Die Grenzen von Live Shopping

Jochen Krisch hat auf seinem Blog über das abflachende Wachstum von Shirt.Woot! geschrieben. Ich halte Live Shopping für ein interessantes Konzept, um auf Produkte aufmerksam zu machen die im Impuls-Geschäft funktionieren können. In letzter Zeit sind abflachende Umsatzkurven in diesem Bereich besonders stark zu beobachten. Ein Anlass mal einen Blick auf das Geschäft zu werfen.

Ware
Von preisbock über guut bis woot.com lässt sich Ware aller Art bei diesem Konzept beobachten. Abhängig von der Einkaufs- und Verhandlungsmacht der einzelnen Anbieter liegt die Warenqualität mal bei Resterampequalität und mal wirklichen Krachern. Die Mischung daraus macht wohl den Profit, aber das ist seit Jahrzehnten so im Handel. Die Diskussion um die rechtliche Betrachtung von Lockangeboten ist hier durchaus mal angebracht in meinen Augen, egal wie werbend sie auch ist.. Meines Erachtens wird sich das aber legen, weil die meisten Anbieter diese Lockangebote langfristig gar nicht finanzieren können – aber zurück zum Warenthema. Die Kunden die auf der Suche nach dem TFT Schnäppchen sind werden mit hoher Wahrscheinlichkeit durch das Konzept nicht dauerhaft befriedigt, aber diejenigen die das Konzept als Impulskonzept nutzen, können durchaus ihre Freude an guut.de und Co. haben. Meinen TFT habe ich zwar wieder zurückgeschickt, aber ohne die Inspiration von amansis.de hätte ich mir wohl nicht diesen RC Helikopter gekauft.
Halten wir fest: Es gibt also verschiedenen Warenarten in der Wahrnehmung des Kunden. Impulsware wie zum Beispiel der Helikopter und Bedarfsdeckungsware wie zum Beispiel der 32″ TFT oder eine Wii. Ggf. kann man das auch am Preis unterscheiden. Ob die (Restposten) Waren wirklich Schnäppchen sind kann man gut mit einem Quercheck auf www.pearl.de, www.amansis.de, www.silagoutlet.de oder www.restposten.de feststellen. Wenn man dort viele „Restposten“ auf einem Haufen sieht, geht der Warenreiz ein wenig verloren. Man könnte meine Live Shopping erfüllt die Funktion Restposten sexy zu machen. Ergo: Pearl.de benötigt ein Live Shopping Portal. Ich würde sagen, dass T-Shirts eher in den Bereich Impulsware fallen. Um zu beschreiben wieviel Umsatzpotenzial es dafür gibt, muss man sich die Live Shopping Kunden anschauen.

Kunden
Der Live Shopping Kunde…. den typischen Kunden gibt es wie immer im Leben auch hier nicht. Eine n=1 Analyse fällt also flach. Bei den meisten von uns lösen bestimmte Angeboten aus einer richtigen Mischung zwischen Ware und Preis einen Kaufimpuls aus, unabhängig vom Warentyp. Ich denke aber die wenigsten sind einer bestimmten Website besonders treu, sondern verfolgen eher mit Hilfe der Aggreagtoren die Angebote des Tages. Bei T-Shirts ist das Potenzial durch die Konzentration auf eine Warengruppe besonders beschränkt. Das gilt wohl für die meisten Kunden. Da liegt das Potenzial bei ggf. einem Shirt pro Quartal pro Kunde und langfristig eher bei weniger. Wer will schon hundert T-Shirts im Kleiderschrank.

Bei T-Shirts lässt sich also relativ schnell durch 1+1 ablesen, dass das Umsatzpotenzial im Vergleich zu Mischwarenanbietern gering ist. Das ist natürlich relativ zu sehen, weil mir 10 Millionen t-Shirt-Kunden die einmal pro Jahr kaufen lieber sind, als 10.000 die viermal kaufen. Ich würde aber trotzdem sagen, dass Shirt.Woot! relativ schnell an seine Sättigungsgrenze läuft, weil die Kunden die über dieses Konzept ihre Shirts kaufen in der Minderheit sind.

Bei den anderen Anbietern ist das sehr abhängig von der Wareninszenierung. Werden vermehrt Schrottwaren Restposten angeboten sinkt die Loaylität der Kunden zu einzelnen Seiten, bei zuviel Topwaren sinkt die Marge erheblich ggf. wird sie negativ. Es gibt schon viele Absatzkanäle für solche Ware mit denen man als Live Shopping Anbieter in Konkurrenz steht. Die Warenversorgung ist dementsprechend herausfordernd. Es bleiben also die Community und die Inszenierung. Wenn sich die Aggregationsdienste durchsetzen, dann kann diese Karte aber nicht gespielt werden. Auf http://www.liveshoppingguide.de/ interessieren mich die Anzahl der Kommentare und die Inszenierung herzlich wenig. Da zählt nur das Angebot selber.

Schwierige Zeiten also für Single Live Shopping Anbieter. Wer es nicht schafft die Kunden täglich über seine Seite auf sein Angebot abzuholen wird es schwer haben in dem Markt zu bestehen. Die Aggregatoren versprechen schnelle Bekanntheit, zerstören aber den Reiz des Konzeptes. Den nachhaltigen Erfolg oder gar den Gewinn von woot.com und Shirt.Woot! zu kopieren wird also alles andere als leicht.

Kurzer Exkurs: Wer wäre für mich als Live Shopping Anbieter ein Traumkunde? Jemand der täglich auf meine Seite kommt, zufrieden ist dass er nur jedes 40ste mal ein Produkt für sich entdeckt und ggf. noch einen Kommentar abgibt und sich dort zu Hause fühlt. Geht es auch ohne diesen Kunden? Ist dieser Kundentyp im E-Commerce der Zukunft überhaupt noch vertreten. Zum E-Commerce der Zukunft schreibe ich noch was! Versucht euch doch mal an diesen Fragen.

Fazit: Super Konzept mit beträchtlichen Risiken und beschränkten Potenzialen. Kommt aber „noch“ nicht in den Konzept-Deathpool.

0 Gedanken zu „Die Grenzen von Live Shopping

  1. Pingback: Live Shopping: Warum eigentlich nur ein Produkt pro Tag? » Tipps, Muster, Checklisten, News, Urteile für Online-Händler » shopbetreiber-blog.de

  2. Ich denke, dass Aggregatoren eine nette Hilfe sind, aber auf lange Sicht einfach ein Großteil der Liveshoppinganbieter einfach wieder aufgeben werden. Und der „durchschnittliche“ Livekunde seine 3-4 Lieblingsseiten ansurfen wird.
    Anders sehe ich ehrlich gesagt auch keien große Zukunft für Liveshopping.

  3. Genauso wie die Betreiber von Live Shopping Angeboten aufgeben müssen, werden auch einige Aggreagtoren aufgeben, weil es einfach keinen Sinn macht diese Angebote zu unterhalten. Vielleicht entwickeln sich noch interessante Nischen für solche Konzepte bei denen die Händler etwas davon haben diese Restposten loszuwerden. Im Wettbewerb um Technikschnäppchen wird kein Live Shopping Portal überstehen. Vielleicht schaue ich mir statt der Aggregatoren in Zukunft deinen Blog an. Wirklich sehr interessant!

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  6. Hi Tim, danke der Nachfrage. Ich denke, dass der Markt die Ideenlosigkeit der Liveshoppinganbieter bestraft. Das lässt sich an den aktuellen Entwicklungen schön verfolgen. Wer tatsächlich glaubt mit Hartware über den Preis ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen, der sollte es gleich lassen. Es gibt sicherlich Potenzial für Nischenkonzepte (z.B. niboki) und Funktionskonzepte (z.B. Q des Tages), aber für 99% der aktuellen Anbieter gibt es keinen Exit!