Beiträge vom Mai, 2008

Erstes Treffen der deutschen Facebook-Schrauber

Montag, 26. Mai 2008 1:02

Neben der Next08 und dem zweiten deutschen Startup Weekend gab es mindestens noch einen weiteren Grund für einen Besuch in Hamburg: die erste deutsche Facebook Developer Garage.

Auch wenn die bisherigen Erfolge Aktivitäten von Facebook in Deutschland nicht unumstritten sind, fand ich die Idee gut, diese Veranstaltung nun auch mal zu uns zu holen. An unzähligen Ecken wird inzwischen über Facebook-Applikationen und deren Auswirkungen auf die Internetnutzung diskutiert. Warum die Garage trotzdem nicht vollständig meine Erwartungen erfüllt hat später mehr.

Organisatoren waren cellity, der European Founders Fund und die DLD. Die Anmeldung im Vorwege erfolgte unkompliziert via Facebook, was über 350 Teilnehmer nutzten. Die Anmeldung war so simpel (nur ein Klick auf “Teilnehmen”), dass ich mir bis zum Erhalten meines Namensschildes in der Handelskammer nicht sicher war, ob es wirklich geklappt hatte. Ursache für meine Unsicherheit war vermutlich auch, dass es erst einen Tag vorher die Agenda gab und man auch keine Anmeldebestätigung/-erinnerung per E-Mail erhielt.

Die Agenda las ich mir intensiver erst kurz vor dem etwas verspäteten Start der Eröffnungsrede durch. Neben Angaben wie “Speaker” und “Company” wäre genauere Infos zu den Themen nicht fehlplatziert gewesen, trotzdem sahen einige Vorträge vielversprechend aus.

Nach einem kurzen Willkommen von Sarik Weber und Marc Sammer startete direkt Matt Cohler mit einer relativ oberflächlichen Facebook-Präsentation, welche uns zeigen sollte wie wichtig für FB auch die deutschen Entwickler sind. Praktischer Weise konnte er am nächsten Tag auf der Next die Präsentation noch einmal recyceln ;-) Alle Publikumsfragen wurden gekonnt PR-konform beantworten, so dass leider keine wirklichen Neuigkeiten aufkamen.

Die restlichen Vorträge empfand ich ähnlich wie Thomas als zu marketinglastig. Vielfach hatte man den Eindruck, dass zwar Entwickler die Facebook-Anwendungen ihrer Unternehmen präsentierten, das Publikum aber eher an Businessfragen interessiert war. Klar finde ich es auch sehr wichtig zu wissen, wie oft welche Anwendung genutzt wird, letztlich sollten sich (nach meinem Verständnis) hier aber primär Entwickler über die Erstellung der Anwendungen austauschen – wie es auch Philipp sieht. Ähnlich wie für Nico gab es auch für mich die interessantesten Gespräche abseits der Vortragsräume. So habe ich u.a. interessantes Neues von aka-aki erfahren, dass dies am Ende nicht viel mit FB zutun hatte war auch nicht schlimm :-) .

Mein Fazit: Ein Schrauber-Treffen war es leider (noch?) nicht. Von mir gibt’s daher 5 von 10 7 von 10 Punkten (inkl. Premierenbonus). Bleibt zu hoffen, dass die nächste Garage ihrem Namen gerechter wird. Genug Interesse hierfür ist auf jeden Fall vorhanden.

P.S. einige der Präsentationen findet ihr hier.

Thema: Commerce, Technologie | Kommentare deaktiviert | Autor: Florian Hermsdorf

Review Next08 – 5 von 10 Punkten

Sonntag, 18. Mai 2008 23:59

Endlich mal ein Post ohne konzeptionellen Anspruch. In unserem Draft Ordner liegen beinahe mehr Artikel als wir bisher gepostet haben. Mal schauen wann die an die Öffentlichkeit gelangen.

Zurück zum Text – wie war die Next08?

Mhh wie soll ich es beschreiben. Das Gefühl etwas gelernt zu haben hat sich bei mir nicht eingestellt. Die üblichen Besucher der Barcamps waren auch auf dieser Konferenz so dass zu sehr netten Hallo-Szenen und sehr interessanten Gesprächen auf den Fluren des hübschen Gebäudes kam. Um es auf den Punkt zu bringen: Socialsing war super, aber inhaltlich gab es aus den Sessions nichts Neues für mich. = 5 von 10 Punkten. Essen war auch gut. Location war schon fast zu klein.

Der Ablauf der Konferenz + die meisten Sessions lassen sich über http://www.next-conference.com/next08/ abrufen. Naturgemäß konnte ich nicht an allen Vorträgen teilnehmen, aber generell waren die Räume extrem voll. Eine echte Diskussionsatmosphäre konnte und wollte so nicht aufkommen. Interessant fand ich die StartUp Sessions. So kann ich endlich ein paar mehr Gesichter mit den entsprechenden Plattformen verbinden. Generell war alles irgendwie von Zeitproblemen geprägt. Die Präsentationen waren weniger auf Inhalt als auf Eigenwerbung ausgelegt. Man hatte kaum Zeit neue Ideen zur verfolgen oder wie eben genannt zu diskutieren. Deshalb sind mir von dem langen Tag inhaltlich nur zwei Dinge hängen geblieben.

Herr Schrader hatte in seiner Keynote einen schönen Vergleich vom Werbung im Wandel der Zeit gemacht. Darin ging es darum, dass klassische Werbung 150 Jahre bestand hatte über die “klassischen” Kanäle die in dieser Zeit enstanden sind = Plakat -> Zeitungen -> Radio -> TV -> Internet und die jetzt aufgebrochen werden, weil sich die Kommunikation durch das soziale Netz von 1:n auf n:n Verhältnisse ändert und damit anders gespielt werden muss. Das Bild werde ich sicherlich nochmal verwenden.

Einen weiteres Bild habe ich von Andreas Glänzer (Last.FM) aufgeschnappt der sich in der Session “Free! Wie wir morgen Musik kaufen” mit Ingo Vandre (SPV) über die Zukunft des Musikkonsums ausgetauscht haben. Ein Kritikpunkt (aus dem Publikum) war, dass bei soviel Millionen Titeln in der Last.FM Datenbank doch auf viel Müll dabei sein müsste und dem Nutzer empfohlen wird. Herr Glänzer antwortete darauf, dass die Musik-Empfehlungen ja auf dem jeweiligen Geschmack basieren und wir auch nicht private Telefongespräche die ggf. nur für uns persönlich relevant und schön sind mit dem Nobelpreis-Reden vergleichen bzw. benchmarken. Guter Konter! Aber die beiden Redner diskutieren dieses Thema schon seit fünf Jahren. Eine gewisse Argumentationsroutine lässt sich damit nicht verbergen.

Aber was schreiben denn die Kollegen so?

Es gibt einige die etwas darüber schreiben, obwohl sie gar nicht dort waren?! Andreas von sixgroups fand es super. Entweder habe ich die Idee von SixGroups noch nicht richtig verstanden, oder ihr müsst eure Präsis mal um ein paar Folien á la USP & Co erweitern. Vielleicht Beides? Muss ich mir bei Gelegenheit mal genau anschauen. Klaus Eckfasst ein paar Sessions zusammen. Leider steht nur im Kommentar eine Meinung zu den Inhalten und nicht im Beitrag selbst. Das wäre doch aber genau der Mehrwert den ein Blogger bringen könnte, oder? Der Werbeblogger hat Interviews gemacht. Zu dem “Wie bekomme ich die relevanten Infos” hätte ich übrigens eine Antwort :-) . Sebastian hat auch ein paar Kritikpunkte gebracht, sieht es aber insgesamt positiv. Alex stimmt weitestgehend mit meiner Kritik überein, sieht aber noch Potenzial in der Ausweitung der Konferenz auf zwei Tage. Christian lässt sich von der Web 2.0 Prominenz beeindrucken. Raph ist auch beeindruckt.

Gadowski und Co. reichen mir nicht aus, um mich zu beeindrucken. Wo sind die Popstars? Immerhin waren wirklich wichtige Leute von Amazon (z.B. Vogels) und Yahoo (äh wie heißt der Yahoo Innovations Boss nochmal?) da. Die findet man bloß nicht auf den üblichen gründerszene Videos.

Eine letzte These um diese Uhrzeit: Wenn ein Start Up sagt, dass es erst mal Nutzer sammelt und den Dienst professionalisiert, um dann später mit noch nicht definierten Premiumdiensten Geld zu verdienen, sollte jeder Investor sofort nach Hause gehen. Dieses “Geschäftsmodell” war übrigens Basis bei gefühlt über 50% der Start Ups in der Start Up Session.

Und noch ein paar Bilder

Frau Wilson von Yahoo bei der Keynote.

KeyNote Geraldine Wilson von Yahoo

Lecker Essen

Next Zelt

Thema: Allgemein | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Was macht eigentlich Joost?

Montag, 5. Mai 2008 1:02

Video hat das Netz erobert – knapp 35% der deutschen Onliner nutzen bereits Videoportale im Internet. Die Angebote reichen von selfmate 10-Sekunden-Clips bis zum Hollywood-Blockbuster, der als Video-on-Demand zum kostenpflichtigen Download bereitsteht. Aufgrund der Verbreitung von DSL-Anschlüssen, stellt die Übertragung der Inhalte keine Hürde mehr da.

Schon seit längerem ist eine Verschiebung in der Mediennutzung zu beobachten. So stellte Media Control kürzlich fest, dass sich die durchschnittliche TV-Sehdauer der 14- bis 29-jährigen Deutschen von 140 auf 133 Minuten täglich verringert habe. Die Befragten sind allerdings nicht weniger an Videoinhalten interessiert, sondern nutzen für ihren Konsum zunehmend andere Zugangswege.

Zu den neuen Zugangswegen gehören neben den Webportalen wie YouTube, MyVideo, Clipfish auch lokal installierte Software zum Streamen von Videoinhalten. Interessant ist hierbei, dass die gesamten “Medienzeitbudgets” wachsen. D.h. es wird in Summe mehr Zeit mit Medien wie Zeitschriften, DVDs, TV etc. verbracht. Eine Ursache ist hierfür die zunehmende parallele Nutzung verschiedener Medien.

Je nach Quelle wird angenommen, dass bis 2010 zwischen 1 Mio. und 2,8 Mio. Haushalte Fernsehen über das Internet (IPTV) empfangen werden. Grund genug, einmal einen Blick auf das bereits länger aktive Joost-Projekt zu werfen.

Das Joost-Projekt wurde bereits Ende 2006 gestartet und ist ein Nachfolgeprojekt der Skype- und Kazaa-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis. Für eine entsprechende Aufmerksamkeit war dementsprechend von Beginn an gesorgt.

Inzwischen haben sich neben Joost zahlreiche alternative Projekte etabliert. Die bekanntesten Vertreter sind: Miro, blinkx, Zattoo, Babelgum und VeohTV.

Zurück zu Joost

Die Software ist 11 MB groß und schnell heruntergeladen. Bevor es nach der Installation richtig losgehen kann, ist eine kostenlose Registrierung notwendig. Zum Glück können die Logindaten gespeichert werden, so entfällt die Anmeldeprozedur bei den späteren Programmstarts.

Nach dem Hinweis “Connecting” geht es auch schon gleich los – das erste Video startet. Warum als erstes ein Musikvideo von dem mir unbekannten Musiker Samim gezeigt wird ist mir unbekannt. Egal – erstmal schauen, was Joost an Inhalten zu bieten hat. Also Pause und ins “Explore”-Menü.

Laut joost.com werden derzeit über 20.000 TV Shows und mehr als 400 Kanäle angeboten. Bei diesem Umfang ist “normales” Zappen kaum noch möglich und es werden intelligente Such- und Empfehlungsmechanismen benötigt. Joost versucht dieses Problem über bekannte Kategorien wie z.B. Cartoons, Entertainment, News und Sports. Wie man an dieser Stelle bereits merkt, gibt es leider noch keine lokalisierte Version, Menüs und Hilfen sind also in englisch. Zum Thema Lokalisierung später noch mehr.

Mal schauen, ob ich in den über 20.000 Shows etwas Interessantes finde… Nach ein paar Klicks durch die schön und flüssig animierten Menüs lande ich bei Dokumentationen. Mhm, knapp 30 Channels zur Auswahl, von denen mir eigentlich nur CNN etwas sagt. Bei jedem Channel hat man nun die Option direkt zu starten oder eine einzelne Sendung des Channels zu wählen.

Ich starte einfach mal CNN und nach 3 Sekunden Wartezeit geht es mit einer Reportage aus Cuba los. Bild und Ton ist überaschend gut. Die Übertragung der Inhalte findet per P2P statt. D.h. die von mir geladenen Videos stelle ich gleichzeitig auch anderen Nutzern zur Verfügung, die wiederum u.a. von mir die Inhalten runterladen. Dies reduziert die notwendige Infrastruktur zur Bereitstellung der Inhalte seitens Joost ernorm. Jedoch hat dieses Verfahren auch einen entscheidenden Nachteil: Aktualität der Inhalte. Die Videos müssen nämlich erst in das P2P-Netzwerk distribuiert werden, bevor sie allen Nutzer zur Verfügung stehen. Inzwischen experimentiert Joost allerdings auch mit Liveübertragungen.

Die P2P-Eigenschafen der Software zeigen sich auch beim vermeintlichen beenden des Programms. Joost geht zunächst in den Standby-Modus und bleibt hierbei in der Taskleiste aktiv. Erst Rechtsklick, “Exit” schließt Joost vollständig. Der Grund hierfür ist, dass die Software im Hintergrund möglichst weiterhin die heruntergeladenen Videos an andere P2P-Clients verteilen soll.

Die Inhalte sind derzeit fast ausschließlich auf englisch. Es soll eine Lokalisierung geben, die in Europa manche amerikanischen Videos aus lizenzgründen jedoch nicht anzeigt. Vielleicht finden sich aus gleichem Grund französische Videos in meiner Auswahl. Schade, dass ich keine deutschen Videos gefunden habe.

In den USA werden die vielen Werbeunterbrechungen kritisiert. Zu Beginn meiner Joost-Erfahrungen (vor ca. einem Jahr) hatte ich auch Werbeunterbrechungen erhalten. Diese bleiben, vermutlich auch aus Lokalisierungsgründen, inzwischen aus. Schade, hätte ich aus Commerce-Sicht interessant gefunden.

Nun bleibt für mich noch die Frage der Nutzungssituation(en), in denen Joost zum Einsatz kommen kann. Diese Betrachtung ist natürlich vor Hintergrund einer sog. Kanibalisierung der Medien interessant. Vielleicht ist Joost ja aber auch eine Ergänzung zu bestehenden Formaten?

Ich habe Joost auf meinem Laptop und über den Fernseher getestet. Auf einem PC oder Laptop bietet sich Joost nur als alleiniges Medium an. Wenn es läuft, benötigt es die volle Aufmerksamkeit. Nebenbei im Internet surfen geht nur sehr mühsam. Den Browser und Joost kann man nicht auf Vollbild haben und muss sie irgendwie nebeneinander arrangieren – nicht sehr angenehm. TV schauen neben bei geht auch nicht, so bekommt man von beidem nichts mit. Zwei Dokus parallel sind zu viel ;-) Letztlich kann man Joost “nur” als TV-Ersatz verwenden und parallel damit leider der Rechner blockieren.

Fazit

Für einen wirklichen TV-Ersatz hat Joost jedoch noch zu wenig und zu wenig aktuelle Inhalte zu bieten. Insb. Kinofilme wären hierfür ideal, allerdings aufgrund derzeitiger Lizenzprobleme sind gerade diese utopisch.
Dann bleibt noch das Problem des “blockierten” Rechners, welches aus meiner Sicht nicht zu unterschätzen ist. Ich surfe eigentlich immer parallel zum Fernsehen, gerade bei längeren Sendungen/Filmen, wie sie z.B. Joost anbietet. Bei 30 Sek.-Clips á la YouTube ist dies hingegen nicht von Relevanz. Commerce-Relevant ist Joost derzeit noch nicht. Werbeclips und deren mögliche Interaktivität wären der naheliegenste Ansatz, allerdings sind diese insb. in Europa derzeit noch weit entfernt. Interessant bleibt eine Beobachtung der IPTV/WebTV-Entwicklung jedoch allemal, Warner hat gerade zum nächste Schlag ausgeholt und bietet zukünftig Videos zeitgleich als Verleih-DVD und als VoD an.

Thema: Commerce, Technologie | Kommentare deaktiviert | Autor: Florian Hermsdorf