ein Produkt um 100€ im Preis sinkt und ca. 10 Leute mitgespielt haben, kann Rabattschlacht deutlich mehr einnehmen als die 100€ – oder nicht? Ggf. liegt das an den gewährten zwei Freiminuten pro Registrierung die man so zumindest deckelt. Am ersten Tag hat die Plattform übrigens laut Jens Kunath 200.000 Euro umgesetzt.

Fazit

Wer früher schon gerne sein Glück an Losbuden gesucht hat, der ist bei Rabattschlacht richtig. Das Konzept ist hübsch umgesetzt und hat mich auf jeden Fall in den ersten Minuten gereizt mitzuspielen. Allerdings ist die USP der Plattform eher gering und es bleibt ein sehr fader Beigeschmack, dass die armen „23:30 Uhr 9live Anruferinnen“ ihr Geld jetzt auch noch in so ein System investieren werden. Die kennen guenstiger.de wahrscheinlich nicht. Auch wenn wir aktive E-Commerce Konzepte sehr begrüßen, muss nicht alles was technisch machbar ist auch online umgesetzt werden. Allerdings könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass Händler statt 10€ Warengutscheine eher Gutscheine für solche Losbuden-Systeme verteilen können, die auf eigenen Plattformen laufen. Damit wird niemanden geschadet und Spaß gibt es dann für alle oben drauf.

In der aktuellen Version ist Rabattschlacht.de für mich nur eine Art Losbude 2.0.
Wenig Gewinne – Viele Nieten.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Handel von Alexander Graf. Permanenter Link des Eintrags.

Über Alexander Graf

Alexander Graf ist Geschäftsführer von Spryker Systems, einem Joint Venture, das er im November 2014 zusammen mit Nils Seebach und Project A Ventures gegründet hat. Er verantwortet das Business Development und die Strategie des Technologie-Anbieters mit Sitz in Hamburg. Er ist zudem Gründer des größten europäischen Netzwerkes für digitale Unternehmer eTribes. Sein neues E-Commerce Buch wurde schon über 2.000x verkauft. Auf über 300 Seiten erklären Alexander Graf und Holger Schneider darin alle wichtigen Zusammenhänge zu Marktanalysen, Geschäftsmodellen und Strategien im E-Commerce. Er kann als Speaker und/oder Pausenclown gebucht werden. alexander.graf@etribes.de || Tel: +49 (40) 3289 29690

10 Gedanken zu “Rabattschlacht.de – Losbude 2.0

  1. Du hast das schon richtig erkannt, ’ne überteuerte Losbude, mehr nicht. Die Einstiegspreise sind dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ich mich ernsthaft frage, wie debil die Nutzer eigentlich sind, um für einen längst existierenden, günstigen Preis, Geld zahlen.

    Komische Welt.

  2. Mir ist noch eingefallen, dass der Nutzer prinzipiell drei mal verlieren kann bei dem Spiel.
    #1 Er kauft 50 Cent Rabatt für 90 Cent = 40 Cent Verlust
    #2 Ein anderer ist schneller als er = 0-10€ Verlust
    #3 Er kauft das Produkt über dem guenstiger.de Preis = xxx€ Verlust

  3. Hallo,

    ganau Alexander, der Nutzer zahlt drauf, weil er 90 Cent die Minute zahlt.

    Wenn jemand 3 Min dabei ist, ist er 2,70 EURO los, ohne einen Gegenwert zu erhalten. Nur um zu sehen?

    Der User ist geblendet vom Preis den bisher günstigsten erzielten Preis und denkt er steigt bei 500 EUR ein.

    Aber tatsächlich liegt der Preis nach dem Login und den ersten 90 Cent bei 750 EURO.

    Bis der Preis bis 500 fällt, vergehen bestimmt noch 1-2 Stunden.

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass User da wiederkommen.

    LG
    Silvio

  4. Ich kann mir schon vorstellen, dass die User wiederkommen. Bei 9live klappt das ja auch – und was die teilweise abziehen ist ja noch unfairer und das sogar offensichtlich. Das ist wohl ein Teil des Social Commerce – die Rationalität wird durch Emotionalität ergänzt. Ok – wer Spass hat mehr zu zahlen, soll es einfach machen.

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