Premium Datentarif – 10 Euro pro MB

Vermutlich können sich noch viele an die Anfänge der Internetanschlüsse erinnern – also grob an die Zeit vor DSL… Da es ja gar nicht lange her ist, nur eine kurze Zusammenfassung: die Verbindung erfolgte über ein Modem, welches an eine normale Telefonleitung geklemmt wurde und (bei Analogleitungen) diese für Telefonate blockierte. Die Kosten wurden in der Regel pro Minute Onlinezeit berechnet (1999 waren dies z.B. 5 Cent) – Flatrates gab es noch nicht.

Warum schwelge ich in Erinnerungen? Nach meinem letzten Urlaub (2 Wochen Italien) fühlte ich mich recht schnell in die „gute“ alte Zeit zurückversetzt. Dieser Zeitpunkt kam zusammen mit meiner Telefonrechnung. Dank des Vodafone Reiseversprechen bin ich mit Telefonkosten in Höhe von ca. 3 Euro ausgekommen, dem stehen nun aber Datenkosten in Höhe von 160 Euro gegenüber.

Vodafone-Rechnung Datennutzung im Ausland

Vodafone-Rechnung Datennutzung im Ausland

Wie konnte es dazu kommen? In den 10 Tagen Urlaub wollte ich (trotz Roaming-Warnung) nicht auf dem praktischen E-Mail-Abruf des iPhones verzichten, eben so wenig auf etwas Twittern und darauf ab und zu Google zu nutzen. Insgesamt sind so schnell 17MB übertragene Daten angefallen. Zusammengefasst: 160 Euro für 17 MB Daten.

Da ich mich ja an Modemzeiten erinnert fühlte, hier ein kurzer Vergleich:

Datentarife 1999 vs. 2008

Datentarife 1999 vs. 2008

Mit Überraschen Erschrecken stellt man fest, dass die Kosten für Datenübertragungen im Ausland heutzutage sogar 100 Mal höher sind als zu Modemzeiten vor 10 Jahren!

Meine Vermutung, dass ich einen ungünstigen Roaming-Partner gewählt hatte, bestätigte sich nicht: die Vodafone-Hotline teilte mir mit, dass dies die üblichen Kosten im Ausland seien und ja, diese seien nun mal so hoch.

Hohe Datenkosten sind neben unzureichender Usability die Haupthemmnisse für User bei der Nutzung des „mobilen“ Internets und Internet-basierter Anwendungen. In den letzten Monaten haben alle Netzbetreiber zahlreiche neue Datentarife veröffentlicht (Vodafone, T-Mobile: hier, hier, Freenet, Datentarif-Übersicht). So nutze ich derzeit eine 300 MB-„Flat“ von Vodafone für 20 Euro (entsprich übrigens recht genau dem oben berechneten Modemtarif von 1999).

Für das Ausland fehlen vergleichbare Tarife jedoch noch ganz. Bleibt zu hoffen, dass auch dies bald geändert wird und sich hier ebenso eine Wende zeigt. Soll mobile Datennutzung forciert werden, darf diese nicht auf Ländergrenzen beschränkt werden.

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Über Florian Hermsdorf

Florian Hermsdorf beschäftigt sich seit 10 Jahren intensiv mit allen Themen im Bereich Mobile Commerce. Er verantwortete die M-Commerce Aktivitäten (inkl. Betrieb, Marketing, Produktmanagement) von otto.de. Anschließend war er mehrere Jahre im Otto Group Konzern in den Bereichen Business Development und Corporate Development E-Commerce tätig. Dort beschäftigte er sich mit strategischen Themen und der Planung sowie Bewertung von M-Commerce und E-Commerce Geschäftsmodellen. Er gründete und leitete 2,5 Jahre für die Otto Group als Geschäftsführer das Startup VitaBote. Darüber hinaus hält er Fachvorträge im M-Commerce Umfeld und als Gastdozent an der FH Wedel die M-Commerce Vorlesung. (Xing)

15 Gedanken zu „Premium Datentarif – 10 Euro pro MB

  1. Ich habe den Eplus International Tarif. Da kann zahlt man 0,06 Euro für 10kb. Wenn man mit dem Handy Mails ohne Anhänge abruft kann man für ein paar Euro im Ausland überleben. Eigentlich ganz fair. Auf jeden Fall berechenbar!

  2. Mir werden, nach einer längeren Diskussion mit der Hotline, nun 80 Euro erstattet. Vielleicht das Zeichen eines ersten Einsehens…

    Eplus trumpft zwar mit guten Datentarifen auf, stellt dafür den Netzausbau jedoch hinten an.
    Siehe: „E-Plus spart weiter beim mobilen Internet“ (http://www.golem.de/0808/61774.html)

  3. als wir letztens in kopenhagen waren, haben sich viele vor ort eine sim-card gekauft … nur fürs surfen mit dem handy. das klang sehr günstig.

  4. Pingback: Basic Thinking Blog | Mobiles Datenroaming? Finger weg!

  5. Mir wurden 240€ berechnet für unter 17 MB.

    Und zwar für ein Amok gelaufenes Handy in der Schweiz. Ich habe die Internetverbindung noch nichtmal bemerkt, mein Handy hat einfach so regelmässig die Wetterdaten synchronisiert und nach Mails geguckt (und noch nichtmal welche gefunden, sonst wär’s mir ja aufgefallen). 🙁

    Das ganze übrigens bei BASE (daheim hab ich ja die Internet-Flat auf dem Handy).

    Naja, jetzt muss ich erstmal nen bösen Brief an die Jungs dort schreiben. Ich empfinde das – auch bei Auslandsnutzung – einfach als Wucher. Und der ist in Deutschland zum Glück strafbar. Zur Not werde ich halt versuchen eine Anzeige deswegen zu erstatten. Irgendwo hört es auf…

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  7. @Sebastian: Da sollte eine Verbilligung möglich sein. Bei Florian hat es ja durch eine Beschwerde auch geklappt. Benchmark sollte der EPlus International Tarif sein (0,06 Cent für 10kb) = 102 Euro. Der müsste ja auch für BASE machbar sein.

  8. ich habe gerade mal bei der Telekom nachgefragt,
    die nennen mir ab dem 1.6.08 einen Tarif von 0,19 Euro pro 100 KB.
    Da kommt ja ganz schön was zusammen :-(.

  9. Ich finde, als Benchmark sollte das gelten, was noch einigermassen Vernünftig ist.

    Das heisst, die Datenmenge, die anfallen würde um z.B. 10 Minuten Sprache zu übertragen darf nicht mehr Kosten, als ein entsprechendes 10-Minütiges Gespräch.

  10. ok – angenommen 17 mb Daten entsprechen in etwa 4 Stunden Internet über mobile Devices, dann nehme ich den eplus europa tarif für 25 Cent pro Minute und komme auf (0,25 x 60 x 4) auf 60 Euro. Das geht schon mal in die Region mit den 100 Euro.

  11. Ich denke, dass sich bzgl. des Datenroamings noch einiges tun wird, insb. da sich auch die EU Kommission mit dem Thema beschäftigt. Bis dahin werde ich mal Silkes Tipp beherzigen oder den Datenempfang ganz abschalten :-(.

    @Alex: in vier Stunden Datennutzung würde ich ziemlich wahrscheinlich über 17MB kommen 🙂

  12. Da lobe ich mir Schweden. Dort bekommt man mit einer Prepaidkarte(!) eine Woche unbegrenzten UMTS-Zugang für 99 Schwedische Kronen (c.a. 11,00 EUR).

  13. Ich dürfte wohl alles toppen. Habe 10 Tage lang auf Gran Canaria täglich jeweils ca. 20 Minuten ins Netz geguckt. Im wesentlichen blogs und emails. 2x 1450 Euro soll ich zahlen.

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