Beiträge vom März, 2008

Facebook vs AOL vs Commerce

Montag, 31. März 2008 23:16

Jeder redet über Facebook. Da muss ich natürlich dabei sein und ggf. ein paar Gedanken Richtung Commerce entwicklen.

Vor ca. 9 Monaten gab es in der amerikanischen Blogszene eine Debatte um das Thema “Facebook is the new AOL”. Angestoßen durch einen Gedanken von Scott Heiferman:

AOL 94 vs. Facebook 07 While at Sony in 1994, I was sent to Virginia to learn how to build a Sony “app” on AOL (the #3 online service, behind Compuserve & Prodigy at the time) using AOL’s proprietary “rainman” platform.

Fast forward to Facebook 2007 and see similarities: If you want access to their big base of users, develop something in their proprietary language for their people who live in their walled garden.

Jason Kottke hat daraufhin ein paar Gedanken zu Facebook formuliert, die aufzeigen was die Gefahr von proprietären Anwendungen sein können:

What happens when Flickr and LinkedIn and Google and Microsoft and MySpace and YouTube and MetaFilter and Vimeo and Last.fm launch their platforms that you need to develop apps for in some proprietary language that’s different for each platform? That gets expensive, time-consuming, and irritating.

Das führte zu diversen Reaktionen, bei der eine Meinung von Jeff Jarvis besonders hervorsticht:

AOL was closed to give AOL control over us and our money. Facebook is closed to give us control over our identities and communities. AOL tried to “own” — their language back then — our relationship with them. Facebook enables us own our relationships with our friends.

Diese Sichtweise ist bemerkenswert, denn sie führt die Diskussion in eine ganz entscheidende Richtung. Die Angst von Kottke ist sicherlich nicht mehr aktuell, weil Google mit seiner Open Social Strategie alle eines Besseren belehrt und meines Erachtens auch Facebook langfristig alt aussehen lässt. Aktuell erlebt Facebook einen riesigen Boom durch seine F8-Strategie, allerdings ist dieser Vorsprung bei einem halbwegs brauchbaren Open Social Ansatz dahin und schon steht man wieder nur bei Werbung. Ok, das ist unfair :-) .

Ich stimme übrigens Jeff Jaris zu der der Meinung von Heifermann ein sehr schönes Argument entgegenstellt, allerdings halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass sich Facebook langfristig die Applikation-Cashcows selber einverleibt. Bei mittlerweile über 20.000 Applikationen wird sich schon etwas Einträgliches finden. Würde ich genause machen als Facebookbetreiber. Es bleibt also abzuwarten, ob sich Facebook langfristig in eine ähnliche Richtung bewegt wie AOL “My House, My User!”, oder ob sie sich mit ggf. geringen Margen auf Provisionsbasis zufrieden geben “My Market, your User!”. Beides ist meines Erachtens noch nicht abzusehen, und das sollte bei allem Hype um Facebook nicht vergessen werden.

Was das für Entwickler bedeutet ist klar. Sie dürfen die Cash Cows finden, Facebook wird sie nutzen. Gibt es eigentlich schon eine Art Musterschutz für Applikationen oder darf Facebook alles damit machen. Ggf. so wie Adobe mit den mE skandalösen “mir gehört alles, ätsch bätsch” AGB.

Was hat das eigentlich mit E-Commerce zu tun? Auf den ersten Blick erstmal nix. Allerdings wollen wir hier ja ein wenig in die Glaskugel blicken.

Status Quo:
Viele Händler verhalten sich genauso wie AOL vor 10 Jahren. Wobei es hier nicht um “MyCustomers”, sondern um “MyProducts” handelt. Händler haben lange sehr restriktiv ihre Daten respektive ihre Produkte beschützt und nur teilweise durch Partnerprogramme nach außen gelassen. Das hat/hatte diverse Gründe. Kontrollverlust, Angst vor Mißbrauch, Vermarktbarkeit, Aversion der Produktpartner…. und viele andere. Jetzt kommen die offenen Plattformen wie Smatch, Edelight und Co.  und bauen ihre eigenen Applikationen mit Warenzugang, weil die eigentliche Ware (respektive Nutzer) noch bei den Händlern ist. Man stelle sich vor, dass Facebook seine Plattform schließt und beschützt und deshalb intelligente Applikationentwickler eigene Portale bauen an die sich die Nutzer anschließen. Jeder würde sagen, dass das die falsche Strategie wäre. “Es wäre doch traumhaft, wenn es Entwickler gäbe, die ihre Social Commerce Applikationen auf Handelsportalen entwickeln.” Naja, die gibt es aber nicht – behaupte ich einfach mal.

Glaskugel:
Die Diffusion der Zugangswege im E-Commerce ist wohl nicht mehr aufzuhalten – im Interesse des Kunden. Man wird noch deutlich mehr Konzepte sehen und ich erwarte in Deutschland noch eine Menge Wind von Zlio – auch wenn Stefan da anderer Meinung ist. Ich will nicht sagen, dass es den Händlern ähnlich ergeht wie AOL, aber eine protektionistische Grundhaltung ist in keinem Fall zu empfehlen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es open trade Anstrengungen durch Händler gibt. Ein gemeinsamer Check Out, bessere Kundenansprache und insbesondere ein perfekter/personalisierter Warenzugang könnten das Ergebnis solcher Bemühungen sein. Dabei werden die Social Commerce Unternehmen ein kräftiges Wort mitzureden haben. OTTO, Quelle, Amazon und Co. wären dann “nur” noch die Warenlieferanten und so wie Facebook der Nutzerlieferant ist. Die Veredelung der Ware bzw. bei Facebook die Veredelung der Nutzer geschieht dann durch Dritte.

Perspektive: 10 Jahre

Meine Güte, so beim drüberlesen stehen da ein paar einfache Gedanken wirklich lange (=langweilig?) hergeleitet. Ich hoffe die Leser schlafen dabei nicht ein. Um das zu beurteilen brauche ich ein bißchen Leserfeedback. Na, traut sich jemand?

Thema: Allgemein, Commerce, Strategie | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

Die Grenzen von Live Shopping

Montag, 24. März 2008 20:00

Jochen Krisch hat auf seinem Blog über das abflachende Wachstum von Shirt.Woot! geschrieben. Ich halte Live Shopping für ein interessantes Konzept, um auf Produkte aufmerksam zu machen die im Impuls-Geschäft funktionieren können. In letzter Zeit sind abflachende Umsatzkurven in diesem Bereich besonders stark zu beobachten. Ein Anlass mal einen Blick auf das Geschäft zu werfen.

Ware
Von preisbock über guut bis woot.com lässt sich Ware aller Art bei diesem Konzept beobachten. Abhängig von der Einkaufs- und Verhandlungsmacht der einzelnen Anbieter liegt die Warenqualität mal bei Resterampequalität und mal wirklichen Krachern. Die Mischung daraus macht wohl den Profit, aber das ist seit Jahrzehnten so im Handel. Die Diskussion um die rechtliche Betrachtung von Lockangeboten ist hier durchaus mal angebracht in meinen Augen, egal wie werbend sie auch ist.. Meines Erachtens wird sich das aber legen, weil die meisten Anbieter diese Lockangebote langfristig gar nicht finanzieren können – aber zurück zum Warenthema. Die Kunden die auf der Suche nach dem TFT Schnäppchen sind werden mit hoher Wahrscheinlichkeit durch das Konzept nicht dauerhaft befriedigt, aber diejenigen die das Konzept als Impulskonzept nutzen, können durchaus ihre Freude an guut.de und Co. haben. Meinen TFT habe ich zwar wieder zurückgeschickt, aber ohne die Inspiration von amansis.de hätte ich mir wohl nicht diesen RC Helikopter gekauft.
Halten wir fest: Es gibt also verschiedenen Warenarten in der Wahrnehmung des Kunden. Impulsware wie zum Beispiel der Helikopter und Bedarfsdeckungsware wie zum Beispiel der 32″ TFT oder eine Wii. Ggf. kann man das auch am Preis unterscheiden. Ob die (Restposten) Waren wirklich Schnäppchen sind kann man gut mit einem Quercheck auf www.pearl.de, www.amansis.de, www.silagoutlet.de oder www.restposten.de feststellen. Wenn man dort viele “Restposten” auf einem Haufen sieht, geht der Warenreiz ein wenig verloren. Man könnte meine Live Shopping erfüllt die Funktion Restposten sexy zu machen. Ergo: Pearl.de benötigt ein Live Shopping Portal. Ich würde sagen, dass T-Shirts eher in den Bereich Impulsware fallen. Um zu beschreiben wieviel Umsatzpotenzial es dafür gibt, muss man sich die Live Shopping Kunden anschauen.

Kunden
Der Live Shopping Kunde…. den typischen Kunden gibt es wie immer im Leben auch hier nicht. Eine n=1 Analyse fällt also flach. Bei den meisten von uns lösen bestimmte Angeboten aus einer richtigen Mischung zwischen Ware und Preis einen Kaufimpuls aus, unabhängig vom Warentyp. Ich denke aber die wenigsten sind einer bestimmten Website besonders treu, sondern verfolgen eher mit Hilfe der Aggreagtoren die Angebote des Tages. Bei T-Shirts ist das Potenzial durch die Konzentration auf eine Warengruppe besonders beschränkt. Das gilt wohl für die meisten Kunden. Da liegt das Potenzial bei ggf. einem Shirt pro Quartal pro Kunde und langfristig eher bei weniger. Wer will schon hundert T-Shirts im Kleiderschrank.

Bei T-Shirts lässt sich also relativ schnell durch 1+1 ablesen, dass das Umsatzpotenzial im Vergleich zu Mischwarenanbietern gering ist. Das ist natürlich relativ zu sehen, weil mir 10 Millionen t-Shirt-Kunden die einmal pro Jahr kaufen lieber sind, als 10.000 die viermal kaufen. Ich würde aber trotzdem sagen, dass Shirt.Woot! relativ schnell an seine Sättigungsgrenze läuft, weil die Kunden die über dieses Konzept ihre Shirts kaufen in der Minderheit sind.

Bei den anderen Anbietern ist das sehr abhängig von der Wareninszenierung. Werden vermehrt Schrottwaren Restposten angeboten sinkt die Loaylität der Kunden zu einzelnen Seiten, bei zuviel Topwaren sinkt die Marge erheblich ggf. wird sie negativ. Es gibt schon viele Absatzkanäle für solche Ware mit denen man als Live Shopping Anbieter in Konkurrenz steht. Die Warenversorgung ist dementsprechend herausfordernd. Es bleiben also die Community und die Inszenierung. Wenn sich die Aggregationsdienste durchsetzen, dann kann diese Karte aber nicht gespielt werden. Auf http://www.liveshoppingguide.de/ interessieren mich die Anzahl der Kommentare und die Inszenierung herzlich wenig. Da zählt nur das Angebot selber.

Schwierige Zeiten also für Single Live Shopping Anbieter. Wer es nicht schafft die Kunden täglich über seine Seite auf sein Angebot abzuholen wird es schwer haben in dem Markt zu bestehen. Die Aggregatoren versprechen schnelle Bekanntheit, zerstören aber den Reiz des Konzeptes. Den nachhaltigen Erfolg oder gar den Gewinn von woot.com und Shirt.Woot! zu kopieren wird also alles andere als leicht.

Kurzer Exkurs: Wer wäre für mich als Live Shopping Anbieter ein Traumkunde? Jemand der täglich auf meine Seite kommt, zufrieden ist dass er nur jedes 40ste mal ein Produkt für sich entdeckt und ggf. noch einen Kommentar abgibt und sich dort zu Hause fühlt. Geht es auch ohne diesen Kunden? Ist dieser Kundentyp im E-Commerce der Zukunft überhaupt noch vertreten. Zum E-Commerce der Zukunft schreibe ich noch was! Versucht euch doch mal an diesen Fragen.

Fazit: Super Konzept mit beträchtlichen Risiken und beschränkten Potenzialen. Kommt aber “noch” nicht in den Konzept-Deathpool.

Thema: Commerce | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

"Das (wirklich) echte Internet" …ohne Flash

Sonntag, 23. März 2008 20:29

Das iPhone intensivst als mobiles Endgeräte vermarktet, welches nun endlich den Zugriff auf’s “echte Internet” ermöglicht. D.h. kein Surfen mehr auf reduzierten WAP-Seiten und alle vom PC bekannten Internetinhalte sind nutzbar. Soweit die Theorie…

Ich nutze nach einer sehr kritischen Anfangsphase das iPhone inzwischen recht gerne. Es hat noch einige Kinderkrankheiten, die ich aber mit Blick auf eine Softwareversion 2 Mitte diesen Jahres einigermaßen verschmerzen kann. Das Surfen im “normalen Internet” ist aber bereits zum aktuellen Zeitpunkt recht gut gelungen. Generell ist aber auch hier zu beobachten wenn man das Gerät einmal interessierten Neulingen in die Hand drückt, dass die Bedienung sehr sensibel ist und im wahrsten Sinne Fingerspitzengefühl erfordert. Und bei diesen Neulingen handelte es sich nicht um Handylegastheniker!

Was mich abgesehen von einer, nennen wir sie mal filigranen, Bedienung beim Besuch von Internetseiten gestört hat war das nicht vorhandene Copy-And-Paste, die Möglichkeit Links in Tabs zu öffnen (nutze ich im Firefox extrem gerne) und die fehlende Flashfunktionalität.

Es wurde häufig spekuliert, dass Flash noch kommt, inzwischen scheint dies aber endgültig von Adobe dementiert worden zu sein. Adobe begründet die Abkehr von iPhone mit der nicht ausreichend vorhandenen Rechenleistung, Apple sieht dies vermutlich anders. Gründe für den Rückzieher können natürlich auch Differenzen in der Wahl des möglichen Lizenzmodells gewesen sein.

Nun kann man sagen: Flash ist so oder so nutzlos, wird eigentlich auch gar nicht benötigt und wenn eine Seite Flash voraussetzt, ist die Seite Mist. Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Viele Seiten des “echten Internets” setzen Flash voraus, was aufgrund der Verbreitung des Flashplayers von über 98% legitim erscheint. Man kann also von einem Quasistandard sprechen, der nun quasi vom iPhone ausgeschlossen wird. Für mich sehr schade, da nun z.B. Situationen wie folgende entstehen:

Ich nutze mit meinem iPhone natürlich die Möglichkeit E-Mails zu senden und zu empfangen. Ab und zu erhalte ich von Freunden nun Links zu sehenswerten YouTube-Videos. Als ich vor kurzem mal wieder eine solche Mail erhalten hatte dachte ich fein, denn das iPhone “kann” ja YouTube. Ja, es kann YouTube-Videos im eigenen Player suchen und anzeigen. Es bekommt aber nicht die Verknüpfung meiner erhaltenen Mail mit dem Player hin, sondern zeigt mir eine YouTube-Seite mit dem Hinweis bitte Flash zu installieren. Hier war also erst mal Schluss :-(

Neben Videoseiten mit ihren Flash-Videoplayern gibt es natürlich noch ein paar andere Seiten, bei denen der Flasheinsatz nicht sinnlos ist. Abgesehen davon soll das Gerät ja das “echte Internet” beherrschen und da gehört für mich die Installation und Nutzung von Plugins wie z.B. Flash dazu. Vielleicht kommt als Alternative ja demnächst MS mit Silverlight um die Ecke, wer weiß…

Für andere “frustrierte” Flashnutzer noch ein Hinweis auf iTransmogrify!, damit lassen sich Flashvideos in den meisten Fällen abspielen. Das ist zumindest ein Anfang.

Thema: Mobile, Technologie | Kommentare (1) | Autor: Florian Hermsdorf

Über dieses Blog

Freitag, 21. März 2008 23:16

Das Kassenzone-Blog widmet sich den Themen EMT-Commerce, Mobile und Technologie. Wir wollen nicht der x-te (Presse-) Nischen-Blog zu diesen Themen sein. Vielleicht gelingt es uns zu den einzelnen Themen ein gutes und konzeptionelles Verständnis zu vermitteln, um mit interessierten Lesern darüber zu diskutieren. Stories aus dem Alltag von Alex und Flo werden hier eher nicht zu finden sein.

Für den Bereich Commerce gibt es leider kaum Blogs die sich konzeptionell mit dem Thema auseinandersetzen. Jochen Krisch tut das für unseren Geschmack zu selten (sonst ist sein Blog super!) und andere schauen auch nur kritisch hin, tragen aber nichts Neues in die Diskussion. Wir wollen das besser machen. Das gilt natürlich auch für die Mobile- und Technologie-Themen. Außerdem ist uns bei diversen Barcamps aufgefallen, dass man für eine inhaltliche Diskussion zu neuen Themen teilweise ein eigenes Blog benötigt, um wahrgenommen zu werden. Tja – hier isses.

Inhaltlich wollen wir also eine Mischung aus exciting commerce, techcrunch, svpg.com und mobile Zeitgeist sein. Konzeptionell soll es etwas weiter in die Richtung Strategie und Bewertung gehen. Vielleicht kommt hier noch als Erweiterung der Deathpool für Konzepte.

Die Inhalte spiegeln unsere private Meinung wider!

Thema: Allgemein | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf

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Freitag, 21. März 2008 17:57

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Thema: Allgemein | Kommentare deaktiviert | Autor: Alexander Graf